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Vorwort

Wieso? Weshalb? Warum?

Artikel


Sandman-Heft Nummer 1 Sandman 1, Panini 2007 New York World's Fair Comics Nummer 1 Netflix-Serie Sandman

Sandman

Gaimans große Grafiknovelle
Das Erscheinen der ersten Staffel einer erfreulichen Verfilmung der Grafiknovelle "The Sandman" bei Netflix, ist nicht nur Anlass, den ersten Sandman-Band "Präludien & Notturni" nochmals zu lesen. Vielmehr interessiert auch der Vergleich der Filmepisoden mit der Comic-Vorlage. Was lässt man im Film aus, was fügt man hinzu? Auf welche Details und Anspielungen muss verzichtet werden, weil der Comicleser mehr Zeit zum Lesen und Hin- und Herblättern hat? Welche Einfälle fügt man im Film hinzu, um die Erzählung unmittelbar verständlich zu machen? Der Autor von "The Sandman", Neil Gaiman, behielt die Kontrolle über die Filmadaption und arbeitete als einer der Produktionsleiter an deren Verwirklichung. – Die 75 Sandman-Hefte erschienen von 1989 bis 1996. Bereits etwa 1996 verbreitete sich im Netz die Sammlung "The Annotated Sandman" von Greg Morrow, die auch heute noch hilfreiche Anmerkungen zu allen Sandman-Heften der Hauptserie liefert. Diese Sammlung an Hinweisen wurde später von Ralf Hildebrandt betreut und angeboten, bis dessen Server etwa 2021 ins digitale Nirvana verschwand. Die jeweils passenden "Annotations" sind den folgenden DIN-A3-Plakaten angefügt und ergänzt worden, darunter Hinweise auf Wesley Dodds, dem ersten Sandman von 1939. (adi)
>> Hier weiterlesen zu Sandman 1: Der Schlaf der Gerechten (Stand: 10.12.22) und
>> hier weiterlesen zu Sandman 2: Gastgeber mit kleinen Fehlern (Stand: 10.12.22) und
>> hier weiterlesen zu Sandman 3: Träum einen Traum von mir (Stand: 20.1.23) und
>> hier weiterlesen zu Sandman 4: Hoffnung in der Hölle (Stand: 17.1.23) und
>> hier weiterlesen zu Sandman 5: Passagiere (Stand: 20.1.23).
 
>> Hier die Sandman-Annotations herunterladen (ZIP-Datei, Stand: etwa 2007?).

 
Plakat Ritter der Tafelrunde mit Robert Taylor und Ava Gardner Programmheft Prinz Eisenherz Die Schlümpfe und die Zauberflöte Filmprogrammheft Unter schwarzem Visier

König Artus

Die Ritter der Tafelrunde
In Comic und Film sind König Artus mit seinem Hof in Camelot und seinen Rittern Lancelot, Parzival, Gawain, Iwein, Erec usf. in einem Ausmaß präsent, das einem besonders deutlich wird, wenn man sich die Mühe macht, einige Monate lang alles zusammenzutragen und anzusehen, was bei uns zum Thema Artus und seiner Tafelrunde in den Regalen liegt oder bei den Händlern erhältlich ist. Allein der Comicstapel erreicht eine Höhe von nahezu zwei Metern. Die Sichtung aller Filme dauerte Monate. Wegen dieses großen Umfangs, veröffentlichen wir den Artikel zu König Artus in zwei Teilen. Der erste Teil stellt die Artus-Comics, der zweite die Artus-Filme vor. Beide Dokumente sind recht lang (109 und 103 Seiten) und das Herunterladen wird daher eventuell einige Zeit dauern.
>> Hier den Artikel zu den Artus-Comics herunterladen und
>> hier den Artikel zu den Artus-Filmen herunterladen. (hjk)

 
Billy Jenkins als Cowboy Stützen der Weimarer Republik Billy Jenkins im Kugelhagel

Billy Jenkins

Hommage an einen Zirkusartisten und Romanhelden
Billy Jenkins – sein Ruhm ist mittlerweile ein wenig verblasst, an seine Person erinnern sich vermutlich nur noch wenige Menschen, aber sein Name ist unvergessen, ist untrennbar verbunden mit den Wildwest-Groschenheften der 50er Jahre, ein Synonym geradezu dafür (auch wenn es natürlich weitere Helden dieser trivialen Geschichten gab). Sein Name steht für Abenteuer im Westen Amerikas, im 19. Jahrhundert, im frühen 20. Jahrhundert, für Abenteuer, die ihr Protagonist – ganz wie einst Karl May – nie wirklich erlebt hat. Ihm hat Rainer Gabriel als Autor und Zeichner jetzt eine Hommage gewidmet, eine ebenso kompetente wie liebevolle Arbeit, die das Leben des Zirkusartisten Otto 'Billy Jenkins' Rosenthal nachzeichnet. Bei einer Tournee mit dem Circus Busch durch das besetzte Polen erlitt Rosenthal 1940 durch einen Angriff von Partisanen schwere Verluste und Verletzungen. Trotzdem kam er wieder auf die Beine und zog später mit einer eigenen Wild-West-Show durchs Land.
Hier zu Billy Jenkins weiterlesen (hjk)

 
Erlangen Comic-Salon Messebesucher Halle B Erlangen Comic-Salon Angebot Comichändler Halle A Erlangen Comic-Salon Podium Fachmagazine

Comic-Salon Erlangen 2022

Messezelthallen und Fachgespräche
Der Veranstalter des Comic-Salons zeigt sich sehr zufrieden. Rund 30.000 BesucherInnen seien an den vier Tagen gekommen, was zu den Rückmeldungen der Verlage passt, die von "leicht höheren Umsätze" (Carlsen) bis zu "mehr verkauft als jemals zuvor" (avant) reichen. Das Angebot an die Besucher der drei Messehallen ist enorm. Von kleinauflagigen Liebhaberstücken bis zur Massenzeichenware und zu Merchandise-Artikeln, von antiquarischen Alben bis zu voluminösen Sammelbänden lässt sich vieles finden und – vor allem – vor dem Kauf ansehen oder auch von den KünstlerInnen signieren. Die Warteschlange vor dem Carlsen-Signiertisch von Émile Bravo ("Spirou und Fantasio Spezial") in Halle A ist reichlich lang, bei anderen Verlagen in dieser Halle sieht es ebenso aus. In Halle B steht eine lange Schlange vor dem Schreiber & Leser-Tisch bei André Taymans ("Caroline Baldwin"). Nicht einmal die Hälfte der Messebesucher tragen eine FFP2-Maske, man verlässt sich wohl auf seinen Impfschutz und sein Glück. Der Veranstalter kämpft unterdessen mit so vielen coronabedingten Ausfällen bei seinem Personal, dass es eng wird, vor allem beim kommenden Abbau der Zelte. In einigen Räumen wie in der Orangerie oder den Räumen der Universität wird auf FFP2-Maske bestanden. Das scheint auch kein Problem zu sein, wie man zum Beispiel in der Orangerie bei der Diskussion über den Stand der Comic-Fachmagazine bemerkt (Foto rechts). Alex Jakubowski befragt Gerhard Förster von der "Sprechblase", Matthias Hofmann von "Alfonz" und Volker Hamann von der "Reddition" nach den Charakteristika ihrer Publikationen. Jede richte sich an eine besondere Leserschaft, die die angebotenen Fachartikel in Papierform erwarten. Ein entsprechendes, papierloses Angebot im Internet ließe sich vielleicht mit einer Bezahlschranke oder durch Werbung finanzieren. Man frage sich, wie die Situation in zehn Jahren aussehen wird, wenn die "haptisch" Lesenden, wie Gerhard Förster die Papierleser nennt, weniger werden. Einen besonderen Beifall erhält der anwesende Heiner Jahncke für seine Expertise und jahrelange Mitarbeit bei den Fachartikeln. (adi)
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Erlangen 2022: VorbilderInnen, Populäre Bilder, Mawil
Erlangen 2022: Max-und-Moritz-Preise
Erlangen 2022: Ministerpräsident mag Comicmuseum
Erlangen 2022: Gelungene Ausstellungen
Erlangen 2022: Comics aus Afrika, ICOM-Preise, Jaja-Wohnzimmer
Erlangen 2022: Einrichtung der Zelthallen
Erlangen 2022: Volles Programm voraus

 
Hermann Comichändler Eckart Schott Deine Mutter als Zombie!

Intercomic - Comicmesse Köln Mai 2022

Sie handeln wieder
Bei frühsommerlichem Wetter startete nach längerer Pause die Intercomic in der Stadthalle in Köln-Mülheim wieder zu einem langem Börsentag. Mit Applaus wurde Hermann ("Comanche", "Duke", "Die Türme von Bos-Maury") gefeiert, der an gleich zwei Signierständen zu Gast war. An den Ständen der Comichändler stapelten sich die langvermissten Kisten und Kartons mit Raritäten und vielen Comics zu Schnäppchenpreisen. Verlage wie Salleck oder All zeigten ihre Neuerscheinungen im Foyer, andere reihten sich in fünf Gängen im großen Saal der Stadthalle zwischen Händler- und Zeichnertischen ein. Im Vergleich zur Intercomic vor der Pandemie war die Börse zwar kleiner, aber gut besucht. Auch schon bevor es im Foyer und im Saal enger wurde, setzten die meisten Besucher aus freien Stücken ihre Maske auf: vorbildlich. Bei den Zeichnern bot Timo Grubing angesichts des nahenden Muttertags an, die Mutter als Zombie zu zeichnen, während Rudolph Perez im bereits 25. Zebra-Sonderband weise daran erinnerte: "In der Tusche liegt die Wahrheit" (Fotos v.l.n.r.: Hermann Huppen, Comichändler, Eckart Schott (Salleck Publications), Timo Grubing). (adi)

 
Ukraine: Taras Bulba Ukraine: Panzerkreuzer Potemkin Treppe Ukraine: Mit Feuer und Schwert Ukraine: Holodomor - Bittere Ernte

Ukrainische Geschichte in Film und Comic

Gegen die Fremdherrschaft
Mit der Kiewer Rus, gegründet von nach Südosten vordringenden Wikingern, stellt ein wesentlicher Teil der heutigen Ukraine die Keimzelle des späteren russischen Reiches dar, nahm aber dennoch in der Folgezeit eine eigenständige Entwicklung, die über lange Phasen der Fremdherrschaft und dadurch bedingte Teilungen – von der Goldenen Horde über Litauen und Polen bis zum Zarenreich und der Sowjetunion – zur Herausbildung eines ukrainischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert führte. In dieser langen Zeit sind die russische und die ukrainische Geschichte in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Eine Reihe von Filmen und Comics liefern uns dazu Denkanstöße. (hjk)
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Dorian Gray Knesebeck Dorian Gray Alan Ford Dorian Gray Film 1945

Das Bildnis des Dorian Gray

Ewige Jugend, dauerhafte Schönheit
Ein Porträt, das die Spuren des Alters und des Lebenswandels übernimmt, während der Porträtierte auf ewig jung und schön erscheint, dieses Motiv regte viele Comic- und Film-Autoren an, sich an eine Adaption des Romans von Oscar Wilde zu setzen, mal in ernsthafter, mal in scherzhafter Weise. Die seitenstarke Comic-Adaption von Amálie Kovárová und Petr S’rédl, die 2021 erschien, ist Anlass, auf immerhin zwei Dutzend Comics einzugehen, die sich in den letzten Jahrzehnten ab 1956 mit dem lasterhaften Leben des Londoner Lebemannes beschäftigten. Auch über Verfilmungen wird einiges angemerkt, eine Liste der Filme gibt es gleich hier. (adi)
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Schatzinsel Petzi Schatzinsel Long John Silver Schatzinsel Arena

Die Schatzinsel

Mit Long John Silver zur fast verlassenen Insel
Natürlich ist Die Schatzinsel nicht in erster Linie ein Film, sondern ein Roman, die literarische Vorlage für eine ganze Reihe von Verfilmungen, aber auch von Comic-Adaptionen und Übertragungen in andere Medien. Als Roman ist Die Schatzinsel ein klassisches Beispiel jener Bücher, mit denen man die längst zum Klischee gewordene Erinnerung verbindet, sie nächtens im Licht einer Schattenlampe unter der Bettdecke gelesen zu haben (als ob nicht schon die Eltern das gemacht hätten und deshalb im Bilde waren). Der Originaltitel des Romans lautet Treasure Island und ist schon fast eine eingetragene Marke. (hjk) Artikel Die Schatzinsel herunterladen

 
Sammelbild Störtebeker-Album Störtebeker Ralswiek 1997 Störtebekers Schädel

Klaus Störtebeker

Zwölf Meter kopflos
In erster Linie ist in unserer Wahrnehmung die Karibik des 16. bis 18. Jahrhunderts die Region, in der die Piraten ihr Unwesen trieben. Und die berühmten Piraten, Korsaren und Seeräuber waren demnach allesamt Engländer, ein paar Spanier oder Franzosen, vielleicht mal ein Holländer. Aber die Geschichte der Piraterie ist sehr viel älter, die Schauplätze finden sich in fast allen Ecken der Welt(meere). Einer dieser Schauplätze war im späten Mittelalter die norddeutsche Küste. Und genau hier finden wir den einzigen Deutschen, der als Pirat unsterblich wurde: Klaus Störtebeker. (hjk) Artikel Störtebeker herunterladen

 
Slatin Pascha Wüstenkrieger Slatin Pascha im Comic Slatin Pascha im Film

Slatin Pascha

Der Aufstand des Mahdi
Der Sudan heute – das ist nach wie vor ein Land andauernder Bürgerkriege, ein geteiltes Land, das nicht zur Ruhe kommt und wo es den beiden jetzt dort existierenden zwei Staaten nicht gelingt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, Probleme, die ihren Ursprung in den Tagen des Imperialismus und Kolonialismus haben, als europäische Staaten Afrika rücksichtslos unter sich aufteilten. Europäer im Sudan des 19. Jahrhunderts? Da fallen dem einen oder anderen vielleicht auch deutsche Namen ein: zuallerest vermutlich Karl May (1842–1912) und dann Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer (1840–1892), Emin Pascha, und Rudolf Slatin (1857–1932), Slatin Pascha. (hjk) Artikel Slatin Pascha herunterladen

 
Eiserne Maske Vier Musketiere La femme mousquetaire

Die drei Musketiere

Einer für alle, alle gegen Milady
Mögen auch längst nicht mehr so viele den dicken Wälzer mit den Abenteuern der drei (genaugenommen sind es ja vier) Musketiere, den verwegenen Helden aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts, oder gar die beiden weiteren Romane der Trilogie wirklich lesen. Dennoch gehören die in ihnen vorgestellten Motive dank gekürzter Fassungen, unzähliger Verfilmungen, Comics oder auch Bühnenstücken und sogar Musicals zu unserem gedanklichen Gemeingut. (hjk) Artikel Drei Musketiere herunterladen

 
Mutter Theresa Johanna von Orleans Sankt Ursula

Heilige

Heilig, heilig, heilig
Heilige als legendäre Helden? Nun, legendär sind viele von ihnen – nicht zuletzt, da ihre Taten, ja sogar ihr Leben in nicht wenigen Fällen gar nicht eindeutig belegt sind, vielleicht nur Legende sind. Und manche von ihnen, Männer wie Frauen, waren auch Helden und Heldinnen – oft nicht so sehr im herkömmlichen Sinn, sondern eher unter moralischen Aspekten. (hjk)
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Chingachkoog Der letzte Mohikaner Lederstrumpf im Film

Lederstrumpf

Politisch korrekte Indianer
Deerslayer, La Longue Carabine, Hawkeye, Pathfinder, Leatherstocking – all das sind die Namen, unter denen wir Nathaniel Bumppo kennen, eine mythische Figur der frühen amerikanischen Geschichte, eine literarische Schöpfung des Schriftstellers James Fenimore Cooper, der in ihm jenen Pionieren der frühen Siedlungsgeschichte ein unsterbliches Denkmal setzte. (hjk)
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Robert Surcouf Surcouf im Film Surcouf im Comic

Surcouf

Pirat für Napoleon
In Frankreich ist Robert Surcouf, als Kaperkapitän – sowohl Pirat wie Freibeuter – in den Napoleonischen Kriegen zu Ruhm gelangt, bis heute ein Held, von Legenden umwoben. Er hat vielfältige Spuren hinterlassen, in der erzählenden Literatur, im Comic und im Film. Überraschenderweise wurde ihm auch in Deutschland ein Kranz geflochten von dem eigentlich durch andere Schauplätze berühmt gewordenen Reise- und Abenteuerschriftsteller Karl May. (hjk)
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Marco Polo Comic Marco Polos Buch der Wunder Max & Luzie bei Marco Polo

Marco Polo

Übers Meer, durch die Wüste, bis weit nach China
Das "Buch der Wunder", in dem von den Reisen von Marco Polo berichtet wird, ist ein Beispiel dafür, wie eine Erzählung aus einer mittelalterlichen Handschrift bis in unsere Zeit herübergerettet wird und immer noch Verbreitung findet. Waren es im Mittelalter des 14. Jahrhunderts buchmalerische Ausschmückungen, so sind es in heutiger Zeit Werbecomics oder Zeichentrickfilme, die auf unsere Bilderwelt zu Marco Polo einwirken. (adi)
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Don Quijote gegen die Windmühlenflügel Don Quijote bei Clever & Smart Don Quijote bei flix

Don Quijote

Gegen Windmühlenflügel
Beim Kampf gegen die Windmühlenflügel wird es besonders deutlich: Sein Knappe Sancho Panza bemerkt, dass Don Quijote die Wirklichkeit nicht so wahrnimmt, wie sie ist. Durch das Lesen zu vieler Ritterromane gerät Don Quijote in eine eingebildete Welt und reitet nun als "Ritter von der traurigen Gestalt" durch die Lande. Das hört sich nach einer Steilvorlage für einen Vergleich mit heutigen "Querdenkern" an. (adi)
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Robin Hood Robin Hood als frühe Illustration Robin Hood im Film

Robin Hood

Mit Pfeil und Bogen grün und gerecht
Obwohl heute jedes Kind seine Geschichte – und auch den historischen Hintergrund – kennt, ist es doch sehr zweifelhaft, ob es sich bei ihm um eine historische Gestalt handelt. In der Geschichts- und Literaturforschung ist das zumindest immer noch umstritten. Sehr wahrscheinlich aber dürfte die Existenz historischer Bezüge für die literarische Überlieferung sein. (hjk)
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Ergänzende Liste: Wer spielt wen? in den Robin-Hood-Filmen (Stand: 26.1.2023)

 
Zorro im italienischen Comic Zorro im Film Fuchsis Zorro

Zorro

Hundert Jahre Z
Man erfuhr es beim Münchner Comicfestival 2019, in Fachzeitschriften und im Fernsehen: Der für Gerechtigkeit streitende Degenfechter reitet seit hundert Jahren durch das spanische Kalifornien. Passend zum Geburtstag entstehen neue Zorro–Comics jenseits der von Disney gewohnten Art, darunter "Lady Zorro" oder sogar eine Begegnung mit Dracula. (adi)
Vortragsfolien Zorro herunterladen

 
Rücksprung zum Anfang

Zeittafeln


Zeittafel 1965 Zeittafel 1965 (adi)
In Vietnamkrieg lässt US-Präsident Lyndon B. Johnson erstmals Nordvietnam direkt bombardieren, Charles de Gaulle bleibt französischer Staatspräsident, Ludwig Erhard wird wieder zum Bundeskanzler gewählt. Extreme Starkregenfälle führen mitten in Deutschland zur Heinrichsflut mit 16 Toten. Alexej Archipowitsch Leonow schwebt 12 Minuten an der Leine durchs Weltall. Ein französischer Satelliot wird nach Astérix benannt. Fritz the Cat von Robert Crumb taucht erstmals auf, Goofy wird durch Erdnüsse zu Supergoof und damit Disneys erster Superheld. Jidéhem arbeitet an "Sophie", der ersten Spirou-Serie mit einer weiblichen Hauptfigur, in Italien startet das "Linus"-Magazin unter anderem mit "Valentina" von Guido Crepax. In Großbritannien kommt "Trigan" von Don Lawrence und Mike Butterworth in die Läden. In Deutschland beginnen die "tollsten Geschichten von Donald Duck", die bis heute erscheinen. Und Bessy und Andy werden zwei Jahrzehnte lang in nahezu tausend Westernabenteuer verwickelt. Zeittafel 1965 herunterladen

 
Zeittafel 1964 Zeittafel 1964 (adi)
Der US-Präsident Johnson darf mit dem Vietnam-Krieg beginnen, Brasilien wird eine Militärdiktatur, Nelson Mandela kommt ins Gefängnis. DDR-Rentner dürfen Verwandte im Westen besuchen, Willy Brandt wird SPD-Vorsitzender, Fußgänger erhalten auf dem Zebrastreifen Vorrang vor den Autos. "Laurel und Hardy" heißen noch nicht "Dick und Doof", in "Lupo" erscheinen Asterix und Obelix als Siggi und Babarras, Robin Hood rettet Lady Janet. General Jack D. Ripper will den Atomkrieg, Professor Higgins setzt sich für eine gesittete Sprache ein und den Kinobesucher erwarten gleich vier Karl-May-Filme. In den US-Comics tauchen Daredevil und Dussel Duck erstmals auf. "MAD" beginnt mit seinen zusammenfaltbaren Backcovern. In Italien erscheint die erste Ausgabe von "Satanik", gezeichnet von Magnus, geschrieben von Max Bunker. Morris nennt in einem Artikel in "Spirou" die Kunst des Comic die "Neunte Kunst". Zeittafel 1964 herunterladen

 
Zeittafel 1963 Zeittafel 1963 (adi)
In Dallas wird John F. Kennedy erschossen, in Paris der Élysée-Vertrag unterzeichnet, Martin Luther King hält in Washington die Rede "I Have a Dream". Am Kiosk stellt man bei Comics vom Piccolo-Format auf Großbände um. Jürgen Kieser veröffentlicht den ersten "Fix und Fax"-Sammelband, Helmut Nickel zeichnet "Winnetou", Hansrudi Wäscher hat mehr als genug zu tun. Doctor Who beginnt seine Raumzeitsprünge, Freddie Frinton fragt am Silvesterabend erstmals "Same procedure as last year, Mylady?", die Mainzelmännchen kommen. Gitte will einen Cowboy als Mann. Manuela meint, dass der Bossa Nova schuld sei. Mit dem Titel "Les Schtroumpfs noirs" erscheint bei Dupuis das erste Schlumpfalbum, Asterix und Obelix treffen in Lutetia auf Idefix, Jean Giraud und Jean-Michel Charlier starten mit "Blueberry" in Pilote, wo auch Greg mit "Albert Enzian" anfängt. Im englischsprachigen Comic erscheinen 1963 erste Geschichten von Modesty Blaise, Doctor Strange, Doctor Octopus und dem Marvel-Sandman. Zeittafel 1963 herunterladen

 
Zeittafel 1962 Zeittafel 1962 (adi)
Während der Kubakrise schrammt die Welt knapp am Beginn eines Atomkriegs vorbei, in der Spiegel-Affäre steht die journalistische Unabhängigkeit auf dem Spiel und Charles de Gaulle bereitet den Weg zu einem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Einer Reihe von Ankäufen von Comicserien aus französischen und US-amerikanischen Quellen stehen nur wenige Neuveröffentlichungen von deutschen Comiczeichnern gegenüber. Die Beatles, die Rolling Stones und das Pumuckl beginnen ihre Karrieren, Marilyn Monroe singt zum letzten Mal öffentlich. Im Film suchen Banditen nach dem Schatz im Silbersee, die Meuterer von der Bounty nach einer Zuflucht und Jules und Jim nach Catherine. René Goscinny und Jean Tabary erschaffen den ehrgeizigen Großwesir Isnogud und im Album "Asterix als Gladiator" haben die Piraten ihren ersten Untergang. Zeittafel 1962 herunterladen

 
Zeittafel 1961 Zeittafel 1961 (adi)
Die Berliner Mauer wird gebaut, die Invasion in der Schweinebucht scheitert, die Franzosen stimmen für die Unabhängigkeit Algeriens. Der Verlag Walter Lehning versucht es mit Comicabenteuern im Urwald, bei den Rittern, im Western und mit Zeichentrickfiguren. Das dickste deutsche Wörterbuch wird nach 123 Jahren fertig, Perry Rhodan sorgt für Frieden mit der dritten Macht. Das Dorf soll schöner werden, Freddy Quinn schmachtet für La Paloma, Bill Ramsey für die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe. Guido Martina und Pier Lorenzo De Vita schicken Donald Duck als Odysseus übers Meer, bei den Peanuts taucht die lockige Frieda auf, Betty Kane wird das erste Batgirl, in Tintin beginnt Hergé mit "Juwelen der Sängerin". Carl Barks erzählt in "The Midas Touch" erstmals von den bösen Absichten Gundel Gaukeleys. Zeittafel 1961 herunterladen

 
Zeittafel 1960 Zeittafel 1960 (adi)
Der Verlag von Walter Lehning in Hannover ist mit seinen Comic-Neuerscheinungen weiterhin sehr rührig. Kaum ist die Piccolo-Ritterserie "Sigurd" beendet, geht es mit den Piccolos von "Falk" weiter. Zudem schickt er "Daffy" und mehrere Abenteuer-Serien neu ins Rennen um den jugendlichen Leser. Im "Afrika-Jahr" 1960 werden 18 Kolonien unabhängig. Chruschtschow hämmert mit seinem Schuh aufs Pult, eine U-2 wird abgeschossen, ein Vorläufer von GPS startet, John F. Kennedy gewinnt die US-Wahlen. Jim Knopf erreicht Lummerland, Cassius Clay wird Box-Olympiasieger, Rocco Granata singt von Marina. Marion Crane geht zum letzten Mal unter die Dusche, der neue Dr. Mabuse sieht alles und René Goscinny lässt den doofen Rantanplan auf Lucky Luke los. Zeittafel 1960 herunterladen

 
Zeittafel 1949 Zeittafel 1949 (adi)
Die Bundesrepublik und die DDR, der Europarat und die NATO werden gegründet, die Berlin-Blockade wird beendet, die Sowjets zünden ihre erste Atombombe dank Informationen von Spionen aus den USA. In diesem Jahr gibt es im Comicbereich wenige Ersterscheinungen, die meisten sind Neuveröffentlichungen. Es gibt die erste Praktica-Kamera zu kaufen und in Berlin erfindet Hertha Heuwer die Currywurst. Im Kino zeigt man Trümmerfilme, beschreibt Aspekte der Besatzungszeit und erinnert an die NS-Vergangenheit. Peyo zeichnet die Abenteuer der Katze "Pussy" und Carl Barks lässt Tick, Trick und Track in "Rival beachcombers" den Strand nach einem Rubin absuchen. Zeittafel 1949 herunterladen

 
Zeittafel 1948 Zeittafel 1948 (adi)
Jeder Westdeutsche erhält 40 DM. Westberlin wird über eine Luftbrücke versorgt. Der neue Berliner Flughafen Tegel wird in 85 Tagen gebaut. Die neuen in Deutsch erscheinenden Comics des Jahres 1948 erhalten meistens gereimte Texte, aber Konstantin Kusnezows "Jagd auf das Atomgeheinis" zeigt Text in Sprechblasen ohne Verskunst. Auf den deutschen Leinwänden geht es um den Holocaust, einen Justizskandal und den Weiterbau der Welt mit Petrus oder Lucifer. Bei McDonald startet das Fastfood seinen Siegeszug. Suske und Wiske von Willi Vandersteen und Alix von Jacques Martin haben ihren ersten Auftritt im belgischen Comicmagazin Tintin. Zeittafel 1948 herunterladen

 
Zeittafel 1947 Zeittafel 1947 (adi)
Der Winter ist ungewöhnlich kalt, der Sommer sehr heiß in Deutschland. Die Versorgungslage der Bevölkerung ist angespannt. Dennoch erscheinen einige Comics, darunter erstmals auch Hefte französischen Ursprungs. Im Kino sorgt Hildegard Knef für die Aufklärung eines angeblichen Schmuckdiebstahls, Zorros Sohn sorgt für Gerechtigkeit und der kriminelle Hans Albers läutert sich. Der Transistor funktioniert, die Kon-Tiki sticht in See und Maggi fusioniert. Buck Danny fliegt erstmals durch "Spirou". Steve Canyon von Milton Caniff gibt sein Debut zur gleichen Zeit in 168 US-Zeitungen auf einmal. Zeittafel 1947 herunterladen

 
Zeittafel 1945-46 Zeittafel 1945-46 (adi)
Als erster Nachkriegscomic in Deutschland erscheint im Dezember 1945 ein Heft, von Konstantin Kusnezow gezeichnet, dessen Sprechblasentexte in Englisch und Deutsch nebeneinander stehen. Aus der Schweiz kommen Globi-Bücher, in Österreich konkurrieren gleich zwei Kinderzeitschriften um den jungen (Comic-) Leser. Comics werden noch nicht Comics genannt. Im Kino gibt es die ersten Trümmer- und Übergangsfilme. Hildegard Knef verhindert Selbstjustiz, Peter Voss eine Bankpleite, die Presse den Bikini. Morris bringt die erste Geschichte von "Lucky Luke" auf den Weg und Carl Barks zeichnet mit The Riddle of the Red Hat seine einzige Micky-Maus-Erzählung. Zeittafel 1945-46 herunterladen

 
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Lektüre


Bastien Vivès/Martin Quenehen: Nationalfeiertag Nationalfeiertag (Bastien Vivès/Martin Quenehen, Schreiber & Leser 2023, 256 S., HC, zweifarbig)
Der Titel dieses ungewöhnlichen Krimis bezieht sich auf den 14. Juli, also dem französischen Nationalfeiertag, der in einer kleinen, beschaulichen Gemeinde, dem Schauplatz der nachdenklich machenden Erzählung, auch seitens der Polizei vorbereitet wird. Man gibt sich sorglos, aber der junge Polizeianwärter Jimmy Girard denkt an einen möglichen terroristischen Anschlag. Als Grund dafür fällt einem wohl zunächst der Terroranschlag vom 14. Juli 2016 in Nizza ein, auf den sich die Autoren aber nicht namentlich beziehen. Offenbar geht es ihnen allgemein um den Zeitgeist im Frankreich jener Jahre. Als der Maler Vincent Louyot und seine Tochter Lisa in Jimmys Gemeinde eintreffen, wird ein Attentat, bei denen Vincents Frau Catherine umkam, als Grund für ihr Kommen aus Paris genannt. Er wolle den Sommer über Trauerarbeit leisten, sagt Vincent, der von Vivès so gezeichnet ist, dass er an den Religionskritiker Michel Houellebecq erinnert. Schnell kommt Jimmy dahinter, dass Vincent noch ganz andere Absichten hat. Eigentlich müsste sich Jimmy als Polizist nun ganz anders verhalten, als er es dann macht. Es bleibt den LeserInnen überlassen, für Jimmys Verhalten Verständnis zu zeigen oder doch besser zu rätseln, warum die Autoren kein moralisch korrektes Ende anstreben. Ist Jimmy ein Held? (adi)

 
Sam Johns/James Tynion IV/Mirka Andolfo: Punchline - Der Prozess Punchline - Der Prozess (Sam Johns/James Tynion IV/Mirka Andolfo et al., Panini 2023, 132 S., SC, farbig)
Auf Punchline (d.i. Alexis Kaye) als Nachfolgerin und Widersacherin von Harley Quinn stießen wir erst kürzlich, als Batman in finstere Pläne verstrickt wurde. Der schlagfertigen Joker-Favoritin soll nun der Prozess gemacht werden, wozu sie in der Strafanstalt Blackgate verwahrt wird. Dort herrscht Pikdame, Anführerin der Royal Flash Gang, die sie umgehend und kurz und schmerzvoll beerben kann. Nun müssen noch ihre Karten bis zu einem angestrebten Freispruch vor Gericht richtig gemischt werden. Die Killerwalmutation Orca (d.i. Dr. Grace Balin) schlägt hoffentlich auf der richtigen Seite zu. Bluebird (d.i. Harper Row) und die Gutachterin Dr. Leslie Thompkins versuchen Punchline die (Mit-) Schuld an einer Reihe von Morden nachzuweisen, die angeblich auf das Konto des Jokers gehen. – Aus 15 Kapiteln à 8 Seiten setzt sich dieser Einblick in den mörderischen Charakter einer neuen Superschurkin zusammen. Die Kapitel erschienen jeweils als Zweitgeschichte in der US-Serie The Joker in den Jahren 2021 und 2022, zeigen also ein aktuelles Bild der Lage in Gotham nach dem Joker-Krieg. Dazu meint Bluff, der Freund von Harpers Bruder Cullen, fachkundig: "Gotham ist eine harte Stadt. Jeder hat eine Vorstrafe oder hängt von jemandem mit Vorstrafe ab..." (adi)

 
Nicoby/Vincent Zabus/Jostein Gaarder: Sophies Welt 1 Sofies Welt oder die Geschichte der Philosophie 1: Von den Anfängen (Vincent Zabus/Nicoby/Jostein Gaarder, Hanser 2022, 264 S., HC, farbig)
Erst seit ein paar Wochen in den Läden und schon gibt es eine zweite Auflage der Graphic Novel zu dem berühmten Philosophie-Buch von Jostein Gaarder. Dem Mädchen Sofie Amundsen werden darin klassische Fragen gestellt, die die Menschen seit jeher beschäftigen: Wer bin ich? Woher kommt die Welt? Wie soll man leben? Sofie wird dazu von einem mysteriösen Unbekannten ein Philosophiekurs angeboten. Dieser Kurs folgt für Sofie und den Lesenden den historischen Abläufen, beginnt also bei den Gedanken der griechischen Naturphilosophen und bei Demokrit (460-370 v. Chr.), dessen Atomtheorie mit Legosteinen veranschaulicht wird. Aus Sokrates' philosophischer Gesprächstechnik ergibt sich für Sofie sogleich ein Nachdenken über Fakten zur Klimaerwärmung. Den Autoren ist erfreulicherweise an Gegenwartsbezug gelegen. Schön klingt in diesem Zusammenhang die von Sokrates benutzte Bezeichnung Ultrakrepidarier für "Menschen, die sich außerhalb ihrer Kompetenz zu etwas äußern". Auch das Höhlengleichnis von Platon bietet Anknüpfungspunkte zur Erklärung aktueller Phänomene in den sozialen Blasen des Internets. In einfach gehaltenen, gut lesbaren Zeichnungen führt dieser erste Band bis in die Welten von Renaissance und Barock. Und Sofie rebelliert. Gut. (adi)

 
Édouard Aidans/Yves Duval/Jacques Acar: Sven Janssen Integral 1 Sven Janssen Integral 1: 1963-1967 (Édouard Aidans/Yves Duval/Jacques Acar, Kult Comics 2021, 264 S., HC, farbig)
Wiederum vorbildlich – und wie bei diesen mit 'Integral' bezeichneten Sammelbänden üblich – führt ein Dossier in die Serie aus comichistorischer Sicht ein (siehe auch "Adler Integral 1", "Timmi Tambour Integral 1" oder "Lou Smog Integral 1"). Bildet man mit dem mathematischen Integral die Summe von Flächenstücken, so bildet man mit diesen Integral-Bänden eine Art Summe an Fakten und Erzählungen, die zu einer Serie gehören, womit folglich eine Gesamtschau auf ein Stück Comiczeitgeschichte möglich wird. Dieses Mal leistet Volker Hamann die gründliche Einordnung von "Sven Janssen" in den frankobelgischen Comic der 1960er Jahre. Damit erklärt sich dann, warum der Abenteurer Sven Janssen in der zweiten Erzählung ein anderes Umfeld erhält, in der nicht mehr die Tante samt Diener, sondern seine Familie mit einem roten VW-Bulli an Svens Seite steht. Sven verdingt sich als Fotojournalist. Mit dem roten Bulli erreichen die Janssens Afrika, wo sie bedrohliche Situationen mit gefährlichen Tieren, Pygmäen und Deutschen durchzustehen haben (zwei vertauschte Seiten stören dabei nicht wirklich). Es geht für das UN-Kinderhilfswerk und andere Auftraggeber oder privat nach Asien, Lateinamerika, Portugal und mehrmals nach Afrika mit Erzählungen, denen man ihr Alter natürlich anmerken sollte. (adi)

 
Guilherme Balbi/Sherri L. Smith: Avatar - Das Blut von Pandora 1 Avatar - Das Blut von Pandora 1 (Sherri L. Smith/Guilherme Balbi, Panini 2023, 132 S., SC, farbig)
Mit Hilfe seines Avatars konnte sich Jake Sully im Auftrag einer Bergbaufirma auf dem Mond Pandora bei den Ureinwohnern, den Na'vi, um deren Einsicht bemühen, ihren angestammten Platz wegen der darunterliegenden Bodenschätze verlassen zu müssen. Die Na'vi lehnten das entschieden ab. Es endete mit einem Angriff der brutalen Miliz der Firma auf die Heimat der Na'vi und unterbrach auch Jakes Beziehung zu seiner geliebten Neytiri. Aber es kam im so erfolgreichen Film von 2009 für Jake und Neytiri zu einem glücklichen Ende und später zu einigen Kindern: Neteyam, Kiri, Lo'ak und Tuktirey. Zum Ritual der Aufnahme Jakes bei den Na'vi gehörte das Zureiten eines Drachens. Das gelang ihm dank Geschick und Ausdauer so wie Old Shatterhand bei Mr. Henrys Rotschimmel. Jetzt aber steht sein Sohn Lo'ak vor dieser gefährlichen Aufgabe, wovon der erste Teil dieses Comics erzählt, der anschließend von den Vorbereitungen auf die Rückkehr der Bergbaufirma und vom menschlichen Kriegswaisen Spider handelt, der sich auf Pandora nur mit Schutzmaske aufhalten kann. – Dieser erste von drei Teilen leitet als Prequel zum aktuellen Avatar-Film "The Way of Water" auch zeichnerisch gelungen in die verzaubernde, urweltliche Atmosphäre Pandoras ein, dessen Natur und Kultur sich ein weiteres Mal ökonomischen, terrestrischen Interessen unterordnen soll. (adi)

 
Jim Ottaviani/Jerel Dye: Einstein Einstein (Jim Ottaviani/Jerel Dye, Panini 2023, 304 S., HC, farbig)
Mit einer solchen Persönlichkeit wie der des leidenschaftlich neugierigen Physik-Genies Albert Einsteins lohnt sich die Auseinandersetzung unter mehrerlei Blickwinkeln. Diese Biografie zeichnet zuvorderst seinen Werdegang und Lebensweg nach. Dabei lassen die Autoren auch die Grundzüge der Erkenntnisse Einsteins aufscheinen, ohne dass allzu sehr ins Detail gegangen wird. Anders als im Sach-Comic "Einstein für Anfänger" von 1979, der eigentlich kein Comic ist, sondern ein illustriertes Sachbuch, ist das nun vorliegende "Einstein" ein seitenstarker, veritabler Comic, der das Hin und Her in der Karriere des Neudenkers unter Berücksichtigung der historischen Geschehnisse ins Bild setzt, wobei sein kritikwürdiger Umgang mit seinen Frauen und Kindern ganz und gar nicht ausgespart wird. Während es der damalige Sach-Comic des Physikers Joseph Schwartz den leidlich mit dem Satz des Pythagoras, den Newtonschen Gesetzen und etwas Algebra vertrauten LeserInnen ermöglichte, verständig bis zur famosen Gleichung E = m · c² zu gelangen, so legen es die Autoren dieses neuen Buchs nicht darauf an, eine Art Physik-Lehrbuch vorzulegen. Immerhin behandeln sie auch die Ideen zur allgemeinen, während der Sach-Comic sich auf die spezielle Relativitätstheorie beschränkt. Ob nun Heisenbergs Unschärfe, Bohrs Atommodelle oder Schrödingers Katze, das Buch bietet genug Anreize, sich mit physikalischen Phänomenen näher zu beschäftigen. Das James-Webb-Weltraumteleskop zeigte kürzlich "stark gelinste Hintergrundgalaxien". Einstein wäre begeistert, welche Ergebnisse seine im Buch beschriebenen Ideen heute erbringen. (adi)

 
René Goscinny/Albert Uderzo: Asterix Max! 3 Asterix Max! 3 (René Goscinny/Albert Uderzo et al., Ehapa 2023, 192 S., SC, farbig)
Mit mindestens zwei Sahnestücken für Goscinny/Uderzo-Fans wartet dieser preiswerte Sammelband auf: Luc Junior (22 Seiten) und Benjamin und Benjamine (51 Seiten) werden jeweils mit einem vollständigen Abenteuer nachgedruckt. In "Luc Junior bei den Marsmenschen" karikiert Uderzo seinen Freund Goscinny als Marsbewohner mit Schmetterlingsnetz. Dieser Spaß stammt von 1956/57, ist also nur wenige Jahre jünger als "Asterix". In der gleichen Zeit (1958/59) erschien auch "Benjamin und Benjamine bei den Cowboys" in einer französischen Jugendzeitschrift, die laut Wikipedia bis 1958 sogar Benjamin hieß und dann in Top Réalités Jeunesse umgetauft wurde. Die Reise, die Benjamin und Benjamine mit ihrem dusseligen Leibwächter durch die USA unternehmen, um ihre ungewöhnliche Belohnung in Besitz zu nehmen, erinnert daran, dass Goscinnys die USA durch seine Aufenthalte dort in den 1940/50ern gut kannte (und wo er Jijé, Morris und Franquin kennenlernte). Mit "Idefix und die Unbeugsamen" von 2022 steuern Olivier Serrano und David Etien zum Band einen Beitrag deutlich jüngeren Datums bei, in dem wir erfahren, wie Artus' Schwert in den Stein gelangt ist. Das ist dann allerdings doch nicht Excalibur, sondern das bedeutsame Schwert des Camulogenos. (adi)

 
Mariko Tamaki/Amancay Nahuelpan: Crush & Lobo Crush & Lobo (Mariko Tamaki/Amancay Nahuelpan, Panini 2022, 212 S., SC, farbig)
Crush ist außerirdisch ungewöhnlich. Ihr Vater Lobo fräggte in den 1990er Jahren durch einige Dutzend Dino-Hefte. Er war der Letzte der Czarnianer (weil er alle anderen Czarnianer killte). Aber er bekam eine Tochter, Crush, ebenso bleich und krass wie er. Lobo sitzt derzeit im intergalaktischen Knast. Lobos Gefängnistherapierobot Z1-A stuft es als "förderlich für [den] Heilungsprozess" ein, wenn Crush ihren Vater besuchen käme. Also "leiht" sie sich ein Raumschiff und fliegt los. Ein rachsüchtiger Kaffeeologe, der sie aufhalten will, wird ohne Rücksicht auf Verluste weggesprengt. Danach geht es für sie als Anhalterin im Müllschiff weiter. Schnell merkt Crush nach ihrer Ankunft, dass sie ihren Vater besser nicht hätte besuchen sollen. – Der witzige Comicband lebt davon, dass sich mit außerordentlichen Kräften ausgestattete Czarnianer so egoistisch verhalten, dass man an der sozialen Unkorrektheit seinen Spaß hat. Die eigene Tochter so richtig in die Pfanne zu hauen, das ist Lobo, völlig frei von Schuldgefühlen. Crush muss sich nun statt seiner von Therapie- und Bewachungsrobotern gängeln lassen. Besonders an diesem Comic ist auch, dass die Autorin Mariko Tamaki ("Ein Sommer am See") die Hauptfigur Crush als Erzählerin einsetzt, die sich im Text immer wieder direkt an den Lesenden wendet. Sympathischer als ihr Vater wirkt und ist sie damit allemal. (adi)

 

Jeremy Lambert/Ramon Bachs et al.: Buffy 7: Eine Welt ohne KrabbenJeremy Lambert/Mirka Andolfo et al.: Buffy 8: Ein Regenbogen auf ihrem Kopf Buffy 7: Eine Welt ohne Krabben (Jeremy Lambert/Ramon Bachs/Valentina Pinti et al., Panini 2022, 128 S., SC, farbig)
Buffy 8: Ein Regenbogen auf ihrem Kopf (Jeremy Lambert/Mirka Andolfo/Carmelo Zagaria et al., Panini 2022, 116 S., SC, farbig)
Die vier Vampirjägerinnen Buffy, Kendra, Faith und Morgan zusammen mit ihren Wächtern Rupert, Robin, Wesley und dessen Begleitgeist Ethan, dann noch der Fledermauskobold Grawilburrk, dazu Anya, Willow, Xander, Cordelia und andere, die Anzahl der an der 2020 gestarteten Buffy-Story und den neuen beiden Sammelbänden beteiligten Figuren wird immer länger (siehe auch "Buffy 6"). Das ist für die "Buffy"-KennerInnen natürlich kein Problem, sondern eher eine Bereicherung einer Welt, die sich jetzt auch noch in parallele Universen aufteilt. Parallelität heißt hier nicht, dass sie überall grundsätzlich gleichen Abstand voneinander haben, aber dass sie sich jedenfalls nicht gegenseitig so durchdringen, dass eine Welt von einer anderen Kenntnis nehmen kann. Doch die Fähigkeiten von Willow oder Anya schaffen Durchgänge zwischen den Welten, die zum einen die Möglichkeit eröffnen, dass Hindurchgehende auf ihr paralleles Selbst treffen, und zum anderen, dass man Lurkern zum Opfer fällt, monströsen Skelettwesen, die einem die Erinnerung wegfressen, oder dass man in einer Welt der Vergangenheit landet, in der Xander noch brav und ohne Augenklappe zur Scooby-Gang gehört und in der es tatsächlich Krabben gibt. (adi)


 
Matt Fraction/Elsa Charretier: November 1 November 1: Die Frau auf dem Dach (Matt Fraction/Elsa Charretier/Matt Hollingsworth, Schreiber & Leser 2022, 152 S., HC, farbig)
Für 500 Dollar pro Tag macht sie es: Dee lässt sich recht schnell überreden, einen seltsamen Auftrag vom mysteriösen Mister Mann anzunehmen. Dazu hat sie täglich ein Rätsel aus der Morgenzeitung zu lösen und mit Hilfe einer Annonce von Mister Mann in derselben Zeitung einen Schlüsselcode zu bestimmen. Dann steigt sie aufs Dach zur Funkstation neben dem Taubenschlag und sendet den Code aus. Für Dee wird das viele Geld zur Belastung. Aber Mister Mann droht ihr mit dem "Ende der verfluchten Welt", wenn sie mit ihrem Job aufhört. – In der Polizeiwache nimmt die völlig überarbeitete Polizistin Kay Kowalski den Anruf einer Frau entgegen, die eine Pistole in einer Pfütze gefunden hat. Sie schickt eine Streife hin. – Jetzt wird es spannend: Emma-Rose, die Frau, die die Pistole fand, landet von Polizisten gefesselt in einer Art Lagerhaus, wo sich bereits Dee befindet, ebenfalls gefesselt. – Es lässt sich nach und nach erahnen, dass hier einige Polizisten tief in kriminelle Machenschaften verwickelt sind. Die Erzählung besticht dadurch, dass sich die Zusammenhänge nicht plump und simpel erschließen lassen, sondern vom Lesenden Beobachtungs- und Kombinationsbereitschaft fordern. Die weiteren und abschließenden Teile dieses Krimis haben die Autoren bereits geschrieben und gezeichnet, so dass man bis zur Auflösung des Falls nur noch etwas abwarten muss. (adi)

 
Sam Hamm/Joe Quinones: Batman '89 Batman '89 (Sam Hamm/Joe Quinones, Panini 2022, 148 S., SC, farbig)
Da mit "Superman '78" ein Comicband erschien, der an den Supermanfilm von 1978 anschließt, lässt der Band "Batman '89" erwarten, dass es um eine Comic-Fortsetzung des Batmanfilms von 1989 geht. Man erinnert sich bei diesem Film an den immergrinsenden Joker (Jack Napier), der mit Mordlust, Gas und irrem Kunstverstand seine Umgebung terrorisiert. Man erinnert sich an die Journalistin Vicky Vale, der der verliebte Batman wie ein Schuljunge stotternd seine Identität zu enthüllen versucht. Man erinnert sich an Batmans vielzipfligen Bat-Umhang und seine ledrige Gummimaske. Letzteres greift der nun vorliegenden Comic auf, inhaltlich geht es aber weder um den Joker, noch um Vicky Vale, sondern hauptsächlich um den Staatsanwalt Harvey Dent, der nach seinem Unfall zu Two Face wird. Interessant ist dabei, dass Sam Hamm, der Autor dieses Comics, einer der Drehbuchschreiber des 1989-Batmanfilms ist. Hamm schrieb auch ein Drehbuch für den daran anschließenden Batmanfilm, in dem neben Two Face auch Robin eine wichtige Rolle spielen sollte. Dieses Drehbuch wurde 1990 abgelehnt. Doch als Comicautor konnte Hamm seine Vorstellungen von einer passenden Fortsetzung umsetzen. In der kurzatmigen Erzählung tritt mit Selina Kyle ("Catwoman") dennoch auch eine wichtige Figur des zweiten Batmanfilms auf. Und Barbara Gordon, das spätere "Batgirl", muss schwere Schicksalschläge hinnehmen. (adi)

 
Bob De Groot/Philippe Francq: Frauen und Städte Frauen und Städte (Bob De Groot/Philippe Francq, Schreiber & Leser 2022, 100 S., HC, farbig)
Sechs Geschichten über sechs Frauen an sechs Orten: Mit diesem Gesamtband wird ein Frühwerk des Zeichners Philippe Francq in Erinnerung gerufen. Die Erzählungen führen nach Florida, Brüssel, New York, Paris, Amsterdam und Marseille, was allerdings keine große Rolle spielt. Die Frauen ereilt alle ein plötzliches Schicksal, jeweils ausgelöst durch die Männer ihrer Umgebung. An schwarzem Humor lässt es der Autor Bob de Groot nicht fehlen. Der Zeichner Philippe Francq, sehr bekannt durch seine grafisch bestechende Arbeit für "Largo Winch" (man denke nur an die beiden Alben von "Voir Venise... et mourir"), steht bei diesen 1987/88 entstandenen Arbeiten am Anfang seiner Kunst, wie man gelegentlich bemerken wird. Sein Faible und seine Stärke, für eine realistische Darstellung der Spielorte zu sorgen, schaffte schon damals beachtliche Bilder und Atmosphäre. Die ersten drei Geschichten kamen bei uns 1989 als zweiter Band mit dem Titel 'Helen' in der Reihe "Erotic Souvenirs" heraus, zu dieser Überschrift nicht passend, da es nicht um erotische, sondern um kriminelle Überraschungen geht, also um die verblüffenden Pointen am Schluss. Die gelingen. (adi)

 
Robert Venditti/Wilfredo Torres: Superman '78 Superman '78 (Robert Venditti/Wilfredo Torres, Panini 2022, 148 S., SC, farbig)
Der erste Superman-Film füllte 1978 die Kinosäle. Da sah man Kal-El zu Clark Kent werden und als Superman die Erdkugel und die Zeit zurückdrehen, um seine Lois Lane wiederzubeleben. Wegen guter Rechtschreibung und seinem hohen Tempo auf der Schreibmaschine wurde Clark Kent vom Chef Perry White in der Nachrichtenredaktion des Daily Planet angestellt. Lois Lane ist seine Kollegin, Jimmy Olsen der Fotograf und Lex Luthor das verbrecherische Genie. In diesem 1978-Umfeld spielt die von Robert Venditti geschriebene neue Erzählung von 2021/22, die sich wie eine Fortsetzung lesen lässt. Doch schon das Titelbild verrät, dass sich nun Brainiac in die Geschichte einmischt, eine Figur von 1958, die seit jeher als ein Hauptgegner von Superman fungiert, aber im Film von 1978 nicht vorkommt. In diesem Buch zwingt er Superman, sich ihm kampflos auszuliefern, um die Menschen in Metropolis zu retten. Kal-El kommt zu den anderen Kryptoniern in die Flasche. Der Witz der folgenden Auseinandersetzung ist, dass sich ausgerechnet Lex Luthor herausgefordert fühlt, gegen Brainiac anzutreten und Superman zu befreien. In der klassisch angelegten, unkomplexen Story fehlt es nicht an SciFi-Elementen und gleich über zwanzig Seiten bilden den entscheidenden Kampf des Superhelden ab. Metropolis darf nicht untergehen. (adi)

 
Zep: Was wir sind Was wir sind (Zep, Schreiber & Leser 2022, 88 S., HC, farbig)
Wenn es um unser Gehirn geht, schießen die vagen Vorstellungen von seiner Funktionsweise ins Kraut. Die einen meinen, eine genaue Kartierung der neuronalen Struktur durch Gewebeschnitte erlaube hinter die Hirnabläufe blicken zu können, die anderen halten es für illusorisch, den Zustand von 100 Billionen Synapsen beobachten, speichern oder gar interpretieren zu wollen, ganz abgesehen von einem Verständnis oder einem Aufzeichnen der jeweils laufenden elektrochemischen Vorgänge. Doch nimmt man an, dass es, wie im neuen Comic von Zep (d.i. Philippe Chappuis), im Jahr 2130 gelungen sein wird, Gedächtnisinhalte geben und nehmen zu können oder Träume und Sinneseindrücke zu lenken, dann könnte es einen Konstantin geben, der über ein zweites, digitales Gehirn verfügt. Dieses sei aber nicht in ihm, sondern im Data Brain Center gespeichert. Von dort versorge es ihn mit Wissen und (gefühlten) Fertigkeiten. Sogar seine gesamte Intelligenz sei dort gespeichert. Was unterscheidet ihn dann noch von einem Roboter, der von einer KI gesteuert wird? – Der Konstantin dieser SciFi-Erzählung erfährt leidvoll, was geschieht, wenn der Zugriff auf sein digitales Gehirn nicht mehr funktioniert. Mühsam versucht er, mit seinem biologischen Gehirn im Alltag zu bestehen. Er weiß nicht mehr, wer er ist, er kann nicht mehr lesen und schreiben, er streichelt eine Giftschlange. Die tatkräftige Neurowissenschaftlerin Hazel hilft ihm auf die analogen Sprünge. Den Comic mag man wie eine Parabel auf die Leute lesen, die ohne ihr Smartphone nicht mehr klarkommen. (adi)

 
John Ridley/Christian Duce et al.: Ich bin Batman 2: Der dunkle Ritter von New York Ich bin Batman 2: Der dunkle Ritter von New York (John Ridley/Christian Duce/Ken Lashley et al., Panini 2022, 132 S., SC, farbig)
Es ist nicht DER Batman, also Bruce Wayne, sondern ein Zweit-Batman, Jace Fox, der zuletzt in Gotham City unter den Verbrechern aufgeräumt hat (siehe Das Erbe des Dunklen Ritters). Jetzt ist Jace mit seinen beiden Schwestern und der Mutter nach New York gezogen. Der dortige Bürgermeister Villanueva kommt auf die Idee, eine Polizei-Sondereinheit aufzustellen, zu der der neue Batman gehören soll. Er meint, dass dieser lediglich sein "verfassungsmäßiges Recht" ausübe, Kriminelle an ihren Straftaten zu hindern. Steht das wirklich in deren Verfassung? Jace wird jedenfalls zur Mitarbeit gezwungen und erhält pro forma einen Dollar Gehalt im Monat. Der Polizeichef Commissioner Becket ist mit der Einrichtung einer solchen Sondereinheit nicht einverstanden, kann sich aber nicht durchsetzen. Er endet schrecklich. Auch Jace-Batman bekommt es mit dem mordenden Schurken zu tun, der mit einem dornigen Bügeleisen zu kämpfen versteht. Detective Adriana Chubb leitet die Sondereinheit, die die Mordfälle aufzuklären versucht. Trotz ihrer Abneigung gegenüber maskierten Vigilanten, muss sie dazu mit Batman eng zusammenarbeiten. – Als zweiter Sammelband dieser von einem alternativen Batman und den sich daraus ergebenden Verwicklungen handelnden Serie enthält er eine Erzählung, die überraschenderweise in den Bereich der surrealistischen Kunst hineinspielt. (adi)

 
Cambré/Legendre: Spirou und Fantasio Spezial 39: Der Wolfsmensch Spirou und Fantasio Spezial 39: Der Wolfsmensch (Charel Cambré/Marc Legendre, Carlsen 2022, 48 S., SC, farbig)
Spirou und Fantasio sind auf einer Reise in einen abgelegenen, idyllischen Landstrich. Mit ihrem Turbot geht es durch eine verschlafene Ortschaft, in der gerade André Franquin in einer Buchhandlung signiert. Von der tierreichen Gegend versprechen sich die beiden einen großartigen Artikel. Es heißt, dort gäbe es auch Wölfe. Die möchte man sehr gerne vor die Linse bekommen. Doch Steffani, die ewige Konkurrentin, will ebenfalls für den Tourismusverband des Ortes eine bebilderte Reportage schreiben. Im Gasthof begegnen sie Mister Richinuff, einem reichen Amerikaner, der dort einen Erlebnispark plant und dazu einen Talabschnitt fluten will. Davon sind die drei Reporter wenig begeistert und vermuten sogar eine Gaunerei des großspurigen Unternehmers. – Die reichlich mit Slapstick-Einlagen Fantasios versehene Geschichte bietet feine zeichnerische Anspielungen, wie beispielsweise Asterix und Obelix mit Wildschwein auf der Gasthofwiese. Zugleich stellen sich die Fragen, wie man mit dem Gips eine Stahlbetonfigur herstellt oder warum man eine Treibjagd mit 't' schreibt. Dieses Album ist das dritte der beiden Autoren (siehe Zantafios Plan oder Happy Family). Alle drei wurden aus dem Niederländischen ins Deutsche übersetzt, denn in Französisch erschienen sie kurioserweise nicht. (adi)

 
André Taymans: Eden 1 Eden 1 – Rückkehr in die Vergessene Welt (André Taymans, Schreiber & Leser 2022, 48 S., HC, farbig)
Im Juni 1970 schafft Kathy ihren Studienabschluss in Paläontologie. Umgehend meldet sie sich mit ihrem Diplom bei der erfreuten Großmutter. Nun kann sie sich mit Freunden und zwei VW-Bullis auf den Weg machen, mit Hilfe von Aufzeichnungen ihres Großvaters Edward Malone eine Vergessene Welt in Brasilien zu entdecken. Die lange Fahrt auf unbefestigten Pisten durch den Dschungel beginnt mit sechs Leuten, die sich zueinander frei im damaligen Geist der Hippie-Bewegung verhalten wollen. Es tauchen unverhofft zwielichtige Männer, ein starker Tom und eine brüchige Brücke auf. Als dann noch ein Flugsaurier über ihnen kreist, wird die Geschichte endgültig abenteuerlich. – Dieser neue Comic setzt auf dem 1912 erschienenen Roman "The Lost World" von Arthur Conan Doyle auf, was sowohl an der Wahl der Namen Edward Malone und Maple White, als auch an der Geschichte vom Hochplateau mit seinen urweltlichen Tieren deutlich wird. Auf der Hochebene kommen in diesem Comic fünf der jungen Forscher an. Jetzt wird man gespannt sein, ob Kathy und ihre Gruppe auf die Nachkommen der hochentwickelten Affen treffen wird, die bei Doyle zur großen Bedrohung der Expeditionsteilnehmer wurden. Doch man findet zunächst etwas ganz anders. (adi)

 
Arild Midthun/Bjørn H. Samset: Eva - Klima in der Krise Eva – Klima in der Krise (Arild Midthun/Bjørn H. Samset, Panini 2022, 64 S., HC, farbig)
Als Influencerin arbeitet Eva erfolgsorientiert und weltweit an Verbraucher- und Einkaufstipps für ihre Follower. Gerade fliegt sie nach New York, wo sie einen Vertrag mit einem multinationalen Sponsor schließen will. Sie sitzt zwischen zwei Männern, der eine hofft auf Taten gegen den Klimawandel, dem anderen sind nur sein 'Business' und der nächste Drink wichtig. Die Stewardess kommt mit einem Korb Äpfel vorbei. Im Weiteren spielt der Apfel als Hoffnungs-Symbol eine große Rolle, weshalb die Titelfigur auf dem Cover wohl einen leuchtenden Apfel in der rechten Hand hält. In New York stürzt Eva nach dem Aussteigen aus dem Taxi nach hinten, stößt sich den Kopf und erlebt traumhaft während der Besinnungslosigkeit die Zukunft einer Erde nach kommenden Klimakatastrophen. Das liest sich einige Seiten lang wie ein Hellboy-Comic mit Tod und Teufel, in dem alles unterzugehen droht. Auch die beiden Männer aus dem Flugzeug kämpfen mit. Der Finstere hat es auf den Apfelbaum, den Baum des Lebens, abgesehen. Eva bekommt den letzten Apfel zu fassen. Was macht sie damit? Hat sie einen Adam dafür? – Der Autor Samset ist Klimaforscher. Seine mit einiger Symbolik versehene Erzählung schließt mit drei Doppelseiten, die wissenschaftliche Szenarien zum Klimawandel übersichtlich darstellen. (adi)

 
Laurent Seksik/David François: Charlie Chaplin Charlie Chaplin – Die Comic-Biografie (Laurent Seksik/David François, Knesebeck 2022, 224 S., HC, farbig)
Die Lebensgeschichte des Charles "Charlie" Chaplin ist reich an Facetten, mit denen sich die Beschäftigung lohnt. Der Autor Laurent Seksik hat dazu aus nicht genannten Quellen vieles zusammengetragen, das sich bei Wikipedia nicht findet. Als Autor der Doku-Fiktion "Chaplin, la légende du siècle" nutzte er wohl sein damaliges Drehbuch. Er reicherte das Skript mit vielen Einzelheiten an, die das Buch nie eintönig werden lassen. Der Gefährte von Chaplin auf der Überfahrt nach Nordamerika ist ein gewisser "Stanley", man ahnt oder sieht, dass Stan Laurel gemeint ist, der zur selben Theatertruppe Fred Karno's Army wie Chaplin gehörte. 1913 verließ Chaplin diese Truppe und unterschrieb bei den Keystone Studios als Filmschauspieler. In der vorliegenden Comic-Biografie ist von ihm zugesagten 30.000 Dollar pro Film bei Keystone die Rede, ein Detail, von dem das Web wohl nichts weiß, das aber für den Startpunkt in Chaplins Filmkarriere steht. Er wechselte dann zu Essanay für 1.250 Dollar pro Woche. – Wichtige Zutat zu dieser Comic-Biografie sind die Dialoge, die Chaplin mit den Filmleuten, mit seinem Bruder, seiner Mutter, mit seinen Frauen, mit Gandhi, Einstein, Welles, Churchill führt. Sie erklären die Entwicklung seines politischen und privaten Engagements. Als geradezu entsetzlich dämlich stellt sich im dritten Teil des Buches die Verfolgung Chaplins in der McCarthy-Ära dar. Unglaublich, was das FBI und die verpeilten Politiker jener Zeit anrichten durften. (adi)

 
Brian Azzarello/Alex Maleev: Suicide Squad - Schnappt den Joker! Suicide Squad - Schnappt den Joker! (Brian Azzarello/Alex Maleev, Panini 2022, 164 S., HC, farbig)
Gerade fiel der Joker im vorherigen Buch einer Menschenfressersippe in die Hände (siehe Der Joker), jetzt sitzt ihm ein Himmelfahrtskommando, eine Suicide Squad namens 'Task Force X', auf den Fersen. Zu dieser von der Regierungsagentin Amanda Waller zusammengestellten Truppe aus Knastinsassen gehören Red Hood (d.i. Robin II aka Jason Todd) als Anführer und acht weitere SuperschurkInnen mit speziellen Fähigkeiten, darunter Harley Quinn. Ihnen allen wird ein Nachlass ihres Strafmaßes zugesagt, wenn sie von ihrer Mission erfolgreich zurückkehren. Selbstverständlich kann Waller diese gefährlichen Kriminellen nicht einfach ins Freie entlassen, ohne dass sie jedem/jeder etwas injizieren lässt, das ihn/sie von ihr abhängig macht: Amanda Waller besitzt eine 'Boom Box', mit der sie jedes Mitglied der Suicide Squad auf Knopfdruck vernichten kann, falls dieses nicht gehorcht. Joker schafft es, die Boom Box an sich zu bringen. Man ahnt, was dann wohl passieren könnte. Aber es kommt ganz anders... – Red Hood hat als Chef der Truppe im Laufe des brutalen Gefechts nicht nur eine schwierige Aufgabe zu erfüllen, auch seine Vergangenheit als jemand, der vom Joker einstmals getötet wurde und wie Lazarus von den Toten wiederauferstand, um zu Red Hood zu werden, lässt ihm in diesem albumgroßen Buch eine entscheidende Rolle zukommen. BLAM. (adi)

 
James Tynion IV/Giuseppe Camuncoli et al.: Der Joker 3 - Menschenfresser Der Joker 3 - Menschenfresser (James Tynion IV/Giuseppe Camuncoli/Francesco Francavilla et al., Panini 2022, 172 S., SC, farbig)
James "Jim" Gordon, vormals Commissioner des Gotham City Police Departments, hat von Cressida den Auftrag angenommen, den Joker für immer auszuschalten (siehe dazu auch Der Joker 2). Dass ein bis dahin derart korrekt handelnder Kriminalbeamter eine solche Aufgabe der Selbstjustiz übernimmt, liegt offenbar an dem Leid, das der Joker Jims Familie zugefügt hat. Der erste Teil dieses dritten, finalen Bands der Serie geht in einer Rückblende darauf ein. Nicht nur Jims Motive bei dieser Jagd auf den Joker sind klar, auch der Antrieb der Sampson-Familie, sich den Joker auf den Grill zu legen, ist einfach nachzuvollziehen. Ein Mitglied dieser reichen und menschenfressenden Familie, Billy, ist beim Gasangriff auf das Arkham Asylum getötet worden, eine Tat, die dem Joker zur Last gelegt wird. Doch der Clou der ganzen Story ist die Frage, warum auch der Bane-Klon Vengeance hinter dem Joker her ist und was Cressida und der Rat der Eulen mit ihren Talons für Interessen in dieser Jokerjagd haben. Als weiterer Teilnehmer an dem verwirrenden Spiel tritt das "Netzwerk" auf, welches Verbrechern eine Reihe von luxuriösen und gut abgeschirmten Erholungsorten anbietet. Es könnte überraschen, dass hinter allem jemand steckt, den man schon gar nicht mehr auf der Rechnung hatte. (adi)

 
Georges van Linthout: Lou Smog - Integral 1 Lou Smog - Integral 1 (Georges van Linthout, Kult Comics 2022, 136 S., HC, farbig)
Er wollte schon als Kind Comiczeichner werden und bewarb sich bereits mit 7 Jahren bei der berühmten Comichochschule Saint-Luc in Lüttich. Die nahmen ihn natürlich erst, als er älter war. Er studierte dort dann erfolgreich. 1982 erreichte ihn ein Telegramm vom Verlag Dupuis. Ein erster Comic von ihm wurde im Journal de Spirou abgedruckt. Doch er wollte keine Funnys, sondern Krimicomics machen, so wie Maurice Tillieux ("Jeff Jordan"), für den er sich begeisterte. Also wechselte Georges van Linthout zum Verlag Lombard. 1986 brachte er bei denen "Lou Smog" mit einem ersten Abenteuer im Journal Tintin heraus. – Der nun vorliegende Sammelband mit zwei albenlangen und zwei kürzeren "Lou Smog"-Krimis führt eingangs vorbildlich in den Werdegang des Zeichners ein. Georges van Linthouts Passion für das Zeichnen von (alten) Autos (siehe auch Brian Bones) und Flugzeugen wird insbesondere in "Carrera Panamericana" deutlich, die zweite Geschichte in diesem Band, in der Lou Smog und sein Kompagnon Lefti einen verschwundenen Flugzeug quer durch Mexiko nachjagen müssen. Bei diesem waghalsigen Autorennen, das es in den Jahren 1950 bis 1954 wirklich gab, sind auch demolierte Autos zu zeichnen, was der erfahrene Linthout problemlos meistert. (adi)

 
Danny DeVito/Stephanie Phillips/Dan Mora et al.: DC Celebration: Die Schurken von Gotham DC Celebration: Die Schurken von Gotham (Danny DeVito/Stephanie Phillips/Dan Mora et al., Panini 2022, 116 S., HC, farbig)
Auf dem Titelbild fehlt nur noch Catwoman, dann wären alle Schurken zusammen, um die sich die acht Erzählungen in dieser Anthologie kümmern. Und bei derjenigen über Catwoman ist die Überraschung dann auch in doppeltem Sinne groß, denn in der von Danny DeVito, dem Pinguin-Darsteller im Film "Batman Returns" von 1992, geschriebenen Story sind sie (alias Selina Kyle) und der Pinguin (alias Oswald Cobblepot) ein Liebespaar, welches viele Hubschrauberladungen an Gold nicht etwa für sich, sondern für eine weltweit gemeinnützige Aktion verwendet. Was findet die lange, wendige Katze an dem anderhalb Meter hohen, übergewichtigen Vogel denn nur so attraktiv? Ob es daran liegt, dass der Vogel halbwegs dichten kann ("Du, mein steiler Zahn – Ich, dein Pinguin-Galan.")? Im Buch, das zur Reihe "DC Celebration" gehört (siehe auch Wonder Woman) geht es anschließend mit dem albtraumhaften Scarecrow, der Öko-Aktivistin Poison Ivy, mit Red Hood, dem Mad Hatter und Ra's al Ghul weiter. An dieser Stelle kommt dann Talia al Ghul hinzu, die Tochter des langlebigen Arabers und wie Catwoman einstmals eine Liebe von Batman. Man erfährt, wie sie von ihrem Vater auf ihr späteres Leben als harte Kämpferin vorbereitet wird. Fast möchte man die Superschurkin bedauern. (adi)

 
Francisco Ibáñez: Clever & Smart 18: Ein Gegengift für Mister L Clever & Smart: Ein Gegengift für Mister L (Francisco Ibáñez, Carlsen 2022, 48 S., SC, farbig)
Es wird einem nicht langweilig, auch wenn im Grunde immer das Gleiche passiert: Entweder bekommt Clever gehörig eine verbraten oder Smart muss schmerzhaft dran glauben. Und das passiert in diesem klassischen Funny auf jeder Seite gleich mehrfach, aber immer erstaunlich anders. Während es im Dienste Ihrer Majestät beim Superagenten James Bond heißt, man lebe nur zweimal, so stehen unsere beiden Geheimagenten Fred Clever und Jeff Smart demgegenüber im Dienste von Mister L in jedem Album mehrere Dutzend Male nach ihrer Vernichtung zum nächsten Einsatz sofort wieder auf den Beinen. Der kahlköpfige Verwandlungskünstler Fred Clever ist Untergebener des zweihaarigen Jeff Smart und muss als solcher bei jedem Fehlschlag die wütenden Reaktionen von Jeff über sich ergehen lassen. Seit 1958 zeichnet Francisco Ibáñez die Serie, es erschienen hunderte Hefte und Alben in etwa zwanzig Sprachen. Sein Einfallsreichtum verblüfft. Dieses Mal werden die unglückseligen Agenten nach Pestilenzien geschickt, um Mister L ein Kraut zu besorgen, dass ihn von seinem Schweinekopf heilen soll. Der irre Forscher Dr. Bakterius hat eine seiner gefürchteten Erfindungen an Mister L ausprobiert. Wie peinlich, dass Clever & Smart das schweinische Haupt ihres Chefs anfangs gar nicht bemerken! (adi)

 
Chip Zdarsky/Carmine Di Giandomenico: Batman - Die Reise 1 Batman - Die Reise 1 (Chip Zdarsky/Carmine Di Giandomenico, Panini 2022, 164 S., SC, farbig)
Es hieße an dieser Stelle Eulen nach Athen zu tragen, würde man die Unterschiede in der jugendlichen Entwicklung der beiden Waisenkinder Clark Kent und Bruce Wayne lang und breit erklären. Man weiß, dem einen wurden seine außergewöhnlichen Fähigkeiten in die Wiege gelegt, der andere musste sie sich erst hart erarbeiten. Der eine wuchs in einfachen Verhältnissen auf dem Land auf, der andere wurde mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und wird in Gotham City tagein, tagaus von einem sich aufopfernden Butler umsorgt. Dem Autoren Chip Zdasky kam die Idee, den leidvollen Weg von Bruce Wayne ab dessen Schulzeit bis zum einsatzfähigen Batman nachzuerzählen. Der erste von zwei Bänden liegt nun vor, die mit 'Die Reise' betitelt wurden, was dem Inhalt gerecht wird. Denn Bruce beschließt, Alfred Pennyworth und Gotham zu verlassen, um sich an anderen Orten dieser Welt weiterbilden zu lassen. Seine Ausbildungsreise führt ihn nach Paris, wo er bei Gray Shadow lernt, unbemerkt in Gebäude einzudringen, nach Korea, wo er bei Meister Kirigi seine Kampfkünste trainiert, und nach Russland, um sich bei Avery Oblonsky in Sachen Verkleidung und Spionage schlau zu machen. Womöglich erklärt sich durch Avery Oblonsky im kommenden Band 2 endlich auch genauer, wie Bruce auf die Idee kam, sich als Fledermaus zu verkleiden. (adi)

 
Berck/Yves Duval: Timmi Tambour Integral 1 Timmi Tambour Integral 1 (Berck/Yves Duval, Kult Comics 2022, 160 S., HC, farbig)
In der Zeitschrift "Tintin" tritt 1961 erstmals ein kleiner Junge namens Timmi auf, der vor den Prügeln seines Ziehvaters flieht und bei Sergeant Kopfnuss in einer Einheit französischer Soldaten Aufnahme findet, die sich dann auf einer Fregatte Richtung Ägypten einschifft. Auf See bewährt er sich und wird zum 1. Tambour ernannt. Man erreicht Kairo und begleitet den Ägyptologen Professor Verdurette auf der Suche nach dem goldenen Ibis des Pharaos So-Phis-Tick. Wer diesen goldenen Ibis besitzt, bliebe unsterblich und unbesiegbar, heißt es. Das weckt das Interesse des Großwesirs Achwas, der die beiden Abenteurer in die Wüste lockt. – Timmi und Sergeant Kopfnuss, die in den 1980er-Jahren auch als "Boni und Babusch" in Fix-und-Foxi- und Lupo-Heften ihre Abenteuer bestanden, führen Napoleons Befehle nach der ägyptischen Expedition 1798 weiter ins Polen des Jahres 1805 und ins Spanien von 1806. 1810 haben sie den Auftrag, im Hafen von Toulon ein Geschenk für den Kaiser abzuholen, was nicht so einfach ist, wie es sich anhört. Das sorgfältig zusammengestellte Buch wiederveröffentlicht in chronologischer Reihenfolge die "Rataplan"-Abenteuerfunnies von Berck (d.i. Arthur Berckmans) und ergänzt diese durch aufschlussreiche Zugaben, darunter ein kurzer Fotoroman mit den Autoren. (adi)

 
Johnson/Guinaldo: Blade Runner 2029 3: Erlösung Blade Runner 2029 3: Erlösung (Mike Johnson/Andrés Guinaldo, Panini 2022, 116 S., SC, farbig)
Der entkräftete Yotun braucht dringend Flüssigkeiten aus anderen Replikanten, um seine Funktionsfähigkeit zu erhalten (siehe Band 2: Echos). Seine Gehilfin Pekka unterstützt ihn auf der Suche nach geeigneten Opfern. Die Blade Runnerin Ash möchte zusammen mit ihrer Partnerin Freysa dem Replikanten Ambrose helfen, dessen Identität gerade aufgedeckt wurde. Jetzt sind sowohl das Los Angeles Police Department LAPD als auch Pekka und weitere Handlanger von Yotun hinter Ambrose her. Die einen wollen ihn "ausschalten", die anderen für Yotun "aussaugen". Esper, dem Leiter des LAPD, kommt der Verdacht, dass Ash ihre Aufgabe als Blade Runnerin nicht mehr erfüllt. Er setzt einen Aufpasser auf sie an. Und auch Freysa bleibt ständig unter Druck, da ihr fehlendes Auge sie verdächtig macht. – Der dritte und letzte Band dieser Blade-Runner-Geschichte stellt neben dem schmerzhaften Einsatz von Ash und Freya für die Replikanten vor allem das weitere Schicksal eines einsamer werdenden Yotuns in den Mittelpunkt. Pekka wird ausgeschaltet. Yotun klammert sich an alte Unterlagen und Erinnerungen, von denen er sich erhofft, dem langfristig drohenden Scheitern seiner Mission zu entgehen. Doch die Erinnerungen eines Replikanten sind nur so umfangreich und verlässlich wie sein Fabrikant es vorgesehen hat. (adi)

 
Mark Millar/Matteo Scalera: King of Spies King of Spies – König der Spione (Mark Millar/Matteo Scalera, Panini 2022, 140 S., SC, farbig)
Auch wenn das Buch den knallharten Kämpfer Roland King als "Superspion" oder "König der Spione" bezeichnet, so handelt die Erzählung dennoch nicht von Spionage. Roland King ist vielmehr eine Art James Bond, ein Geheimagent mit Lizenz zum Morden, der die Gegner der Regierung Ihrer Majestät willig niedermäht und jeder Gefahr zu entkommen weiß. Auch fehlt es ihm nicht an besonderer Ausstattung wie Brillen mit Holo-Verzerrung, einem Handy mit verschlüsseltem GPS (?!), Smart-Piss-Kapseln und einer rettenden Rauchweste. Nach seiner aktiven Dienstzeit führt er als 65-jähriger Sir Roland in London ein ruhiges Leben, erfährt aber nach einem Zusammenbruch, dass er nur noch sechs Monate zu leben habe. Daraufhin beschließt er, die Welt von den "Ungeheuern" aus Politik, Medien, Kirche zu "befreien", deren verbrecherisches Treiben bisher unverfolgt und unbestraft blieb. Der Autor Mark Millar müht sich, in den folgenden Kreuzzug der Selbstjustiz viele irre Effekte einzubauen: halbierte Zwillingskiller, explodierende Banker, durchlöcherte Präsidenten in abstürzenden Flugzeugen. Millar sucht sich für seinen Gewaltausbruch Personen und Missstände zusammen, auf die nicht nur ein bis dato loyaler Agent wütend sein könnte, sondern auch die (englischen) LeserInnen. Doch lässt er andererseits Sir Roland durch die Queen peinlich daran erinnern, seinen Kindern Vorbild sein zu sollen. (adi)

 
Dietmar Reinhard: Leben und Sterben in Auschwitz Leben und Sterben in Auschwitz (Dietmar Reinhard, Bahoe 2022, 104 S., HC, schwarzweiß)
Da denkt man, man kenne von der Ermordungsmaschinerie des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau schon fast alle grausigen Einzelheiten, doch dann erfährt man in der Dokumentation von Dietmar Reinhard durch Bilder und Texte weitere Einblicke in die entsetzlichen Abläufe des von der SS nahe der südpolnischen Stadt Oświęcim betriebenen KZ. Über eine Million Menschen brachten die deutschen Nazis hier um. Erschreckend, wie der Lagerkommandant Rudolf Höß die Anweisungen von Heinrich Himmler offenbar ohne Skrupel so umsetzte, als sei er ein braver Fabrikmanager, der seine Anlage immer weiter auszubauen und effizienter zu machen habe. Diese Dokumentation, zu der auch Aufzeichnungen von Rudolf Höß ausgewertet wurden, mag man kaum "Graphic Novel" nennen, obgleich sie so aussieht. Dieser Begriff lässt zu sehr an eine illlustrierte Erzählung oder an eine schriftstellerisch ausgearbeitete Geschichte denken, als dass sie den hier angereihten, horrenden Tatsachenbeschreibungen gerecht würde. Reinhard setzt seinem wichtigen Buch einen Satz von Hannah Arendt voran: "Sofern es überhaupt ein Bewältigen der Vergangenheit gibt, besteht es im Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat." Dietmar Reinhard arbeitete fünf Jahre lang an dieser Aufgabe. Im Anhang des Buches gibt er die Liste seiner Quellen an. (adi)

 
Dave McKean: Raptor Raptor – Eine Sokół Graphic Novel (Dave McKean, Cross Cult 2022, 144 S., HC, farbig)
Ein Gesicht, das wie Sand im Wind verweht, umrahmt von Blüten, Uhren, Gräten, mit dieser Abbildung auf "The Sandman" #1 begann 1989 eine Serie aus 75 Heften, die dem Titelbildgestalter Dave McKean große Bekanntheit bescherte. Auf dem neuen McKean-Buch "Raptor" betrachten sich ein Falke und eine verhüllte menschliche Figur. Solch ins Bild gesetztes Mensch-Tier-Miteinander erinnert an das zweite Sandman-Heft, wo ein Eulenvogel über drei Gesichtern wacht, oder an sein "Cages" #1, in dem eine Katze ein menschliches Antlitz trägt. Titelbilder und seine grafische Arbeit machten McKean berühmt. Deren Ausdeutung ist oft herausfordernd, sollte man sie denn überhaupt interpretieren wollen und nicht einfach als Zier verstehen. Im Falle von "Raptor" spielt er mit den Herbstbäumen und einem wassergleichen Boden auf sein Eingangszitat aus der Divina Commedia an, demzufolge die Hauptfigur in einer dunklen Zeit ihres Lebens nach dem richtigen Weg sucht. McKean fordert seine LeserInnen heraus, diesem Gedanken und den Zusammenhängen in seiner von ihm geschriebenen Erzählung "Raptor" zu folgen, die aus grafisch abwechslungsreichen Teilen so zusammengefügt erscheint wie seine Titelbildcollagen, quasi als Niederschlag einer Wolke aus Einfällen. Die Hauptfigur ist hier Arthur, der um seine gestorbene Frau Amy trauert. Erleichterung schafft ihm das Aufschreiben einer Geschichte über das Raptor-Sokół-Wesen, die er in einer mit Fremdwörtern protzenden Sprache verfasst. Die Dialogtexte der realen Ebene setzen sich sprachlich davon ab und verdeutlichen Hintergründe, zum Beispiel zur esoterischen Zeremonie, die Arthur führt, oder über das wie ein Pilzgeflecht alles mit allem Verbindende, zu dem Arthur das psychisch womöglich bedenkliche Wahrnehmen von Verbindungen zwischen zusammenhanglosen Dingen erwähnt, die Apophänie. Über dieses Phänomen wird man beim Lesen dieses Comics ins Nachdenken geraten können. (adi)

 
Geoff Shaw/Donny Cates/Jason Wordie: God Country God Country (Geoff Shaw/Donny Cates/Jason Wordie, Cross Cult 2022, 186 S., HC, farbig)
Das Titelbild lässt öde epische Schlachten in der nordischen Götterwelt erwarten. Aber dann überrascht die Geschichte doch angenehm, da sie einen ungewohnten Ablauf nimmt. Wir sehen dort Emmett Quinlan, einen an Alzheimer leidenden Texaner, dem das Schwert Valofax zugeflogen kommt, eine mächtige Klinge selbst Excalibur übertreffend. Emmetts Demenz ist daraufhin verflogen. Sein im Sturm zerstörtes Haus kann er wieder aufbauen und seinen Sohn Roy, seine Schwiegertochter Jane "Janey" und seine Enkelin Deena "Dee" mit Valofax zu beschützen versuchen. Auf der gegnerischen Seite stehen Attüm, Herr des Königreichs Immermehr, mit seinen beiden Söhnen Aristus und Balegrim, die Emmett das Schwert wieder abnehmen wollen. Aber Valofax hat seinen ganz eigenen Willen, erwartet Respekt und bleibt bei Emmett, der das Schwert bitter nötig hat, als die Familie von Balegrims Zombiegesindel überfallen wird. Doch nach dem Überfall ist die kleine Dee plötzlich verschwunden. – Die Erzählung geht von einer realistischen Darstellung der Probleme einer kleinen Familie aus, in der der schwer demente Vater eigentlich in ein Pflegeheim müsste, das aber in aggressiver Weise ablehnt. Durch die dann hinzukommenden Fantasy-Elemente liest sich die Story wie die Beschreibung eines letzten Aufbäumens eines kranken Mannes, der sich noch einmal zu seiner Erinnerung zurückkämpft. (adi)

 
Schuler et al.: Strapazin 148: Ukraine Strapazin 148: Ukraine (Christoph Schuler (Red.), Strapazin 2022, 92 S., SC, farbig)
"Wir arbeiten nicht während Luftangriffen." Dieses Schild in Kiew spricht Bände. ComiczeichnerInnen vermitteln uns im neuesten Strapazin-Heft Eindrücke aus einem überfallenen Land. Es bleibt haften, wie die ukrainische Zeichnerin Mariana Mikitiuk in ihrem Comic "Sommer in Kiew" den Alltag im Krieg beschreibt. Sie zeigt, wie man sich nach Normalität zurücksehnt, wie man sich mit den kriegsbedingten Einschränkungen arrangieren muss oder zur Armee geht. Zhenya Oliinyki erzählt von einem gestorbenen Freund und von einem Ehepaar, das sein Café verkauft, um eine Drohne zu finanzieren. Julia Tveritina schildert intensiv farbig, dass sich ein Vogel (der Freiheit, der Freizügigkeit) in ihrem Küchenschrank befindet, dessen Türen zugeklebt sind. Sie fühlt sich offenbar eingeengt wie die Menschen beim Lockdown in Shanghai im März 2022, auf den sie verweist. Yulia Vus, von der das Heftcover stammt, und andere Autoren gehen auf verschwundene Häuser, Raketen, heulende Sirenen und Luftschutzkeller ein. Ganz entfernt kommen Erinnerungen an Erzählungen unserer Großeltern über Kriegserlebnisse und die Bombennächte 1945 hoch. Drei Beiträge der ukrainischen ZeichnerInnen konnten nicht im Heft untergebracht werden, aber auf strapazin.ch/ukraine sind auch diese veröffentlicht. Es ist eine lobenswerte Tat der Strapazin-Macher, uns durch tiefgründige Zeichnungen die Lage der Menschen in der Ukraine vor Augen zu führen. (adi)

 
Bertrand Galic/Roger Vidal: Fukushima Fukushima – Die Chronik einer Katastrophe (Bertrand Galic/Roger Vidal, Cross Cult 2022, 128 S., HC, farbig)
Seit das Kernkraftwerk Saporischschja im März 2022 durch russische Truppen besetzt wurde, kam es im Laufe der Gefechte bisher zu keinem Austritt radioaktiven Materials. Beim Beschuss wurden entsprechende Anlagenteile zum Glück knapp verfehlt, heißt es. Heikel wurde es aber, als immer mehr Stromleitungen zum Kraftwerk durch die Kampfhandlungen ausfielen. So seltsam es klingt, aber diese gewaltigen sechs Druckwasserreaktoren, die so viel elektrische Energie erzeugen können, brauchen in diesem Fall Strom von außen, damit man sie ausreichend kühlen kann. Zeitweise übernehmen Dieselgeneratoren auf dem Kraftwerksgelände eine Notstromversorgung. Als es im September nur noch für zehn Tage Diesel gab, wurde es sehr gefährlich. Was für Folgen ein Ausfall der Kühlung hat, zeigt die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Dort gelang es nicht mehr, genügend kühlendes Wasser zu den Reaktorkernen zu leiten. Verzweifelt bemühten sich die Angestellten auch mit Hilfe von Autobatterien um eine Notstromversorgung des Kühlsystems. Es kam dennoch zur Kernschmelze und zur Explosion von Reaktorgebäuden, wie uns dieser wichtige, dokumentarische Comic eindrücklich erklärt und bildlich zeigt. In Tschernobyl hob eine solche Explosion sogar den Deckel des Reaktorkerns mit seinen 1000 Tonnen Masse ab. Die freigesetzten radioaktiven Stoffe verseuchen für lange Zeit ganze Landstriche. Man kann nur hoffen, dass es genügend Hirn regnet, damit man zukünftig nur noch an harmlosere Technologien zur Stromerzeugung denkt. (adi)

 
James Tynion IV/Guillem March et al.: Batman Paperback 1: Finstere Pläne Batman Paperback 1: Finstere Pläne (James Tynion IV/Guillem March et al., Panini 2022, 268 S., SC, farbig)
Batman verliert zunehmend an Rückhalt. Nicht nur sein allzeit bereitstehender Butler Alfred Pennyworth ist für immer von ihm gegangen, auch sein Milliardenvermögen scheint in Gefahr. Zudem sieht es zeitweilig so aus, als solle seine geliebte Catwoman (d.i. Selina Kyle), seine vertraute Mitkämpferin in dieser harten Zeit, die finsteren Pläne nicht überleben, die im Verborgenen gegen Batman gesponnen und umgesetzt werden. Der ausgefuchste Plan zu Batmans Untergang stammt vom Designer, einer mysteriösen Gestalt, dessen wahre Identität in diesem ersten Sammelband noch Rätsel aufgibt, der es aber geschafft hat, den Joker, den Pinguin (d.i. Oswald Cobblepot), den Riddler (d.i. Edward Nygma) und sogar Catwoman für seinen Plan einzuspannen. Auf Seiten von Batman übernimmt anstelle von Alfred der technisch überaus versierte Lucius Fox, bekannt als Manager von Wayne Enterprises und der Wayne Foundation, die Rolle des im Hintergrund wirkenden Faktotums. Auch Harley Quinn hilft und gesellt sich zu Catwoman. Aber die beiden treffen beim Gang durch die Kanalisation von Gotham auf Punchline (d.i. Alexis Kaye), der neuen Partnerin des Jokers. Diese versenkt ihre Vorgängerin mitleidslos im Kanal, Splash! Mit diesem Geräusch geht außer Harley gleichsam auch Batman hörbar unter. – Diese gewieft konstruierte Erzählung, in welcher die Erzählzeiten grafisch gut voneinander abgesetzt werden, bietet einer Reihe von Batman-Gegnern Platz für ihre abgrundschlechten Taten. (adi)

 
Jul/Achdé: Lucky Luke 101: Rantanplans Arche Lucky Luke 101: Rantanplans Arche (Jul/Achdé, Egmont 2022, 48 S., SC, farbig)
Da stockt den mitleidsfähigen Lucky-Luke-Fans auf Bildseite 41 dieses neuen Lucky-Luke-Abenteuers dann doch der Atem und dem hartgesottenen Cowboy treibt es die Tränen in die Augen: Tacos Cornseed mit Revolver gegen Jolly Jumper. Doch trotz Gewässers in den Augen gelingt Lucky Luke ein Schuss sondergleichen. Der Texter Jul (d.i. Julien Lucien Berjeaut) hat eine Geschichte mit klassischem Aufbau ersonnen: Eine historische Figur, in diesem Falle ist es der Tierschützer Henry Bergh (1813-1888), dient als Vorlage und gibt Anlass zu einem Streit, aus dem Lucky Luke einen befriedigenden Ausweg sucht. Tacos Cornseed, Ex-Gefängnisgenosse der Daltons, stellt für den radikalen Tierschützer eine Truppe aus Ganoven zusammen, die es durchsetzen, dass aus Cattle Gulch der tierfreundliche Ort Veggie Town wird. Von dort werden Betrüger nicht mehr geteert und gefedert vertrieben, sondern sie werden geteert und belaubt davongejagt. Fleischesser sollen gehängt werden. Der doofe Hund Rantanplan und der durchsetzungsfähige Sohn des Häuptlings der Komantschen tragen einen wesentlichen Teil zum weiteren Verlauf der Auseinandersetzung um den Tierschutz bei. Fast möchte man die ganze Geschichte dieses 101. Lucky-Luke-Albums als Parabel auf gesellschaftliche Zustände verstehen, in denen sich Glaubensgrundsätze durch militante Handlanger zu einem Unterdrückungssystem entwickeln. Aber einen rettenden Lucky Luke gibt es leider nur im Comic. (adi)

 
Willingham/Level/Leisten/Loughridge: Batman vs. Bigby! - Ein Wolf in Gotham Batman vs. Bigby - Ein Wolf in Gotham (Bill Willingham/Brian Level/Jay Leisten et al., Panini 2022, 164 S., SC, farbig)
Was wird man erwarten, wenn eine Märchen-Fantasy mit dem Batman-Universum verknüpft werden soll? Batman sucht den bösen Wolf, Robin trifft auf Aschenputtel, Batgirl verfolgt die Hexen und Frau Totenkinder? Bill Willingham, der sowohl die Serie "Fables" begründete als auch Texte für "Batman" schrieb, versucht es mit einem solchen Crossover. Dazu lässt er zunächst Batman und seine Robins auf den Sheriff aus dem fabelhaften Fabletown, Bigby Wolf, und auf Cinderella stoßen, die sich als Lieutenant Molly Grace auf Seiten der Polizei einmischt. Interessant wird das Hauen und Brennen aber durch eine dritte Partei, nämlich durch die Spießgesellen um den Bücherwurm, einer Figur von 1966 mit großer Leidenschaft für Bücher aller Art, die hier aber aus unerfindlichen Gründen beginnt, im großen Stil Bibliotheken mitsamt ihren Büchern in die Luft zu sprengen. Mit dem Bücherwurm stimmt etwas nicht. Batman und der Wolf sollten möglichst bald seine geheimen Absichten und seinen Hut lüften. Es droht ein finaler Zauberspruch. Das seltsame Gemisch aus zwei Comicwelten wird wohl eher Anklang bei "Fables"-LeserInnen finden, die ihre Figuren und wohl auch Batman und Robin kennen. Umgekehrt werden mit Batman-Stories sozialisierte LeserInnen sich mit der Welt der Fabelfiguren vermutlich eher schwertun, auch wenn die Batmanwelt selbst nicht gerade frei von sonderbarem Personal ist. (adi)

 
Rowell/Antônio/Maresca: She-Hulk 1 She-Hulk 1: Gamma-Neuanfang (Rainbow Rowell/Rogê Antônio/Luca Maresca, Panini 2022, 124 S., SC, farbig)
"Jack, wir wissen nicht, ob du gestorben bist. Nur, dass du explodiert bist", erzählt die sich alles vorbildlich notierende Anwältin Jennifer Walters (d.i. She-Hulk) dem ihr gegenübersitzenden Jack of Hearts (Herzbube, aka Jonathan Hart). Dem halbgesichtigen, herzäugigen Jack scheint die Energie auszugehen. Jetzt ist er ausgerechnet zu She-Hulk gekommen, der er vor geraumer Zeit sehr viel Gamma-Strahlung gestohlen hatte. Sie versucht trotzdem ihm zu helfen. Der damalige Zwischenfall ist Schnee von gestern, der Mangel behoben, sie fühlt sich wie eh und je in Saft und Kraft. Sie stimmt sogar einem Prügeltreff mit Titania (Mary MacPherran), Volcana (Marsha Rosenberg) und Das Ding (Ben Grimm) zu, bei dem sie sich gegenseitig ordentlich eins auf die Glocke hauen können. Das in diesem leicht lesbaren und witzigen Comic im Zentrum stehende Problem ist Jacks Schwäche. Er empfindet sogar wieder Durst und Hunger und legt sich in Jennifers neuer Wohnung zu einem überlangen Schläfchen aufs Sofa. Das hat der lebende Nuklearreaktor seit dem 20. Jahrhundert nicht mehr nötig gehabt. Der ehedem hochexplosive Herzbube macht sich um seine fürsorgliche Gastgeberin deswegen Sorgen: "Jennifer, ich sollte gehen. Ich könnte dir gerade deine Gamma-Strahlung abziehen." - "Nein bleib. Alles gut. Ich fühl mich sehr grün." (adi)

 
Hippolyte/Stevenson: Der Junker von Ballantrae Der Junker von Ballantrae (Hippolyte/Robert Louis Stevenson, Schreiber & Leser 2022, 192 S., HC, farbig)
Eine Literaturadaption der stimmigen und respektvollen Art legt uns Hippolyte (d.i. Franck Meynet) mit seiner Bearbeitung des Abenteuerromans von Robert Louis Stevenson über das zerstrittene Brüderpaar James und Henry Durie vor. Die originale Erzählung mit ihren bemerkenswerten Figuren, den abenteuerlichen Entwicklungen und ihren dramatischen Wendungen gibt Hippolyte nicht nur getreu der Vorlage im Großen und Ganzen wieder, er fügt durch seine grafische Arbeit mit weichen Konturlinien und wasserfarbenen Ausmalungen zudem Stimmungen hinzu, die sich mitzulesen lohnen. Dem/der Lesenden wird es schwerfallen, sich durchgehend gegen die Seite von James zu stellen, der seine Rechte als Junker von Ballantrae durchsetzen will und seiner Familie rücksichtslos auf der Tasche liegt. Aber Henry bleibt auch nicht durchweg ein Sympathieträger, der seine eigenen Interessen hintenanstellt. Hippolyte zeichnet es ihm durch eine überlange Nase und ein spitzes Kinn ins Gesicht. Wenn man also in dieser Geschichte eine positive Figur sucht, könnte man es eher mit dem treuen Diener Ephraim Mackellar halten, der in all den Geschehnissen, die ab 1745 zum Zwist in der Familie Durie führen, die Rolle eines weisen Beraters zukommt. Es sei denn, man empfindet negativ, dass es jemand als Diener derart treu ergeben in einer solchen Familie lange aushält. (adi)

 
Jim Stralin/Bernie Wrightson: Batman - Der Kult Batman - Der Kult (Jim Starlin/Bernie Wrightson, Panini 2022, 212 S., HC, farbig)
Unglaublich wäre, wenn James Bond plötzlich auf die Seite von Spectre wechselte, wenn Frodo mit Sauron gemeinsame Sache machte, wenn Old Shatterhand mit den Kiowas gegen die Apachen kämpfte. Aber mit Batman passiert das Undenkbare: Er wird Teil der unterweltlichen Verbrecherbande des Diakons Joseph Blackfire, einer Bande, gegen die er normalerweise mit all seinen Mitteln vorgegangen wäre. Der Diakon setzt Batman wochenlang Schmerzen, Hunger und Drogen aus. Zunächst hält Batman das noch für gängige Gehirnwäschetechniken, gegen die er dank seiner Stärke ankommt. Aber letztlich erliegt er den Methoden des Diakons und wird "umgedreht". Er beteiligt sich tatsächlich am Ziel der Übernahme Gotham Citys durch Blackfires Armee der Obdachlosen. – Diese Batman-Erzählung aus dem Jahr 1988 hat eine Neuauflage schon deswegen verdient (die letzte Ausgabe in Deutsch erschien bei Hethke 1989/90), weil der Autor Jim Starlin auch darauf abzielt, die Folgen aufzuzeigen, die sich aus religiösem Wahn und populistischen Maßnahmen ergeben können. Ein weiterer Grund für eine erneute Veröffentlichung dürfte Bernie Wrightson sein, dessen Zeichenstift im Horrorcomic für Eindruck sorgt. Man denke nur an die Laborszene aus "Frankenstein". Eine doppelseitige Zeichnung steuert Wrightson auch diesem Comic bei, als Robin in der Kanalisation endlich den gefesselten Batman findet, der auf einem Berg von Leichen steht und ihn schwächer werdend begrüßt: "Willkommen in der Hölle". (adi)

 
Jaouen Salaün: Asphalt Blues Asphalt Blues (Jaouen Salaün, Schreiber & Leser 2022, 208 S., HC, farbig)
Während Mickael aufs Meer hinausschaut, sitzt Nina ihm den Rücken zukehrend in der offenen Tür des Wagens und telefoniert. Das Titelbild setzt den Kern der Erzählung ins Bild: Nina wendet sich von Mickael ab, da er von seinem Verhältnis zur Tänzerin Helen nicht ablässt. Klare Entscheidungen fallen Mickael schwer, also entscheidet Nina. Mickael und Nina setzen ihr Leben mit anderen PartnerInnen fort, was sich aber bei beiden Paaren wiederum zu einem problematischen Miteinander entwickelt. Nina lebt mit Timothy Fordson, der als Regierungssprecher und hochrangiger Vertreter eines Energiekonzerns unter enormem Druck gerät. Mickael Mayer heiratet Helen und wird durch deren Selbstmordabsichten stark belastet. Der Autor Jaouen Salaün wollte diese Erzählung wegen des Auf und Abs ursprünglich "Wellengang der Liebe" nennen, was wie ein Buchtitel von Rosamunde Pilcher klingt. Das ließ er zum Glück bleiben, es wäre irreführend. Diese Graphic Novel ist keine simple Liebesromanze. Denn Salaün wählt als Kulisse für die im Jahr 2038 spielende Geschichte über Probleme in Liebesbeziehungen die Auseinandersetzung über umweltgefährdende Machenschaften des mächtigen Energiekonzerns Techeco. Beide Paare sind in das Für und Wider eines Techeco-Großprojekts verwickelt. Bei beiden Männern steht am vorläufigen Ende ihres Weges ein Auto. Der Verbrenner führt in den Knast, das selbstfahrende Elektroauto ins Familienglück, oder? (adi)

 
Tom King/Bilquis Evely: Supergirl - Die Frau von morgen Supergirl – Die Frau von morgen (Tom King/Bilquis Evely, Panini 2022, 228 S., SC, farbig)
"Jeden Tag schleppte sie diesen toten Planeten mit sich herum": Kara Zor-El entkommt wie ihr Cousin Kal-El dem Untergang ihrer kryptonischen Heimatwelt in einer Rettungskapsel. Als 14-jähriges Mädchen wird sie von ihrem Vater mit der Mahnung "Sei brav!" verabschiedet, den letzten Worte ihrer sterbenden Mutter. Damit hat sie als Supergirl eine ewige Last zu tragen, denn brav sein, das heißt auch, dass man anderen in ihrer Not beisteht und dass man selbst Weltraumsuperschurken wie Krem aus den Gelben Bergen trotz all seiner bestialischen Taten nicht einfach auslöscht. Dieser brutale Schlächter hat den Vater von Ruthye Marye Knoll ermordet. Die junge Frau will Rache nehmen. Supergirl hilft. – Von den acht Heften dieses Gesamtbands kommt dem sechsten Heft mit dem Titel "Heimat, Familie und Zuflucht" eine besondere Bedeutung zu. Hier wird nicht nur die Herkunftsgeschichte von Supergirl erzählt, was angesichts mehrerer existierender Varianten hoffentlich richtungsweisend ist, sondern es werden auch Beweggründe für Supergirls Handeln deutlich, die offenbar zum Teil auf die elterliche Weisung zurückgehen. Ruthye zu helfen verknüpft sie vorgeblich mit der Absicht, ihren Hund Krypton retten zu wollen. Als zweites Supertier spielt Comet, das Superpferd, in dieser kurzweiligen Erzählung eine wichtige Rolle, ohne das kampferprobte, kryptonitbewaffnete Briganten dem Ganzen zu früh ein Ende gesetzt hätten. (adi)

 
Stjepan Sejic: Harleen Harleen (Stjepan Šejić, Panini 2022, 212 S., SC, farbig)
Mit lobenswert wissenschaftlichem Ehrgeiz müht sich Dr. Harleen Quinzel um die finanziellen Mittel, ihre Theorie von der Empathie-Degeneration bei Gewalttätern zu belegen und damit Methoden zu entwickeln, die das Kriminalitätsproblem Gothams zu mindern helfen. Sie möchte Soziopathen frühzeitig erkennen. Als Ort für ihre Vergleichsstudie schlägt sie die Strafanstalt Blackgate Penitentiary und das von Dr. Hugo Strange geleitete Arkham Asylum vor, die psychatrische Anstalt, in der auch der Joker einsitzt. Schon glaubt sie, dass sich kein Geldgeber für dieses Foschungsvorhaben findet, als sich Lucius Fox von der Wayne-Stiftung meldet und ihr die Forschung im Arkham Asylum ermöglicht. Sie beginnt dort ihre langwierige Gesprächsarbeit mit Poison Ivy, Killer Croc, dem Riddler und anderen und schlägt die Bedenken des skeptischen Hugo Strange in den Wind. Das Schicksal der ehrgeizigen Psychologin ist den ComicleserInnen wohlbekannt: Als Harley Quinn wird sie ihren erfolgreichen Weg durch diverse Comicerzählungen finden und sich später zum Glück noch weiter verändern. Stjepan Šejić nimmt sich ausreichend Platz, um die Wandlung Harleens von der seriösen Forscherin zur verliebten Träumerin an Jokers Seite in nachvollziehbaren Schritten und beeindruckenden Bildern zu beschreiben. In welchem Maße der Joker Harleens Gefühle teilt oder diese nur geschickt ausnutzt, bleibt dabei ein Superschurkenrätsel. (adi)

 
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