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Vorwort

Wieso? Weshalb? Warum?

Artikel


Sandman-Heft Nummer 1 Sandman 1, Panini 2007 New York World's Fair Comics Nummer 1 Netflix-Serie Sandman

Sandman

Gaimans große Grafiknovelle
Das Erscheinen der ersten Staffel einer erfreulichen Verfilmung der Grafiknovelle "The Sandman" bei Netflix, ist nicht nur Anlass, den ersten Sandman-Band "Präludien & Notturni" nochmals zu lesen. Vielmehr interessiert auch der Vergleich der Filmepisoden mit der Comic-Vorlage. Was lässt man im Film aus, was fügt man hinzu? Auf welche Details und Anspielungen muss verzichtet werden, weil der Comicleser mehr Zeit zum Lesen und Hin- und Herblättern hat? Welche Einfälle fügt man im Film hinzu, um die Erzählung unmittelbar verständlich zu machen? Der Autor von "The Sandman", Neil Gaiman, behielt die Kontrolle über die Filmadaption und arbeitete als einer der Produktionsleiter an deren Verwirklichung. – Die 75 Sandman-Hefte erschienen von 1989 bis 1996. Etwa 1996 verbreitete sich im Netz die Sammlung "The Annotated Sandman" von Greg Morrow, die auch heute noch hilfreiche Anmerkungen zu fast allen Sandman-Heften liefert, darunter einen Hinweis auf Wesley Dodds, den ersten Sandman von 1939.
>> Hier weiterlesen zu Sandman 1: Der Schlaf der Gerechten. (adi)

 

Plakat Ritter der Tafelrunde mit Robert Taylor und Ava Gardner Programmheft Prinz Eisenherz Die Schlümpfe und die Zauberflöte Filmprogrammheft Unter schwarzem Visier

König Artus

Die Ritter der Tafelrunde
In Comic und Film sind König Artus mit seinem Hof in Camelot und seinen Rittern Lancelot, Parzival, Gawain, Iwein, Erec usf. in einem Ausmaß präsent, das einem besonders deutlich wird, wenn man sich die Mühe macht, einige Monate lang alles zusammenzutragen und anzusehen, was bei uns zum Thema Artus und seiner Tafelrunde in den Regalen liegt oder bei den Händlern erhältlich ist. Allein der Comicstapel erreicht eine Höhe von nahezu zwei Metern. Die Sichtung aller Filme dauerte Monate. Wegen dieses großen Umfangs, veröffentlichen wir den Artikel zu König Artus in zwei Teilen. Der erste Teil stellt die Artus-Comics, der zweite die Artus-Filme vor. Beide Dokumente sind recht lang (109 und 103 Seiten) und das Herunterladen wird daher eventuell einige Zeit dauern.
>> Hier den Artikel zu den Artus-Comics herunterladen und
>> hier den Artikel zu den Artus-Filmen herunterladen. (hjk)

 

Entdeckung


Billy Jenkins als Cowboy Stützen der Weimarer Republik Billy Jenkins im Kugelhagel

Billy Jenkins

Hommage an einen Zirkusartisten und Romanhelden
Billy Jenkins – sein Ruhm ist mittlerweile ein wenig verblasst, an seine Person erinnern sich vermutlich nur noch wenige Menschen, aber sein Name ist unvergessen, ist untrennbar verbunden mit den Wildwest-Groschenheften der 50er Jahre, ein Synonym geradezu dafür (auch wenn es natürlich weitere Helden dieser trivialen Geschichten gab). Sein Name steht für Abenteuer im Westen Amerikas, im 19. Jahrhundert, im frühen 20. Jahrhundert, für Abenteuer, die ihr Protagonist – ganz wie einst Karl May – nie wirklich erlebt hat. Ihm hat Rainer Gabriel als Autor und Zeichner jetzt eine Hommage gewidmet, eine ebenso kompetente wie liebevolle Arbeit, die das Leben des Zirkusartisten Otto 'Billy Jenkins' Rosenthal nachzeichnet. Bei einer Tournee mit dem Circus Busch durch das besetzte Polen erlitt Rosenthal 1940 durch einen Angriff von Partisanen schwere Verluste und Verletzungen. Trotzdem kam er wieder auf die Beine und zog später mit einer eigenen Wild-West-Show durchs Land.
Hier zu Billy Jenkins weiterlesen (hjk)

 

Veranstaltungen


Erlangen Comic-Salon Messebesucher Halle B Erlangen Comic-Salon Angebot Comichändler Halle A Erlangen Comic-Salon Podium Fachmagazine

Comic-Salon Erlangen 2022

Messezelthallen und Fachgespräche
Der Veranstalter des Comic-Salons zeigt sich sehr zufrieden. Rund 30.000 BesucherInnen seien an den vier Tagen gekommen, was zu den Rückmeldungen der Verlage passt, die von "leicht höheren Umsätze" (Carlsen) bis zu "mehr verkauft als jemals zuvor" (avant) reichen. Das Angebot an die Besucher der drei Messehallen ist enorm. Von kleinauflagigen Liebhaberstücken bis zur Massenzeichenware und zu Merchandise-Artikeln, von antiquarischen Alben bis zu voluminösen Sammelbänden lässt sich vieles finden und – vor allem – vor dem Kauf ansehen oder auch von den KünstlerInnen signieren. Die Warteschlange vor dem Carlsen-Signiertisch von Émile Bravo ("Spirou und Fantasio Spezial") in Halle A ist reichlich lang, bei anderen Verlagen in dieser Halle sieht es ebenso aus. In Halle B steht eine lange Schlange vor dem Schreiber & Leser-Tisch bei André Taymans ("Caroline Baldwin"). Nicht einmal die Hälfte der Messebesucher tragen eine FFP2-Maske, man verlässt sich wohl auf seinen Impfschutz und sein Glück. Der Veranstalter kämpft unterdessen mit so vielen coronabedingten Ausfällen bei seinem Personal, dass es eng wird, vor allem beim kommenden Abbau der Zelte. In einigen Räumen wie in der Orangerie oder den Räumen der Universität wird auf FFP2-Maske bestanden. Das scheint auch kein Problem zu sein, wie man zum Beispiel in der Orangerie bei der Diskussion über den Stand der Comic-Fachmagazine bemerkt (Foto rechts). Alex Jakubowski befragt Gerhard Förster von der "Sprechblase", Matthias Hofmann von "Alfonz" und Volker Hamann von der "Reddition" nach den Charakteristika ihrer Publikationen. Jede richte sich an eine besondere Leserschaft, die die angebotenen Fachartikel in Papierform erwarten. Ein entsprechendes, papierloses Angebot im Internet ließe sich vielleicht mit einer Bezahlschranke oder durch Werbung finanzieren. Man frage sich, wie die Situation in zehn Jahren aussehen wird, wenn die "haptisch" Lesenden, wie Gerhard Förster die Papierleser nennt, weniger werden. Einen besonderen Beifall erhält der anwesende Heiner Jahncke für seine Expertise und jahrelange Mitarbeit bei den Fachartikeln. (adi)
weiter...
Erlangen 2022: VorbilderInnen, Populäre Bilder, Mawil
Erlangen 2022: Max-und-Moritz-Preise
Erlangen 2022: Ministerpräsident mag Comicmuseum
Erlangen 2022: Gelungene Ausstellungen
Erlangen 2022: Comics aus Afrika, ICOM-Preise, Jaja-Wohnzimmer
Erlangen 2022: Einrichtung der Zelthallen
Erlangen 2022: Volles Programm voraus

 
Hermann Comichändler Eckart Schott Deine Mutter als Zombie!

Intercomic - Comicmesse Köln Mai 2022

Sie handeln wieder
Bei frühsommerlichem Wetter startete nach längerer Pause die Intercomic in der Stadthalle in Köln-Mülheim wieder zu einem langem Börsentag. Mit Applaus wurde Hermann ("Comanche", "Duke", "Die Türme von Bos-Maury") gefeiert, der an gleich zwei Signierständen zu Gast war. An den Ständen der Comichändler stapelten sich die langvermissten Kisten und Kartons mit Raritäten und vielen Comics zu Schnäppchenpreisen. Verlage wie Salleck oder All zeigten ihre Neuerscheinungen im Foyer, andere reihten sich in fünf Gängen im großen Saal der Stadthalle zwischen Händler- und Zeichnertischen ein. Im Vergleich zur Intercomic vor der Pandemie war die Börse zwar kleiner, aber gut besucht. Auch schon bevor es im Foyer und im Saal enger wurde, setzten die meisten Besucher aus freien Stücken ihre Maske auf: vorbildlich. Bei den Zeichnern bot Timo Grubing angesichts des nahenden Muttertags an, die Mutter als Zombie zu zeichnen, während Rudolph Perez im bereits 25. Zebra-Sonderband weise daran erinnerte: "In der Tusche liegt die Wahrheit" (Fotos v.l.n.r.: Hermann Huppen, Comichändler, Eckart Schott (Salleck Publications), Timo Grubing). (adi)

 

Schlaglichter


Ukraine: Taras Bulba Ukraine: Panzerkreuzer Potemkin Treppe Ukraine: Mit Feuer und Schwert Ukraine: Holodomor - Bittere Ernte

Ukrainische Geschichte in Film und Comic

Gegen die Fremdherrschaft
Mit der Kiewer Rus, gegründet von nach Südosten vordringenden Wikingern, stellt ein wesentlicher Teil der heutigen Ukraine die Keimzelle des späteren russischen Reiches dar, nahm aber dennoch in der Folgezeit eine eigenständige Entwicklung, die über lange Phasen der Fremdherrschaft und dadurch bedingte Teilungen – von der Goldenen Horde über Litauen und Polen bis zum Zarenreich und der Sowjetunion – zur Herausbildung eines ukrainischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert führte. In dieser langen Zeit sind die russische und die ukrainische Geschichte in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Eine Reihe von Filmen und Comics liefern uns dazu Denkanstöße. (hjk)
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Dorian Gray Knesebeck Dorian Gray Alan Ford Dorian Gray Film 1945

Das Bildnis des Dorian Gray

Ewige Jugend, dauerhafte Schönheit
Ein Porträt, das die Spuren des Alters und des Lebenswandels übernimmt, während der Porträtierte auf ewig jung und schön erscheint, dieses Motiv regte viele Comic- und Film-Autoren an, sich an eine Adaption des Romans von Oscar Wilde zu setzen, mal in ernsthafter, mal in scherzhafter Weise. Die seitenstarke Comic-Adaption von Amálie Kovárová und Petr S’rédl, die 2021 erschien, ist Anlass, auf immerhin zwei Dutzend Comics einzugehen, die sich in den letzten Jahrzehnten ab 1956 mit dem lasterhaften Leben des Londoner Lebemannes beschäftigten. Auch über Verfilmungen wird einiges angemerkt, eine Liste der Filme gibt es gleich hier. (adi)
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Schatzinsel Petzi Schatzinsel Long John Silver Schatzinsel Arena

Die Schatzinsel

Mit Long John Silver zur fast verlassenen Insel
Natürlich ist Die Schatzinsel nicht in erster Linie ein Film, sondern ein Roman, die literarische Vorlage für eine ganze Reihe von Verfilmungen, aber auch von Comic-Adaptionen und Übertragungen in andere Medien. Als Roman ist Die Schatzinsel ein klassisches Beispiel jener Bücher, mit denen man die längst zum Klischee gewordene Erinnerung verbindet, sie nächtens im Licht einer Schattenlampe unter der Bettdecke gelesen zu haben (als ob nicht schon die Eltern das gemacht hätten und deshalb im Bilde waren). Der Originaltitel des Romans lautet Treasure Island und ist schon fast eine eingetragene Marke. (hjk) Artikel Die Schatzinsel herunterladen

 
Sammelbild Störtebeker-Album Störtebeker Ralswiek 1997 Störtebekers Schädel

Klaus Störtebeker

Zwölf Meter kopflos
In erster Linie ist in unserer Wahrnehmung die Karibik des 16. bis 18. Jahrhunderts die Region, in der die Piraten ihr Unwesen trieben. Und die berühmten Piraten, Korsaren und Seeräuber waren demnach allesamt Engländer, ein paar Spanier oder Franzosen, vielleicht mal ein Holländer. Aber die Geschichte der Piraterie ist sehr viel älter, die Schauplätze finden sich in fast allen Ecken der Welt(meere). Einer dieser Schauplätze war im späten Mittelalter die norddeutsche Küste. Und genau hier finden wir den einzigen Deutschen, der als Pirat unsterblich wurde: Klaus Störtebeker. (hjk) Artikel Störtebeker herunterladen

 
Slatin Pascha Wüstenkrieger Slatin Pascha im Comic Slatin Pascha im Film

Slatin Pascha

Der Aufstand des Mahdi
Der Sudan heute – das ist nach wie vor ein Land andauernder Bürgerkriege, ein geteiltes Land, das nicht zur Ruhe kommt und wo es den beiden jetzt dort existierenden zwei Staaten nicht gelingt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, Probleme, die ihren Ursprung in den Tagen des Imperialismus und Kolonialismus haben, als europäische Staaten Afrika rücksichtslos unter sich aufteilten. Europäer im Sudan des 19. Jahrhunderts? Da fallen dem einen oder anderen vielleicht auch deutsche Namen ein: zuallerest vermutlich Karl May (1842–1912) und dann Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer (1840–1892), Emin Pascha, und Rudolf Slatin (1857–1932), Slatin Pascha. (hjk) Artikel Slatin Pascha herunterladen

 
Eiserne Maske Vier Musketiere La femme mousquetaire

Die drei Musketiere

Einer für alle, alle gegen Milady
Mögen auch längst nicht mehr so viele den dicken Wälzer mit den Abenteuern der drei (genaugenommen sind es ja vier) Musketiere, den verwegenen Helden aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts, oder gar die beiden weiteren Romane der Trilogie wirklich lesen. Dennoch gehören die in ihnen vorgestellten Motive dank gekürzter Fassungen, unzähliger Verfilmungen, Comics oder auch Bühnenstücken und sogar Musicals zu unserem gedanklichen Gemeingut. (hjk) Artikel Drei Musketiere herunterladen

 
Mutter Theresa Johanna von Orleans Sankt Ursula

Heilige

Heilig, heilig, heilig
Heilige als legendäre Helden? Nun, legendär sind viele von ihnen – nicht zuletzt, da ihre Taten, ja sogar ihr Leben in nicht wenigen Fällen gar nicht eindeutig belegt sind, vielleicht nur Legende sind. Und manche von ihnen, Männer wie Frauen, waren auch Helden und Heldinnen – oft nicht so sehr im herkömmlichen Sinn, sondern eher unter moralischen Aspekten. (hjk)
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Chingachkoog Der letzte Mohikaner Lederstrumpf im Film

Lederstrumpf

Politisch korrekte Indianer
Deerslayer, La Longue Carabine, Hawkeye, Pathfinder, Leatherstocking – all das sind die Namen, unter denen wir Nathaniel Bumppo kennen, eine mythische Figur der frühen amerikanischen Geschichte, eine literarische Schöpfung des Schriftstellers James Fenimore Cooper, der in ihm jenen Pionieren der frühen Siedlungsgeschichte ein unsterbliches Denkmal setzte. (hjk)
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Robert Surcouf Surcouf im Film Surcouf im Comic

Surcouf

Pirat für Napoleon
In Frankreich ist Robert Surcouf, als Kaperkapitän – sowohl Pirat wie Freibeuter – in den Napoleonischen Kriegen zu Ruhm gelangt, bis heute ein Held, von Legenden umwoben. Er hat vielfältige Spuren hinterlassen, in der erzählenden Literatur, im Comic und im Film. Überraschenderweise wurde ihm auch in Deutschland ein Kranz geflochten von dem eigentlich durch andere Schauplätze berühmt gewordenen Reise- und Abenteuerschriftsteller Karl May. (hjk)
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Marco Polo Comic Marco Polos Buch der Wunder Max & Luzie bei Marco Polo

Marco Polo

Übers Meer, durch die Wüste, bis weit nach China
Das "Buch der Wunder", in dem von den Reisen von Marco Polo berichtet wird, ist ein Beispiel dafür, wie eine Erzählung aus einer mittelalterlichen Handschrift bis in unsere Zeit herübergerettet wird und immer noch Verbreitung findet. Waren es im Mittelalter des 14. Jahrhunderts buchmalerische Ausschmückungen, so sind es in heutiger Zeit Werbecomics oder Zeichentrickfilme, die auf unsere Bilderwelt zu Marco Polo einwirken. (adi)
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Don Quijote gegen die Windmühlenflügel Don Quijote bei Clever & Smart Don Quijote bei flix

Don Quijote

Gegen Windmühlenflügel
Beim Kampf gegen die Windmühlenflügel wird es besonders deutlich: Sein Knappe Sancho Panza bemerkt, dass Don Quijote die Wirklichkeit nicht so wahrnimmt, wie sie ist. Durch das Lesen zu vieler Ritterromane gerät Don Quijote in eine eingebildete Welt und reitet nun als "Ritter von der traurigen Gestalt" durch die Lande. Das hört sich nach einer Steilvorlage für einen Vergleich mit heutigen "Querdenkern" an. (adi)
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Robin Hood Robin Hood als frühe Illustration Robin Hood im Film

Robin Hood

Mit Pfeil und Bogen grün und gerecht
Obwohl heute jedes Kind seine Geschichte – und auch den historischen Hintergrund – kennt, ist es doch sehr zweifelhaft, ob es sich bei ihm um eine historische Gestalt handelt. In der Geschichts- und Literaturforschung ist das zumindest immer noch umstritten. Sehr wahrscheinlich aber dürfte die Existenz historischer Bezüge für die literarische Überlieferung sein. (hjk)
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Zorro im italienischen Comic Zorro im Film Fuchsis Zorro

Zorro

Hundert Jahre Z
Man erfuhr es beim Münchner Comicfestival 2019, in Fachzeitschriften und im Fernsehen: Der für Gerechtigkeit streitende Degenfechter reitet seit hundert Jahren durch das spanische Kalifornien. Passend zum Geburtstag entstehen neue Zorro–Comics jenseits der von Disney gewohnten Art, darunter "Lady Zorro" oder sogar eine Begegnung mit Dracula. (adi)
Vortragsfolien Zorro herunterladen

 
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Zeittafeln


Zeittafel 1964 Zeittafel 1964 (adi)
Der US-Präsident Johnson darf mit dem Vietnam-Krieg beginnen, Brasilien wird eine Militärdiktatur, Nelson Mandela kommt ins Gefängnis. DDR-Rentner dürfen Verwandte im Westen besuchen, Willy Brandt wird SPD-Vorsitzender, Fußgänger erhalten auf dem Zebrastreifen Vorrang vor den Autos. "Laurel und Hardy" heißen noch nicht "Dick und Doof", in "Lupo" erscheinen Asterix und Obelix als Siggi und Babarras, Robin Hood rettet Lady Janet. General Jack D. Ripper will den Atomkrieg, Professor Higgins setzt sich für eine gesittete Sprache ein und den Kinobesucher erwarten gleich vier Karl-May-Filme. In den US-Comics tauchen Daredevil und Dussel Duck erstmals auf. "MAD" beginnt mit seinen zusammenfaltbaren Backcovern. In Italien erscheint die erste Ausgabe von "Satanik", gezeichnet von Magnus, geschrieben von Max Bunker. Morris nennt in einem Artikel in "Spirou" die Kunst des Comic die "Neunte Kunst". Zeittafel 1964 herunterladen

 
Zeittafel 1963 Zeittafel 1963 (adi)
In Dallas wird John F. Kennedy erschossen, in Paris der Élysée-Vertrag unterzeichnet, Martin Luther King hält in Washington die Rede "I Have a Dream". Am Kiosk stellt man bei Comics vom Piccolo-Format auf Großbände um. Jürgen Kieser veröffentlicht den ersten "Fix und Fax"-Sammelband, Helmut Nickel zeichnet "Winnetou", Hansrudi Wäscher hat mehr als genug zu tun. Doctor Who beginnt seine Raumzeitsprünge, Freddie Frinton fragt am Silvesterabend erstmals "Same procedure as last year, Mylady?", die Mainzelmännchen kommen. Gitte will einen Cowboy als Mann. Manuela meint, dass der Bossa Nova schuld sei. Mit dem Titel "Les Schtroumpfs noirs" erscheint bei Dupuis das erste Schlumpfalbum, Asterix und Obelix treffen in Lutetia auf Idefix, Jean Giraud und Jean-Michel Charlier starten mit "Blueberry" in Pilote, wo auch Greg mit "Albert Enzian" anfängt. Im englischsprachigen Comic erscheinen 1963 erste Geschichten von Modesty Blaise, Doctor Strange, Doctor Octopus und dem Marvel-Sandman. Zeittafel 1963 herunterladen

 
Zeittafel 1962 Zeittafel 1962 (adi)
Während der Kubakrise schrammt die Welt knapp am Beginn eines Atomkriegs vorbei, in der Spiegel-Affäre steht die journalistische Unabhängigkeit auf dem Spiel und Charles de Gaulle bereitet den Weg zu einem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Einer Reihe von Ankäufen von Comicserien aus französischen und US-amerikanischen Quellen stehen nur wenige Neuveröffentlichungen von deutschen Comiczeichnern gegenüber. Die Beatles, die Rolling Stones und das Pumuckl beginnen ihre Karrieren, Marilyn Monroe singt zum letzten Mal öffentlich. Im Film suchen Banditen nach dem Schatz im Silbersee, die Meuterer von der Bounty nach einer Zuflucht und Jules und Jim nach Catherine. René Goscinny und Jean Tabary erschaffen den ehrgeizigen Großwesir Isnogud und im Album "Asterix als Gladiator" haben die Piraten ihren ersten Untergang. Zeittafel 1962 herunterladen

 
Zeittafel 1961 Zeittafel 1961 (adi)
Die Berliner Mauer wird gebaut, die Invasion in der Schweinebucht scheitert, die Franzosen stimmen für die Unabhängigkeit Algeriens. Der Verlag Walter Lehning versucht es mit Comicabenteuern im Urwald, bei den Rittern, im Western und mit Zeichentrickfiguren. Das dickste deutsche Wörterbuch wird nach 123 Jahren fertig, Perry Rhodan sorgt für Frieden mit der dritten Macht. Das Dorf soll schöner werden, Freddy Quinn schmachtet für La Paloma, Bill Ramsey für die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe. Guido Martina und Pier Lorenzo De Vita schicken Donald Duck als Odysseus übers Meer, bei den Peanuts taucht die lockige Frieda auf, Betty Kane wird das erste Batgirl, in Tintin beginnt Hergé mit "Juwelen der Sängerin". Carl Barks erzählt in "The Midas Touch" erstmals von den bösen Absichten Gundel Gaukeleys. Zeittafel 1961 herunterladen

 
Zeittafel 1960 Zeittafel 1960 (adi)
Der Verlag von Walter Lehning in Hannover ist mit seinen Comic-Neuerscheinungen weiterhin sehr rührig. Kaum ist die Piccolo-Ritterserie "Sigurd" beendet, geht es mit den Piccolos von "Falk" weiter. Zudem schickt er "Daffy" und mehrere Abenteuer-Serien neu ins Rennen um den jugendlichen Leser. Im "Afrika-Jahr" 1960 werden 18 Kolonien unabhängig. Chruschtschow hämmert mit seinem Schuh aufs Pult, eine U-2 wird abgeschossen, ein Vorläufer von GPS startet, John F. Kennedy gewinnt die US-Wahlen. Jim Knopf erreicht Lummerland, Cassius Clay wird Box-Olympiasieger, Rocco Granata singt von Marina. Marion Crane geht zum letzten Mal unter die Dusche, der neue Dr. Mabuse sieht alles und René Goscinny lässt den doofen Rantanplan auf Lucky Luke los. Zeittafel 1960 herunterladen

 
Zeittafel 1949 Zeittafel 1949 (adi)
Die Bundesrepublik und die DDR, der Europarat und die NATO werden gegründet, die Berlin-Blockade wird beendet, die Sowjets zünden ihre erste Atombombe dank Informationen von Spionen aus den USA. In diesem Jahr gibt es im Comicbereich wenige Ersterscheinungen, die meisten sind Neuveröffentlichungen. Es gibt die erste Praktica-Kamera zu kaufen und in Berlin erfindet Hertha Heuwer die Currywurst. Im Kino zeigt man Trümmerfilme, beschreibt Aspekte der Besatzungszeit und erinnert an die NS-Vergangenheit. Peyo zeichnet die Abenteuer der Katze "Pussy" und Carl Barks lässt Tick, Trick und Track in "Rival beachcombers" den Strand nach einem Rubin absuchen. Zeittafel 1949 herunterladen

 
Zeittafel 1948 Zeittafel 1948 (adi)
Jeder Westdeutsche erhält 40 DM. Westberlin wird über eine Luftbrücke versorgt. Der neue Berliner Flughafen Tegel wird in 85 Tagen gebaut. Die neuen in Deutsch erscheinenden Comics des Jahres 1948 erhalten meistens gereimte Texte, aber Konstantin Kusnezows "Jagd auf das Atomgeheinis" zeigt Text in Sprechblasen ohne Verskunst. Auf den deutschen Leinwänden geht es um den Holocaust, einen Justizskandal und den Weiterbau der Welt mit Petrus oder Lucifer. Bei McDonald startet das Fastfood seinen Siegeszug. Suske und Wiske von Willi Vandersteen und Alix von Jacques Martin haben ihren ersten Auftritt im belgischen Comicmagazin Tintin. Zeittafel 1948 herunterladen

 
Zeittafel 1947 Zeittafel 1947 (adi)
Der Winter ist ungewöhnlich kalt, der Sommer sehr heiß in Deutschland. Die Versorgungslage der Bevölkerung ist angespannt. Dennoch erscheinen einige Comics, darunter erstmals auch Hefte französischen Ursprungs. Im Kino sorgt Hildegard Knef für die Aufklärung eines angeblichen Schmuckdiebstahls, Zorros Sohn sorgt für Gerechtigkeit und der kriminelle Hans Albers läutert sich. Der Transistor funktioniert, die Kon-Tiki sticht in See und Maggi fusioniert. Buck Danny fliegt erstmals durch "Spirou". Steve Canyon von Milton Caniff gibt sein Debut zur gleichen Zeit in 168 US-Zeitungen auf einmal. Zeittafel 1947 herunterladen

 
Zeittafel 1945-46 Zeittafel 1945-46 (adi)
Als erster Nachkriegscomic in Deutschland erscheint im Dezember 1945 ein Heft, von Konstantin Kusnezow gezeichnet, dessen Sprechblasentexte in Englisch und Deutsch nebeneinander stehen. Aus der Schweiz kommen Globi-Bücher, in Österreich konkurrieren gleich zwei Kinderzeitschriften um den jungen (Comic-) Leser. Comics werden noch nicht Comics genannt. Im Kino gibt es die ersten Trümmer- und Übergangsfilme. Hildegard Knef verhindert Selbstjustiz, Peter Voss eine Bankpleite, die Presse den Bikini. Morris bringt die erste Geschichte von "Lucky Luke" auf den Weg und Carl Barks zeichnet mit The Riddle of the Red Hat seine einzige Micky-Maus-Erzählung. Zeittafel 1945-46 herunterladen

 
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Lektüre


Berck/Yves Duval: Timmi Tambour Integral 1 Timmi Tambour Integral 1 (Berck/Yves Duval, Kult Comics 2022, 160 S., HC, farbig)
In der Zeitschrift "Tintin" tritt 1961 erstmals ein kleiner Junge namens Timmi auf, der vor den Prügeln seines Ziehvaters flieht und bei Sergeant Kopfnuss in einer Einheit französischer Soldaten Aufnahme findet, die sich dann auf einer Fregatte Richtung Ägypten einschifft. Auf See bewährt er sich und wird zum 1. Tambour ernannt. Man erreicht Kairo und begleitet den Ägyptologen Professor Verdurette auf der Suche nach dem goldenen Ibis des Pharaos So-Phis-Tick. Wer diesen goldenen Ibis besitzt, bliebe unsterblich und unbesiegbar, heißt es. Das weckt das Interesse des Großwesirs Achwas, der die beiden Abenteurer in die Wüste lockt. – Timmi und Sergeant Kopfnuss, die in den 1980er-Jahren auch als "Boni und Babusch" in Fix-und-Foxi- und Lupo-Heften ihre Abenteuer bestanden, führen Napoleons Befehle nach der ägyptischen Expedition 1798 weiter ins Polen des Jahres 1805 und ins Spanien von 1806. 1810 haben sie den Auftrag, im Hafen von Toulon ein Geschenk für den Kaiser abzuholen, was nicht so einfach ist, wie es sich anhört. Das sorgfältig zusammengestellte Buch wiederveröffentlicht in chronologischer Reihenfolge die "Rataplan"-Abenteuerfunnies von Berck (d.i. Arthur Berckmans) und ergänzt diese durch aufschlussreiche Zugaben, darunter ein kurzer Fotoroman mit den Autoren. (adi)

 
Johnson/Guinaldo: Blade Runner 2029 3: Erlösung Blade Runner 2029 3: Erlösung (Mike Johnson/Andrés Guinaldo, Panini 2022, 116 S., SC, farbig)
Der entkräftete Yotun braucht dringend Flüssigkeiten aus anderen Replikanten, um seine Funktionsfähigkeit zu erhalten (siehe Band 2: Echos). Seine Gehilfin Pekka unterstützt ihn auf der Suche nach geeigneten Opfern. Die Blade Runnerin Ash möchte zusammen mit ihrer Partnerin Freysa dem Replikanten Ambrose helfen, dessen Identität gerade aufgedeckt wurde. Jetzt sind sowohl das Los Angeles Police Department LAPD als auch Pekka und weitere Handlanger von Yotun hinter Ambrose her. Die einen wollen ihn "ausschalten", die anderen für Yotun "aussaugen". Esper, dem Leiter des LAPD, kommt der Verdacht, dass Ash ihre Aufgabe als Blade Runnerin nicht mehr erfüllt. Er setzt einen Aufpasser auf sie an. Und auch Freysa bleibt ständig unter Druck, da ihr fehlendes Auge sie verdächtig macht. – Der dritte und letzte Band dieser Blade-Runner-Geschichte stellt neben dem schmerzhaften Einsatz von Ash und Freya für die Replikanten vor allem das weitere Schicksal eines einsamer werdenden Yotuns in den Mittelpunkt. Pekka wird ausgeschaltet. Yotun klammert sich an alte Unterlagen und Erinnerungen, von denen er sich erhofft, dem langfristig drohenden Scheitern seiner Mission zu entgehen. Doch die Erinnerungen eines Replikanten sind nur so umfangreich und verlässlich wie sein Fabrikant es vorgesehen hat. (adi)

 
Mark Millar/Matteo Scalera: King of Spies King of Spies – König der Spione (Mark Millar/Matteo Scalera, Panini 2022, 140 S., SC, farbig)
Auch wenn das Buch den knallharten Kämpfer Roland King als "Superspion" oder "König der Spione" bezeichnet, so handelt die Erzählung dennoch nicht von Spionage. Roland King ist vielmehr eine Art James Bond, ein Geheimagent mit Lizenz zum Morden, der die Gegner der Regierung Ihrer Majestät willig niedermäht und jeder Gefahr zu entkommen weiß. Auch fehlt es ihm nicht an besonderer Ausstattung wie Brillen mit Holo-Verzerrung, einem Handy mit verschlüsseltem GPS (?!), Smart-Piss-Kapseln und einer rettenden Rauchweste. Nach seiner aktiven Dienstzeit führt er als 65-jähriger Sir Roland in London ein ruhiges Leben, erfährt aber nach einem Zusammenbruch, dass er nur noch sechs Monate zu leben habe. Daraufhin beschließt er, die Welt von den "Ungeheuern" aus Politik, Medien, Kirche zu "befreien", deren verbrecherisches Treiben bisher unverfolgt und unbestraft blieb. Der Autor Mark Millar müht sich, in den folgenden Kreuzzug der Selbstjustiz viele irre Effekte einzubauen: halbierte Zwillingskiller, explodierende Banker, durchlöcherte Präsidenten in abstürzenden Flugzeugen. Millar sucht sich für seinen Gewaltausbruch Personen und Missstände zusammen, auf die nicht nur ein bis dato loyaler Agent wütend sein könnte, sondern auch die (englischen) LeserInnen. Doch lässt er andererseits Sir Roland durch die Queen peinlich daran erinnern, seinen Kindern Vorbild sein zu sollen. (adi)

 
Dietmar Reinhard: Leben und Sterben in Auschwitz Leben und Sterben in Auschwitz (Dietmar Reinhard, Bahoe 2022, 104 S., HC, schwarzweiß)
Da denkt man, man kenne von der Ermordungsmaschinerie des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau schon fast alle grausigen Einzelheiten, doch dann erfährt man in der Dokumentation von Dietmar Reinhard durch Bilder und Texte weitere Einblicke in die entsetzlichen Abläufe des von der SS nahe der südpolnischen Stadt Oświęcim betriebenen KZ. Über eine Million Menschen brachten die deutschen Nazis hier um. Erschreckend, wie der Lagerkommandant Rudolf Höß die Anweisungen von Heinrich Himmler offenbar ohne Skrupel so umsetzte, als sei er ein braver Fabrikmanager, der seine Anlage immer weiter auszubauen und effizienter zu machen habe. Diese Dokumentation, zu der auch Aufzeichnungen von Rudolf Höß ausgewertet wurden, mag man kaum "Graphic Novel" nennen, obgleich sie so aussieht. Dieser Begriff lässt zu sehr an eine illlustrierte Erzählung oder an eine schriftstellerisch ausgearbeitete Geschichte denken, als dass sie den hier angereihten, horrenden Tatsachenbeschreibungen gerecht würde. Reinhard setzt seinem wichtigen Buch einen Satz von Hannah Arendt voran: "Sofern es überhaupt ein Bewältigen der Vergangenheit gibt, besteht es im Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat." Dietmar Reinhard arbeitete fünf Jahre lang an dieser Aufgabe. Im Anhang des Buches gibt er die Liste seiner Quellen an. (adi)

 
Dave McKean: Raptor Raptor – Eine Sokół Graphic Novel (Dave McKean, Cross Cult 2022, 144 S., HC, farbig)
Ein Gesicht, das wie Sand im Wind verweht, umrahmt von Blüten, Uhren, Gräten, mit dieser Abbildung auf "The Sandman" #1 begann 1989 eine Serie aus 75 Heften, die dem Titelbildgestalter Dave McKean große Bekanntheit bescherte. Auf dem neuen McKean-Buch "Raptor" betrachten sich ein Falke und eine verhüllte menschliche Figur. Solch ins Bild gesetztes Mensch-Tier-Miteinander erinnert an das zweite Sandman-Heft, wo ein Eulenvogel über drei Gesichtern wacht, oder an sein "Cages" #1, in dem eine Katze ein menschliches Antlitz trägt. Titelbilder und seine grafische Arbeit machten McKean berühmt. Deren Ausdeutung ist oft herausfordernd, sollte man sie denn überhaupt interpretieren wollen und nicht einfach als Zier verstehen. Im Falle von "Raptor" spielt er mit den Herbstbäumen und einem wassergleichen Boden auf sein Eingangszitat aus der Divina Commedia an, demzufolge die Hauptfigur in einer dunklen Zeit ihres Lebens nach dem richtigen Weg sucht. McKean fordert seine LeserInnen heraus, diesem Gedanken und den Zusammenhängen in seiner von ihm geschriebenen Erzählung "Raptor" zu folgen, die aus grafisch abwechslungsreichen Teilen so zusammengefügt erscheint wie seine Titelbildcollagen, quasi als Niederschlag einer Wolke aus Einfällen. Die Hauptfigur ist hier Arthur, der um seine gestorbene Frau Amy trauert. Erleichterung schafft ihm das Aufschreiben einer Geschichte über das Raptor-Sokół-Wesen, die er in einer mit Fremdwörtern protzenden Sprache verfasst. Die Dialogtexte der realen Ebene setzen sich sprachlich davon ab und verdeutlichen Hintergründe, zum Beispiel zur esoterischen Zeremonie, die Arthur führt, oder über das wie ein Pilzgeflecht alles mit allem Verbindende, zu dem Arthur das psychisch womöglich bedenkliche Wahrnehmen von Verbindungen zwischen zusammenhanglosen Dingen erwähnt, die Apophänie. Über dieses Phänomen wird man beim Lesen dieses Comics ins Nachdenken geraten können. (adi)

 
Geoff Shaw/Donny Cates/Jason Wordie: God Country God Country (Geoff Shaw/Donny Cates/Jason Wordie, Cross Cult 2022, 186 S., HC, farbig)
Das Titelbild lässt öde epische Schlachten in der nordischen Götterwelt erwarten. Aber dann überrascht die Geschichte doch angenehm, da sie einen ungewohnten Ablauf nimmt. Wir sehen dort Emmett Quinlan, einen an Alzheimer leidenden Texaner, dem das Schwert Valofax zugeflogen kommt, eine mächtige Klinge selbst Excalibur übertreffend. Emmetts Demenz ist daraufhin verflogen. Sein im Sturm zerstörtes Haus kann er wieder aufbauen und seinen Sohn Roy, seine Schwiegertochter Jane "Janey" und seine Enkelin Deena "Dee" mit Valofax zu beschützen versuchen. Auf der gegnerischen Seite stehen Attüm, Herr des Königreichs Immermehr, mit seinen beiden Söhnen Aristus und Balegrim, die Emmett das Schwert wieder abnehmen wollen. Aber Valofax hat seinen ganz eigenen Willen, erwartet Respekt und bleibt bei Emmett, der das Schwert bitter nötig hat, als die Familie von Balegrims Zombiegesindel überfallen wird. Doch nach dem Überfall ist die kleine Dee plötzlich verschwunden. – Die Erzählung geht von einer realistischen Darstellung der Probleme einer kleinen Familie aus, in der der schwer demente Vater eigentlich in ein Pflegeheim müsste, das aber in aggressiver Weise ablehnt. Durch die dann hinzukommenden Fantasy-Elemente liest sich die Story wie die Beschreibung eines letzten Aufbäumens eines kranken Mannes, der sich noch einmal zu seiner Erinnerung zurückkämpft. (adi)

 
Schuler et al.: Strapazin 148: Ukraine Strapazin 148: Ukraine (Christoph Schuler (Red.), Strapazin 2022, 92 S., SC, farbig)
"Wir arbeiten nicht während Luftangriffen." Dieses Schild in Kiew spricht Bände. ComiczeichnerInnen vermitteln uns im neuesten Strapazin-Heft Eindrücke aus einem überfallenen Land. Es bleibt haften, wie die ukrainische Zeichnerin Mariana Mikitiuk in ihrem Comic "Sommer in Kiew" den Alltag im Krieg beschreibt. Sie zeigt, wie man sich nach Normalität zurücksehnt, wie man sich mit den kriegsbedingten Einschränkungen arrangieren muss oder zur Armee geht. Zhenya Oliinyki erzählt von einem gestorbenen Freund und von einem Ehepaar, das sein Café verkauft, um eine Drohne zu finanzieren. Julia Tveritina schildert intensiv farbig, dass sich ein Vogel (der Freiheit, der Freizügigkeit) in ihrem Küchenschrank befindet, dessen Türen zugeklebt sind. Sie fühlt sich offenbar eingeengt wie die Menschen beim Lockdown in Shanghai im März 2022, auf den sie verweist. Yulia Vus, von der das Heftcover stammt, und andere Autoren gehen auf verschwundene Häuser, Raketen, heulende Sirenen und Luftschutzkeller ein. Ganz entfernt kommen Erinnerungen an Erzählungen unserer Großeltern über Kriegserlebnisse und die Bombennächte 1945 hoch. Drei Beiträge der ukrainischen ZeichnerInnen konnten nicht im Heft untergebracht werden, aber auf strapazin.ch/ukraine sind auch diese veröffentlicht. Es ist eine lobenswerte Tat der Strapazin-Macher, uns durch tiefgründige Zeichnungen die Lage der Menschen in der Ukraine vor Augen zu führen. (adi)

 
Bertrand Galic/Roger Vidal: Fukushima Fukushima – Die Chronik einer Katastrophe (Bertrand Galic/Roger Vidal, Cross Cult 2022, 128 S., HC, farbig)
Seit das Kernkraftwerk Saporischschja im März 2022 durch russische Truppen besetzt wurde, kam es im Laufe der Gefechte bisher zu keinem Austritt radioaktiven Materials. Beim Beschuss wurden entsprechende Anlagenteile zum Glück knapp verfehlt, heißt es. Heikel wurde es aber, als immer mehr Stromleitungen zum Kraftwerk durch die Kampfhandlungen ausfielen. So seltsam es klingt, aber diese gewaltigen sechs Druckwasserreaktoren, die so viel elektrische Energie erzeugen können, brauchen in diesem Fall Strom von außen, damit man sie ausreichend kühlen kann. Zeitweise übernehmen Dieselgeneratoren auf dem Kraftwerksgelände eine Notstromversorgung. Als es im September nur noch für zehn Tage Diesel gab, wurde es sehr gefährlich. Was für Folgen ein Ausfall der Kühlung hat, zeigt die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Dort gelang es nicht mehr, genügend kühlendes Wasser zu den Reaktorkernen zu leiten. Verzweifelt bemühten sich die Angestellten auch mit Hilfe von Autobatterien um eine Notstromversorgung des Kühlsystems. Es kam dennoch zur Kernschmelze und zur Explosion von Reaktorgebäuden, wie uns dieser wichtige, dokumentarische Comic eindrücklich erklärt und bildlich zeigt. In Tschernobyl hob eine solche Explosion sogar den Deckel des Reaktorkerns mit seinen 1000 Tonnen Masse ab. Die freigesetzten radioaktiven Stoffe verseuchen für lange Zeit ganze Landstriche. Man kann nur hoffen, dass es genügend Hirn regnet, damit man zukünftig nur noch an harmlosere Technologien zur Stromerzeugung denkt. (adi)

 
James Tynion IV/Guillem March et al.: Batman Paperback 1: Finstere Pläne Batman Paperback 1: Finstere Pläne (James Tynion IV/Guillem March et al., Panini 2022, 268 S., SC, farbig)
Batman verliert zunehmend an Rückhalt. Nicht nur sein allzeit bereitstehender Butler Alfred Pennyworth ist für immer von ihm gegangen, auch sein Milliardenvermögen scheint in Gefahr. Zudem sieht es zeitweilig so aus, als solle seine geliebte Catwoman (d.i. Selina Kyle), seine vertraute Mitkämpferin in dieser harten Zeit, die finsteren Pläne nicht überleben, die im Verborgenen gegen Batman gesponnen und umgesetzt werden. Der ausgefuchste Plan zu Batmans Untergang stammt vom Designer, einer mysteriösen Gestalt, dessen wahre Identität in diesem ersten Sammelband noch Rätsel aufgibt, der es aber geschafft hat, den Joker, den Pinguin (d.i. Oswald Cobblepot), den Riddler (d.i. Edward Nygma) und sogar Catwoman für seinen Plan einzuspannen. Auf Seiten von Batman übernimmt anstelle von Alfred der technisch überaus versierte Lucius Fox, bekannt als Manager von Wayne Enterprises und der Wayne Foundation, die Rolle des im Hintergrund wirkenden Faktotums. Auch Harley Quinn hilft und gesellt sich zu Catwoman. Aber die beiden treffen beim Gang durch die Kanalisation von Gotham auf Punchline (d.i. Alexis Kaye), der neuen Partnerin des Jokers. Diese versenkt ihre Vorgängerin mitleidslos im Kanal, Splash! Mit diesem Geräusch geht außer Harley gleichsam auch Batman hörbar unter. – Diese gewieft konstruierte Erzählung, in welcher die Erzählzeiten grafisch gut voneinander abgesetzt werden, bietet einer Reihe von Batman-Gegnern Platz für ihre abgrundschlechten Taten. (adi)

 
Jul/Achdé: Lucky Luke 101: Rantanplans Arche Lucky Luke 101: Rantanplans Arche (Jul/Achdé, Egmont 2022, 48 S., SC, farbig)
Da stockt den mitleidsfähigen Lucky-Luke-Fans auf Bildseite 41 dieses neuen Lucky-Luke-Abenteuers dann doch der Atem und dem hartgesottenen Cowboy treibt es die Tränen in die Augen: Tacos Cornseed mit Revolver gegen Jolly Jumper. Doch trotz Gewässers in den Augen gelingt Lucky Luke ein Schuss sondergleichen. Der Texter Jul (d.i. Julien Lucien Berjeaut) hat eine Geschichte mit klassischem Aufbau ersonnen: Eine historische Figur, in diesem Falle ist es der Tierschützer Henry Bergh (1813-1888), dient als Vorlage und gibt Anlass zu einem Streit, aus dem Lucky Luke einen befriedigenden Ausweg sucht. Tacos Cornseed, Ex-Gefängnisgenosse der Daltons, stellt für den radikalen Tierschützer eine Truppe aus Ganoven zusammen, die es durchsetzen, dass aus Cattle Gulch der tierfreundliche Ort Veggie Town wird. Von dort werden Betrüger nicht mehr geteert und gefedert vertrieben, sondern sie werden geteert und belaubt davongejagt. Fleischesser sollen gehängt werden. Der doofe Hund Rantanplan und der durchsetzungsfähige Sohn des Häuptlings der Komantschen tragen einen wesentlichen Teil zum weiteren Verlauf der Auseinandersetzung um den Tierschutz bei. Fast möchte man die ganze Geschichte dieses 101. Lucky-Luke-Albums als Parabel auf gesellschaftliche Zustände verstehen, in denen sich Glaubensgrundsätze durch militante Handlanger zu einem Unterdrückungssystem entwickeln. Aber einen rettenden Lucky Luke gibt es leider nur im Comic. (adi)

 
Willingham/Level/Leisten/Loughridge: Batman vs. Bigby! - Ein Wolf in Gotham Batman vs. Bigby - Ein Wolf in Gotham (Bill Willingham/Brian Level/Jay Leisten et al., Panini 2022, 164 S., SC, farbig)
Was wird man erwarten, wenn eine Märchen-Fantasy mit dem Batman-Universum verknüpft werden soll? Batman sucht den bösen Wolf, Robin trifft auf Aschenputtel, Batgirl verfolgt die Hexen und Frau Totenkinder? Bill Willingham, der sowohl die Serie "Fables" begründete als auch Texte für "Batman" schrieb, versucht es mit einem solchen Crossover. Dazu lässt er zunächst Batman und seine Robins auf den Sheriff aus dem fabelhaften Fabletown, Bigby Wolf, und auf Cinderella stoßen, die sich als Lieutenant Molly Grace auf Seiten der Polizei einmischt. Interessant wird das Hauen und Brennen aber durch eine dritte Partei, nämlich durch die Spießgesellen um den Bücherwurm, einer Figur von 1966 mit großer Leidenschaft für Bücher aller Art, die hier aber aus unerfindlichen Gründen beginnt, im großen Stil Bibliotheken mitsamt ihren Büchern in die Luft zu sprengen. Mit dem Bücherwurm stimmt etwas nicht. Batman und der Wolf sollten möglichst bald seine geheimen Absichten und seinen Hut lüften. Es droht ein finaler Zauberspruch. Das seltsame Gemisch aus zwei Comicwelten wird wohl eher Anklang bei "Fables"-LeserInnen finden, die ihre Figuren und wohl auch Batman und Robin kennen. Umgekehrt werden mit Batman-Stories sozialisierte LeserInnen sich mit der Welt der Fabelfiguren vermutlich eher schwertun, auch wenn die Batmanwelt selbst nicht gerade frei von sonderbarem Personal ist. (adi)

 
Rowell/Antônio/Maresca: She-Hulk 1 She-Hulk 1: Gamma-Neuanfang (Rainbow Rowell/Rogê Antônio/Luca Maresca, Panini 2022, 124 S., SC, farbig)
"Jack, wir wissen nicht, ob du gestorben bist. Nur, dass du explodiert bist", erzählt die sich alles vorbildlich notierende Anwältin Jennifer Walters (d.i. She-Hulk) dem ihr gegenübersitzenden Jack of Hearts (Herzbube, aka Jonathan Hart). Dem halbgesichtigen, herzäugigen Jack scheint die Energie auszugehen. Jetzt ist er ausgerechnet zu She-Hulk gekommen, der er vor geraumer Zeit sehr viel Gamma-Strahlung gestohlen hatte. Sie versucht trotzdem ihm zu helfen. Der damalige Zwischenfall ist Schnee von gestern, der Mangel behoben, sie fühlt sich wie eh und je in Saft und Kraft. Sie stimmt sogar einem Prügeltreff mit Titania (Mary MacPherran), Volcana (Marsha Rosenberg) und Das Ding (Ben Grimm) zu, bei dem sie sich gegenseitig ordentlich eins auf die Glocke hauen können. Das in diesem leicht lesbaren und witzigen Comic im Zentrum stehende Problem ist Jacks Schwäche. Er empfindet sogar wieder Durst und Hunger und legt sich in Jennifers neuer Wohnung zu einem überlangen Schläfchen aufs Sofa. Das hat der lebende Nuklearreaktor seit dem 20. Jahrhundert nicht mehr nötig gehabt. Der ehedem hochexplosive Herzbube macht sich um seine fürsorgliche Gastgeberin deswegen Sorgen: "Jennifer, ich sollte gehen. Ich könnte dir gerade deine Gamma-Strahlung abziehen." - "Nein bleib. Alles gut. Ich fühl mich sehr grün." (adi)

 
Hippolyte/Stevenson: Der Junker von Ballantrae Der Junker von Ballantrae (Hippolyte/Robert Louis Stevenson, Schreiber & Leser 2022, 192 S., HC, farbig)
Eine Literaturadaption der stimmigen und respektvollen Art legt uns Hippolyte (d.i. Franck Meynet) mit seiner Bearbeitung des Abenteuerromans von Robert Louis Stevenson über das zerstrittene Brüderpaar James und Henry Durie vor. Die originale Erzählung mit ihren bemerkenswerten Figuren, den abenteuerlichen Entwicklungen und ihren dramatischen Wendungen gibt Hippolyte nicht nur getreu der Vorlage im Großen und Ganzen wieder, er fügt durch seine grafische Arbeit mit weichen Konturlinien und wasserfarbenen Ausmalungen zudem Stimmungen hinzu, die sich mitzulesen lohnen. Dem/der Lesenden wird es schwerfallen, sich durchgehend gegen die Seite von James zu stellen, der seine Rechte als Junker von Ballantrae durchsetzen will und seiner Familie rücksichtslos auf der Tasche liegt. Aber Henry bleibt auch nicht durchweg ein Sympathieträger, der seine eigenen Interessen hintenanstellt. Hippolyte zeichnet es ihm durch eine überlange Nase und ein spitzes Kinn ins Gesicht. Wenn man also in dieser Geschichte eine positive Figur sucht, könnte man es eher mit dem treuen Diener Ephraim Mackellar halten, der in all den Geschehnissen, die ab 1745 zum Zwist in der Familie Durie führen, die Rolle eines weisen Beraters zukommt. Es sei denn, man empfindet negativ, dass es jemand als Diener derart treu ergeben in einer solchen Familie lange aushält. (adi)

 
Jim Stralin/Bernie Wrightson: Batman - Der Kult Batman - Der Kult (Jim Starlin/Bernie Wrightson, Panini 2022, 212 S., HC, farbig)
Unglaublich wäre, wenn James Bond plötzlich auf die Seite von Spectre wechselte, wenn Frodo mit Sauron gemeinsame Sache machte, wenn Old Shatterhand mit den Kiowas gegen die Apachen kämpfte. Aber mit Batman passiert das Undenkbare: Er wird Teil der unterweltlichen Verbrecherbande des Diakons Joseph Blackfire, einer Bande, gegen die er normalerweise mit all seinen Mitteln vorgegangen wäre. Der Diakon setzt Batman wochenlang Schmerzen, Hunger und Drogen aus. Zunächst hält Batman das noch für gängige Gehirnwäschetechniken, gegen die er dank seiner Stärke ankommt. Aber letztlich erliegt er den Methoden des Diakons und wird "umgedreht". Er beteiligt sich tatsächlich am Ziel der Übernahme Gotham Citys durch Blackfires Armee der Obdachlosen. – Diese Batman-Erzählung aus dem Jahr 1988 hat eine Neuauflage schon deswegen verdient (die letzte Ausgabe in Deutsch erschien bei Hethke 1989/90), weil der Autor Jim Starlin auch darauf abzielt, die Folgen aufzuzeigen, die sich aus religiösem Wahn und populistischen Maßnahmen ergeben können. Ein weiterer Grund für eine erneute Veröffentlichung dürfte Bernie Wrightson sein, dessen Zeichenstift im Horrorcomic für Eindruck sorgt. Man denke nur an die Laborszene aus "Frankenstein". Eine doppelseitige Zeichnung steuert Wrightson auch diesem Comic bei, als Robin in der Kanalisation endlich den gefesselten Batman findet, der auf einem Berg von Leichen steht und ihn schwächer werdend begrüßt: "Willkommen in der Hölle". (adi)

 
Jaouen Salaün: Asphalt Blues Asphalt Blues (Jaouen Salaün, Schreiber & Leser 2022, 208 S., HC, farbig)
Während Mickael aufs Meer hinausschaut, sitzt Nina ihm den Rücken zukehrend in der offenen Tür des Wagens und telefoniert. Das Titelbild setzt den Kern der Erzählung ins Bild: Nina wendet sich von Mickael ab, da er von seinem Verhältnis zur Tänzerin Helen nicht ablässt. Klare Entscheidungen fallen Mickael schwer, also entscheidet Nina. Mickael und Nina setzen ihr Leben mit anderen PartnerInnen fort, was sich aber bei beiden Paaren wiederum zu einem problematischen Miteinander entwickelt. Nina lebt mit Timothy Fordson, der als Regierungssprecher und hochrangiger Vertreter eines Energiekonzerns unter enormem Druck gerät. Mickael Mayer heiratet Helen und wird durch deren Selbstmordabsichten stark belastet. Der Autor Jaouen Salaün wollte diese Erzählung wegen des Auf und Abs ursprünglich "Wellengang der Liebe" nennen, was wie ein Buchtitel von Rosamunde Pilcher klingt. Das ließ er zum Glück bleiben, es wäre irreführend. Diese Graphic Novel ist keine simple Liebesromanze. Denn Salaün wählt als Kulisse für die im Jahr 2038 spielende Geschichte über Probleme in Liebesbeziehungen die Auseinandersetzung über umweltgefährdende Machenschaften des mächtigen Energiekonzerns Techeco. Beide Paare sind in das Für und Wider eines Techeco-Großprojekts verwickelt. Bei beiden Männern steht am vorläufigen Ende ihres Weges ein Auto. Der Verbrenner führt in den Knast, das selbstfahrende Elektroauto ins Familienglück, oder? (adi)

 
Tom King/Bilquis Evely: Supergirl - Die Frau von morgen Supergirl – Die Frau von morgen (Tom King/Bilquis Evely, Panini 2022, 228 S., SC, farbig)
"Jeden Tag schleppte sie diesen toten Planeten mit sich herum": Kara Zor-El entkommt wie ihr Cousin Kal-El dem Untergang ihrer kryptonischen Heimatwelt in einer Rettungskapsel. Als 14-jähriges Mädchen wird sie von ihrem Vater mit der Mahnung "Sei brav!" verabschiedet, den letzten Worte ihrer sterbenden Mutter. Damit hat sie als Supergirl eine ewige Last zu tragen, denn brav sein, das heißt auch, dass man anderen in ihrer Not beisteht und dass man selbst Weltraumsuperschurken wie Krem aus den Gelben Bergen trotz all seiner bestialischen Taten nicht einfach auslöscht. Dieser brutale Schlächter hat den Vater von Ruthye Marye Knoll ermordet. Die junge Frau will Rache nehmen. Supergirl hilft. – Von den acht Heften dieses Gesamtbands kommt dem sechsten Heft mit dem Titel "Heimat, Familie und Zuflucht" eine besondere Bedeutung zu. Hier wird nicht nur die Herkunftsgeschichte von Supergirl erzählt, was angesichts mehrerer existierender Varianten hoffentlich richtungsweisend ist, sondern es werden auch Beweggründe für Supergirls Handeln deutlich, die offenbar zum Teil auf die elterliche Weisung zurückgehen. Ruthye zu helfen verknüpft sie vorgeblich mit der Absicht, ihren Hund Krypton retten zu wollen. Als zweites Supertier spielt Comet, das Superpferd, in dieser kurzweiligen Erzählung eine wichtige Rolle, ohne das kampferprobte, kryptonitbewaffnete Briganten dem Ganzen zu früh ein Ende gesetzt hätten. (adi)

 
Stjepan Sejic: Harleen Harleen (Stjepan Šejić, Panini 2022, 212 S., SC, farbig)
Mit lobenswert wissenschaftlichem Ehrgeiz müht sich Dr. Harleen Quinzel um die finanziellen Mittel, ihre Theorie von der Empathie-Degeneration bei Gewalttätern zu belegen und damit Methoden zu entwickeln, die das Kriminalitätsproblem Gothams zu mindern helfen. Sie möchte Soziopathen frühzeitig erkennen. Als Ort für ihre Vergleichsstudie schlägt sie die Strafanstalt Blackgate Penitentiary und das von Dr. Hugo Strange geleitete Arkham Asylum vor, die psychatrische Anstalt, in der auch der Joker einsitzt. Schon glaubt sie, dass sich kein Geldgeber für dieses Foschungsvorhaben findet, als sich Lucius Fox von der Wayne-Stiftung meldet und ihr die Forschung im Arkham Asylum ermöglicht. Sie beginnt dort ihre langwierige Gesprächsarbeit mit Poison Ivy, Killer Croc, dem Riddler und anderen und schlägt die Bedenken des skeptischen Hugo Strange in den Wind. Das Schicksal der ehrgeizigen Psychologin ist den ComicleserInnen wohlbekannt: Als Harley Quinn wird sie ihren erfolgreichen Weg durch diverse Comicerzählungen finden und sich später zum Glück noch weiter verändern. Stjepan Šejić nimmt sich ausreichend Platz, um die Wandlung Harleens von der seriösen Forscherin zur verliebten Träumerin an Jokers Seite in nachvollziehbaren Schritten und beeindruckenden Bildern zu beschreiben. In welchem Maße der Joker Harleens Gefühle teilt oder diese nur geschickt ausnutzt, bleibt dabei ein Superschurkenrätsel. (adi)

 
Rosenberg/Merino: Der Joker - Die geheimnisvolle Rätselbox Der Joker - Die geheimnisvolle Rätselbox (Matthew Rosenberg/Jesús Merino, Panini 2022, 252 S., SC, farbig)
Das Wort Rätselbox im Titel dieses Joker-Comics lässt voreilig vermuten, das Buch sei eine Sammlung von Rätselseiten wie man es von "Knobelix" oder anderen Asterix-Rätselbücher kennt. Nein, so ist es nicht. Dieses Buch erzählt eine längere, variantenreiche Superschurken-Geschichte, bei der Mr. Freeze, Professor Pyg, Bane, Harley Quinn, Poison Ivy, Two-Face, Catwoman und Konsorten hinter den Teilen einer vielversprechenden und rätselhaften Box her sind. Dem Joker und Clayface (d.i. Basil Karlo, der Gestaltwandler) kommen dabei entscheidende Rollen zu. Als der Riddler (d.i. Edward Nygma) tot aufgefunden wird, sperrt man zur Klärung des Mordfalls die ganze Bande an Superschurken samt Joker im Gotham City Police Department in einen Käfig. Man darf annehmen, dass sich die eigenwilligen Gefangenen bald gegenseitig an den Kragen gehen werden. Commissioner James Gordon und seine Kollegen verhören sie nach und nach. Der Joker tischt den Polizisten bereitwillig und redselig seine Version der Abläufe auf, während die Ergebnisse der Verhöre der anderen Schurken dem Joker und sich gegenseitig widersprechen. Den LeserInnen bieten die sieben in diesem Band versammelten Hefte Gelegenheit zum Miträtseln über den Zweck der Rätselbox und zum Wiedererkennen der wirklich zahlreichen Superschurken des Batman-Universums. (adi)

 
Minetaro Mochizuki: Dragon Head Perfect Edition 1 Dragon Head Perfect Edition 1 (Minetaro Mochizuki, Carlsen 2022, 432 S., SC, schwarzweiß)
Mit neuer Übersetzung, neuem Lettering und neu gemachten Pengwörtern erscheint das erste Buch dieser "perfect edition" im Umfang von zwei Bänden der Planet-Manga-Taschenbuchausgabe von 2001/2002. Die neue Übersetzung kommt der Geschichte sehr zugute. Sie begleitet die Bilder sprachlich deutlich besser als die Erstübersetzung (nur verwundert es, dass das Mädchen Ako zur 1. Klasse einer Schule gehören soll). Zwanzig Jahre nach dem bei uns ersten Erscheinen dieses zu den Klassikern zu zählenden Mangas erlebt man die horrenden Erlebnisse der Eingeschlossenen noch einmal wie neu. – Nur zwei Schüler und eine Schülerin überleben das Unglück, als ihr Schnellzug auf ihrer Schulfahrt in einem Tunnel von einem Erdbeben erfasst wird. Vor und hinter dem Zug ist der Tunnel verschüttet. Der Schüler Teru Aoki sucht zwar ängstlich, aber mit Bedacht nach einem Ausweg aus der beklemmenden Lage, während sein Schulkamerad Nobuo Takahashi durchzudrehen beginnt, das Mädchen Ako Seto bemalt und erniedrigt und Teru mit einer selbstgebastelten Lanze angreift. Die psychischen Belastungen, denen die drei Jugendlichen ausgesetzt sind, die unheimlichen Geräusche und Wahrnehmungen in der Dunkelheit lässt der Autor auf weit über vierhundert Seiten sehr deutlich werden. Atemlos geht es immer weiter durch die Nacht, bis sich hoffentlich endlich ein Ausgang aus dem Tunnel finden wird. (adi)

 
Tom King/Greg Smallwood: Human Target 1 Human Target 1 (Tom King/Greg Smallwood, Panini 2022, 192 S., SC, farbig)
Als menschliche Zielscheibe verdingt sich Christopher Chance bei Lex Luthor. Seine Aufgabe ist es, Anschläge auf den (fiesen) Wirtschaftsmagnaten dadurch zu verhindern, dass er in die Rolle eines perfekten Doppelgängers von Luthor schlüpft und die Attentäter damit in die Irre führt. Tatsächlich schafft es der mit einer Schutzweste abgesicherte Verkleidungskünstler, eine Kugel, die Luthor gilt, auf sich zu lenken und den Schützen auszuschalten. Doch einen gleichzeitigen Giftanschlag bemerkt Chance zu spät. Er hat den tödlichen Kaffee bereits getrunken. Doctor Mid-Nite untersucht Chance, stellt im Gift altertümlichen Wasserstoff fest und gibt ihm Pillen, dank derer er noch zwölf Tage am Leben bleiben wird. Dann taucht Ice (d.i. Tora Olafsdotter) in seinem Büro auf, eine kühle Schönheit, die ihn bei der Suche nach dem oder der GiftmischerIn unterstützen wird. Hat etwa Fire (d.i. Beatriz da Costa) mit dem Fall zu tun? – Dieses Human-Target-Buch enthält die ersten sechs Hefte einer nagelneuen Geschichte von 2022, ist also kein Nachdruck der bei uns 2000 erstmals beim Verlag Thomas Tilsner erschienenen Story von Peter Milligan und Edvin Biuković oder von den Panini-Ausgaben des Jahres 2011. Der Vergleich der Titelbilder von damals und heute deutet an, dass der Titelheld inzwischen viel grauere Schläfen bekommen hat. Doch dass es mit ihm nun bereits in zwölf Tagen zu Ende gehen soll, das möchten die LeserInnen dieser gut erzählten und gezeichneten JLI-Detektivgeschichte wohl nicht erleben. (adi)

 
Koike/Kojima: Lone Wolf & Cub Master Edition 1 Lone Wolf & Cub – Master Edition 1 (Kazuo Koike/Gôseki Kojima, Panini 2022, 680 S., HC, schwarzweiß)
"Für meinen Jungen ist es Zeit zu pinkeln...". Der erfahrene Samurai weiß, wie sich sein Sohn für seine beruflichen Ziele einsetzen lässt. Er verfügt über eine reiche Auswahl solcher Einfälle. Den LeserInnen dieser soliden Ausgabe des comichistorisch bedeutenden Manga Kozure Okami (d.i. "Wolf mit Kind") erwarten 15 Episoden, in denen der herrenlose Samurai und Auftragsmörder Ogami Itto mit seinem dreijährigen Sohn Daigoro durchs Japan des 18. Jahrhunderts zieht. Für die mit jener Zeit der Daimyo wenig vertrauten LeserInnen erklärt ein Glossar am Ende des Buches die unbekannten Begriffe und Verwaltungsgliederungen. Die Anordnung der Episoden scheint ab Kapitel 8 gegenüber der Taschenbuchausgabe von 2003-2009 etwas geändert oder ergänzt worden zu sein. Ogami Itto erfüllt seine Aufträge mit Bedacht, sobald er die Motive der Auftraggeber kennt. Sein kompromissloses Vorgehen wird das Gerechtigkeitsempfinden des Lesenden oft zufriedenstellen, es wirkt gelegentlich aber auch verstörend, insbesondere, wenn er in horrenden Situationen trotz seines großen Könnens nicht eingreift. Wohl wissend, dass Auftragsmörder uns nicht sympathisch erscheinen sollten, hält man wegen seiner Rolle als furchtloser, siegessicherer Held zu ihm. Ogami Ittos Kampftechniken sind über jeden Zweifel erhaben, so dass man um den kleinen Daigoro nie fürchten muss. Daigoro hat diesen Samurai-Manga zu etwas Besonderem gemacht. Er sorgt für kindliche Momente in der harten Welt seines Vaters, in der, wenn man an die letzte Episode des Buches denkt, so etwas wie Zweifel oder Verzweiflung angesichts seines unvermeidlichen Lebenswegs aufsteigt. (adi)

 
Vaughan/Chiang/Wilson: Paper Girls Paper Girls – Die komplette Geschichte (Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilson, Cross Cult 2022, 800 S., SC, farbig)
Die komplette Erzählung über die vier jungen Zeitungsausträgerinnen ist nun in einem gewichtigen Sammelband mit Lesebändchen erschienen, also als etwas, das man früher eine Telefonbuchausgabe nannte. Die spannende Geschichte der Mädchen, die plötzlich in die erbittert geführten Kämpfe zweier Parteien wegen des Zeitreisens geraten, ist dadurch deutlich günstiger erhältlich als bisher in den sechs Teilbänden. Die zwölfjähige Erin Tieng trifft in dieser mit Eisner-Awards ausgezeichneten Erzählung als neues "paper girl" die drei gleichaltrigen Mädchen Mac, Tiffany und KJ, die ebenfalls mit dem Fahrrad am frühen Morgen des Jahres 1988 auf den Straßen von Stony Stream, Ohio, Zeitungen austragen. Um sich vor unangenehmen Zeitgenossen zu schützen, fahren die Mädchen zu zweit. Dennoch werden Tiffany und KJ von drei geisterhaften Gestalten überfallen. Bei deren Verfolgung finden die Vier in einem Keller eine große, raumkapselförmige Maschine, welche später als "Rettungsboot" bezeichnet werden wird. Die Maschine schaltet sich plötzlich ein und bestrahlt die vier Mädchen. Damit sind sie für die "Oldies", eine der Kriegsparteien, nicht mehr aufspürbar. Diese Oldies versuchen, durch das Zeitreisen entstehende Anomalien zu verhindern und den historischen Status Quo zu schützen, während die "Teenager" an der Idee, durch Zeitreisen Geschichte zum Besseren zu verändern, festhalten wollen. Brian K. Vaughan zeigt in seiner überraschungsreichen Erzählung, dass sich fundamentale Gegensätze ohne epische Schlachten beilegen lassen, dass Zeitreisen krank machen kann, dass selbst Bärtierchen gefährlich werden können und dass Apple bei der Erfindung des Zeitreisens ganz vorne dabei gewesen sein wird. (adi)

 
Torres/Cifuentes/Arreola: Whodunnit? 1 Whodunnit? – Ein Mörder-Mystery (El Torres/Vicente Cifuentes/Ulises Arreola, Panini 2022, 88 S., HC, farbig)
Die Familie von Lord Harold Strutter ist zu einem Treffen auf seinem stattlichen, alten Anwesen zusammengerufen worden. Strutters vier Verwandte warten am flackernden Kamin eines Wohnzimmers auf sein Erscheinen und rätseln über das, was das reiche Familienoberhaupt ihnen mitteilen möchte. Am gleichen Tag tritt Dorry Quirrel bei Lord Strutter eine Arbeitsstelle als Dienstmädchen an. Sie verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten. Eigentlich will sie diese nicht mehr nutzen, aber nachdem sie den ermordeten Lord Strutter auffindet und die Polizei eintrifft, verlangt es die folgende Ermittlungsarbeit von ihr. – So wie in den Krimi-Comics "Blacksad" von Juan Díaz Canales oder in "Inspektor Canardo" von Benoît Sokal treten alle Figuren dieses mysteriösen Mordfalls in Tiergestalt auf. Das Eichhörnchen Dorry bringt etwas Übersinnliches in die Geschichte ein, das sich bis in die finsteren Tiefen des Hauses erstreckt. Die Verzweiflung einer der Gestalten in der Tiefe macht der Zeichner Vicente Cifuentes auf Seite 68 durch Anlehnung an eine Illustration des großen Berni Wrightson sichtbar, dessen originale Vorlage, die Frankensteins Monster zusammengekauert im Schuppen der Familie DeLacey zeigt, Cifuentes im Anhang des Buches nochmals ganzseitig nachzeichnet. Juan "El" Torres und Vicente Cifuentes konnten ihre detailfreudige und sehenswerte Arbeit durch ein Crowdfunding-Projekt verwirklichen, das im Juli 2021 gestartet wurde und in dem um die 400 Leute zusammen fast 16.000 Euro an Unterstützung zusagten, wie die Plattform Verkami bekanntgibt. (adi)

 
Cossu/Sentenac/Bocquet: Spirou und Fantasio Spezial 38 Spirou und Fantasio Spezial 38: Der Triumph des Zyklotrop (Brice Cossu/Alexis Sentenac/Olivier Bocquet, Carlsen 2022, 64 S., SC, farbig)
Nicht als Filmcomic, aber als Comic über einen Film stellt sich die neueste Ausgabe der "Spezial"-Reihe von Spirou und Fantasio vor. Damit sei gesagt, dass dieses Album keine Wiedergabe des Realfilms "Les Aventures de Spirou et Fantasio" von 2018 darstellt, sondern von diesem lediglich inspiriert wurde. Angesichts der mauen Kritiken, die der Realfilm erhielt, ist das wohl ein gutes Zeichen. Erneut stellt sich die Frage, warum und wann ein Abenteuerfunny überhaupt mit realen Schauspielern verfilmt werden sollte. Olivier Bocquet hilft mit seinem Szenario von "Der Triumph des Zyklotrop" diese Frage zu beantworten. Mit humorvollen Einfällen wird das Entstehen eines Films auf den Arm genommen, der ausgerechnet ein Abenteuer von Spirou und Fantasio zum Gegenstand hat. Die ältergewordenen Comichelden Spirou und Fantasio begleiten das Filmteam und insbesondere den zyklotropartigen Filmproduzenten argwöhnisch. Dass Fantasio beim Casting für diesen Film nicht für die Rolle des Fantasio, sondern für die des Grafen von Rummelsdorf geprüft wird, ist angesichts seines Bäuchleins und seines spärlich gewordenen Haupthaars nachvollziehbar. Ein Haarwuchsmittel wie das von Miraculix in "Asterix der Gallier" könnte helfen. Die Zeichnungen von Brice Cossu erinnern öfter an Manga, wie überhaupt in diesem Comic so einiges auf andere Comics anspielt. Insbesondere an den hanebüchenen Bemerkungen des Filmregisseurs und am Drehbuch hat man dabei seine Freude. (adi)

 
Johns/Frank/Anderson: Geiger 1 Geiger 1: Die Ungenannten (Geoff Johns/Gary Frank/Brad Anderson, Cross Cult 2022, 176 S., HC, farbig)
Das, wovor wir uns angesichts der Kämpfe um das Atomkraftwerk Saporischschja noch fürchten müssen, haben die Menschen in der Erzählung des nun erschienenen ersten Bandes der Comicserie "Geiger" schon hinter sich: Das ganze Land ist radioaktiv verseucht. Nur noch im Strahlenschutzanzug geht es vor die Tür. Ob diese allzu leicht wirkenden Anzüge mit ihren Klarsichthelmen tatsächlich genug Strahlung abhalten könnten, wofür man sonst dicke Beton- oder Bleiplatten benötigt, wird der Physiklehrer uns erklären wollen, aber darum geht es hier ja nicht. Hier gibt es einen Mann, Tariq Geiger, der sich auch ohne Schutzanzug im Freien aufhalten kann und uns vom Titelbild entgegen leuchtet, wie in den 60er Jahren Doctor Solar, Man of the Atom. Eine medizinische Behandlung hat Geiger die Verstrahlung überleben lassen. Der Arzt Dr. Molotow steckte ihm zwei Dämpferstäbe aus Bor (!?) in die Weste, was ihn seine zerstörerische Strahlungswirkung im Griff behalten lässt. – Die zugleich spannende als auch tragische Geschichte von einem Vater, der in einer lebensfeindlichen Welt vor dem Bunker seiner Familie wacht, erhält durch den irren König von Las Vegas mit seinem Camelot und seinen nuklearen Rittern den Anstrich von Verrücktheit, der dem atomaren Sujet überaus angemessen ist. Der Autor Geoff Johns hat dabei bereits Junkyard Joe von der Leine gelassen. Man ist gespannt, wie es nun mit diesem Roboter weitergeht. (adi)

 
Phillips/Rossmo/BRaga: Harley Quinn 2 Harley Quinn 2: Chaos in der Stadt der Angst (Stephanie Phillips/Riley Rossmo/Laura Braga, Panini 2022, 204 S., SC, farbig)
Die Psychologin Harley Quinn hat den Ehrgeiz, sich zusammen mit ihrem beleibten Unterstützer Kevin in Gotham City als gute Kriminalitätsbekämpferin auszuzeichnen (siehe Harley Quinn 1), also in Konkurrenz zum irren Professor Hugo Strange mit seiner brutalen Polizeitruppe, der Gotham ins Chaos treibt. Doch sie wird vom aufgeblasenen Keepsake (d.i. Eli Kaufmann) entführt. Solomon Grundy, das einsilbige Kloakenmonster, und Mr. Freeze (d.i. Dr. Victor Fries), der eiskalte Schockfroster, helfen Kevin, der einfach nur Kevin heißt, bei der Suche. Es schließt sich eine turbulente Phase an, in der Keepsakes "Gremium des Grauens" als lächerlicher Versuch des Machterwerbs abserviert wird. Dabei setzt die Autorin Stephanie Phillips viele weibliche Figuren aus dem Harley-Batman-Universum ein, von Catwoman, über Gardener (d.i. Dr. Bella Garten) bis Sam Payne, die die Auseinandersetzung gewaltig lebendig werden lassen. Doch dann kommt eine von Laura Braga gediegen gezeichnete, ruhigere Episode, die von den Beziehungen zwischen Harley und Poison Ivy und zwischen Kevin und Sam berichtet. Das wirkt wie eine Atempause, bevor es mit Keepsakes nächstem Terrorakt weitergeht, der Harley in ein klassisches Dilemma bringt, welches sie an Immanuel Kant erinnert und welches sie pragmatisch zu lösen beginnt. (adi)

 
Holt/Schall: Made in Korea Made in Korea (Jeremy Holt/George Schall, Panini 2022, 172 S., HC, farbig)
So ein Robotkind aus Korea kostet eigentlich 800.000 Dollar, aber so viel Geld hätte das kinderlose Ehepaar Bill und Suelynn Evans nicht aufbringen können. Doch sie haben das (vermeintliche) Glück, vom Softwareentwickler Chul ein Robotkind zum Schnäppchenpreis zu erhalten. Sie nennen es Jesse. Ob es ein Junge oder Mädchen ist, hängt wohl vom Haarschnitt ab. Die Besonderheit dieses künstlichen Kindes, welches als Proxy, also Stellvertreter, bezeichnet wird, ist die von Chul entwickelte Software, eine sogenannte "echte künstliche Intelligenz". Dieser Begriff wird einem echten Informatiker vermutlich Kopfzerbrechen machen, gemeint ist aber eine Programmierung, die der Maschine so etwas wie Selbstbewusstsein, Selbststeuerung, eigenen Antrieb, annähernd eigenen Willen verleiht. Ob sich Jesse dadurch vor manipulativen Einflüssen zu schützen weiß, das ist Gegenstand dieser nachdenklich machenden Erzählung. Seine außerordentlichen körperlichen Kräfte könnten missbraucht werden. Wie die Hubots aus der Serie "Real Humans", die Replikanten aus "Blade Runner", die humanoiden Zylonen aus "Battlestar Galaktica" oder selbst die von Karel Čapek eingeführten ersten Roboter, so werden Androiden auch in diesem Buch als etwas womöglich Bedrohliches dargestellt. Doch Jesse wird es dank Chuls Programm schon schaffen, seine Selbstfindung für alle beruhigend abzuschließen. (adi)

 
Bellaire/Lambert: Buffy 6: Geheimnisse der Jägerin Buffy (2020) 6: Geheimnisse der Jägerin (Jordie Bellaire/Jeremy Lambert/Andrés Genolet/Ramon Bachs et al., Panini 2022, 112 S., SC, farbig)
Da sitzen nun schon drei Wächter an einem Tisch und beraten über die Zukunft ihrer Jägerinnen: Rupert Giles ist bekanntlich für Buffy zuständig, Robin Wood kümmert sich um Kendra Young, Wesley Wyndam-Pryce betreut Faith Lehane, obwohl es doch eigentlich immer nur eine Jägerin und einen Wächter geben sollte. Im 2019-Buffy-Universum spinnt die Autorin Jordie Bellaire die Geschichte mit der (vorschnellen) Berufung neuer Jägerinnen immer weiter (siehe Buffy 5). Denn da kommt noch eine vierte Jägerin hinzu, Morgan Palmer, die Vorgängerin von Buffy, die ihr Wächter Stephen Reilly und die Leiterin des Rats der Wächter, Dorothy Giles, beseitigen wollte, weil sie mit 25 Jahren als zu alt für ihre Aufgabe angesehen wurde. Sie entkommt ihrem Schicksal dank Anyanka (Anya), der ehemaligen Rachedämonin und jetzigen Inhaberin des Zauberladens. – Der neue Band zerfällt in drei Teile. Zunächst werden die Rettung von Morgan Palmer durch Anyanka und die Rachepläne gegen die Wächter beschrieben. Es schließen sich der Fang eines Fledermausdämons und Gespräche über die Ordnung unter Wächtern und Jägerinnen an. Eine längere Episode aus Faith' Vergangenheit bildet den Schluss. Man gewinnt den Eindruck, dass die Autorin einiges zu tun haben wird, die vielen Andeutungen und Erzählfäden demnächst einmal zusammenzuführen. Dem Vergesslichen hilft buffy.fandom.com/wiki. (adi)

 

Locard/Coblence/Verne: In 80 Tagen um die Welt In 80 Tagen um die Welt (Younn Locard/Jean-Michel Coblence, Knesebeck 2022, 64 S., HC, farbig)
Mit dieser Literatur-Adaption setzt der Verlag seine Reihe von Graphic Novels mit Inhalten von Klassikern fort, Bücher, die in unseren Breiten zu denen gehören, die man für gewöhnlich kennt, gelesen oder verfilmt gesehen hat. Was diesbezüglich Abenteuergeschichten angeht, findet nach "Moby Dick" von Herman Melville in dieser Reihe nun auch eine der bekanntesten Abenteuergeschichten von Jules Verne ihren Platz: In 80 Tagen will es Phileas Fogg zusammen mit seinem Diener Passepartout schaffen, die Erde zu umrunden. Die Reise findet 1872 statt, als den Abenteurern nur Schiff, Bahn, Schlitten und Elefant zum Weiterkommen zur Verfügung stehen. Zum Glück wählen sie den Weg über Suez, Bombay, Yokohama, San Francisco, also ostwärts. Heutzutage, mit einem Flugzeug, macht es da auch noch einen Zeitunterschied, ob man ost- oder westwärts um die Erde fliegt, fragt der Physiklehrer lauernd? Der Weg über Indien verschafft Philias Fogg jedenfalls zudem die Bekanntschaft mit der Witwe Aouda, ein wesentliches Detail der Geschichte, die dieser Comic natürlich nicht auslässt (siehe Titelbild), wie er auch überhaupt durch seine atmosphärisch anziehenden Bilder und die Dialog- und Erklärtexte die weite Reise auf den Punkt zu bringen weiß. (adi)


 

Doan Bui/Leslie Plée: Glauben Sie an die Wahrheit? Glauben Sie an die Wahrheit? (Doan Bui/Leslie Plée, Carlsen 2022, 176 S., HC, zweifarbig)
Schon der Titel dieses wichtigen Buches ist eine Herausforderung: Muss man Wahrheiten glauben? Sind sie sonst keine? Wer kennt die Wahrheit und was ist das? An vielen Beispielen, die die Journalistin Doan Bui hier zusammengetragen hat, lässt sich ablesen, wie verdreht die Welt von Glaube und Wahrheit in unserer Zeit ist (oder war sie das auch schon früher?). Wie mühsam es ist, mit Leuten zu diskutieren, die man für völlig verpeilt hält, mag so mancher erfahren haben, der mit Impfgegnern oder Klimaleugnern zu tun hatte. Denn aus deren Sicht ist es umgekehrt, da sind die Impfbefürworter und Klimawandelgläubigen die fehldenkenden Schlafschafe, die nicht richtig informiert sind. Folglich geht Doan Bui ausführlich auf den Begriff "Fake News" ein, womit eine Falschnachricht gemeint ist, die in manipulativer Absicht zu eigenem Vorteil verbreitet wird. Bui erklärt deren Wirkung und listet am Ende des Buches neun Tipps auf, wie man Fake News erkennt. Das setzt natürlich voraus, dass man diese auch erkennen will. Es ist selbstredend weniger anstrengend, sie einfach zu glauben statt zu überprüfen. Buis Bericht von den Flache-Erde-Gläubigen ist wegen der Absurdität ihrer Erklärungen zugleich amüsant, erschreckend und lehrreich. Wissenschaftliche Erklärungsversuche scheinen bei ihnen aussichtslos, aber immerhin können sie uns selbst in Schwung bringen und zum Denken anregen: Wie lässt sich denn eigentlich beweisen, dass die Erde rund ist? Lichtblicke in der Auseinandersetzung mit "Fake News" sind, dass der kriminelle "Truther" Alex Jones, über den Bui berichtet, kürzlich für seine Leugnung des Sandy-Hook-Massakers von einem Gericht verurteilt und dass ein deutscher QAnon-Vertreter in diesen Tagen auf den Philippinen verhaftet wurde. (adi)


 

Flix: Das Humboldt-Tier Das Humboldt-Tier (Flix, Carlsen 2022, 72 S., HC, farbig)
Alexander von Humboldt und seinen Gefährten Aimé Bonpland führten Begeisterung für naturwissenschaftliche Erkenntnisse und wohl auch Abenteuerlust um 1800 nach Südamerika. Von Flix erfahren wir nun, dass Humboldt auf seiner Entdeckungsreise auch in Palumbien vorbeikam und dabei wie immer seiner großen Sammelleidenschaft nachging. Diese wird von Flix mit kritischem Unterton wiedergegeben, wenn man an den Umgang mit einer Mumie und einem Leopardenbaby denkt, aber ihr ist offenbar auch zu verdanken, dass in der Humboldtschen Sammlung eines Berliner Museums ein Marsupilami bis 1931 reglos überdauerte. Marsupilamis sind zäh, wie man schon dem Band "Die Bestie" entnehmen konnte. Die kleine, aufgeweckte Mimmi Löwenstein darf den Kürschner Tristan Otto in dieses Museum begleiten. Beim Durchgang durch die Sammlung fällt ihr das Marsupilami, das von Humboldt achtlos als "langweiliger Affe" wegsortiert wurde, aus seiner Sammlungskiste. Aus langer Starre kehrt das Marsupilami zurück ins Leben ins Berlin der 30er-Jahre. Schon bald fragt es nach Hub, Hob und Hubi und drängt Mimmi zu einer aufregenden Suche quer durch die Stadt. – Flix verbindet eine frische, veritable Marsupilami-Geschichte gekonnt mit der piefigen Atmosphäre des damaligen Berlins. Dabei genießt man Anklänge an "Das Nest im Urwald" und gut gesetzte Seitenhiebe auf die Ewiggestrigen. (adi)


 
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