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Vorwort

Wieso? Weshalb? Warum?

Artikel


Billy Jenkins als Cowboy Billy Jenkins als Cowboy Billy Jenkins als Cowboy Billy Jenkins als Cowboy

König Artus

Die Ritter der Tafelrunde
In Comic und Film sind König Artus mit seinem Hof in Camelot und seinen Rittern Lancelot, Parzival, Gawain, Iwein, Erec usf. in einem Ausmaß präsent, das einem besonders deutlich wird, wenn man sich die Mühe macht, einige Monate lang alles zusammenzutragen und anzusehen, was bei uns zum Thema Artus und seiner Tafelrunde in den Regalen liegt oder bei den Händlern erhältlich ist. Allein der Comicstapel erreicht eine Höhe von nahezu zwei Metern. Die Sichtung aller Filme dauerte Monate. Wegen dieses großen Umfangs, veröffentlichen wir den Artikel zu König Artus in zwei Teilen. Der erste Teil stellt die Artus-Comics, der zweite die Artus-Filme vor. Der Filmteil ist bereits fertig und kann hier heruntergeladen werden. Den Comicteil werden wir an gleicher Stelle zu gegebener Zeit anbieten.
Hier den Artikel zu den Artus-Filmen herunterladen. (hjk)

 

Entdeckung


Billy Jenkins als Cowboy Stützen der Weimarer Republik Billy Jenkins im Kugelhagel

Billy Jenkins

Hommage an einen Zirkusartisten und Romanhelden
Billy Jenkins – sein Ruhm ist mittlerweile ein wenig verblasst, an seine Person erinnern sich vermutlich nur noch wenige Menschen, aber sein Name ist unvergessen, ist untrennbar verbunden mit den Wildwest-Groschenheften der 50er Jahre, ein Synonym geradezu dafür (auch wenn es natürlich weitere Helden dieser trivialen Geschichten gab). Sein Name steht für Abenteuer im Westen Amerikas, im 19. Jahrhundert, im frühen 20. Jahrhundert, für Abenteuer, die ihr Protagonist – ganz wie einst Karl May – nie wirklich erlebt hat. Ihm hat Rainer Gabriel als Autor und Zeichner jetzt eine Hommage gewidmet, eine ebenso kompetente wie liebevolle Arbeit, die das Leben des Zirkusartisten Otto 'Billy Jenkins' Rosenthal nachzeichnet. Bei einer Tournee mit dem Circus Busch durch das besetzte Polen erlitt Rosenthal 1940 durch einen Angriff von Partisanen schwere Verluste und Verletzungen. Trotzdem kam er wieder auf die Beine und zog später mit einer eigenen Wild-West-Show durchs Land.
Hier zu Billy Jenkins weiterlesen (hjk)

 

Ausstellungen


Comic-Werkstatt in Stadthagen Exponat zu einer Arbeit von Lisa Frühbeis Darjush Davar präsentiert MuM-Preisträger

Comic-Werkstatt Stadthagen

Ausstellung zu den Max-und-Moritz-Preisträgern 2020
Auch wenn der Comic-Salon Erlangen 2020 nur digital stattfinden konnte, so gab es dennoch eine Verleihung von Max-und-Moritz-Preisen. Darjush Davar (Foto rechts) kümmerte sich auch für diese PreisträgerInnen darum, ihre Arbeiten und ihr Arbeitsumfeld trotz Corona in einer Wanderausstellung zu präsentieren. Dieser Aufgabe, der er mit lobenswerter Leidenschaft und Akkuratesse nachging, stellte er sich nach 2014, 2016 und 2018 im Jahr 2020 bereits zum vierten Mal. Die Ausstellungen entstehen in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Erlangen, dem Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale und der Schmitz-Lippert-Stiftung (cöln comic haus). Ob die Ausstellungen nun wirklich "die besten deutschen Comics" zeigen, wie sie die Überschrift nennt, wird heiß diskutiert. Man bilde sich eine eigene Meinung, wobei diese Ausstellungen selbstverständlich hilfreich sind. Die 2020er-Ausstellung ist letztmalig in der Comic-Werkstatt in Stadthagen (Landkreis Schaumburg) zu sehen (Foto links). Dort hat Davar einen ehemaligen Friseursalon zum Ausstellungsraum umgestaltet, mit gemütlichen Nischen, in denen man Comics lesen oder sich ins Studium des Comic-Lebenswerks von David Basler vertiefen kann. Davar ist daran gelegen, in den Exponaten zu allen PreisträgerInnen auch etwas von deren Arbeitsweise deutlich werden zu lassen. So erkennt man nicht nur bei einer Comic-Arbeit von Lisa Frühbeis (Foto Mitte) den Weg, auf dem sie von einer ersten Skizze bis zur fertigen, farbigen Seite gelangt. Auf einem Foto des Arbeitsplatzes von Anke Feuchtenberger sieht man erstaunt einen ganzen Schubladenschrank voller Kohlestifte. In Sprechblasen antworten die PreisträgerInnen auf Fragen zu empfehlenswertem Comic, zu ihrem Zeichenwerkzeug und zu ihrem Verhältnis zu Wilhelm Busch. Wilhelm Busch wurde in Wiedensahl geboren, nur zehn Kilometer von Stadthagen entfernt. Die naheliegende Idee, im Geburtshaus Wilhelm Buschs Comic-Ausstellungen unterzubringen, stellte Darjush Davars Leidensfähigkeit auf den Prüfstand. Die sich ergebenden Schwierigkeiten offenbarten eine sehr gestrige Comic-Wertschätzung provinzieller KulturkapitänInnen. Die Ausstellung mit den neuen Max-und-Moritz-PreisträgerInnen von 2022 soll am 18.11.2022 im Erika-Fuchs-Haus starten. (adi)

 
Christine Vogt eröffnet Büchner-Ausstellung Exponat zu 'Lenz' aus der Büchner-Ausstellung StadtBib Wuppertal Gemaälde zu 'Lenz' aus der Büchner-Ausstellung StadtBib Wuppertal

Stadtbibliothek Wuppertal

Woyzeck und Lenz adaptiert
Zwei Büchner-Literaturadaptionen hat Andreas Eikenroth gezeichnet: "Woyzeck" und "Lenz" liegen als Hardcover-Alben vor. Die Direktorin der Ludwiggalerie Oberhausen, Dr. Christine Vogt (Foto links), weist in ihrem Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung auf die Besonderheiten dieser grafischen Arbeiten Eikenroths hin, die reich an Bildzitaten sind. Als Kunstgeschichtlerin hat sie ihre Freude am Entdecken dieser Zitate (vornehmlich in "Lenz") und empfindet das Nebeneinander von Bild und Text, also den Auszügen aus der Büchnerschen Vorlage, als gelungen. – An den Wänden des Treppenhauses hängen über drei Etagen hinauf Bildträger, die in bunter Abfolge einmal zu "Woyzeck", einmal zu "Lenz" jeweils die drei Stufen der Entwicklung der Seiten der Alben erkennen lassen (Foto Mitte): Erst kommt die Skizze, dann die Vorzeichnung, dann die farbige Schlussbearbeitung. Erläuterungen zu den Exponaten oder zu Georg Büchner fehlen im Treppenaufgang, solche lassen sich nachfolgender Mitschrift entnehmen. Eikenroth hat als Blickfang und zur Auflockerung Gemälde zu den Alben in die lange Reihe der Exponate gehängt (Ausschnitt rechts). Die Ausstellung ist vom 5. Mai bis zum 24. Juni 2022 in der Stadtbibliothek Wuppertal zu sehen. (adi)
Mitschrift des Eröffnungsvortrags von Christine Vogt herunterladen

 

Veranstaltungen


Erlangen Comic-Salon Messebesucher Halle B Erlangen Comic-Salon Angebot Comichändler Halle A Erlangen Comic-Salon Podium Fachmagazine

Comic-Salon Erlangen 2022

Messezelthallen und Fachgespräche
Der Veranstalter des Comic-Salons zeigt sich sehr zufrieden. Rund 30.000 BesucherInnen seien an den vier Tagen gekommen, was zu den Rückmeldungen der Verlage passt, die von "leicht höheren Umsätze" (Carlsen) bis zu "mehr verkauft als jemals zuvor" (avant) reichen. Das Angebot an die Besucher der drei Messehallen ist enorm. Von kleinauflagigen Liebhaberstücken bis zur Massenzeichenware und zu Merchandise-Artikeln, von antiquarischen Alben bis zu voluminösen Sammelbänden lässt sich vieles finden und – vor allem – vor dem Kauf ansehen oder auch von den KünstlerInnen signieren. Die Warteschlange vor dem Carlsen-Signiertisch von Émile Bravo ("Spirou und Fantasio Spezial") in Halle A ist reichlich lang, bei anderen Verlagen in dieser Halle sieht es ebenso aus. In Halle B steht eine lange Schlange vor dem Schreiber & Leser-Tisch bei André Taymans ("Caroline Baldwin"). Nicht einmal die Hälfte der Messebesucher tragen eine FFP2-Maske, man verlässt sich wohl auf seinen Impfschutz und sein Glück. Der Veranstalter kämpft unterdessen mit so vielen coronabedingten Ausfällen bei seinem Personal, dass es eng wird, vor allem beim kommenden Abbau der Zelte. In einigen Räumen wie in der Orangerie oder den Räumen der Universität wird auf FFP2-Maske bestanden. Das scheint auch kein Problem zu sein, wie man zum Beispiel in der Orangerie bei der Diskussion über den Stand der Comic-Fachmagazine bemerkt (Foto rechts). Alex Jakubowski befragt Gerhard Förster von der "Sprechblase", Matthias Hofmann von "Alfonz" und Volker Hamann von der "Reddition" nach den Charakteristika ihrer Publikationen. Jede richte sich an eine besondere Leserschaft, die die angebotenen Fachartikel in Papierform erwarten. Ein entsprechendes, papierloses Angebot im Internet ließe sich vielleicht mit einer Bezahlschranke oder durch Werbung finanzieren. Man frage sich, wie die Situation in zehn Jahren aussehen wird, wenn die "haptisch" Lesenden, wie Gerhard Förster die Papierleser nennt, weniger werden. Einen besonderen Beifall erhält der anwesende Heiner Jahncke für seine Expertise und jahrelange Mitarbeit bei den Fachartikeln. (adi)

 
Erlangen Comic-Salon Ausstellung VorbilderInnen Erlangen Comic-Salon Ausstellung Populäre Bilder Erlangen Comic-Salon Ausstellung Mawil VorbilderInnen, Populäre Bilder, Mawil
Schwerpunkte des Comic-Salons sollen feministischer Comic, queere Themen und Comic aus Afrika sein. Im hohen Redoutensaal sind zahlreiche Stellwände für Exponate zum feministischen Comic aufgestellt, kreuz und quer, um zahlreiche Winkel zu schaffen, die die Gliederung der Ausstellung in die Bereiche "Strong Female Lead", "Autobiographie", "Biografie", "Girl's Clubs", "Gender Reverse", "Body & Sex Positive", "Wissen & Historie", "Aktivistinnen und Anarchas" unterstützen. Unter den nachdenklich machenden Schaustücken sind auch Arbeiten von Alison Bechdel ("Fun Home") und Barbara Yelin ("Gift", "Irmina", "Vor allem eins: Dir selbst sei treu"), die in ihren Arbeitsfeldern viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben und Leitbilder wurden. Das Foto oben links bildet eine Arbeit von Helena Janečič ab, bei der sich fragen lässt, ob Frauenfiguren im Comic eine Rolle ausfüllen, die mehr ist, als das jeweilige Werk lediglich als "eye candy" (Augenschmaus) zu schmücken. Gleich neben der Ausstellung zu den "VorbilderInnen" wird grafische Literatur von Birgit Weyhe gezeigt, was zur Frage reizt, welchen Platz Weyhe als VorbilderIn einnehmen könnte oder sollte, da sich bei ihr Narration und Relevanz der Erzählinhalte und ihre grafische Darstellung auf recht unterschiedlichem Niveau begegnen. Wichtige soziopolitische Anliegen finden mit den häufig schlicht gefertigten, zu oft mit zu simpler Symbolik ausgestatteten Panels keine visuelle Entsprechung. – Zwischen die vielen Beispiele von vorbildlichem Comic aus dem Kongo setzt Asimba Bathy mit der Installation "Offizielles Outfit des Kongolesischen Comics" (Bild Mitte) einen scherzhaften Akzent. Der Umgang mit Haltung und Mimik der Figuren und die perspektivische Abwechslung, unter anderem bei Draufsicht auf Alttagssituationen in einer Stadt, zieht den Leser in diesen Alltag und in die Handlung hinein. Da ist zum Beispiel ein junger Mann namens Neema ya Mungu, der auf seinem Handy dringend die Nachricht erwartet, ob jetzt das Geld da sei, um seine Mutter operieren lassen zu können. Oder da tuscht Thembo Kash, der aus Butembo im Ostkongo stammt und an der Kunstakademie in Kinshasa studierte, in "Vanity" einen bewegungsreichen Kampf zwischen einer Agentin und ihrem Angreifer. In Vitrinen zeigt diese Ausstellung unter der Überschrift "Populäre Bilder" überdies wie kongolesischer Comic auch als Siebdruck gestaltet wird. – Im Uhrzeigersinn an den Wänden entlang sieht man in einer Ex-Sparkasse die Stationen der Entwicklung von Mawils Comicschaffen. Eine der Wände zeigt großformatig "Lucky Luke sattelt um", einen Hochpunkt unter seinen Arbeiten (Foto rechts), bei denen man sich auch an "Kinderland" oder an Supa-Hasi erinnert. Mawil hat einen attraktiven Stil gefunden, durch den aus seinen Zeichnungen zwar Komik aber nicht Klamauk spricht, durch den zwar gelegentlich ein Scheitern, aber keine Ausweglosigkeit dargestellt wird, durch den man freudig akzeptiert, dass ein Cowboy die Prärie per Fahrrad durchquert. (adi)

 
Erlangen Comic-Salon Max und Moritz Preis Josephine Mark Erlangen Comic-Salon Max und Moritz Preis Debütcomic Erlangen Comic-Salon Steven Appleby Max und Moritz-Preise
Als Josephine Mark als Gewinnerin des Max und Moritz-Preises für den besten Comic für Kinder verkündet wird, ist der Jubel im Markgrafentheater besonders groß. Die Preisträgerin kämpft mit den Tränen. Gestern erhielt ihr Comic "Murr" einen ICOM-Preis, jetzt gehört ihrem "Trip mit Tropf" ein Max und Moritz-Preis (Foto links). Die beiden Moderatoren der Preisverleihung, Hella von Sinnen und Christian Gasser, lotsen launig, einfühlsam und gut vorbereitet die PreisträgerInnen aufs Siegersofa. Liv Strömquist, die den Max und Moritz-Preis für "Im Spiegelsaal" als besten Sachcomic entgegen nimmt, wählt die Möglichkeit, lieber im Parkett zu sitzen, als auf der heißen Bühne zu schwitzen. Der Oberbürgermeister Dr. Florian Janik nimmt es auf sich, dort die ganzen zwei Stunden zu bleiben, um die Urkunden überreichen zu können. Die silbernen Siegertaler werden nachgereicht, man hat sie nicht rechtzeitig bestellt, aber die gewichtigen Max und Moritz-Brote sind da. Janiks lebhaft vorgetragene Begrüßung bringt zum Ausdruck, wie froh man sei, nach vier langen Jahren endlich wieder den Comic-Salon in der Stadt zu haben. Für "Dragman" wird der Max und Moritz-Preis für den besten internationalen Comic überreicht. Der Preisträger, Steven Appleby, kommt wie weiland Ralf König im Frauenkleid auf die Bühne (Foto rechts). Man weiß, dass sein Superheld in "Dragman" nur in Frauenkleidern Superkräfte entfaltet. Als beste Debütalben sind drei Titel nominiert: "Melek + ich" von Lina Ehrentraut, "Who's the Scatman?" von Jeff Chi und "Pfostenloch" von Daniela Heller. Die Jury machte es sich einfach und entschied, dass alle drei Comics den Max und Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Debüt-Comic empfangen sollen und auch alle drei ein Preisgeld von tausend Euro erhalten. Aisha Franz wird für "Work-Life-Balance" als Preisträgerin für den besten deutschsprachigen Comic ausgerufen. In kurzen Filmen beantwortet der Preisträger des Max und Moritz-Preises für ein herausragendes Lebenswerk, Naoki Urasawa, einige Fragen zu seinen Arbeiten und bedankt sich so aus dem fernen Japan für den Preis. Als Überraschung vergibt die Jury noch einen Sonderpreis an den Ausstellungsmacher Alexander Braun, dessen umfangreiche Kataloge als besonders wertvoll hervorgehoben werden. Selten genug, dass ein Panini-Titel zu den Preisträgern gehört. Mit "Lisa und Lio" hat es Daniela Schreiter aber geschafft, den Publikumspreis zugesprochen zu bekommen. Steffen Volkmer nimmt den Preis entgegen und erklärt, dass es für die Künstlerin als Autistin nicht möglich sei, bei einem solchen Rummel, wie es eine Preisverleihung nun einmal ist, persönlich dabei zu sein. Aber er organisiert für Samstag eine Signierstunde mit der Künstlerin, die mit den drei "Schattenspringer"-Büchern so erfolgreich wurde. (adi)

 
Erlangen Comic-Salon Rundgang Ministerpräsident Markus Söder Erlangen Comic-Salon Comicmuseum Erlangen Comic-Salon Anne Reimann Dr. Florian Janik Bodo Birk Ministerpräsident mag Comicmuseum
Beim Rundgang durch Messehallen und Ausstellungen biegt Markus Söder (Foto links) unverhofft in die Schiffstraße 9 ab, in der eine Initiative für ein Comicmuseum in Erlangen provisorisch untergekommen ist. Er bleibt relativ lange in dem Haus und wird beim Herauskommen sogleich vom Erlanger Oberbürgermeister Dr. Florian Janik befragt, ob er also ein staatliches Comicmuseum einrichten wolle. Söder verneint nicht, sondern spielt den Ball zurück mit der Aufforderung, dass die Kommune erst einmal vorlegen solle. Dann könne er sich eine Unterstützung durch das Land Bayern vorstellen. Die Frage nach einem solchen ersten deutschen Comicmuseum wird ihm während seines Rundgangs von verschiedenen Seiten gestellt und er äußert sich immer zuversichtlicher, so dass der Oberbürgermeister seinen Mitarbeitern gegenüber festhält: "Jetzt hat er es viermal in die Kamera gesagt. Daraus müssen wir etwas machen." (Foto rechts v.l.n.r.: Anne Reimann, Leiterin des Erlanger Kulturamts, OB Dr. Florian Janik, Bodo Birk, Organisator des Comic-Salons). Seinen Rundgang beginnt Söder am Stand von Carlsen, wo er sich beim Blättern in einem "Clever & Smart"-Album erfreut an diese seine Jugendlektüre erinnert. Dann geht der ausgewiesene Marvel-Fan Söder weiter zu Panini, wo ihm Steffen Volkmer eine ganze Stofftasche voller Superheldencomics verkaufen kann. In einem anschließenden Kurzinterview auf einer Bühne im Schlosspark zählt er die lange Reihe von Comics auf, die er von Kindesbeinen an gelesen hat, im Keller aufbewahrt und teils immer noch liest. Man gewinnt den Eindruck, dass er dem Thema Comic sehr aufgeschlossen gegenüber steht. Nun ist spannend, ob für Erlangen mehr daraus wird als heiße Luft. (adi)

 
Erlangen Comic-Salon Ausstellung Catherine Meurisse Erlangen Comic-Salon Ausstellung Will Eisner Erlangen Comic-Salon Holocaust-Überlebende Gelungene Ausstellungen
In den hellen Räumen des Kunstmuseums genießt man als inhaltlich und architektonisch schönste Ausstellung des Salons diejenige zu Catherine Meurisse. Ihr Witz, der aus ihren Karikaturen und Comicbüchern spricht, und ihre beeindruckenden zeichnerischen Arbeiten, die hier in vielen Beispielen zusammengetragen sind, haben die große Beachtung verdient, die ihr entgegen gebracht wird, zum Beispiel durch das Comicmuseum Basel. Herausragende Farbseiten aus "Nami und das Meer", "Weites Land" und "Die Leichtigkeit" zeigen sich gut präsentiert. Dass in ihrem Werk immer auch ein ernstes Anliegen mitschwingt, macht die Überschrift zur Ausstellung deutlich: "L'Humour au sérieux". – Als comichistorisch wichtigste Ausstellung bringt Alexander Braun die von ihm kuratierte Ausstellung zu Will Eisner vom Schauraum in Dortmund nach Erlangen ins räumlich lebendiger ausgestattetere Kunstmuseum. Als "Graphic Novel Godfather" tituliert wird die Bedeutung des Meisters durch die versammelten Originale und Vitrinenschaustücke überdeutlich. Sogar den prächtigen Katalog zur Ausstellung kann man hier noch erhalten, obwohl er eigentlich vergriffen ist. – Die für uns bedeutsamste Ausstellung zeigt das Stadtmuseum in seinem "Laubengang", also einer Folge von gemütlichen, kleineren Räumen, die sich zur inhaltlichen Gliederung eines Themas bestens anbieten. Das lässt die Ausstellung "Aber ich lebe. Den Holocaust erinnern" übersichtlich und nachvollziehbar werden. Die drei ComicautorInnen Miriam Libicki, Barbara Yelin und Gilad Seliktar haben die Erzählung der drei Holocaust-Überlebenden Emmie Arbel, David Schaffer und Rolf Kamp für uns aufgezeichnet und die Ergebnisse zu einem Buch zusammengestellt. Die Arbeitsweise der AutorInnen, ihre originalen Zeichnungen und Skizzen, Videomaterial und Bücher zum Thema (Foto rechts) machen das wichtige Anliegen, die Erlebnisse von Zeitzeugen auch grafisch wiederzugeben, vorbildlich verständlich. (adi)

 
Erlangen Comic-Salon Joelle Epee Mandengue Erlangen Comic-Salon ICOM-Preisverleihung Erlangen Comic-Salon Jaja-Verlag Annette Köhn Comics aus Afrika, ICOM-Preise, Jaja-Wohnzimmer
Die Kuratorin der Ausstellung "Kubuni. Comics aus Afrika", Joëlle Épée Mandengue (Foto links), betont, dass die Wortwahl wichtig sei. Es ginge hier nicht um den afrikanischen Comic, sondern um Comics aus Afrika, genauer aus dem Subsahara-Afrika. Unterstützt durch das Institut français sind die beachtlichen Arbeiten einer Wanderausstellung aus Angoulême in die Ladengalerie Friedrichstraße 41 gebracht worden, die Vielfalt und zeichnerisches Können der afrikanischen Comic-Autoren ausweisen. Joëlle Épée Mandengue ist Leiterin des Bilili-Comic-Festivals in Brazzaville, Congo. – Aus der Preisverleihung des ICOM geht Josephine Mark mit "Murr" als Siegerin bei den Verlagsveröffentlichung hervor. Zusätzlich erhält sie auch für "Trip mit Tropf" eine Auszeichnung, da es dieser Titel ebenfalls in die Nominierungsliste schaffte. Als Preisträger des ICOM-Preises für selbstveröffentlichten Independent-Comic darf sich Geier für "The Most Dangerous Game" auf das Preisgeld des Siegers freuen, welches sein Freund Holger Bommer entgegen nimmt. Den dritten ICOM-Preis für eine besondere Publikation erhält "Die Liebe ist stärker als der Tod" von Olliver Ottisch. – Annette Köhn (Foto rechts) richtet ein Jaja-Wohnzimmer ein. Die Verlagsleiterin (siehe "Verlagswesen") hängt in diesem Zimmer einer Jaja-Ausstellung Bilder auf und gleichzeitig präsentieren am Stand in "Messe-Halle B" Mitarbeiter des rührigen Verlags ein umfangreiches Angebot. Dazu gehört auch "Impfland" von Federico Cacciapaglia, der ebenfalls nach Erlangen gekommen ist. (adi)

 
Erlangen Comic-Salon Zelteinrichtung Schlossplatz Erlangen Comic-Salon im Schlosspark Erlangen Comic-Salon DATEV-Stand Einrichtung der Zelthallen
Bei sommerlichen Temperaturen von um die 30 Grad richten zahllose Helfer der Verlage und Ausstellungsmacher am Mittwoch die drei Zelthallen und die vielen Ausstellungsräume ein. Man darf sich wundern, wie das alles bis Donnerstag um 12 noch fertig werden kann, aber das wird es natürlich. Auf dem Zelt "Messe-Halle A" auf dem Schlossplatz prangt eine Art Murale mit dem Aufruf "Peace now". Lkw und Transporter bringen Materialien und Bücher für die Stände heran. Rechts neben der Messe-Halle A stehen im Zugang zum Schlosspark die vielen Tische und Bänke einer Gaststätte, die bereits gut besucht sind. Im Schlosspark rund um den Hugenottenbrunnen besprechen sich bei der Messe-Halle B unter strahlend blauem Himmel die Leute auf der grünen Wiese, während der Hauptsponsor DATEV, ein IT-Unternehmen, daneben eine "Nerd Lounge" zum Zocken im Freien aufbaut. Zum Comic-Salon werden 25.000 Besucher erwartet, darunter am Freitagnachmittag auch der Ministerpräsident des Landes. (adi)

 
Comic-Salon Plakat am Zelt Erlangen Comic-Salon-Beflaggung Känguru-Comics von Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel Volles Programm voraus
Der Comic-Salon zeltet wieder. Ab Donnerstag, dem 16. Juni 2022, ist vier Tage lang Messebetrieb mit 230 Ausstellern in Zelthallen auf dem Schlossplatz und im Schlossgarten. Beides ist vom Bahnhof aus schnell zu erreichen. Zugleich werden an verschiedenen Orten der Stadt nicht weniger als 20 Comic-Ausstellungen gezeigt. Über 400 ComicautorInnen sind angekündigt. Die Comicbörse findet am Sonntag auf dem Marktplatz statt (bei schlechtem Wetter in der Heinrich-Lades-Halle). Die Website des Comic-Salons listet ein umfangreiches Programm auf. Aus diesem ragen die Max-und-Moritz-Gala am Freitagabend mit der Verleihung der Max-und-Moritz-Preise und eine Veranstaltung am Samstagabend mit Bernd Kissel und Marc-Uwe Kling zu ihren Känguru-Comics heraus. Am Donnerstagabend verleiht der ICOM die Independent Comic Preise. Zum Programm, in dem feministische Comics und queere Themen und Comics aus der Demokratischen Republik Kongo als Schwerpunkte genannt sind, gehören zahlreiche Vorträge und Podiumsveranstaltungen. Unter den vielen Ausstellungen gibt es eine über Vorbilder*innen im Redoutensaal, eine zu Will Eisner und zu Catherine Meurisse im Kunstmuseum, eine mit Daniela Schreiter in der Villa an der Schwabach, eine mit Mawil in der Ex-Sparkasse. Lesungen, Filme, Konzerte, Party und ein eigenes Programm für Kinder runden die tollen Tage ab. (adi)

 
Schauraum Dortmund Exponate Katalog Horror im Comic Schauraum Dortmund Vitrine Schauraum Dortmund Wand

Schauraum Dortmund

Horror im Comic
Seit dem April 2019 finden im schauraum in Dortmund Comic-Ausstellungen statt. Dieser besondere Raum entstand aus einem ehemaligen Ladenlokal mit knapp 200 m² Fläche direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Der Eintritt ist frei. Als erfahrener Kurator übernahm Alexander Braun die Aufgabe, alle halbe Jahre sowohl eine Ausstellung mit sehenswerten Originalen als auch den zugehörigen Katalog zusammenzustellen. Nach den Ausstellungen "Ente süß sauer – Carl Barks und die Folgen" und "Nimm das, Adolf – Zweiter Weltkrieg im Comic" von 2019 folgte trotz Pandemie 2020 "Anime fantastisch – Die Kunst des japanischen Zeichentrickfilms" und 2021 "Will Eisner – Graphic Novel Godfather". Jetzt, im Frühjahr 2022, steht der "Horror im Comic" auf dem Programm des schauraums. In einem Teil des Raumes werden Comic-Exponate zu Gespenster- und Gruselgestalten auf roten und grauen Wänden präsentiert, in der anderen Hälfte hängen Originale vor einer Wand, die komplett mit einer Vergrößerung der beeindruckenden "Frankenstein"-Laborszene von Bernhard "Bernie" Wrightson bedeckt ist. Toll! Die reichhaltigen Kataloge zu diesen Ausstellungen werden immer dicker. Der Katalog "Horror im Comic" ist 456 Seiten stark, wird aber Besuchern im Ausstellungsraum vergünstigt angeboten. (adi)

 
Hermann Comichändler Eckart Schott Deine Mutter als Zombie!

Intercomic - Comicmesse Köln Mai 2022

Sie handeln wieder
Bei frühsommerlichem Wetter startete nach längerer Pause die Intercomic in der Stadthalle in Köln-Mülheim wieder zu einem langem Börsentag. Mit Applaus wurde Hermann ("Comanche", "Duke", "Die Türme von Bos-Maury") gefeiert, der an gleich zwei Signierständen zu Gast war. An den Ständen der Comichändler stapelten sich die langvermissten Kisten und Kartons mit Raritäten und vielen Comics zu Schnäppchenpreisen. Verlage wie Salleck oder All zeigten ihre Neuerscheinungen im Foyer, andere reihten sich in fünf Gängen im großen Saal der Stadthalle zwischen Händler- und Zeichnertischen ein. Im Vergleich zur Intercomic vor der Pandemie war die Börse zwar kleiner, aber gut besucht. Auch schon bevor es im Foyer und im Saal enger wurde, setzten die meisten Besucher aus freien Stücken ihre Maske auf: vorbildlich. Bei den Zeichnern bot Timo Grubing angesichts des nahenden Muttertags an, die Mutter als Zombie zu zeichnen, während Rudolph Perez im bereits 25. Zebra-Sonderband weise daran erinnerte: "In der Tusche liegt die Wahrheit" (Fotos v.l.n.r.: Hermann Huppen, Comichändler, Eckart Schott (Salleck Publications), Timo Grubing). (adi)

 

Schlaglichter


Ukraine: Taras Bulba Ukraine: Panzerkreuzer Potemkin Treppe Ukraine: Mit Feuer und Schwert Ukraine: Holodomor - Bittere Ernte

Ukrainische Geschichte in Film und Comic

Gegen die Fremdherrschaft
Mit der Kiewer Rus, gegründet von nach Südosten vordringenden Wikingern, stellt ein wesentlicher Teil der heutigen Ukraine die Keimzelle des späteren russischen Reiches dar, nahm aber dennoch in der Folgezeit eine eigenständige Entwicklung, die über lange Phasen der Fremdherrschaft und dadurch bedingte Teilungen – von der Goldenen Horde über Litauen und Polen bis zum Zarenreich und der Sowjetunion – zur Herausbildung eines ukrainischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert führte. In dieser langen Zeit sind die russische und die ukrainische Geschichte in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Eine Reihe von Filmen und Comics liefern uns dazu Denkanstöße. (hjk)
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Dorian Gray Knesebeck Dorian Gray Alan Ford Dorian Gray Film 1945

Das Bildnis des Dorian Gray

Ewige Jugend, dauerhafte Schönheit
Ein Porträt, das die Spuren des Alters und des Lebenswandels übernimmt, während der Porträtierte auf ewig jung und schön erscheint, dieses Motiv regte viele Comic- und Film-Autoren an, sich an eine Adaption des Romans von Oscar Wilde zu setzen, mal in ernsthafter, mal in scherzhafter Weise. Die seitenstarke Comic-Adaption von Amálie Kovárová und Petr S’rédl, die 2021 erschien, ist Anlass, auf immerhin zwei Dutzend Comics einzugehen, die sich in den letzten Jahrzehnten ab 1956 mit dem lasterhaften Leben des Londoner Lebemannes beschäftigten. Auch über Verfilmungen wird einiges angemerkt, eine Liste der Filme gibt es gleich hier. (adi)
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Artikel


Schatzinsel Petzi Schatzinsel Long John Silver Schatzinsel Arena

Die Schatzinsel

Mit Long John Silver zur fast verlassenen Insel
Natürlich ist Die Schatzinsel nicht in erster Linie ein Film, sondern ein Roman, die literarische Vorlage für eine ganze Reihe von Verfilmungen, aber auch von Comic-Adaptionen und Übertragungen in andere Medien. Als Roman ist Die Schatzinsel ein klassisches Beispiel jener Bücher, mit denen man die längst zum Klischee gewordene Erinnerung verbindet, sie nächtens im Licht einer Schattenlampe unter der Bettdecke gelesen zu haben (als ob nicht schon die Eltern das gemacht hätten und deshalb im Bilde waren). Der Originaltitel des Romans lautet Treasure Island und ist schon fast eine eingetragene Marke. (hjk) Artikel Die Schatzinsel herunterladen

 
Sammelbild Störtebeker-Album Störtebeker Ralswiek 1997 Störtebekers Schädel

Klaus Störtebeker

Zwölf Meter kopflos
In erster Linie ist in unserer Wahrnehmung die Karibik des 16. bis 18. Jahrhunderts die Region, in der die Piraten ihr Unwesen trieben. Und die berühmten Piraten, Korsaren und Seeräuber waren demnach allesamt Engländer, ein paar Spanier oder Franzosen, vielleicht mal ein Holländer. Aber die Geschichte der Piraterie ist sehr viel älter, die Schauplätze finden sich in fast allen Ecken der Welt(meere). Einer dieser Schauplätze war im späten Mittelalter die norddeutsche Küste. Und genau hier finden wir den einzigen Deutschen, der als Pirat unsterblich wurde: Klaus Störtebeker. (hjk) Artikel Störtebeker herunterladen

 
Slatin Pascha Wüstenkrieger Slatin Pascha im Comic Slatin Pascha im Film

Slatin Pascha

Der Aufstand des Mahdi
Der Sudan heute – das ist nach wie vor ein Land andauernder Bürgerkriege, ein geteiltes Land, das nicht zur Ruhe kommt und wo es den beiden jetzt dort existierenden zwei Staaten nicht gelingt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, Probleme, die ihren Ursprung in den Tagen des Imperialismus und Kolonialismus haben, als europäische Staaten Afrika rücksichtslos unter sich aufteilten. Europäer im Sudan des 19. Jahrhunderts? Da fallen dem einen oder anderen vielleicht auch deutsche Namen ein: zuallerest vermutlich Karl May (1842–1912) und dann Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer (1840–1892), Emin Pascha, und Rudolf Slatin (1857–1932), Slatin Pascha. (hjk) Artikel Slatin Pascha herunterladen

 
Eiserne Maske Vier Musketiere La femme mousquetaire

Die drei Musketiere

Einer für alle, alle gegen Milady
Mögen auch längst nicht mehr so viele den dicken Wälzer mit den Abenteuern der drei (genaugenommen sind es ja vier) Musketiere, den verwegenen Helden aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts, oder gar die beiden weiteren Romane der Trilogie wirklich lesen. Dennoch gehören die in ihnen vorgestellten Motive dank gekürzter Fassungen, unzähliger Verfilmungen, Comics oder auch Bühnenstücken und sogar Musicals zu unserem gedanklichen Gemeingut. (hjk) Artikel Drei Musketiere herunterladen

 
Mutter Theresa Johanna von Orleans Sankt Ursula

Heilige

Heilig, heilig, heilig
Heilige als legendäre Helden? Nun, legendär sind viele von ihnen – nicht zuletzt, da ihre Taten, ja sogar ihr Leben in nicht wenigen Fällen gar nicht eindeutig belegt sind, vielleicht nur Legende sind. Und manche von ihnen, Männer wie Frauen, waren auch Helden und Heldinnen – oft nicht so sehr im herkömmlichen Sinn, sondern eher unter moralischen Aspekten. (hjk)
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Chingachkoog Der letzte Mohikaner Lederstrumpf im Film

Lederstrumpf

Politisch korrekte Indianer
Deerslayer, La Longue Carabine, Hawkeye, Pathfinder, Leatherstocking – all das sind die Namen, unter denen wir Nathaniel Bumppo kennen, eine mythische Figur der frühen amerikanischen Geschichte, eine literarische Schöpfung des Schriftstellers James Fenimore Cooper, der in ihm jenen Pionieren der frühen Siedlungsgeschichte ein unsterbliches Denkmal setzte. (hjk)
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Robert Surcouf Surcouf im Film Surcouf im Comic

Surcouf

Pirat für Napoleon
In Frankreich ist Robert Surcouf, als Kaperkapitän – sowohl Pirat wie Freibeuter – in den Napoleonischen Kriegen zu Ruhm gelangt, bis heute ein Held, von Legenden umwoben. Er hat vielfältige Spuren hinterlassen, in der erzählenden Literatur, im Comic und im Film. Überraschenderweise wurde ihm auch in Deutschland ein Kranz geflochten von dem eigentlich durch andere Schauplätze berühmt gewordenen Reise- und Abenteuerschriftsteller Karl May. (hjk)
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Marco Polo Comic Marco Polos Buch der Wunder Max & Luzie bei Marco Polo

Marco Polo

Übers Meer, durch die Wüste, bis weit nach China
Das "Buch der Wunder", in dem von den Reisen von Marco Polo berichtet wird, ist ein Beispiel dafür, wie eine Erzählung aus einer mittelalterlichen Handschrift bis in unsere Zeit herübergerettet wird und immer noch Verbreitung findet. Waren es im Mittelalter des 14. Jahrhunderts buchmalerische Ausschmückungen, so sind es in heutiger Zeit Werbecomics oder Zeichentrickfilme, die auf unsere Bilderwelt zu Marco Polo einwirken. (adi)
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Don Quijote gegen die Windmühlenflügel Don Quijote bei Clever & Smart Don Quijote bei flix

Don Quijote

Gegen Windmühlenflügel
Beim Kampf gegen die Windmühlenflügel wird es besonders deutlich: Sein Knappe Sancho Panza bemerkt, dass Don Quijote die Wirklichkeit nicht so wahrnimmt, wie sie ist. Durch das Lesen zu vieler Ritterromane gerät Don Quijote in eine eingebildete Welt und reitet nun als "Ritter von der traurigen Gestalt" durch die Lande. Das hört sich nach einer Steilvorlage für einen Vergleich mit heutigen "Querdenkern" an. (adi)
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Robin Hood Robin Hood als frühe Illustration Robin Hood im Film

Robin Hood

Mit Pfeil und Bogen grün und gerecht
Obwohl heute jedes Kind seine Geschichte – und auch den historischen Hintergrund – kennt, ist es doch sehr zweifelhaft, ob es sich bei ihm um eine historische Gestalt handelt. In der Geschichts- und Literaturforschung ist das zumindest immer noch umstritten. Sehr wahrscheinlich aber dürfte die Existenz historischer Bezüge für die literarische Überlieferung sein. (hjk)
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Zorro im italienischen Comic Zorro im Film Fuchsis Zorro

Zorro

Hundert Jahre Z
Man erfuhr es beim Münchner Comicfestival 2019, in Fachzeitschriften und im Fernsehen: Der für Gerechtigkeit streitende Degenfechter reitet seit hundert Jahren durch das spanische Kalifornien. Passend zum Geburtstag entstehen neue Zorro–Comics jenseits der von Disney gewohnten Art, darunter "Lady Zorro" oder sogar eine Begegnung mit Dracula. (adi)
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Zeittafeln


Zeittafel 1964 Zeittafel 1964 (adi)
Der US-Präsident Johnson darf mit dem Vietnam-Krieg beginnen, Brasilien wird eine Militärdiktatur, Nelson Mandela kommt ins Gefängnis. DDR-Rentner dürfen Verwandte im Westen besuchen, Willy Brandt wird SPD-Vorsitzender, Fußgänger erhalten auf dem Zebrastreifen Vorrang vor den Autos. "Laurel und Hardy" heißen noch nicht "Dick und Doof", in "Lupo" erscheinen Asterix und Obelix als Siggi und Babarras, Robin Hood rettet Lady Janet. General Jack D. Ripper will den Atomkrieg, Professor Higgins setzt sich für eine gesittete Sprache ein und den Kinobesucher erwarten gleich vier Karl-May-Filme. In den US-Comics tauchen Daredevil und Dussel Duck erstmals auf. "MAD" beginnt mit seinen zusammenfaltbaren Backcovern. In Italien erscheint die erste Ausgabe von "Satanik", gezeichnet von Magnus, geschrieben von Max Bunker. Morris nennt in einem Artikel in "Spirou" die Kunst des Comic die "Neunte Kunst". Zeittafel 1964 herunterladen

 
Zeittafel 1963 Zeittafel 1963 (adi)
In Dallas wird John F. Kennedy erschossen, in Paris der Élysée-Vertrag unterzeichnet, Martin Luther King hält in Washington die Rede "I Have a Dream". Am Kiosk stellt man bei Comics vom Piccolo-Format auf Großbände um. Jürgen Kieser veröffentlicht den ersten "Fix und Fax"-Sammelband, Helmut Nickel zeichnet "Winnetou", Hansrudi Wäscher hat mehr als genug zu tun. Doctor Who beginnt seine Raumzeitsprünge, Freddie Frinton fragt am Silvesterabend erstmals "Same procedure as last year, Mylady?", die Mainzelmännchen kommen. Gitte will einen Cowboy als Mann. Manuela meint, dass der Bossa Nova schuld sei. Mit dem Titel "Les Schtroumpfs noirs" erscheint bei Dupuis das erste Schlumpfalbum, Asterix und Obelix treffen in Lutetia auf Idefix, Jean Giraud und Jean-Michel Charlier starten mit "Blueberry" in Pilote, wo auch Greg mit "Albert Enzian" anfängt. Im englischsprachigen Comic erscheinen 1963 erste Geschichten von Modesty Blaise, Doctor Strange, Doctor Octopus und dem Marvel-Sandman. Zeittafel 1963 herunterladen

 
Zeittafel 1962 Zeittafel 1962 (adi)
Während der Kubakrise schrammt die Welt knapp am Beginn eines Atomkriegs vorbei, in der Spiegel-Affäre steht die journalistische Unabhängigkeit auf dem Spiel und Charles de Gaulle bereitet den Weg zu einem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Einer Reihe von Ankäufen von Comicserien aus französischen und US-amerikanischen Quellen stehen nur wenige Neuveröffentlichungen von deutschen Comiczeichnern gegenüber. Die Beatles, die Rolling Stones und das Pumuckl beginnen ihre Karrieren, Marilyn Monroe singt zum letzten Mal öffentlich. Im Film suchen Banditen nach dem Schatz im Silbersee, die Meuterer von der Bounty nach einer Zuflucht und Jules und Jim nach Catherine. René Goscinny und Jean Tabary erschaffen den ehrgeizigen Großwesir Isnogud und im Album "Asterix als Gladiator" haben die Piraten ihren ersten Untergang. Zeittafel 1962 herunterladen

 
Zeittafel 1961 Zeittafel 1961 (adi)
Die Berliner Mauer wird gebaut, die Invasion in der Schweinebucht scheitert, die Franzosen stimmen für die Unabhängigkeit Algeriens. Der Verlag Walter Lehning versucht es mit Comicabenteuern im Urwald, bei den Rittern, im Western und mit Zeichentrickfiguren. Das dickste deutsche Wörterbuch wird nach 123 Jahren fertig, Perry Rhodan sorgt für Frieden mit der dritten Macht. Das Dorf soll schöner werden, Freddy Quinn schmachtet für La Paloma, Bill Ramsey für die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe. Guido Martina und Pier Lorenzo De Vita schicken Donald Duck als Odysseus übers Meer, bei den Peanuts taucht die lockige Frieda auf, Betty Kane wird das erste Batgirl, in Tintin beginnt Hergé mit "Juwelen der Sängerin". Carl Barks erzählt in "The Midas Touch" erstmals von den bösen Absichten Gundel Gaukeleys. Zeittafel 1961 herunterladen

 
Zeittafel 1960 Zeittafel 1960 (adi)
Der Verlag von Walter Lehning in Hannover ist mit seinen Comic-Neuerscheinungen weiterhin sehr rührig. Kaum ist die Piccolo-Ritterserie "Sigurd" beendet, geht es mit den Piccolos von "Falk" weiter. Zudem schickt er "Daffy" und mehrere Abenteuer-Serien neu ins Rennen um den jugendlichen Leser. Im "Afrika-Jahr" 1960 werden 18 Kolonien unabhängig. Chruschtschow hämmert mit seinem Schuh aufs Pult, eine U-2 wird abgeschossen, ein Vorläufer von GPS startet, John F. Kennedy gewinnt die US-Wahlen. Jim Knopf erreicht Lummerland, Cassius Clay wird Box-Olympiasieger, Rocco Granata singt von Marina. Marion Crane geht zum letzten Mal unter die Dusche, der neue Dr. Mabuse sieht alles und René Goscinny lässt den doofen Rantanplan auf Lucky Luke los. Zeittafel 1960 herunterladen

 
Zeittafel 1949 Zeittafel 1949 (adi)
Die Bundesrepublik und die DDR, der Europarat und die NATO werden gegründet, die Berlin-Blockade wird beendet, die Sowjets zünden ihre erste Atombombe dank Informationen von Spionen aus den USA. In diesem Jahr gibt es im Comicbereich wenige Ersterscheinungen, die meisten sind Neuveröffentlichungen. Es gibt die erste Praktica-Kamera zu kaufen und in Berlin erfindet Hertha Heuwer die Currywurst. Im Kino zeigt man Trümmerfilme, beschreibt Aspekte der Besatzungszeit und erinnert an die NS-Vergangenheit. Peyo zeichnet die Abenteuer der Katze "Pussy" und Carl Barks lässt Tick, Trick und Track in "Rival beachcombers" den Strand nach einem Rubin absuchen. Zeittafel 1949 herunterladen

 
Zeittafel 1948 Zeittafel 1948 (adi)
Jeder Westdeutsche erhält 40 DM. Westberlin wird über eine Luftbrücke versorgt. Der neue Berliner Flughafen Tegel wird in 85 Tagen gebaut. Die neuen in Deutsch erscheinenden Comics des Jahres 1948 erhalten meistens gereimte Texte, aber Konstantin Kusnezows "Jagd auf das Atomgeheinis" zeigt Text in Sprechblasen ohne Verskunst. Auf den deutschen Leinwänden geht es um den Holocaust, einen Justizskandal und den Weiterbau der Welt mit Petrus oder Lucifer. Bei McDonald startet das Fastfood seinen Siegeszug. Suske und Wiske von Willi Vandersteen und Alix von Jacques Martin haben ihren ersten Auftritt im belgischen Comicmagazin Tintin. Zeittafel 1948 herunterladen

 
Zeittafel 1947 Zeittafel 1947 (adi)
Der Winter ist ungewöhnlich kalt, der Sommer sehr heiß in Deutschland. Die Versorgungslage der Bevölkerung ist angespannt. Dennoch erscheinen einige Comics, darunter erstmals auch Hefte französischen Ursprungs. Im Kino sorgt Hildegard Knef für die Aufklärung eines angeblichen Schmuckdiebstahls, Zorros Sohn sorgt für Gerechtigkeit und der kriminelle Hans Albers läutert sich. Der Transistor funktioniert, die Kon-Tiki sticht in See und Maggi fusioniert. Buck Danny fliegt erstmals durch "Spirou". Steve Canyon von Milton Caniff gibt sein Debut zur gleichen Zeit in 168 US-Zeitungen auf einmal. Zeittafel 1947 herunterladen

 
Zeittafel 1945-46 Zeittafel 1945-46 (adi)
Als erster Nachkriegscomic in Deutschland erscheint im Dezember 1945 ein Heft, von Konstantin Kusnezow gezeichnet, dessen Sprechblasentexte in Englisch und Deutsch nebeneinander stehen. Aus der Schweiz kommen Globi-Bücher, in Österreich konkurrieren gleich zwei Kinderzeitschriften um den jungen (Comic-) Leser. Comics werden noch nicht Comics genannt. Im Kino gibt es die ersten Trümmer- und Übergangsfilme. Hildegard Knef verhindert Selbstjustiz, Peter Voss eine Bankpleite, die Presse den Bikini. Morris bringt die erste Geschichte von "Lucky Luke" auf den Weg und Carl Barks zeichnet mit The Riddle of the Red Hat seine einzige Micky-Maus-Erzählung. Zeittafel 1945-46 herunterladen

 
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Lektüre


Rosenberg/Merino: Der Joker - Die geheimnisvolle Rätselbox Der Joker - Die geheimnisvolle Rätselbox (Matthew Rosenberg/Jesús Merino, Panini 2022, 252 S., SC, farbig)
Das Wort Rätselbox im Titel dieses Joker-Comics lässt voreilig vermuten, das Buch sei eine Sammlung von Rätselseiten wie man es von "Knobelix" oder anderen Asterix-Rätselbücher kennt. Nein, so ist es nicht. Dieses Buch erzählt eine längere, variantenreiche Superschurken-Geschichte, bei der Mr. Freeze, Professor Pyg, Bane, Harley Quinn, Poison Ivy, Two-Face, Catwoman und Konsorten hinter den Teilen einer vielversprechenden und rätselhaften Box her sind. Dem Joker und Clayface (d.i. Basil Karlo, der Gestaltwandler) kommen dabei entscheidende Rollen zu. Als der Riddler (d.i. Edward Nygma) tot aufgefunden wird, sperrt man zur Klärung des Mordfalls die ganze Bande an Superschurken samt Joker im Gotham City Police Department in einen Käfig. Man darf annehmen, dass sich die eigenwilligen Gefangenen bald gegenseitig an den Kragen gehen werden. Commissioner James Gordon und seine Kollegen verhören sie nach und nach. Der Joker tischt den Polizisten bereitwillig und redselig seine Version der Abläufe auf, während die Ergebnisse der Verhöre der anderen Schurken dem Joker und sich gegenseitig widersprechen. Den LeserInnen bieten die sieben in diesem Band versammelten Hefte Gelegenheit zum Miträtseln über den Zweck der Rätselbox und zum Wiedererkennen der wirklich zahlreichen Superschurken des Batman-Universums. (adi)

 
Minetaro Mochizuki: Dragon Head Perfect Edition 1 Dragon Head Perfect Edition 1 (Minetaro Mochizuki, Carlsen 2022, 432 S., SC, schwarzweiß)
Mit neuer Übersetzung, neuem Lettering und neu gemachten Pengwörtern erscheint das erste Buch dieser "perfect edition" im Umfang von zwei Bänden der Planet-Manga-Taschenbuchausgabe von 2001/2002. Die neue Übersetzung kommt der Geschichte sehr zugute. Sie begleitet die Bilder sprachlich deutlich besser als die Erstübersetzung (nur verwundert es, dass das Mädchen Ako zur 1. Klasse einer Schule gehören soll). Zwanzig Jahre nach dem bei uns ersten Erscheinen dieses zu den Klassikern zu zählenden Mangas erlebt man die horrenden Erlebnisse der Eingeschlossenen noch einmal wie neu. – Nur zwei Schüler und eine Schülerin überleben das Unglück, als ihr Schnellzug auf ihrer Schulfahrt in einem Tunnel von einem Erdbeben erfasst wird. Vor und hinter dem Zug ist der Tunnel verschüttet. Der Schüler Teru Aoki sucht zwar ängstlich, aber mit Bedacht nach einem Ausweg aus der beklemmenden Lage, während sein Schulkamerad Nobuo Takahashi durchzudrehen beginnt, das Mädchen Ako Seto bemalt und erniedrigt und Teru mit einer selbstgebastelten Lanze angreift. Die psychischen Belastungen, denen die drei Jugendlichen ausgesetzt sind, die unheimlichen Geräusche und Wahrnehmungen in der Dunkelheit lässt der Autor auf weit über vierhundert Seiten sehr deutlich werden. Atemlos geht es immer weiter durch die Nacht, bis sich hoffentlich endlich ein Ausgang aus dem Tunnel finden wird. (adi)

 
Tom King/Greg Smallwood: Human Target 1 Human Target 1 (Tom King/Greg Smallwood, Panini 2022, 192 S., SC, farbig)
Als menschliche Zielscheibe verdingt sich Christopher Chance bei Lex Luthor. Seine Aufgabe ist es, Anschläge auf den (fiesen) Wirtschaftsmagnaten dadurch zu verhindern, dass er in die Rolle eines perfekten Doppelgängers von Luthor schlüpft und die Attentäter damit in die Irre führt. Tatsächlich schafft es der mit einer Schutzweste abgesicherte Verkleidungskünstler, eine Kugel, die Luthor gilt, auf sich zu lenken und den Schützen auszuschalten. Doch einen gleichzeitigen Giftanschlag bemerkt Chance zu spät. Er hat den tödlichen Kaffee bereits getrunken. Doctor Mid-Nite untersucht Chance, stellt im Gift altertümlichen Wasserstoff fest und gibt ihm Pillen, dank derer er noch zwölf Tage am Leben bleiben wird. Dann taucht Ice (d.i. Tora Olafsdotter) in seinem Büro auf, eine kühle Schönheit, die ihn bei der Suche nach dem oder der GiftmischerIn unterstützen wird. Hat etwa Fire (d.i. Beatriz da Costa) mit dem Fall zu tun? – Dieses Human-Target-Buch enthält die ersten sechs Hefte einer nagelneuen Geschichte von 2022, ist also kein Nachdruck der bei uns 2000 erstmals beim Verlag Thomas Tilsner erschienenen Story von Peter Milligan und Edvin Biuković oder von den Panini-Ausgaben des Jahres 2011. Der Vergleich der Titelbilder von damals und heute deutet an, dass der Titelheld inzwischen viel grauere Schläfen bekommen hat. Doch dass es mit ihm nun bereits in zwölf Tagen zu Ende gehen soll, das möchten die LeserInnen dieser gut erzählten und gezeichneten JLI-Detektivgeschichte wohl nicht erleben. (adi)

 
Koike/Kojima: Lone Wolf & Cub Master Edition 1 Lone Wolf & Cub – Master Edition 1 (Kazuo Koike/Gôseki Kojima, Panini 2022, 680 S., HC, schwarzweiß)
"Für meinen Jungen ist es Zeit zu pinkeln...". Der erfahrene Samurai weiß, wie sich sein Sohn für seine beruflichen Ziele einsetzen lässt. Er verfügt über eine reiche Auswahl solcher Einfälle. Den LeserInnen dieser soliden Ausgabe des comichistorisch bedeutenden Manga Kozure Okami (d.i. "Wolf mit Kind") erwarten 15 Episoden, in denen der herrenlose Samurai und Auftragsmörder Ogami Itto mit seinem dreijährigen Sohn Daigoro durchs Japan des 18. Jahrhunderts zieht. Für die mit jener Zeit der Daimyo wenig vertrauten LeserInnen erklärt ein Glossar am Ende des Buches die unbekannten Begriffe und Verwaltungsgliederungen. Die Anordnung der Episoden scheint ab Kapitel 8 gegenüber der Taschenbuchausgabe von 2003-2009 etwas geändert oder ergänzt worden zu sein. Ogami Itto erfüllt seine Aufträge mit Bedacht, sobald er die Motive der Auftraggeber kennt. Sein kompromissloses Vorgehen wird das Gerechtigkeitsempfinden des Lesenden oft zufriedenstellen, es wirkt gelegentlich aber auch verstörend, insbesondere, wenn er in horrenden Situationen trotz seines großen Könnens nicht eingreift. Wohl wissend, dass Auftragsmörder uns nicht sympathisch erscheinen sollten, hält man wegen seiner Rolle als furchtloser, siegessicherer Held zu ihm. Ogami Ittos Kampftechniken sind über jeden Zweifel erhaben, so dass man um den kleinen Daigoro nie fürchten muss. Daigoro hat diesen Samurai-Manga zu etwas Besonderem gemacht. Er sorgt für kindliche Momente in der harten Welt seines Vaters, in der, wenn man an die letzte Episode des Buches denkt, so etwas wie Zweifel oder Verzweiflung angesichts seines unvermeidlichen Lebenswegs aufsteigt. (adi)

 
Vaughan/Chiang/Wilson: Paper Girls Paper Girls – Die komplette Geschichte (Brian K. Vaughan/Cliff Chiang/Matt Wilson, Cross Cult 2022, 800 S., SC, farbig)
Die komplette Erzählung über die vier jungen Zeitungsausträgerinnen ist nun in einem gewichtigen Sammelband mit Lesebändchen erschienen, also als etwas, das man früher eine Telefonbuchausgabe nannte. Die spannende Geschichte der Mädchen, die plötzlich in die erbittert geführten Kämpfe zweier Parteien wegen des Zeitreisens geraten, ist dadurch deutlich günstiger erhältlich als bisher in den sechs Teilbänden. Die zwölfjähige Erin Tieng trifft in dieser mit Eisner-Awards ausgezeichneten Erzählung als neues "paper girl" die drei gleichaltrigen Mädchen Mac, Tiffany und KJ, die ebenfalls mit dem Fahrrad am frühen Morgen des Jahres 1988 auf den Straßen von Stony Stream, Ohio, Zeitungen austragen. Um sich vor unangenehmen Zeitgenossen zu schützen, fahren die Mädchen zu zweit. Dennoch werden Tiffany und KJ von drei geisterhaften Gestalten überfallen. Bei deren Verfolgung finden die Vier in einem Keller eine große, raumkapselförmige Maschine, welche später als "Rettungsboot" bezeichnet werden wird. Die Maschine schaltet sich plötzlich ein und bestrahlt die vier Mädchen. Damit sind sie für die "Oldies", eine der Kriegsparteien, nicht mehr aufspürbar. Diese Oldies versuchen, durch das Zeitreisen entstehende Anomalien zu verhindern und den historischen Status Quo zu schützen, während die "Teenager" an der Idee, durch Zeitreisen Geschichte zum Besseren zu verändern, festhalten wollen. Brian K. Vaughan zeigt in seiner überraschungsreichen Erzählung, dass sich fundamentale Gegensätze ohne epische Schlachten beilegen lassen, dass Zeitreisen krank machen kann, dass selbst Bärtierchen gefährlich werden können und dass Apple bei der Erfindung des Zeitreisens ganz vorne dabei gewesen sein wird. (adi)

 
Torres/Cifuentes/Arreola: Whodunnit? 1 Whodunnit? – Ein Mörder-Mystery (El Torres/Vicente Cifuentes/Ulises Arreola, Panini 2022, 88 S., HC, farbig)
Die Familie von Lord Harold Strutter ist zu einem Treffen auf seinem stattlichen, alten Anwesen zusammengerufen worden. Strutters vier Verwandte warten am flackernden Kamin eines Wohnzimmers auf sein Erscheinen und rätseln über das, was das reiche Familienoberhaupt ihnen mitteilen möchte. Am gleichen Tag tritt Dorry Quirrel bei Lord Strutter eine Arbeitsstelle als Dienstmädchen an. Sie verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten. Eigentlich will sie diese nicht mehr nutzen, aber nachdem sie den ermordeten Lord Strutter auffindet und die Polizei eintrifft, verlangt es die folgende Ermittlungsarbeit von ihr. – So wie in den Krimi-Comics "Blacksad" von Juan Díaz Canales oder in "Inspektor Canardo" von Benoît Sokal treten alle Figuren dieses mysteriösen Mordfalls in Tiergestalt auf. Das Eichhörnchen Dorry bringt etwas Übersinnliches in die Geschichte ein, das sich bis in die finsteren Tiefen des Hauses erstreckt. Die Verzweiflung einer der Gestalten in der Tiefe macht der Zeichner Vicente Cifuentes auf Seite 68 durch Anlehnung an eine Illustration des großen Berni Wrightson sichtbar, dessen originale Vorlage, die Frankensteins Monster zusammengekauert im Schuppen der Familie DeLacey zeigt, Cifuentes im Anhang des Buches nochmals ganzseitig nachzeichnet. Juan "El" Torres und Vicente Cifuentes konnten ihre detailfreudige und sehenswerte Arbeit durch ein Crowdfunding-Projekt verwirklichen, das im Juli 2021 gestartet wurde und in dem um die 400 Leute zusammen fast 16.000 Euro an Unterstützung zusagten, wie die Plattform Verkami bekanntgibt. (adi)

 
Cossu/Sentenac/Bocquet: Spirou und Fantasio Spezial 38 Spirou und Fantasio Spezial 38: Der Triumph des Zyklotrop (Brice Cossu/Alexis Sentenac/Olivier Bocquet, Carlsen 2022, 64 S., SC, farbig)
Nicht als Filmcomic, aber als Comic über einen Film stellt sich die neueste Ausgabe der "Spezial"-Reihe von Spirou und Fantasio vor. Damit sei gesagt, dass dieses Album keine Wiedergabe des Realfilms "Les Aventures de Spirou et Fantasio" von 2018 darstellt, sondern von diesem lediglich inspiriert wurde. Angesichts der mauen Kritiken, die der Realfilm erhielt, ist das wohl ein gutes Zeichen. Erneut stellt sich die Frage, warum und wann ein Abenteuerfunny überhaupt mit realen Schauspielern verfilmt werden sollte. Olivier Bocquet hilft mit seinem Szenario von "Der Triumph des Zyklotrop" diese Frage zu beantworten. Mit humorvollen Einfällen wird das Entstehen eines Films auf den Arm genommen, der ausgerechnet ein Abenteuer von Spirou und Fantasio zum Gegenstand hat. Die ältergewordenen Comichelden Spirou und Fantasio begleiten das Filmteam und insbesondere den zyklotropartigen Filmproduzenten argwöhnisch. Dass Fantasio beim Casting für diesen Film nicht für die Rolle des Fantasio, sondern für die des Grafen von Rummelsdorf geprüft wird, ist angesichts seines Bäuchleins und seines spärlich gewordenen Haupthaars nachvollziehbar. Ein Haarwuchsmittel wie das von Miraculix in "Asterix der Gallier" könnte helfen. Die Zeichnungen von Brice Cossu erinnern öfter an Manga, wie überhaupt in diesem Comic so einiges auf andere Comics anspielt. Insbesondere an den hanebüchenen Bemerkungen des Filmregisseurs und am Drehbuch hat man dabei seine Freude. (adi)

 
Johns/Frank/Anderson: Geiger 1 Geiger 1: Die Ungenannten (Geoff Johns/Gary Frank/Brad Anderson, Cross Cult 2022, 176 S., HC, farbig)
Das, wovor wir uns angesichts der Kämpfe um das Atomkraftwerk Saporischschja noch fürchten müssen, haben die Menschen in der Erzählung des nun erschienenen ersten Bandes der Comicserie "Geiger" schon hinter sich: Das ganze Land ist radioaktiv verseucht. Nur noch im Strahlenschutzanzug geht es vor die Tür. Ob diese allzu leicht wirkenden Anzüge mit ihren Klarsichthelmen tatsächlich genug Strahlung abhalten könnten, wofür man sonst dicke Beton- oder Bleiplatten benötigt, wird der Physiklehrer uns erklären wollen, aber darum geht es hier ja nicht. Hier gibt es einen Mann, Tariq Geiger, der sich auch ohne Schutzanzug im Freien aufhalten kann und uns vom Titelbild entgegen leuchtet, wie in den 60er Jahren Doctor Solar, Man of the Atom. Eine medizinische Behandlung hat Geiger die Verstrahlung überleben lassen. Der Arzt Dr. Molotow steckte ihm zwei Dämpferstäbe aus Bor (!?) in die Weste, was ihn seine zerstörerische Strahlungswirkung im Griff behalten lässt. – Die zugleich spannende als auch tragische Geschichte von einem Vater, der in einer lebensfeindlichen Welt vor dem Bunker seiner Familie wacht, erhält durch den irren König von Las Vegas mit seinem Camelot und seinen nuklearen Rittern den Anstrich von Verrücktheit, der dem atomaren Sujet überaus angemessen ist. Der Autor Geoff Johns hat dabei bereits Junkyard Joe von der Leine gelassen. Man ist gespannt, wie es nun mit diesem Roboter weitergeht. (adi)

 
Phillips/Rossmo/BRaga: Harley Quinn 2 Harley Quinn 2: Chaos in der Stadt der Angst (Stephanie Phillips/Riley Rossmo/Laura Braga, Panini 2022, 204 S., SC, farbig)
Die Psychologin Harley Quinn hat den Ehrgeiz, sich zusammen mit ihrem beleibten Unterstützer Kevin in Gotham City als gute Kriminalitätsbekämpferin auszuzeichnen (siehe Harley Quinn 1), also in Konkurrenz zum irren Professor Hugo Strange mit seiner brutalen Polizeitruppe, der Gotham ins Chaos treibt. Doch sie wird vom aufgeblasenen Keepsake (d.i. Eli Kaufmann) entführt. Solomon Grundy, das einsilbige Kloakenmonster, und Mr. Freeze (d.i. Dr. Victor Fries), der eiskalte Schockfroster, helfen Kevin, der einfach nur Kevin heißt, bei der Suche. Es schließt sich eine turbulente Phase an, in der Keepsakes "Gremium des Grauens" als lächerlicher Versuch des Machterwerbs abserviert wird. Dabei setzt die Autorin Stephanie Phillips viele weibliche Figuren aus dem Harley-Batman-Universum ein, von Catwoman, über Gardener (d.i. Dr. Bella Garten) bis Sam Payne, die die Auseinandersetzung gewaltig lebendig werden lassen. Doch dann kommt eine von Laura Braga gediegen gezeichnete, ruhigere Episode, die von den Beziehungen zwischen Harley und Poison Ivy und zwischen Kevin und Sam berichtet. Das wirkt wie eine Atempause, bevor es mit Keepsakes nächstem Terrorakt weitergeht, der Harley in ein klassisches Dilemma bringt, welches sie an Immanuel Kant erinnert und welches sie pragmatisch zu lösen beginnt. (adi)

 
Holt/Schall: Made in Korea Made in Korea (Jeremy Holt/George Schall, Panini 2022, 172 S., HC, farbig)
So ein Robotkind aus Korea kostet eigentlich 800.000 Dollar, aber so viel Geld hätte das kinderlose Ehepaar Bill und Suelynn Evans nicht aufbringen können. Doch sie haben das (vermeintliche) Glück, vom Softwareentwickler Chul ein Robotkind zum Schnäppchenpreis zu erhalten. Sie nennen es Jesse. Ob es ein Junge oder Mädchen ist, hängt wohl vom Haarschnitt ab. Die Besonderheit dieses künstlichen Kindes, welches als Proxy, also Stellvertreter, bezeichnet wird, ist die von Chul entwickelte Software, eine sogenannte "echte künstliche Intelligenz". Dieser Begriff wird einem echten Informatiker vermutlich Kopfzerbrechen machen, gemeint ist aber eine Programmierung, die der Maschine so etwas wie Selbstbewusstsein, Selbststeuerung, eigenen Antrieb, annähernd eigenen Willen verleiht. Ob sich Jesse dadurch vor manipulativen Einflüssen zu schützen weiß, das ist Gegenstand dieser nachdenklich machenden Erzählung. Seine außerordentlichen körperlichen Kräfte könnten missbraucht werden. Wie die Hubots aus der Serie "Real Humans", die Replikanten aus "Blade Runner", die humanoiden Zylonen aus "Battlestar Galaktica" oder selbst die von Karel Čapek eingeführten ersten Roboter, so werden Androiden auch in diesem Buch als etwas womöglich Bedrohliches dargestellt. Doch Jesse wird es dank Chuls Programm schon schaffen, seine Selbstfindung für alle beruhigend abzuschließen. (adi)

 
Bellaire/Lambert: Buffy 6: Geheimnisse der Jägerin Buffy (2020) 6: Geheimnisse der Jägerin (Jordie Bellaire/Jeremy Lambert/Andrés Genolet/Ramon Bachs et al., Panini 2022, 112 S., SC, farbig)
Da sitzen nun schon drei Wächter an einem Tisch und beraten über die Zukunft ihrer Jägerinnen: Rupert Giles ist bekanntlich für Buffy zuständig, Robin Wood kümmert sich um Kendra Young, Wesley Wyndam-Pryce betreut Faith Lehane, obwohl es doch eigentlich immer nur eine Jägerin und einen Wächter geben sollte. Im 2019-Buffy-Universum spinnt die Autorin Jordie Bellaire die Geschichte mit der (vorschnellen) Berufung neuer Jägerinnen immer weiter (siehe Buffy 5). Denn da kommt noch eine vierte Jägerin hinzu, Morgan Palmer, die Vorgängerin von Buffy, die ihr Wächter Stephen Reilly und die Leiterin des Rats der Wächter, Dorothy Giles, beseitigen wollte, weil sie mit 25 Jahren als zu alt für ihre Aufgabe angesehen wurde. Sie entkommt ihrem Schicksal dank Anyanka (Anya), der ehemaligen Rachedämonin und jetzigen Inhaberin des Zauberladens. – Der neue Band zerfällt in drei Teile. Zunächst werden die Rettung von Morgan Palmer durch Anyanka und die Rachepläne gegen die Wächter beschrieben. Es schließen sich der Fang eines Fledermausdämons und Gespräche über die Ordnung unter Wächtern und Jägerinnen an. Eine längere Episode aus Faith' Vergangenheit bildet den Schluss. Man gewinnt den Eindruck, dass die Autorin einiges zu tun haben wird, die vielen Andeutungen und Erzählfäden demnächst einmal zusammenzuführen. Dem Vergesslichen hilft buffy.fandom.com/wiki. (adi)

 

Locard/Coblence/Verne: In 80 Tagen um die Welt In 80 Tagen um die Welt (Younn Locard/Jean-Michel Coblence, Knesebeck 2022, 64 S., HC, farbig)
Mit dieser Literatur-Adaption setzt der Verlag seine Reihe von Graphic Novels mit Inhalten von Klassikern fort, Bücher, die in unseren Breiten zu denen gehören, die man für gewöhnlich kennt, gelesen oder verfilmt gesehen hat. Was diesbezüglich Abenteuergeschichten angeht, findet nach "Moby Dick" von Herman Melville in dieser Reihe nun auch eine der bekanntesten Abenteuergeschichten von Jules Verne ihren Platz: In 80 Tagen will es Phileas Fogg zusammen mit seinem Diener Passepartout schaffen, die Erde zu umrunden. Die Reise findet 1872 statt, als den Abenteurern nur Schiff, Bahn, Schlitten und Elefant zum Weiterkommen zur Verfügung stehen. Zum Glück wählen sie den Weg über Suez, Bombay, Yokohama, San Francisco, also ostwärts. Heutzutage, mit einem Flugzeug, macht es da auch noch einen Zeitunterschied, ob man ost- oder westwärts um die Erde fliegt, fragt der Physiklehrer lauernd? Der Weg über Indien verschafft Philias Fogg jedenfalls zudem die Bekanntschaft mit der Witwe Aouda, ein wesentliches Detail der Geschichte, die dieser Comic natürlich nicht auslässt (siehe Titelbild), wie er auch überhaupt durch seine atmosphärisch anziehenden Bilder und die Dialog- und Erklärtexte die weite Reise auf den Punkt zu bringen weiß. (adi)


 

Doan Bui/Leslie Plée: Glauben Sie an die Wahrheit? Glauben Sie an die Wahrheit? (Doan Bui/Leslie Plée, Carlsen 2022, 176 S., HC, zweifarbig)
Schon der Titel dieses wichtigen Buches ist eine Herausforderung: Muss man Wahrheiten glauben? Sind sie sonst keine? Wer kennt die Wahrheit und was ist das? An vielen Beispielen, die die Journalistin Doan Bui hier zusammengetragen hat, lässt sich ablesen, wie verdreht die Welt von Glaube und Wahrheit in unserer Zeit ist (oder war sie das auch schon früher?). Wie mühsam es ist, mit Leuten zu diskutieren, die man für völlig verpeilt hält, mag so mancher erfahren haben, der mit Impfgegnern oder Klimaleugnern zu tun hatte. Denn aus deren Sicht ist es umgekehrt, da sind die Impfbefürworter und Klimawandelgläubigen die fehldenkenden Schlafschafe, die nicht richtig informiert sind. Folglich geht Doan Bui ausführlich auf den Begriff "Fake News" ein, womit eine Falschnachricht gemeint ist, die in manipulativer Absicht zu eigenem Vorteil verbreitet wird. Bui erklärt deren Wirkung und listet am Ende des Buches neun Tipps auf, wie man Fake News erkennt. Das setzt natürlich voraus, dass man diese auch erkennen will. Es ist selbstredend weniger anstrengend, sie einfach zu glauben statt zu überprüfen. Buis Bericht von den Flache-Erde-Gläubigen ist wegen der Absurdität ihrer Erklärungen zugleich amüsant, erschreckend und lehrreich. Wissenschaftliche Erklärungsversuche scheinen bei ihnen aussichtslos, aber immerhin können sie uns selbst in Schwung bringen und zum Denken anregen: Wie lässt sich denn eigentlich beweisen, dass die Erde rund ist? Lichtblicke in der Auseinandersetzung mit "Fake News" sind, dass der kriminelle "Truther" Alex Jones, über den Bui berichtet, kürzlich für seine Leugnung des Sandy-Hook-Massakers von einem Gericht verurteilt und dass ein deutscher QAnon-Vertreter in diesen Tagen auf den Philippinen verhaftet wurde. (adi)


 

Flix: Das Humboldt-Tier Das Humboldt-Tier (Flix, Carlsen 2022, 72 S., HC, farbig)
Alexander von Humboldt und seinen Gefährten Aimé Bonpland führten Begeisterung für naturwissenschaftliche Erkenntnisse und wohl auch Abenteuerlust um 1800 nach Südamerika. Von Flix erfahren wir nun, dass Humboldt auf seiner Entdeckungsreise auch in Palumbien vorbeikam und dabei wie immer seiner großen Sammelleidenschaft nachging. Diese wird von Flix mit kritischem Unterton wiedergegeben, wenn man an den Umgang mit einer Mumie und einem Leopardenbaby denkt, aber ihr ist offenbar auch zu verdanken, dass in der Humboldtschen Sammlung eines Berliner Museums ein Marsupilami bis 1931 reglos überdauerte. Marsupilamis sind zäh, wie man schon dem Band "Die Bestie" entnehmen konnte. Die kleine, aufgeweckte Mimmi Löwenstein darf den Kürschner Tristan Otto in dieses Museum begleiten. Beim Durchgang durch die Sammlung fällt ihr das Marsupilami, das von Humboldt achtlos als "langweiliger Affe" wegsortiert wurde, aus seiner Sammlungskiste. Aus langer Starre kehrt das Marsupilami zurück ins Leben ins Berlin der 30er-Jahre. Schon bald fragt es nach Hub, Hob und Hubi und drängt Mimmi zu einer aufregenden Suche quer durch die Stadt. – Flix verbindet eine frische, veritable Marsupilami-Geschichte gekonnt mit der piefigen Atmosphäre des damaligen Berlins. Dabei genießt man Anklänge an "Das Nest im Urwald" und gut gesetzte Seitenhiebe auf die Ewiggestrigen. (adi)


 

Tynion IV/Reeder/Stott: DC PrideVecchio/Tamaki/Orlando: Marvel Pride DC Pride (James Tynion IV/Amy Reeder/Rachael Stott/Nic Klein et al., Panini 2022, 148 S., SC, farbig)
Marvel Pride (Jan Bazaldua/Luciano Vecchio/Mariko Tamaki/Marjorie Liu et al., Panini 2022, 164 S., SC, farbig)
Mit zwei Kurzgeschichten-Sammelbänden macht Panini auf die zunehmende Zahl von LGBTQ+-Figuren in den Comics von DC und Marvel aufmerksam. Man liest zum Beispiel von der lesbischen Beziehung zwischen Harley Quinn und Poison Ivy. Catwoman, Catman und Jon Kent, der Sohn von Superman und Lois Lane, werden als bisexuell, Green Lantern Alan Scott als homosexuell dargestellt, die Liste "LGBT themes in comics" in der englischsprachigen Wikipedia gibt über die bisherige Entwicklung Auskunft. Sowohl in "DC Pride" als auch in "Marvel Pride" beschreibt Marco M. Lupoi, Paninis Publishing Director für Europa, in ganzseitigen Einleitungen einleuchtend die Bedeutung, die LGBTQ+-Figuren im Comic gewinnen können und sollten. Aus den in "DC Pride" abgedruckten Comics ragt der Poison-Ivy-Harley-Quinn-Beitrag von Amy Reeder und Mariko Tamaki auch zeichnerisch hervor, wobei es um eine Aussprache zwischen beiden und, wie nebenbei, um die Beherrschung eines bizarren Blümchens geht. Auch das rabiate Auftauchen der Lobo-Tochter "Crush" in der Story "Gecrushed" von Andrea Shea oder die Beziehung zwischen einem Gorilla und einem Gehirn (gezeichnet von Nic Klein) überrascht und erfreut. Demgegenüber geht man in "Marvel Pride" etwas anders an die Thematik heran: Es werden die beiden LGBT-Klassiker "Alpha Flight" #106 von 1983 (mit dem Coming-out von Northstar und dem Thema AIDS) und "Astonishing X-Men" #51 von 2004 (mit der Heirat von Northstar mit seinem Freund Kyle Jinadu) wiederveröffentlicht. Vor diese beiden Erzählungen stellt man in kürzeren, neuen Geschichten, die oft wie einfache, ins Sentimentale neigende Lehrstücke wirken, die bunte LGBTQ+-Marvel-Welt vor, deren Figuren uns noch eher unbekannt sein dürften. (adi)


 

Rivière/Wurm: Edgar P. Jacobs Edgar P. Jacobs - Träume und Apokalypsen (François Rivière/Philippe Wurm, Carlsen 2022, 144 S., HC, farbig)
Die Lebensgeschichte von Edgar P. Jacobs, dem Schöpfer des famosen frankobelgischen Comic-Klassikers "Blake und Mortimer", ließe sich in der Sekundärliteratur bereits umfassend nachlesen, beispielsweise in "Der Fall E. P. Jacobs" (Carlsen 2014) oder in der Reddition Nr. 72 oder der Sprechblase Nr. 207, falls man an dieses Material überhaupt noch herankommt. Allemal einfacher ist es, die neu verfasste Comic-Biografie "Edgar P. Jacobs" zur Hand zu nehmen, welche Schlüsselszenen aus Jacobs Leben nacherzählt und dieses zugleich zeichnerisch ganz im Stil des Großmeisters macht! Edgar Pierre Jacobs (1904-1987) hatte zunächst eine Gesangskarriere im Sinn, bevor er bei Hergé Aufgaben für "Tim und Struppi" übernahm. 1946 begann er für die Zeitschrift Tintin eine eigene Geschichte zu zeichnen: "Der Kampf um die Welt". Die zeichnerische Qualität und die Detailfreude brachten den Erfolg. Danach ging es 1950 mit der vorbildlich recherchierten Erzählung "Das Geheimnis der großen Pyramide" weiter. Dem folgte 1953/54 "Das gelbe M", dessen Titelbild zu einem Markenzeichen für den frankobelgischen Comic der Ligne claire wurde. Dem Lesenden dieser Biografie helfen bei den örtlichen Angaben zu Brüssel die Vorsatzpapiere und zu den auftretenden Figuren die biografischen Notizen im Anhang sehr. (adi)


 

Taylor/Putri: Batman und die Ritter aus Stahl 1 Batman und die Ritter aus Stahl 1 (Tom Taylor/Yasmine Putri, Panini 2022, 164 S., SC, farbig)
Kor-El und seine hochschwangere Frau Lara fliehen in einer Rettungskapsel gemeinsam vom explodierenden Planeten Krypton. Kurz nach der Landung wird Kal-El geboren. Die kleine Familie landet in einem mittelalterlichen Königreich, das von Thomas und Martha Wayne regiert wird, die als Eltern von Bruce Wayne gelten. Ob das stimmt? Alfred ist jedenfalls als Beschützer dabei, Diana, die Amazonenprinzessin, und Zala, Kal-Els Schwester, mischen kräftig mit und Lex Luthor wird zum grausam grünen Joker. – Dass man sich in alternativen Helden-Erzählungen um deren logischen Zusammenhang mit den vorangegangenen Geschichten nicht kümmert, das hat man als Comic-LeserIn mehr oder weniger erfreut schon oft erlebt, beispielsweise im Batman-Universum des Weißen Ritters, bei Zorro oder in parallelen Superhelden-Welten mit womöglich jeweils anderen Zeitläufen. Man denke an das DC-Multiversum von 2014 mit seinen 52 alternativen Erden. Oder an die Geschichte, in der es Superman in Rot und in Blau gibt, wobei der eine Lois Lane und der andere Lana Lang heiratet. So werden alle glücklich. Und die Comiclesenden reiben sich ob der irren Einfälle sowohl überrascht als auch vergnügt die Augen. (adi)


 

Cambré/Legendre: Spirou und Fantasio Spezial 37: Happy Family 2 Spirou und Fantasio Spezial 37: Happy Family 2: Zantafios Plan (Charel Cambré/Marc Legendre, Carlsen 2022, 48 S., SC, farbig)
Die Stoffpuppe, die schon im ersten Album dieser dreibändigen Reihe Spirou und Fantasio zu einem rasanten Abenteuer verholfen hat (siehe Happy Family), taucht wieder auf. Verblüfft öffnet Spirou ein Geschenkpaket, in dem die Puppe liegt. Aber dieses Mal soll sie laut dem Grafen von Rummelsdorf nur zum Radiohören und Telefonieren taugen. Pips freut sich. Das eiförmige Meisterhirn, dieses Wunderwerk Rummelsdorfer KI, das damals die Puppe belebte, hat der Graf jetzt in einen Zählfisch eingebaut, also einem Robotfisch, der Fische zählen kann. Der Erfindergeist des Grafen macht keine Pause, selbst sein Renault 4 fährt jetzt vollautomatisch und sprachgesteuert, auch unter Wasser. Mit dem Zählfisch soll ein Plan von Zantafio in Erfüllung gehen, nachdem er im Zoo von einem Gorilla einen Koffer mit Diamanten im Tausch gegen ein Erotikmagazin an sich gebracht hat. – Man merkt, dass es den beiden Autoren der kleinen Serie offenbar nicht an Fantasie mangelt. An reichlich Slapstick-Einlagen fehlt es in diesem Funny auch nicht und man lernt: Nicht nur am Dreikönigskuchen, auch an Fischkroketten kann man sich die Zähne ausbeißen. (adi)


 

Nijkamp/Balám: Hawkeye: Kate Bishop: Alles unter Kontrolle Hawkeye: Kate Bishop: Alles unter Kontrolle (Marieke Nijkamp/Enid Balám, Panini 2022, 116 S., SC, farbig)
Hawkeye Kate Bishop kann nicht nur ihre Umgebung genau in den Blick nehmen, sondern sie geht wohl deshalb auch höchst treffsicher mit Pfeil und Bogen um. Damit fixiert sie nicht nur Ganoven an ihren Tatort, sie tackert bei Bedarf auch ihre Schwester Susan an die Wand, von der sie nicht immer Katie genannt werden will. Ihr stehen neben dem Pizza-Hund Lucky mit America Chavez und Cassie Lang zwei hilfsbereite Freundinnen zur Seite. – Erstaunlich, dass in einer Welt voller Schusswaffen auch im neuen Comic noch eine Bogenschützin als Hauptfigur eingeführt wird, die wie Green Arrow mit ihren Trickpfeilen zusätzliche Hilfsmittel wie Fangnetze, Montagekleber o.ä. verschießen kann. Alle handelnden Figuren sind weiblich, auch die Schurkinnen, die sich mit Hilfe hypnotisch wirkender Armbänder ein wichtiges Fragment des kosmischen Würfels verschaffen wollen, um ihre Mitmenschen zu beherrschen. Da muss Hawkeye schon sehr genau treffen, um diese Fesseln rechtzeitig loszuwerden. Den Werdegang von Kate Bishop als Nachfolgerin von Clint Barton erklärt die sechsteilige Fernsehserie "Hawkeye", die Ende 2021 bei Disney+ erstmals zu sehen war. (adi)


 

Ridley/Foreman/Coipel: Ich bin Batman 1: Das Erbe des Dunklen Ritters Ich bin Batman 1: Das Erbe des Dunklen Ritters (John Ridley/Travel Foreman/Olivier Coipel/Laura Braga et al., Panini 2022, 160 S., SC, farbig)
Es ist ein Kampf von Anzugträgern. Zum einen diejenigen mit Schlips und Kragen, die im Verborgenen in Gotham herrschen wollen, zum anderen diejenigen mit Kampfanzügen, die auf der Straße ihre jeweiligen Interessen mit Gewalt durchzusetzen versuchen. Ein neuer Batman namens Jace taucht auf. Er schwärmt von seinem neuen Anzug: "Die Weste besteht aus einer Schicht non-newtonschem Fluid... weniger als ein Drittel so dick wie Kevlar, aber noch Schusshemmung-Level IIIA." Das hätte Stark Industries alle Ehre gemacht, hier bei DC werden die Anzüge aber durch die Firma Foxtech von Lucius Fox entwickelt, dem Vater von Jace, seinem zweiten Sohn. Dass Jace der neue Batman ist, das weiß Lucius (noch) nicht. – Nachdem sich Batman Bruce Wayne in diesem Universum lange nicht hat sehen lassen, nimmt es nicht wunder, dass ein anderer seine Stelle übernimmt und mit einem zunächst weniger perfekten Auftreten, ohne Batmobil, aber mit seinem Ratgeber Vol und einem schwarzen, an Spawn erinnernden Umhang und als Afroamerikaner frischen Wind in die Batman-Erzählwelt bringt. (adi)


 

Shadmi; Lugosi Lugosi - Aufstieg und Fall von Hollywoods Dracula! (Koren Shadmi, Panini 2022, 160 S., HC, zweifarbig)
So wie uns das Konterfei von Boris Karloff an Frankensteins Monster erinnert, so verbindet man mit dem Gesicht von Béla Lugosi den blutsaugenden Graf Dracula. Der Film von 1931 bleibt unvergessen. Seinen Künstlernamen Lugosi leitete er von seinem Geburtsort Lugos ab, der damals zu Ungarn gehörte. Von dort floh er erst aus seiner Familie und dann vor den rumänischen Truppen 1919 nach Wien und dann nach Berlin, wo Lugosi auch in Karl-May- und Lederstrumpf-Filmen mitspielte. 1921 wanderte er in die USA aus, wo er als Dracula Karriere machte. – Durch geschickt eingesetzte Rückblenden erfährt man in dieser Comic-Biografie vieles aus dem Leben von Béla Lugosi vom Zeitpunkt seiner Selbsteinlieferung in eine Klinik aus, die er 1955 wegen seiner Drogensucht aufsucht. Seine Zeit in Berlin wird dabei ausgelassen, aber das Auf und Ab des Horrorfilms in den USA jener Jahre wird mit seinem persönlichen Lebens- und Leidensweg gut nachspürbar verknüpft und ausdrucksstark gezeichnet. Das letzte Bild dieser Biografie zeigt, dass Lugosi im Dracula-Kostüm 1956 zur letzten Ruhe gebettet wird. Das macht seine Verbundenheit mit dieser Figur deutlich, die er gelegentlich selbst zu sein glaubte. (adi)


 

Sterne: Adler Integral 1 Adler - Integral 1: 1987-1989 (René Sterne, Kult Comics 2022, 208 S., HC, farbig)
Der erfahrene Pilot Adler von Berg legt im Jahr 1948 mit seiner Propellermaschine im Hindukusch in 5.400 m Höhe eine Bruchlandung hin. Das Funkgerät ist hinüber. Also begibt er sich zu Fuß durch die verschneiten Berge auf die Suche nach einer Siedlung oder Karawane. Zu seiner großen Überraschung findet er auf einem zugefrorenen See eine dreimotorige Fiat, die viele Einschüsse aufweist, aber von der er zwei Motoren wieder zum Laufen bringt. Damit schafft er Start und Flug nach Delhi zu seinem Kompagnon Kurt. Nun kann es weitergehen nach Kalkutta, wo seine Freundin Helen auf ihn wartet. Sie gerät aber in dieser Zeit mit ihrem Schiff in eine gefährliche Lage, die mit dem zugefrorenen See und der Fiat zu tun hat. – Statt sich mit einigen kürzeren Arbeiten erst einmal auszuprobieren, kündigte René Sterne seine Lehrertätigkeit und legte 1985 dank Anleitung durch seine Frau Chantal de Spiegeleer gleich eine 46 Seiten lange, abenteuerliche und erfolgreiche Erzählung für die Zeitschrift Tintin vor. Dieses erste "Adler"-Album ist im vorliegenden Sammelband zusammen mit den zwei folgenden Alben, Kurzgeschichten und Hintergrundmaterial abgedruckt. Interessant ist die darin von ihm beschriebene Bedeutung, die er dem Bild im Comic beimisst. Das Bild soll die Erzählung tragen und voranbringen, der Text begleitet sparsam. (adi)


 

Lemire/Nguyen: Robin und Batman: Der Weg zum Helden Robin & Batman: Der Weg zum Helden (Jeff Lemire/Dustin Nguyen, Panini 2022, 140 S., SC, farbig)
Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Killer Croc nicht gefällt. Der fischige Krokodilmonsterschurke hat mit dem jungen Richard "Dick" Grayson, der sich nach Kräften bemüht, Batman ein nützlicher Helfer zu werden, offenbar noch eine Rechnung offen. Es kommt zum Kampf. Dick Grayson ist von Batman aufgenommen worden, da er, wie auch Batman selbst, durch ein Verbrechen seine Eltern verloren hat. Nun will Dick Grayson unter dem Heldennamen Robin und mit eigenem Kostüm wie sein Ziehvater Verbrecher jagen. Doch Batman und insbesondere auch Alfred Pennyworth erwarten von ihm, dass er als braver Schuljunge die Gotham Academy besucht. Das macht Ärger, aber zum Geburtstag gibt es zum Ausgleich und zur Freude für den 12jährigen Dick einen Ausflug zur JLA. – Dieser Sammelband enthält drei Hefte, deren jeweils erste Seite aus Gedankenbruchstücken besteht, die in die aktuelle Lage einführen. Jeff Lemire als Autor dieser dreiteiligen Serie wählt auch diese Details wie von ihm gewohnt mit Bedacht, wie man spätestens beim zweiten Lesen bemerkt. (adi)


 

Rodolphe/Van Linthout: Brian Bones 2: Eldorado Brian Bones 2: Eldorado (Rodolphe/Georges van Linthout, Kult Comics 2022, 56 S., HC, farbig)
Es gibt sie weiterhin, neue Detektivcomics, die mit Liebe zum Detail und gut gezeichnet sind. Man sehe sich in "Brian Bones" dazu nur einmal die größeren Panels mit den Straßenszenen an, die die Zeit der 50er/60er Jahre wieder aufleben lassen. Im letzten Band wurde ein stattlicher Buick Roadmaster in einem seltsamen Unfall zerstört (siehe Brian Bones 1), dieses Mal landet ein prachtvoller Cadillac Eldorado Biarritz mit seinen 345 PS vor einer steinernen Mauer. Die Beifahrerin stirbt, der Fahrer kommt mit einigen Schrammen davon. Die Lebensversicherung der Beifahrerin und die Autoversicherung sollen kräftig zahlen. Für die Lebensversicherung soll der nervige Joe Norton prüfen, ob der Todesfall nicht ein Mord sein könnte. Brian Bones recherchiert hingegen für die Autoversicherung, ob es wirklich ein Unfall ohne Vorsatz war. Bones begleitet den Automechaniker und Schamanen Flint und seine Tochter Lisa zu einer "War Ride"-Show. Beim Beobachten der Stunts bekommt Bones einen Verdacht. – Im Anhang des Albums liefert ein Interview mit den Autoren interessante Hintergrundinformationen zur Serie. Begleitende Skizzen geben zudem Einblick in die Arbeitsweise des Zeichners. (adi)


 

Tynion IV/Rosenberg/March: Der Joker 2: Vergeltung Der Joker 2: Vergeltung (James Tynion IV/Matthew Rosenberg/Guillem March/Stefano Raffaele et al., Panini 2022, 156 S., SC, farbig)
Barbara Gordon unterstützt als Oracle ihren Vater James W. "Jim" Gordon bei der Suche nach den eigentlichen Auftraggebern der Morde im Arkham Asylum, deren der Joker wohl zu Unrecht beschuldigt wird (siehe Der Joker 1). Jim befindet sich jetzt in Paris und fühlt sich wie in ein von gegnerischen Kräften gesponnenes Netz geraten. "Aber ich seh' noch keine Spinne", gibt er Oracle gegenüber zu. Dann tauchen zwei Frauen auf, eine von Interpol, die Jim festnimmt, und eine, deren Name den Titel 'Vergeltung' des Buches begründet: Die Bane-Nachfolgerin Vengeance reißt das Heft des Handels an sich. Die ihr eingepflanzten Rache-Phantasien lassen für den Joker das Schlimmste befürchten. Doch da ist auch noch die Killer-Familie Sampson, die den Joker ebenfalls rupfen will. Und Jim will ihm auch ans Leder. – Der Zeichner Guillem March machte nicht nur durch seine sehenswerte Arbeit für "Karmen" von sich reden, er zeichnete und tuschte auch die Hefte 6 bis 8 dieses zweiten "Joker"-Bands. Es ist interessant zu beobachten, wie Marchs Arbeit für "Karmen" sich von der für "Der Joker" im zeichnerischen Ausdruck unterscheidet und zu den ganz verschiedenartigen Erzählungen jeweils in ihrer Stimmung passt. (adi)


 

Cornette/Martin: Micky und die tausend Karlos Micky und die tausend Karlos (Jean-Luc Cornette/Thierry Martin, Egmont 2022, 80 S., HC, farbig)
In einem fernen Land mit Rittern, einer Burg, einem König, einem Drachen samt Höhle und Schatz und dem Zauberer Klodomir hat sich Goofy etwas Schwieriges vorgenommen. Er möchte ein Turnier hoch zu Ross im Lanzenstechen gewinnen. Als Preis winken unter anderem eine Torte, die Minnie gebacken hat, und ein Zauberpulver von Klodomir, das einen zwei Jahre jünger macht. Die Rüstung stellt der Gemüsehändler dem Ritter Goofy zur Verfügung, das Pferd ist vom Milchmann geliehen. Hilfsbereit wie immer steht Micky seinem Freund zur Seite. Unglücklicherweise geht im weiteren Verlauf mit dem Zauberpulver etwas schief. Statt verjüngt wird man durch das Pulver verdoppelt, und das passiert ausgerechnet Kater Karlo, der sich daraufhin so oft verdoppelt, bis tausend Karlos dem Drachen problemlos seinen Schatz rauben können. Was kann Micky allein denn nun gegen tausend Karlos ausrichten? – Die amüsante und kurzweilige Fantasy-Geschichte gerät auch dadurch erfrischend anders, dass die Figuren gekonnt, aber nicht so aalglatt nach den üblichen Stylesheets gezeichnet sind, wie das sonst von Disney-Zeichnungen erwartet wird. Ganzseitige und sogar doppelseitige Panels heben zudem die mittelalterliche und abenteuerliche Atmosphäre in reizvoller Weise hervor. (adi)


 

Bravo: Spirou oder: die Hoffnung, Teil 4 Spirou oder: die Hoffnung, Teil 4: Ein Ende und ein Neuanfang (Émile Bravo, Carlsen 2022, 48 S., SC, farbig)
Émile Bravo kam erfreulicherweise auch zum Comic-Salon nach Erlangen, um das vierte und abschließende Album zu seiner Erzählung über die Erlebnisse von Spirou und Fantasio im Belgien des Spätsommers 1944 vorzustellen. Man darf annehmen, dass es nicht einfach ist, möglichst viele Aspekte jener Besatzungszeit im Erzähltext und im Bild so darzustellen, dass die Handlung zum gewohnten Charakter einer Spirou-und-Fantasio-Geschichte passt, in der es für gewöhnlich unbekümmert und erheiternd zugeht. Doch diese Comic-Reihe erzählt von grausamen historischen Vorgängen, nicht aufdringlich moralisierend, aber dem Lesenden dennoch die Tatsachen aus mehrerlei Sicht so hinhaltend, dass er hineinschlüpfen kann, um eine eigene Haltung zu Krieg und Antisemitismus zu gewinnen. Das gelingt Émile Bravo. Das Titelbild, auf dem Spirou seine Freundin Mieke entsetzt davon abhalten will, einen deutschen Soldaten zu erschießen ("Der Junge bin ich auf Deutsch!"), ist Beleg für Bravos Absicht. Das Schicksal von Felix Nussbaum und seiner Frau Felka ist ein weiterer Authentizität schaffender Teil der Geschichte. – Das dritte Album der Erzählung endete damit, dass Spirou den im Widerstand engagierten Fantasio davon abbringen will, eine Eisenbahnbrücke zu sprengen. Zu Beginn dieses vierten Albums streiten die beiden über die Sprengung und damit den Tod bringenden Absturz des Zuges, aber letztlich nimmt ihnen Pips die Entscheidung ab. (adi)


 

Brill/Vogt: Ein seltsamer Tag Ein seltsamer Tag (Olaf Brill/Michael Vogt, Panini 2022, 104 S., HC, farbig)
Wie der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry steht der Roboter Elf-Zehn in den Weiten des Weltalls auf einem kleinen Himmelskörper. So zeigt das Titelbild einen seiner vielen Tätigkeitsorte, von denen er nach einem ereignisreichen "seltsamen Tag" abends zu seinem "Maschinchen" nach Hause zurückkehrt. In seinem Multiversum vergeht Zeit oben schneller als unten, findet man eine elektrische Göttin, surft auf einer Gravitationswelle, wird eine verlorene Schraube in einer Akkretionsscheibe zu einem Planeten. Elf-Zehn trifft auf die Gnump, ein kluges Volk, das ein mathematisches Problem von Stephen Hawking dank mehrerer Lebenszeiten für ihn lösen lässt. Elf-Zehn durchsteht alle Seltsamkeiten und wird dann doch von Maschinchen gegen ein neueres Modell ausgetauscht. – Dieser Sammelband enthält alle 57 Episoden von "Ein seltsamer Tag", die seit 2011 in der Zeitschrift phantastisch! und anderswo abgedruckt wurden. Hinzu kommt die Geschichte von der "Transuniversalen Eisenbahn", die überall zugleich ist und jeden Punkt der Raumzeit durchkreuzt. Dieses phantasievolle Spiel der Autoren mit astronomischen Begriffen und physikalischen Einsichten liefert SciFi-Fans und Steampunkern sehr anregenden Gesprächsstoff. (adi)


 

Schwab/Balám: Extraordinär 1 Extraordinär 1 (Victoria V. E. Schwab/Enid Balám, Panini 2022, 112 S., SC, farbig)
Der unverwüstliche Mutant Eli Ever half bei der Hinrichtung von bisher 96 Extraordinären. Die Schülerin Charlotte Tills soll eines seiner nächsten Opfer sein, denn diese junge Frau ist ebenfalls extraordinär. (Man denke dabei an nichts derb Vulgäres, gemeint ist viel mehr, Charlotte sei 'außergewöhnlich'; da hat es die Übersetzung etwas aus der Kurve getragen.) Charlotte wurde nach einem Schulbus-Unfall erfolgreich wiederbelebt. Durch diese "Wiedergeburt" erwirbt sie eine außergewöhnliche Fähigkeit: Sie sieht den Tod anderer Menschen voraus. Der Blick in einen Spiegel verrät ihr auch etwas von ihrem eigenen drohenden Tod, den Eli Ever im Sinn hat. Sie will ihm zuvorkommen, schnappt sich eine Waffe, wie sie in einem US-amerikanischen Haus so herumliegt, und macht sich auf den Weg zu ihm. Wird sie das ihr angekündigte Schicksal abwenden können? Lässt sich Eli Ever von ihr so ganz einfach erschießen? – Die LeserInnen dieses genretypischen, spannenden Mutanten-Comics erwartet eine Gemeinschaft von Menschen mit besonderen Begabungen, die sich wie in einer Schule von Professor Charles Xavier zusammenschließen müssen, um gegen die Fieslinge zu bestehen. (adi)


 

North/Monteys: Schlachthof 5 Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug (Ryan North/Albert Monteys, Cross Cult 2022, 196 S., HC, farbig)
"Als ich in all diese frisch rasierten Gesichter blickte, war das ein Schock. 'Mein Gott, mein Gott', sagte ich nur zu mir... – ...das ist der reinste Kinderkreuzzug." Das stellt ein 43-jähriger Offizier fest, der die neu im Lager eintreffenden amerikanischen Kriegsgefangenen beobachtet: "Wir hatten vergessen, dass Kriege von kleinen Kindern geführt werden." Unter den jungen Menschen ist auch Billy Pilgrim, Hauptfigur in dem Antikriegs-Roman von Kurt Vonnegut, den Ryan North und Albert Monteys in vorbildlicher Weise in die Form einer Grafiknovelle überführten. Wie Falschgeld läuft der jugendliche Billy Pilgrim ohne Jacke und Mütze im Dezember 1944 während der Ardennenoffensive hinter einigen Kameraden her durch den Schnee, wird gefangen genommen und in ein Lager gebracht. Von dort geht es später nach Dresden weiter, wo er im Keller des Schlachthofs 5 die entsetzlichen Luftangriffe vom Februar 1945 überlebt. Kurt Vonnegut macht eigene Erlebnisse zum wesentlichen Gegenstand des Romans. Er ordnet diese durch Vor- und Rückblenden beeindruckend an und ergänzt sie durch Erzählungen von seiner Anwesenheit bei den Tralfamadorianern, einer Lebensform, die vierdimensional wahrnimmt: Alle Augenblicke existieren für sie gleichzeitig. Das erklärt womöglich Vonneguts springende Erzählweise und es macht zusammen mit seinem schwarzen Humor das Lesen leicht, trotz der vielen Toten. So ist das. (adi)


 

Schreiter: Lisa und Lio 1 Lisa und Lio 1: Das Mädchen und der Alien-Fuchs (Daniela Schreiter, Panini 2022, 64 S., HC, farbig)
Ihre vielen Leser brachten Daniela Schreiter den Erfolg: "Lisa und Lio" gewann den Publikumspreis des Max-und-Moritz-Preises 2022. Der Publikumspreis wird durch eine Online-Abstimmung ermittelt. Nachdem sich die Autorin bereits durch die drei "Schattenspringer"-Bände einen Namen gemacht hat, wendet sie sich mit der neuen Buchreihe an eine jüngere Leserschaft. In einem handlichen Format erfährt diese dank gut lesbarer Zeichnungen und Texte, also gut gemachtem Comic für junges Publikum, von den Schwierigkeiten, die autistischen SchülerInnen beim Schulbesuch begegnen. Ganz vertrackt fängt es für Lisa an einem Tag an, an dem sie zum ersten Mal und allein in eine neue Klasse gehen soll. Auf dem Weg dorthin findet sie Lio, eine extraterrestrische Lebensform in Grün, der Farbe der Hoffnung, ein Gestaltwandler, der als Killerkaninchen in gefährlichen Situationen zwar wenig nützlich sein wird, als kleines Vögelchen in der Schultasche jedoch ein hilfreicher Schulbegleiter ist. Man ahnt, wie wichtig ein solcher Begleiter werden wird, wenn man als Lisa in höheren Klassenstufen mit dem häufigen Wechsel von Klassen-, Kurs- und Sporträumen fertig werden soll. (adi)


 

March: Karmen Karmen (Guillem March, Cross Cult 2022, 176 S., HC, farbig)
Eine Bedienstete des Jenseits, Karmen, die ihren Beruf nicht als Job versteht, sondern den Todgeweihten einfühlsam begegnet und dabei den Rahmen ihrer Möglichkeiten ausschöpft, hat sich der verzweifelten Catalina angenommen, die mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne liegt. Karmen und ihre Kolleginnen sind offenbar Frauen. In unseren Märchenbüchern oder gerne auch in Karikaturen treten am Lebensende Gevatter Tod, der Schnitter oder der Sensenmann auf, also männliche Wesen. In anderen Ländern ist diese Figur weiblich, wie zum Beispiel in "Pierre Tombal" von Raoul Cauvin oder in Gestalt der famosen Ewigen Death in "The Sandman" von Neil Gaiman. Karmen erscheint, so unpassend das auch wirken mag, wie eine lebenslustige, junge Frau mit eigenwilliger Frisur, Sommersprossen um Nase und wachen Augen, zum Scherzen aufgelegt. Aber in ihrem schwarz dargestellten Körper sieht man, wie auf dem Titelbild, ein Skelett. Dem steht der bleiche, fleischliche Körper von Catalina in deutlichem Kontrast gegenüber, Catalina, die so nackt und bloß wie Karmen sie in der Badewanne vorfand, einen Überblick über ihre Situation und Gelegenheit zum Nachdenken erhält. – Der mallorquinische Comicautor Guillem March schuf mit "Karmen" eine blendend gezeichnete Erzählung, in der sich das vermeintlich Unausweichliche einer stupiden Liebestragödie durch eine gut begründete Neubeurteilung in Wohlgefallen auflöst. (adi)


 

Herenguel: Die Kong Crew 2 Die Kong Crew 2: Ein Megalodon im Hudson River (Eric Herenguel, Panini 2022, 72 S., HC, farbig)
Seitdem King Kong 1933 in seinem legendären Kampf in Manhattan gesiegt (!) hat, geschehen in diesem Gebiet in Flora und Fauna höchst beunruhigende Dinge. Eigentlich längst ausgestorbene Pflanzen und Tiere, darunter gefährliche, gefrässige Saurier, breiten sich aus. Das Gebiet wird abgeriegelt. 1947 ist die Kong Crew, eine Einheit der US-Luftwaffe, mit der Bewachung des Sperrgebiets beauftragt. Gegen den reaktionsschnellen Kong selbst können sie mit ihren Propellermaschinen jedoch nichts ausrichten. Auf einem Erkundungsflug stürzt der Pilot Virgil Price mitten in Manhattan ab. Sein Dackel Spit macht sich auf die Suche nach ihm. Betty, die Tochter von Colonel Pearl, unter dessen Befehl die Kong Crew steht, hat Virgil aber versprochen, auf den Dackel aufzupassen. Wird sie nun ihm hinterher ebenfalls in Kongs Revier gehen? Kommt es etwa zu einer Neuauflage von "King Kong und die weiße Frau"? – "Die Kong Crew" ist eine verrückte Geschichte, die Eric Herenguel angeblich im Traum eingefallen ist. In ihr vermischt sich abenteuerlicher Fliegercomic mit etwas Jurassic Park, Amazonenkampf und eine Portion Lassie zu einem abgedrehten Plot, wie ihn neugierige Comicnerds mögen. (adi)


 

Ennis/Sharp: Batman: Das Reptil 2 Batman: Das Reptil 2 (Garth Ennis/Liam Sharp, Panini 2022, 80 S., HC, farbig)
Schon der erste Band von "Das Reptil" brachte Batman auf die Spur von Killer Croc, also Waylon Jones, einem zum Reptil gewordenen Menschen oder umgekehrt. Christian Endres, der auch in diesen Comic vorbildlich einführt, erinnert an die Meinung von Alfred Pennyworth, dass es sich bei Killer Croc um "eine Spezies für sich" handeln könnte. Was denn nun? Warum zeigt das erste Blatt dieses von Liam Sharp exzellent gemalten Comic ein neugeborenes, menschliches Baby? Schneidet Batman da etwa wem die Nabelschnur durch? Warum verschwindet seine Hand auf dem Titelbild in einem riesigen Krokodilsrachen? – Die Antworten auf diese Fragen sind sowohl überraschend als auch sehr amüsant, ein richtiger Batman-Comic voller Humor, mit Anklängen an Pinocchios Aufenthalt in einem Wal und mit einem "Velociraptor [, der] mit einem Dutzend Kettensägen gekreuzt" wurde, wie Garth Ennis dieses gefährliche Vieh nennt. Wir lernen, dass über Pheromone nicht nur Insekten oder Fische wichtige Informationen austauschen, sondern auch mütterliche Reptilwesen. Zum Glück bleibt Batman von dem Zeug verschont, weil er zu den Guten gehört und also als Reptilmama nicht in Frage kommt. (adi)


 

Ulf K.: Pickmans Modell Die Unheimlichen 10: Pickmans Modell (Ulf K., Carlsen 2022, 64 S., HC, zweifarbig)
Das Titelbild zeigt den unheimlichen Pickman, eine Figur des Gruselautors H. P. Lovecraft, dessen Erzählungen nicht wenige Comicmacher zu schaurigen Comics anregten, von Bernie Wrightson, Alberto Breccia, Alan Moore bis zu Reinhard Kleist, Geier oder Miguel Riveros. Es nimmt nicht wunder, dass sich Klaus Humann angesichts der Arbeiten dieser Leute im Nachwort zu diesem zehnten Band der Reihe "Die Unheimlichen" fragt, wie Ulf K., der "Poet der Comicszene", ein ausgemacht feinsinniger Künstler, einen solchen Stoff umsetzen wird. Immerhin ist Pickman ein rabiater Kerl, der von verkopfter Kunst nichts hält und abstoßende Wesen sucht und darstellt, "die in der Hölle waren". Ulf K. findet einen Weg, das Grauen nur im Gesicht des Erzählers sichtbar werden zu lassen, ohne die entsetzlichen Bilder selbst zeigen zu müssen. Er vermeidet das plumpe Horrorbild, das man eigentlich auch gar nicht so genau sehen muss, weil einem die Phantasie dafür ausreicht. Ulf K.s perfekte klare Linien führen die Erzählung durch den Horror von Pickmans Taten und lösen sich in einem Ende auf, das den Leser verunsichern könnte. Dieser Band setzt eine von Isabel Kreitz betreute Reihe fort, in der zuletzt "Der Schatten" von Aike Arndt erschien. (adi)


 

Fordham: Schöne neue Welt Schöne neue Welt (Fred Fordham, Knesebeck 2022, 240 S., HC, farbig)
"Aber warum sind [die Werke von Shakespeare] verboten" - "Weil sie alt sind. Für Altes haben wir hier keine Verwendung." - "Nicht mal, wenn es schön ist?" - "Erst recht nicht, wenn es schön ist. Schönheit ist anziehend. Die Leute sollen nicht von Altem angezogen werden. Wir wollen, dass sie Neues mögen." Dieses Gespräch zwischen dem Controller für Westeuropa, seine Fordschaft Mustapha Mond, und dem "Wilden" John Savage gehört zum 16. Kapitel des dystopischen und berühmten Romans von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932, der nun erstmals als Grafiknovelle vorliegt. Fred Fordham ist bei der Übertragung recht werkgetreu vorgegangen, so dass einem die Erinnerung an die zugehörigen Passagen des originalen Textes nicht schwerfällt. Trotz des Alters der Vorlage wirken weder Text noch Grafik der Adaption angestaubt, sondern sie passen gut in unsere heutige Sprach- und Bilderwelt. Ein unter 60.000 V Spannung gesetzter Elektrozaun, der die "schöne neue Welt" vom Reservat der "Wilden" trennt, lässt auch in unserer Zeit an Trennversuche zwischen gesellschaftlichen Systemen denken. Mit einer zunehmend hedonistischen Grundhaltung erscheint eine "schöne neue Welt" immer weniger schlimm, alle leben sorglos und zugedröhnt, also was hat John Savage daran auszusetzen? Der Dialog, aus dem eingangs zitiert wurde, ist folglich wichtig und anregend und nimmt im Buch den ihm gebührenden Raum ein. (adi)


 

Cabanes/Headline: Volle Leichenhalle Volle Leichenhalle (Max Cabanes/Doug Headline, Schreiber & Leser 2022, 104 S., HC, farbig)
Was für ein Titel! Man könnte auf die Idee kommen, dass es in diesem Comic um eine Auseinandersetzung im Mafia-Milieu oder um den Ausbruch einer Seuche geht oder dass Professor Boerne zu lange Urlaub gemacht hat, aber nein, in der Leichenhalle liegt Griselda Zapata (d.i. Louise Sergent), eine ermordete Porno-Darstellerin, mit deren Tod es der heruntergekommene Privatdetektiv Eugène Tarpon umfangreich und schmerzhaft zu tun bekommt. Das Titelbild zeigt aber nicht Griselda, sondern das weinende Gesicht von Memphis Charles (d.i. Charlotte Schultz), die Grund für die Befürchtung hat, als Griseldas Mörderin verfolgt zu werden. Sie wendet sich daher nicht an die Polizei, sondern an Tarpon, der die Übernahme ihres Falls erst einmal ablehnt. Zunächst versucht er, nüchtern zu werden und etwas Vernünftiges zu essen zu finden. Als dann ein dicker, weinender Mann in das Geschehen eingreift, wird es spannend. – Diese Adation eines Kriminalromans von Jean-Patrick Manchette schrieb Doug Headline, sein Sohn, der mit dem Zeichner Max Cabanes bereits die Romane "Nada", "Die Blutprinzessin" und "Fatale" seines Vaters im Comics umsetzte. Die Romanvorlage von "Volle Leichenhalle" stammt aus dem Jahr 1973. Dieser Comicadaption merkt man erfreulicherweise das Ambiente jener Jahre insbesondere in den Straßenszenen an, was den Reiz noch erhöht, sich in diesen fesselnden Krimi zu vertiefen. (adi)


 

Cowan/Bunn/Siegel: Die Spinne aus Kobra Die Spinne aus Kobra (Ted Cowan/Reg Bunn/Jerry Siegel, Panini 2022, 148 S., HC, schwarzweiß)
Zunächst ist zu verklaren, dass diese Spinne nicht mit Spider-Man zu verwechseln ist und schon gar nicht mit dem Psychopathen aus "Die Spinne", obwohl sie in der deutschen Erstveröffentlichung im "Kobra"-Magazin Spiderman hieß, aber eben nicht Spider-Man, der in der deutschen Erstveröffentlichung wiederum Die Spinne genannt wurde, womit sich der Namensverwirrkreis schließt. Diese Spinne gehört also nicht zu den Superhelden, sondern zu den Schurken, die mit ihrem technischen Knowhow die Herrschaft in der Unterwelt anstreben. Dazu gehören stahlharte Spinnenfäden und -netze, die die Spinne mit ihrer Pistole versprühen kann, verschiedene Gase, um die Gegner lahmzulegen, Raketenanzüge und sogar eine Art Drohne, ein pilotenloser Hubschrauber, und später eine Helikopter-Kabine. Die Spinne spinnt ihre Pläne für Raubzüge in New York und bewohnt in der Gegend eine Burg, die sie aus Schottland Stein für Stein hat heranschaffen lassen! Die Polizisten Bob Gilmore und Pete Trask, ein Illusionist und andere Ganoven kommen der Spinne in die Quere. Doch die Spinne ist selbstbewusst: "Niemand ist klüger als ich!" – Den Charme und das Aussehen des Abenteuercomics aus den 1960er Jahren bewahrt dieses Buch durch Beibehaltung der originalen Aufteilung in Doppel- und Tripelseiten mit den ein- und ausleitenden Texten wie man es zum Beispiel von Wäscher-Fortsetzungsserien wie "Sigurd" kennt. In dieser comichistorisch interessanten Reihe von Kobra-Klassikern ist bereits Die Eiserne Hand herausgekommen. (adi)


 

Voloj/William: Bobby Fischer Bobby Fischer (Julian Voloj/Wagner Willian, Knesebeck 2022, 192 S., HC, schwarzweiß)
Die ihm nachgesagte Haltung, er liebe es, das Ego seines Gegners zerbrechen zu sehen, wird nach der Lektüre dieser Biographie glaubhaft. Bobby Fischer setzte sich auch mit unsportlichen Mitteln und mit einer unangenehmen Bereitschaft zum Streit mit den Organisatoren in seinen Schachwettkämpfen durch. Seine unhöflich-fordernde Art muss Boris Spasski gehörig auf den Keks gegangen sein, als es 1972 in Reykjavik um die Weltmeisterschaft ging. Fischer gewann gegen Spasski mit 12,5:8,5 und hatte damit seinen größten Erfolg erreicht. Bescheidener machte ihn das jedoch nicht. Das Duell gegen seinen Herausforderer Anatoli Karpow kam 1975 wegen seiner maßlosen Ansprüche nicht zustande. Er verlor seinen Titel kampflos an Karpow, beharrte aber trotzdem weiterhin darauf, Schachweltmeister zu sein, verbohrt wie Donald Trump in seinem Glauben, nicht verloren zu haben. Ohnehin neigte Bobby Fischer dazu, Verschwörungsphantasien Glauben zu schenken. Seine antisemitische Geisteshaltung deuten die Autoren der Grafiknovelle auch dadurch an, dass sie in einem Panel "The International Jew – The World's Foremost Problem" von Henry Ford als seinen Lesestoff zeigen. Er fühlte sich verfolgt und das wurde er auch, aber nicht vom Mossad, sondern von der US-amerikanischen Justiz. Das Buch schildert gut und nachvollziehbar, wie und warum er nach vielen Wirrungen letztlich nach Island kam und dort bis zu seinem Lebensende blieb. (adi)


 

Schuiten/Renard: Metamorphosen Metamorphosen (François Schuiten/Claude Renard, Schreiber & Leser 2022, 176 S., HC, farbig und schwarzweiß)
Diesen soliden Sammelband mit frühen Arbeiten "Metamorphosen" zu nennen, wird von den Autoren mit der Absicht begründet, auf den zu beobachtenden Wandel in ihrem als experimentell bezeichneten Frühwerk hinzuweisen. Diesen Wandel mag mancher in den Erzählräumen entdecken, in denen es nach den rätselhaften "Medianen von Zymbiola" in einer Phantasiewelt mit der Suche nach einer Pyramide im Dschungel, dann einer erotischen "Express"-Zugfahrt und zuletzt mit einer hinterhältigen Panne auf einem "Gleis" in einem Science-Fiction-Ambiente weitergeht. Aber es springt vornehmlich der Wandel im Grafischen ins Auge. Dass ein Comic mit Bleistift gezeichnet und auf elfenbeinfarbiges Papier gedruckt wird, begeisterte schon Edgar P. Jacobs als man ihm den Zymbiola-Comic überreichte, wie der Kommentar im Anhang des Buches verrät. Ein Vergleich des vorliegenden Buches mit der Ausgabe von Arboris von 1990 lässt erkennen, dass die Bleistiftzeichnungen dank der Neuausgabe mit glatterem Papier nun besser, klarer, weniger schmutzig erscheinen. Das gilt auch für die Seiten von "Das Gleis", deren farblicher Ausdruck sich streckenweise deutlich verbessert zeigt. Der Text wurde neu übersetzt und klingt nun flüssiger. "Die Mediane von Zymbiola" (1979) und "Das Gleis" (1981) entstanden in Zusammenarbeit mit Claude Renard, der 2019 verstarb. In jenem Jahr gab Schuiten bekannt, dass er keine Comics mehr zeichnen wolle. Zum Glück gibt es von dem 2002 von Albert II. geadelten François Schuiten aber auch weiterhin genug erhältliche Comic-Bücher, wenn man nur an die vielen Alben der Reihe "Die geheimnisvollen Städte" denkt. (adi)


 

Cacciapaglia: Impfland Impfland (Federico Cacciapaglia, Jaja 2022, 176 S., SC, schwarzweiß)
Nachdem sie von einem Untertanen angeniest wurde, ist Tamara, die Tochter des Königs Bork von Vaccinalia, schwer erkrankt. Sie schwebt in Lebensgefahr, da in Vaccinalia wissenschaftliches Vorgehen verboten ist. Auch in der Bevölkerung erkranken immer mehr. Der König erwartet von seinem Professor Wizard "einen Trank" und "etwas Magie", um seine Tochter zu heilen. Die Prinzessin wird von ihrer engen Vertrauten Quincy betreut, der Mikrobiologie-Doktorand Quentin durfte sich bisher nur um Tamaras Hunde kümmern. Nun aber möchte er deutlich mehr tun und die Prinzessin retten, in die er unsterblich verliebt ist. Dazu macht er sich zu den Hexen auf, auf deren medizinische Kenntnisse er setzt, reist dann ins Land der Pharmariesen und kehrt mit Frank, dem Lkw-Fahrer, und vielen Kisten Impfstoff voller Hoffnung nach Vaccinalia zurück. Nun heißt es Schwein haben, um allen helfen zu können. Und in der Sache mit Quentin und der Prinzessin wird das Q bedeutsam. – Federico Cacciapaglia schafft es, in der humorvoll ausgestalteten und gekonnt gezeichneten Handlung mit vielen bissigen Anspielungen unsere Corona-Erlebnisse aufs Korn zu nehmen und gleichzeitig Informationen über die monoklonale Antikörper-Therapie und über mRNA-Impfstoffe zu geben, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren. Hilfreich stand ihm dafür seine Mutter Prof. Silvia Biocca zur Seite, die sich mit der Thematik von Berufs wegen auskennt. Im Anhang des Buches sind aufschlussreiche Skizzen abgedruckt, die sich der Autor bei den Gesprächen mit Silvia Biocca machte. (adi)


 

Eisner: Das Komplott Das Komplott (Will Eisner/Umberto Eco, Carlsen 2022, 152 S., SC, schwarzweiß)
In seinem Vorwort zu diesem wichtigen Buch von Will Eisner betont Umberto Eco, dass das Außergewöhnliche der Protokolle der Weisen von Zion "nicht etwa die Geschichte ihrer Entstehung, sondern diejenige ihrer Rezeption" sei. Dass diese "Protokolle" eine Fälschung sind, ist mehrfach nachgewiesen, aber dass sie dennoch immer wieder in Umlauf gebracht werden, ist zum Verzweifeln. Will Eisner zeichnete die Entstehungsgeschichte der "Protokolle" nach dem neuesten Stand der Erkenntnisse auf, Umberto Eco verweist auf weitere Quellen, die den Weg der Entstehung klären und bestätigen. Eisner setzt in seinem 2005 erschienenen Buch so an, dass er erst den Autoren der Vorlage für die Fälschung, Maurice Joly, vorstellt und dann den Fälscher selbst, Matwej Golowinski. Auf achtzehn Seiten werden anschließend Textpassagen von Jolys und Golowinskis Machwerken gegenübergestellt, das erste wendet sich gegen Napoleon III, das zweite behauptet eine jüdische Weltverschwörung. Es ist erstaunlich, wie sich Formulierungen und Gedankenfolgen ähneln, wie also eine Schrift gegen den französischen Kaiser zu einer antisemitischen Schrift umgemodelt wird. Schon 1921 deckt die Times die Fälschung auf. Aber bei den Nazis spielt das keine Rolle, sie nutzen die "Protokolle", als seien sie echt. Umberto Eco beschreibt eine ihnen typische Haltung so: "Die Protokolle bestätigen die Geschichte, die ich ihnen entnommen habe, und daher sind sie echt." Diese Irrsinnsdenkweise geistert noch immer durch die Welt. Für seine Erklärungen braucht ein Verschwörungsphantast laut Nachwort leider weder Beweise noch Logik. (adi)


 
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(o) comicforscher.de, Hildesheim 2021 und 2022