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Juni 2024


Martin Quenehen/Bastien Vivès: Corto Maltese: Die Königin von Babylon Corto Maltese: Die Königin von Babylon (Martin Quenehen/Bastien Vivès, Schreiber & Leser 2023, 192 S., HC, farbig)
Wer wollte schon behaupten, dass Corto Maltese ein moralisch integrer Comicheld sei, ein Abenteurer, der eigene Interessen hinter Recht und Gesetz stellt, ein Vorbild an lauterem Verhalten. Nein, das ist Corto wirklich nicht. Der laut ursprünglicher Erzählreihe 1887 auf Malta geborene Freigeist verfolgt seine eigenen Ziele. – Der vorliegende aktuelle Band zeigt einen verliebten Corto, der seine Semira im Venedig des Jahres 2002 in den Nachwirren der Balkankriege begleitet. Er hilft, einen von ihr ermordeten Serben zu beseitigen. Semira sinnt auf Rache, die auf ihren Erlebnissen im Jugoslawienkrieg beruht. Ein Überfall auf ein Schiff bringt Corto und Semira in erhebliche Gefahr und Semira zum Nachdenken: "Corto...? Wenn wir das hier überleben... dann vergessen wir die Piraterie?" Auf dem Weg nach Sarajevo ist ihr erhoffter, gemeinsamer Weg dann schon zu Ende. Corto nimmt die Verfolgung des Mörders auf, was ihn erst nach Istanbul führt und dann mit der Agentin Gina nach Babylon (bei Bagdad) bringt. Gina meint, Corto könnte ihr bei einer Schatzsuche helfen. Das liefert Corto neuen Gefahren aus, führt aber auch zu bleibender Erinnerung an Semira, seiner Königin von Babylon. (adi)

 
Frank Giroud/Daniel Hulet: Zehn Gebote: Benjamin Zehn Gebote: Benjamin (Frank Giroud/Daniel Hulet, comicplus+ 2024, 120 S., HC, farbig)
Der Student Benjamin Fleury trifft während der Barrikadenkämpfe der Julirevolution im Paris des Jahres 1830 auf den Maler Hippolyte Lecomte. In dessen Wohnung findet Benjamin ein Porträt, das ihn fesselt. Es zeigt eine Frau namens Ana-Luna und wurde von einem Herrn Beauchamp in Auftrag gegeben, aber nie abgeholt. Benjamin macht sich auf die Suche nach dieser Frau, eine Suche, die ihn nach Ägypten bringt. Dieses Land, von dem er bisher nur durch Aquarelle eine Vorstellung gewonnen hat, sieht er nun mit eigenen Augen und fühlt sich davon überwältigt. Das Abbild von Ana-Luna verfolgt ihn auch hier bis in seine Träume. Dank seiner Aufmerksamkeit findet er eine Spur, die in das Haus Armel Paschas führt. Damit beginnt für Benjamin eine spannende Entdeckungsreise, in der es gar nicht mehr um Ana-Luna geht. – Frank Giroud, der Autor dieser Erzählung, die als Ableger seiner Serie "Zehn Gebote" gelesen werden kann, spielt in der Geschichte sowohl auf historische Tatsachen wie den Kanalbau vom Roten Meer zum Mittelmeer an, als auch auf Erkenntnisse über die faszinierende Kultur rund um die Grabanlagen der Pharaonen. Scheinbare Scheintüren, tödliche Fallen, Räuber und die heilige Königin Sabakhtari erwarten Benjamin schon. (adi)

 
Éric Corbeyran/Paul Marcel: Der Goldkäfer Der Goldkäfer (Éric Corbeyran/Paul Marcel, Knesebeck 2024, 48 S., HC, farbig)
Ein golden glänzender Käfer, dessen Rückenpanzer wie mit einem Totenschädel bemalt aussieht, der lässt dem verarmten, weltabgeschieden lebenden William Legrand keine Ruhe. Legrands Diener Jupiter hatte den Käfer am Fundort in ein Papier eingewickelt. Dieses Papier enthält ein Geheimnis, das zur Ursache für Legrands Aufregung und Anlass für eine aufwendige Suche wird. – Edgar Allan Poe veröffentlichte diese Kurzgeschichte im Juni 1843. Im Kern geht es in ihr um die Entschlüsselung eines Textes, um die Veranschaulichung eines kryptografischen Vorgangs, der auf das Wissen von Buchstabenhäufigkeiten beruht. Für die zugehörige Erklärung nehmen sich die Autoren dieser Comicadaption zum Glück den nötigen Raum, was nicht etwa zulasten der Darstellung der abenteuerlichen Handlung, also der Suche nach dem Totenschädel und nach dem Nachlass von Käpt'n Kidd geht. Dieser Kapitän erweist sich nicht nur als sehr erfolgreicher Pirat, sondern auch als begnadeter Schreiber geheimer Texte mit geheimnisvoller Tinte. Zum Schluss bleibt noch die Frage, warum der Goldkäfer unbedingt durch das linke Auge des Totenschädels fallen soll. Natürlich hat auch das seinen ausgeklügelten Grund. (adi)

 

Mai 2024


Franz Gerg/Monika Sattrasai/Doris Ertel-Zellner, Reinhold Zellner: Max & Luzie Integral 1: 1989-1991 Max & Luzie Integral 1: 1989-1991 (Franz Gerg/Monika Sattrasai/Doris Ertel-Zellner, Reinhold Zellner, Kult Comics 2024, 200 S., HC, farbig)
Meistens beginnt es mit einer Bruchlandung. Die beiden abenteuerlustigen Kinder Max und Luzie und der geniale Erfinder Kieks kommen mit ihrem Luftfahrrad zwar immer an ihr Ziel, aber so eine ungewollte Landung kann hart sein und sogar den Turm von Pisa schief werden lassen. Das neugierige Trio gelangt nach Pisa um das Jahr 1600, in die Französische Revolution von 1789, zum Alten Fritz in die Mitte des 18. Jahrhunderts und an all die anderen Orte und Zeiten, weil ihr Luftfahrrad über eine Zeit-Super-Automatik verfügt, also einer ähnlich der von Doktor Who, aber ohne Telefonzelle. Die Absicht hinter diesem erzählerischen Zeitreise-Kniff ist, den jungen LeserInnen dieser von 1983 bis 2002 erschienenen Kundenzeitschrift einer Versicherungsgesellschaft außer Unterhaltung auch geschichtliches Wissen zu vermitteln. Beim Zusammentreffen mit Galileo Galilei erfahren sie sogar, dass alle Körper unabhängig von ihrer Masse in gleichen Zeiten gleiche Strecken durchfallen. Tatsächlich, Max, Luzie und Kieks plumpsen gleichzeitig nach knapp 4 Sekunden unter dem Turm von Pisa ins Stroh ("PLOF"). (adi)

 
Tobi Dahmen: Columbusstraße Columbusstraße - Eine Familiengeschichte 1935-1945 (Tobi Dahmen, Carlsen 2024, 528 S., HC, schwarzweiß)
Tobi Dahmen gehört unser Beifall und Respekt dafür, dass er die Geschichte seiner Familie so sehr im Einzelnen recherchiert und gründlich aufgezeichnet hat, dass daraus nicht nur eine betroffen machende Beschreibung, sondern auch ein mahnendes Schaubild der NS- und Kriegs-Zeit geworden ist. Im Vordergrund stehen dabei die Schicksale zweier Familien, derjenigen von Karl und Elisabeth Dahmen im Westen, und der von Heinz und Lore Funcke im Osten. Karl und Elisabeth lebten in der Columbusstraße in Düsseldorf. Der jüngste der drei Söhne der beiden ist Vater des Autors. Aus Erzählungen und aus vielen Briefen und Fotos, die man ihm hinterließ, setzte Tobi Dahmen eine seitenstarke Dokumentation zusammen, in der nicht zuletzt die Kriegserlebnisse seiner Onkel Eberhard und Peter vom Zweiten Weltkrieg und dem damit verbundenen Leid erzählen. Zudem werden die Folgen der Kriegswirtschaft durch die Aufzeichnungen zu Heinz Funcke und dessen Familie deutlich, der in Chemnitz als Direktor einer Schraubenfabrik einerseits die Anforderungen der unersättlichen Rüstungsproduktion und andererseits die Sorge um den Schutz seiner Familie auszuhalten hatte. (adi)

 
Bruno Gazzotti/Olivier Bocquet: Soda - Der blutrünstige Priester Soda - Der blutrünstige Priester (Bruno Gazzotti/Olivier Bocquet, Piredda 2024, 64 S., HC, farbig)
David Solomon aka Soda hält aus Sorge um seine Mutter sein doppeltes Spiel aufrecht. Ihr gegenüber gibt er den braven Priester, tatsächlich aber arbeitet er bei der Kriminalpolizei in einem gefährlichen Beruf, von dem die Mutter wegen ihres schwachen Herzens nichts wissen soll. Ihr helfen ihre Herzmedikamente und auch Soda schluckt Pillen, die seine Schlafstörungen beseitigen sollen. Das hat unerwartete Folgen. Sein Erinnerungsvermögen setzt aus. Man drängt ihn, mit dem "Seelenklempner" bei der Polizei zu sprechen, Doktor Giovanni Argiolas, der ihn jedoch noch mehr verzweifeln lässt, zumal ihn ein Gewaltopfer in seiner Verkleidung als Priester als Täter wiedererkennt. Ob er im Schlaf übelste Dinge anstellt, von denen er nichts weiß? Seine Freunde Corporal Linda Tschaikowski und Sergeant Babcock halten in dieser schwierigen Zeit zwar zu ihm, doch die Beweislast gegen ihn ist erdrückend. – Mit diesem Einzelband wird eine in sich abgeschlossene Geschichte zur Serie "Soda" vorgelegt, die in Deutsch von 1989 bis 2017 mit dreizehn Bänden erschien. Darin sind nicht nur Sodas Kriminalfälle spannend und humorvoll erzählt, auch die detaillierten Zeichnungen zum New York der 1980er Jahre sind überaus sehenswert, deren Entstehung man im Skizzenteil dieses Albums nachvollziehen kann. (adi)

 
Doug Wagner/David Hillyard: Vinyl Vinyl (Doug Wagner/David Hillyard, Cross Cult 2024, 160 S., HC, farbig)
Walter ist leidenschaftlicher Schallplattensammler und berüchtigter Serienmörder. Die Kopfhörer, die er auch auf dem Titelbild trägt, dienen ihm dazu, Musik zu hören, die seine Erinnerung aufrecht erhält, was ihm wegen seiner Alzheimer-Erkrankung schwerfällt. Er will den FBI-Agenten Dennis aus den Fängen von Madeleine und ihren monströsen Anhängern befreien, obwohl Dennis staatlicherseits den Auftrag hat, Walter dingfest zu machen. Doch das ist nicht das einzig Seltsame an dieser Erzählung, in der Sonnenblumen an eine friedliche Umgebung denken lassen, deren gruselige Räumlichkeiten in der Sonnenblumenfarm der Bellini Familie aber tatsächlich eher etwas von der Blutkammer Blaubarts haben. Walters und Madeleines brutale HelfershelferInnen treffen hier aufeinander. Die LeserInnen werden sich fragen, warum Walter so sehr darauf aus ist, Dennis zu retten. Warum macht dieser Psychopath das und was hat das mit Vinyl zu tun? Doch das erfährt man dann schon noch rechtzeitig vor der Schlussklappe. – Unterm Strich ist festzuhalten, dass das Autorengespann wie schon in Plastik abermals einen irren Comic mit reichlich Gehacktem abgeliefert hat. (adi)

 
Dominique Ziegler/Olivier Dauger: Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek Agatha Christie: Die Tote in der Bibliothek (Dominique Ziegler/Olivier Dauger, Carlsen 2024, 64 S., HC, farbig)
Wenn es darum geht, verzwickte Kriminalfälle zu lösen, dann ist den Betroffenen anzuraten, Miss Marple hinzuzurufen. Genau das fällt auch Dorothy Bantry ein, als man in der Bibliothek ihres Hauses eine Tote findet. Dorothys Mann, Colonel Arthur Bantry, ein wohlhabender und konservativer Politiker, muss um sein gutes Renommee fürchten, sollte der Fall nicht bald aufgeklärt werden. Chief Constable Melchett und Inspektor Flem sind sofort zur Stelle und sehen sich einem Fall gegenüber, der sie zwar zu Verdächtigen führt, aber nicht zu Täter oder Täterin. – Diese mit beachtlichen Zeichnungen wiedergegebene Agatha-Christie-Adaption lässt Miss Marple als freundliche, unscheinbare, grau gekleidete, ältere kleine Dame auftreten, die so gar nicht an die resolute Margaret Rutherford aus den vier Filmen der frühen 1960er Jahre erinnert. Diese Darstellung betont, dass es im Weiteren vornehmlich auf die unaufgeregte, großartige Beobachtungsgabe von Jane Marple ankommt, wenngleich die Identifizierung der toten jungen Frau, die dort in der Bibliothek liegt, tatsächlich der Polizei selbst gelingt. Doch die Anzahl der in den Fall verwickelten Personen machen das Aufspüren des Mörders oder der Mörderin zu einem Fall für eine wahre Spezialistin. (adi)

 
Brian Michael Bendis/Sara Pichelli: Marvel Must-Have 91: Spider-Men Marvel Must-Have 91: Spider-Men (Sara Pichelli/Brian Michael Bendis, Panini 2024, 172 S., HC, farbig)
An der Existenz von Parallelwelten mag man kaum noch zweifeln, zumal auch die Physik ein solches Weltbild als Möglichkeit nicht ausschließt. Als ComicleserIn ist man natürlich mit solchen Modellen vertraut, weiß also beispielsweise, dass Peter Parker der bekannte Spider-Man im Universum Erde-616 ist, während Miles Morales den Spider-Man in Erde-1610 gibt. Solange man die beiden Welten voneinander getrennt hält, hat man keine Probleme. Doch der üble und technisch geniale Mysterio (d.i. Quentin Beck) versetzt Peter mittels eines Dimensionsstrudels zur Erde-1601, womit er ihn auf Erde-616 endlich los ist. Für Peter wird es nun kompliziert, da er auf die Erde-1601-Varianten seiner vertrauten Mitmenschen trifft, zum Beispiel auf Tante May, MJ und Gwen Stacy, zu denen seine offenbar anders als in 616 entwickelte Beziehung erst einmal zu klären ist, zumal er in 1601 eigentlich bereits starb. Für Nick Fury und seinen Geheimdienst S.H.I.E.L.D. wird sein Fall zu einer Herausforderung: "Wir wissen, es gibt noch andere Erden. Wir waren schon auf einigen. [...] Was wir nicht brauchen, ist ein Kerl wie Mysterio, der [...] zwischen ihnen herumtanzt." Zusammen mit Tony Stark (d.i. Iron Man) und Miles wird versucht, das Mysterio-Problem zu lösen. (adi)

 
François Schuiten/Benoît Peeters: Die Heimkehr des Kapitän Nemo Die Heimkehr des Kapitän Nemo (François Schuiten/Benoît Peeters, Schreiber & Leser 2024, 96 S., HC, schwarzweiß und farbig)
Statt der Nautilus nun die Nautipus, Kapitän Nemo beschreibt das veränderte Unterseeboot, das wie eine Krake mit acht Armen auch an Land um sich greift. In einem nachdenklichen Rückblick auf sein Leben, das im südindischen Bangalore begann und letztlich zu langen, weltabgeschiedenen Tauchfahrten führte (wohlbekannt und nachzulesen bei Jules Vernes "20.000 Meilen unter den Meeren"), schildert Nemo sowohl die Entstehung der Nautipus, als auch wie es zum Zusammentreffen mit dem Naturforscher Prof. Pierre Aronnax und seinen Begleitern und im späteren Leben mit anderen fünf Schiffbrüchigen kam. – Wie angesichts des famosen Zeichners dieses Buches nicht anders zu erwarten, werden die Erinnerungen des Kapitäns Nemo durch eindrucksvolle, ganzseitige grafische Arbeiten illustriert. Als der geniale Kapitän zum Schluss in Samarobrive resp. Amiens eintrifft, wechselt Schuiten zu farbiger Darstellung und verknüpft Nemos Lebensgang mit dem von Jules Verne, der sich ebenfalls am Ende in Amiens einfand. – Eine zweiter bemerkenswerter Teil des Buches handelt von einem wiedergefundenen Roman, der unter dem Titel "Paris im 20. Jahrhundert" die visionären Fähigkeiten Jules Vernes (1828-1905) erkennen lässt. Schuiten setzt Vernes Zukunftssicht in erstaunliche Bilder um. (adi)

 
Marc Wasterlain: Die Abenteuer von Monika Morell, Fotoreporterin - Integral 1 Die Abenteuer von Monika Morell, Fotoreporterin - Integral 1 (Marc Wasterlain, Kult Comics 2024, 240 S., HC, farbig)
Als Pressefotografin arbeitet Monika Morell in den Krisengebieten der Welt. Das führt die unerschrockene Frau im ersten Teil dieses Sammelbands ins Südostasien der späten 1970er Jahre, als Pol Pot mit den Roten Khmer gewaltsam in Kambodscha herrschten. In den anschließenden Erzählungen reist Monika Morell nach Südamerika, später in den Libanon, nach Ostafrika und nach China. Sie liefert den LeserInnen dadurch Bilder der dortigen Missstände. – Ausführliche redaktionelle Beiträge zwischen den Geschichten beschreiben dazu die jeweiligen politischen, kulturellen und kriminellen Hintergründe. Zudem wird in diesen Beiträgen die damalige Arbeitsweise des Autors Marc Wasterlain deutlich gemacht. Wasterlain wollte keine historisch korrekten Comics abliefern. Er verschleierte daher anfangs Namen und Orte, nennt Pol Pot zum Beispiel Pô-Port oder Kambodscha etwas veralbernd Khompôt. – Abenteuer als ReporterIn in aller Welt, das erinnert an andere Comicserien. Als Monika schließlich in Tibet landet, bemerkt auch sie: "Das hört sich an wie »Tim und Struppi«". Doch wie weit hier die Ähnlichkeit tatsächlich geht, auch das wird im Kommentar dieses vorbildlichen Sammelbands eingehend untersucht. (adi)

 
Dany/Yann: Spirou und Fantasio Spezial 42: Spirou und die blaue Gorgone Spirou und Fantasio Spezial 42: Spirou und die blaue Gorgone (Dany/Yann, Carlsen 2024, 96 S., SC, farbig)
Spirou und Fantasio erreichen zusammen mit der CIA-Agentin Kay McCloud den "8. Kontinent", einen riesigen Müllteppich im Pazifik, bis zu dreißig Metern dick, der sich aufgrund der Meeresströmungen aus weggeworfenen Plastikartikeln und anderen Abfällen gebildet hat. Doch nicht wegen dieser (wirklich existierenden) Umweltkatastrophe nimmt Kay die beiden Titelhelden mit aufs hohe Meer, sondern wegen der Verfolgung von Öko-Aktivistinnen, die sich als "Töchter der Gorgone" in blauen Anzügen mit Schlangenmaske (daher der Name) gegen die internationale Fast-Food-Branche und ihrem trumpfrisierten, skrupellosen Anführer Simon Santo wenden. Als sich die eher harmlosen Aktionen der blauen Aktivistinnen zur Entführung von Coralie Blaukopf (alias Lara Mac Burgy), der Freundin von Simon Santos, auswachsen, setzt Kay alle Hebel in Bewegung, die blaue Gorgone auszuschalten. – Spirou und Fantasio wollten eigentlich nur auf das große weiße Marsupilami hinweisen, das sie in den palumbianischen Sümpfen entdeckten, aber die Gelegenheit, sich in den Entführungsfall einzubringen, lassen sich die beiden natürlich nicht entgehen. Das deckt ungeahnte Machenschaften auf, für die sich auch der Graf von Rummelsdorf schämen sollte. (adi)

 
Si Spencer/Dean Ormston/Meghan Hetrick/Phil Winsdale/Tula Lotay: Bodies Bodies (Si Spencer/Dean Ormston/Meghan Hetrick/Phil Winsdale/Tula Lotay, Panini 2024, 220 S., SC, farbig)
Ein mit Blut gesprenkeltes Pin-up ist Blickfang für einen ungewöhnlichen Comic, bei dem man sich einerseits fragen mag, worauf dieses Pin-up inhaltlich verweisen soll, taucht es doch in der Erzählung gar nicht auf, und mit dem man andererseits auf einen (oder vier?) Eso-Krimis vorbereitet wird, die zunächst nebeneinander stehen, aber durch die immer gleich erscheinende, geschundene Leiche des Mordopfers miteinander verbunden sind. Der Tatort ist immer die Longharvest Lane in London, doch der Autor Si Spencer lässt seine vier Zeichner die Teile der Geschichte in vier verschiedenen Zeiten abbilden. Es beginnt mit einem 2015 angesiedelten Geschehen, in dem sich die Polizistin Detective Sergeant Shahara Hasan als Hauptfigur durchzusetzen weiß, dann wird ins Jahr 1890 zu Inspektor Edmond Hillinghead gewechselt, dem der Fund der Leiche keine Ruhe lässt. Kurios gerät danach der Sprung ins Jahr 2050, in dem ein technisches Ereignis offenbar eine großes Vergessen ausgelöst hat, in deren Folge sich die Polizistin Detective Maplewood nur mühsam an ihre berufliche Aufgabe erinnert. Die vierte Erzählzeit liegt im Kriegsjahr 1940. Ein deutscher Fallschirmspringer landet ausgerechnet auf der oben erwähnten Leiche und rückt Inspektor Charles Whiteman und seine Herkunft in den Fokus. Und das ist einer der Punkte, die allen vier Erzählfäden gemeinsam sind, sie handeln von Personen, die zu ihren Zeiten Schwierigkeiten haben, gesellschaftlich akzeptiert zu werden. Die Sache mit dem Wunderkind und der Tachyonen-Interferenz gibt dabei weiterhin zu denken. (adi)

 
James Tynion IV/Michael Dialynas: Wynd 3: Das Geheimnis der Flügel Wynd 3: Das Geheimnis der Flügel (James Tynion IV/Michael Dialynas, Carlsen 2024, 112 S., SC, farbig)
Der dritte Band dieser kurzweiligen Fantasy-Geschichte beginnt mit einem Rückblick, in dem man vom Auffinden von Wynd als Baby durch die Wirtin Molly Copperlock erfährt. Aus dem spitzohrigen Baby ist inzwischen ein junger Mann geworden, dem Flügel gewachsen sind (wie das Titelbild verrät). Mit deren Hilfe versucht er, seine GefährtInnen vor den Nachstellungen des erbarmungslosen Mumienmanns zu retten, der brutal gegen alle Wildblüter vorgeht, da die Menschen in Pipetown Infektionen durch eine Magie fürchten, die die äußere Gestalt eines Menschen erschreckend verändert (siehe Wynd 1). Der Mumienmann hat Wynd zu erkennen gegeben, dass er Angehöriger eines Vampyriums ist (siehe Wynd 2). Er stammt wie seine Schwester, die Generalin Zedra, aus einem Reich weit im Westen, das sich nun trotz allen gegenseitigen Misstrauens mit König Yossar aus Pipetown verbündet, um den flüchtenden Prinzen Yorik zurückzuholen und dessen Freunde zu vernichten. – Das Machtgerangel zwischen mehreren Parteien, das üblicher Gegenstand solcher Fantasy-Erzählungen ist, bleibt den LeserInnen durchschau- und nachvollziehbar. Das Szenario wirkt durchdacht, die Erzählteile geschickt zusammengefügt, die Spannung bricht an keiner Stelle ein. (adi)

 
Paul Dano/Stevan Subic: Der Riddler: Das erste Jahr Der Riddler: Das erste Jahr (Paul Dano/Stevan Subic, Panini 2024, 220 S., SC, farbig)
Der Waisenjunge Edward Nashton entwickelt sich nach manchen leidvollen Erfahrungen zum uns gut bekannten Edward Nigma (gelegentlich auch Nygma geschrieben), dem Riddler (siehe beispielsweise hier), dem späteren Superschurken, der sich für Rätsel, Wortspiele und Puzzles begeistert. In Bildern, die die bedrückende Stimmung dieses Werdegangs wiedergeben, lassen die Autoren Edwards Weg vom Waisenhaus bis an den Arbeitsplatz eines Wirtschaftsforensikers deutlich werden, dessen Verdienste nicht angemessen gewürdigt werden. Das unterscheidet sich zwar von der Schilderung in der "One Bad Day"-Reihe, gelingt hier aber dank ausführlicherer, geduldiger Erzählweise beeindruckender ("Schhh. Einfach atmen."). Dazu gehört, dass Edward dank seines fabelhaften Zahlensinns korrupten Machenschaften in Gotham City auf die Spur kommt, in denen Vorgesetzte und Stadtobere verwickelt sind. Er sieht sich also auf der Seite eines Vigilanten wie Batman, der sich für das einsetzt, was die Polizei Gothams zu schaffen nicht imstande ist. Edwards Tätigkeit als Zahlenprüfer führt zur Ermordung eines an Geldwäsche Beteiligten, was Edward umso mehr antreibt, auf seine Art für Gerechtigkeit zu sorgen. (adi)

 

April 2024


Mark Russell/Richard Pace/Leonard Kirk: Second Coming 2: Einziggeborener Sohn Second Coming 2: Einziggeborener Sohn (Mark Russell/Richard Pace/Leonard Kirk, Dantes Verlag 2024, 160 S., SC, farbig)
"Wir sollten noch entscheiden, wohin mit ihm... – Wie hieß der Planet nochmal? Der, wo es Suppe gibt? – Erde? – Okay. Dann ab zur Erde..." Der Planet Zirkonia steht vor der Implosion. Im letzten Moment können Voldor und Zoldana ihren kleinen Sohn Sunstar das Leben retten. Sie setzen ihn in ein kleines Raumschiff mit Kurs zur Erde. – Diese Geschichte wird den meisten bekannt vorkommen. Auch Motive aus Erzählungen des Neuen Testaments wird man wiederkennen, wenn Jesus zum Beispiel auf der Flucht aus einem biblischen Vergnügungspark übers Wasser des Jordan Pools läuft. Wie im ersten Band dieses Nachdenkens über eine Wiederkunft von Christus in der heutigen Welt, spielt der vorbildlich kommentierte Band auf Entwicklungen an, die einerseits humorvoll, andererseits skeptisch aufgegriffen werden. Das Gegenüber von Superheldenfigur Sunstar, der Menschen rettet, den teuflischen Superschurken Cranius bekämpft, bei Bauarbeiten hilft, und vom wenig spektakulär handelnden Heiland Jesus, der predigt, der seine JüngerInnen um sich schart, macht den Reiz des facettenreichen Buches aus, das auch einen satirischen Blick auf das Geschehen in Himmel und Hölle wirft. (adi)

 
Catherine Meurisse: Allzumenschliches Allzumenschliches (Catherine Meurisse, Carlsen 2024, 96 S., HC, farbig)
Zum französischen Philosophie Magazine trug die famose Catherine Meurisse einmal im Monat zweiseitige Comics bei, in denen sie sich Gedanken jeweils eines Philosophen zur Vorlage nahm. In der von ihr gewohnt vergnüglichen, auch spöttischen, aber zugleich angenehm lehrsamen Art brachte sie die in diesem Buch versammelten fast vier Dutzend Beiträge zu Papier. Das führt uns humorvoll zu René Descartes Überlegungen über ein Stück Wachs, Hegels "Ästhetik mit Schmackes" bis zu den drei Affen aus der fernen asiatischen Vorstellungswelt. Wenn Blaise Pascal darüber sinniert, dass "die Eigenliebe eine erbärmliche Unterhaltung" sei, dass "Angst der Schwindel der Freiheit" sei, wie es Søren Kierkegaard sieht, dass man laut Heraklit nie "zweimal in denselben Fluss" steigt, dann lohnt nicht nur das Nachdenken über solcherart Erkenntnis, sondern auch Bewunderung für die Leistung der Übersetzerin Lilian Pithan, die die wortgewaltige und gerade auch im Detail bedeutsame Begriffswelt der Philosophie sorgfältig für uns übertrug. Hätte man wie Michel de Montaigne Balken an seiner Zimmerdecke, so möchte man wie er dort oben einige der genannten Sinnsprüche für die Ewigkeit hinschreiben. (adi)

 
James Tynion IV/Lisandro Estherren/Patricio Delpeche/Maria Llovet: Sandman Albtraumland 2: Das Glashaus Sandman Albtraumland 2: Das Glashaus (James Tynion IV/Lisandro Estherren/Patricio Delpeche/Maria Llovet, Panini 2024, 196 S., SC, farbig)
Max Lee will Karriere machen. Seine Firma "Prophet Capital" möchte tatsächlich die Geschichte von Madison Flynn und dem augenfressenden Korinther verfilmen (siehe den ersten Band der Erzählung). Dream, Herrscher des Traumreichs, hat dem Korinther mittlerweile als Aufpasserin eine Katze zur Seite gestellt (siehe Titelbild), die niemand andere ist, als die neugestaltige Madison Flynn. Sie muss den Gewalttaten des Korinthers jeweils vorher zustimmen. – Max Lee lernt derweil Kells kennen und lieben, eine von Schusswunden durchlöcherte Frau, die nicht sterben kann. Wenn sie von ihren "Kunden" allzu sehr zerstört wird, weiß sie sich mit einer alten Singer-Nähmaschine wieder zusammenzuflicken ("Ich glaub, all meine Organe sind nur noch Brei."). – Wir sind im Albtraumland. In diesem überlassen uns die Autoren einem Stück voller horrender Gestalten, in der sich auch die Hexe Thessaly durchzusetzen sucht. Als Fake Jamie Tyler will sie das Skript zum oben genannten Film schreiben. Aber dazu benötigt sie Hilfe, die sie sich mit einigen Tassen Tee verschafft. (adi)

 
René Lehner/Timo Stoffregen/Bernd Natke/Andreas Alt: Graphica 4 Graphica 5 (René Lehner/Timo Stoffregen/Bernd Natke/Andreas Alt/Matthias Schäfer, Wiele Verlag 2024, 32 S., Heft, farbig)
Den Preis des Heftes hat man anpassen müssen, der bunte Mix des Inhalts bleibt erhalten. Da streiten weiterhin Don Caneloni und El Bandido um die Gunst der Sängerin Lilly Laola. Beide wollen Lilly das Diamantkollier der Kaiserin Dia als Zeichen ihrer Liebe schenken. Doch das ist gar nicht verkäuflich. So steuert dieser Mafiafunny auf einen heftigen Ausbruch krimineller Energie gleich von drei Seiten aus zu. – In einem rätselhaften Beitrag setzt sich Detlef anschließend mit der Schwerkraft auseinander, bevor MacRogers von einem Indianerstamm skalpiert, gevierteilt, massakriert und dann umgebracht werden soll. Im autobiographischen Beitrag "Daphne erstarrt" trifft man in diesem Heft erstmals auf die titelgebende Daphne, von der der Autor zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht viel berichten kann. Im abschließenden Onepager gibt sich Captn Crazy eine unerwartete Blöße. Damit gelangt auch das fünfte Heft dieser Reihe abwechslungsreich in Kiosk und Comicladen. (adi)

 
Hanco Kolk/Peter de Wit: Gilles der Gauner 2: Agenten und Wale haben's schwer! Gilles der Gauner 2: Agenten und Wale haben's schwer! (Hanco Kolk/Peter de Wit, Panini 2024, 192 S., HC, farbig)
Jetzt geht es mit dem tapferen Gilles und dem starken Leo weiter. Nachdem sich am Ende des ersten Gilles-Bandes schon andeutete, dass sich die Autoren auf längere Erzählungen vor dem Hintergrund der spanischen Besatzung der Niederlande im 16./17. Jahrhundert einlassen, so liefert dieser zweite Band der Gesamtausgabe nun gleich drei albenlange Geschichten und zusätzlich unter der Überschrift 'Spionage' fünf Episoden, in denen auch Hata Mari mit ihren geheimdienstlichen Künsten zum Einsatz kommt. – Da ein Pottwal die Geldkiste geschluckt hat, mit der Prinz Wilhelm von Oranien seine Söldner bezahlen will, müssen Gilles, Leo und der tölpelige Admiral Lumeij der Kiste hinterher hoch in den Norden nach Smeerenburg, einem finsteren Walfängernest. Für ihren Prinzen die Kohlen aus dem Feuer zu holen, im unermüdlichen Widerstand gegen die spanischen Besatzer, das hält das ungewöhnliche Trio auch in der zweiten Geschichte auf Trab, in einem Zirkuswagen, mit einem sehr selbstbewussten Zirkusbären. Die Fülle an humorigen Einfällen macht diese Reise in fünf niederländische Fürstentümer zu einem besonderen Lesespaß. Die dritte lange Geschichte dreht sich um ein unglaubliches Artefakt, das Gilles in ein esoterisches Abenteuer verwickelt. Einfälle haben die Autoren wirklich reichlich. (adi)

 
Juan Díaz Canales/Juanjo Guarnido: Blacksad 7: Wenn alles fällt, Teil 2 Blacksad 7: Wenn alles fällt, Teil 2 (Juan Díaz Canales/Juanjo Guarnido, Carlsen 2024, 56 S., HC, farbig)
Schon im ersten Teil dieser Kriminalgeschichte stellte sich heraus, dass hier der skrupellose Bauunternehmer Lewis Solomon die Fäden zieht, die John Blacksad, der schwarze Kater, zu entwirren hat. Um seine Bauprojekte lukrativ werden zu lassen und dauerhaften Ruhm für seine städtebaulichen Großtaten zu erwerben, scheut der Adler Solomon auch nicht davor zurück, die Möwe Shelby auf seine Gegner anzusetzen. Shelby ist von Solomon in erschreckender Weise abhängig, wie Blacksad bald feststellen wird. Der Titel dieses und des Vorgängeralbums lautet "Wenn alles fällt", was im Zusammenhang mit Solomons Brückenbau und dem Brückeneinsturz in Baltimore 2024 eine traurige, unbeabsichtigte Aktualität zeigt. Die Autoren beziehen sich aber offenbar auf die Takomabrücke, die 1940 durch Schwingungen zu Fall gebracht wurde, als es zur Resonanzkatastrophe kam. – Es ist immer wieder bemerkenswert, wie gut der Zeichner den Figuren in diesem komplexen Krimi die zu ihrer Rolle passende Tiergestalt gibt. Auf dem Titelbild zeigt man neben der fiesen Möwe Shelby die attraktive Katze Alma Mayer, deren Verhältnis zu Blacksad noch zu klären sein wird. (adi)

 
Jane Goodall/Peter Gabriel/Alan Moore/Yoko Ono/Timo Wuerz/Paul McCartney/David Mack et al.: Der wichtigste Comic der Welt Der wichtigste Comic der Welt (Jane Goodall/Peter Gabriel/Alan Moore/Yoko Ono/Timo Wuerz/Paul McCartney/David Mack et al., Panini 2024, 360 S., HC, farbig)
Über dreihundert AutorInnen und ZeichnerInnen haben zu diesem Buch beigetragen, das als "wichtigster Comic" bezeichnet wird, da man sich damit für eine Vielzahl von Initiativen und Verhaltensweisen engagiert, die der Artenvielfalt, dem Klimaschutz, der Renaturierung, der Aufforstung. also unserem Planeten dienen. Eine Reihe bekannter Organisationen wie Greenpeace, Extension Rebellion, Fridays for Future, Sea Shepherd, World Land Trust stellen ihre Anliegen und ihr Tun in kurzen, comicartigen Beiträgen vor. Paul, Mary und Stella McCartney rufen dazu auf, weniger Fleisch zu essen, Yoko Ono betont in ihren von Timo Wuerz gezeichneten Bildern daran, dass man sich der Erde liebevoll verbunden fühlen sollte, Lucy Lawless ("Xena") tritt in den von David Mack ("Kabuki") aquarellierten Seiten für Änderungen in der Land- und Forstwirtschaft ein. Die als Schimpansen-Forscherin berühmt gewordene Jane Goodall steuert der umfangreichen Sammlung von sehr unterschiedlich bebilderten Gedanken ein Vorwort bei, das jeden dazu auffordert, sich an am Erhalt unserer Natur zu beteiligen. Das könnte bedeuten, bei sich Bäume zu pflanzen, Plastik zu meiden und den eigenen Konsum kritisch zu hinterfragen. (adi)

 

März 2024


Makoto Yukimura: Planetes 1 Planetes 1 (Makoto Yukimura, Carlsen 2024, 360 S., SC, schwarzweiß)
Der Weltraummüll nimmt zu. In der Erdumlaufbahn befinden sich tatsächlich mittlerweile viele zehntausend menschengemachte größere Objekte und Millionen kleinere, die in die technischen Einrichtungen dort oben einschlagen können. Der vorliegende Science-Fiction-Manga greift unter anderem dieses Problem auf. – Hachimaki Hoshino und Juri Mikhailov arbeiten auf dem Schrottsammler DS-12, der diesen besonderen Müll beseitigen hilft. Dabei sind sie auch selbst dem gefährlichen Anflug der vielen Kleinteile ausgesetzt. Sie verlassen sich auf ihre Kommandantin Fee, die sie mit der DS-12 um die 200 km über der Erde beim Einsammeln kaputter Satelliten und ähnlichem Abfall sicher anleitet. – Auf dem Mond sind Siedlungen gebaut worden. Geschützt vor dem Sonnenwind können sich die Raumfahrer dort aufhalten und in eigenen Räumen auch einmal eine rauchen gehen, was Fee sehr begrüßt. Hachimaki trifft in einer Mondsiedlung auf Nono, eine echte Lunarierin, die die Welt mit ganz anderen Augen sieht als er. – In acht Episoden geht dieser erste Band auf Aspekte der erdnahen Raumfahrt ein, die sich nach den letztjährigen Bemühungen von staatlichen Einrichtungen und privaten Firmen näher zu betrachten lohnen. Eine Gruppe gewaltbereiter Weltraumgegener machen die Erzählung zusätzlich spannend. (adi)

 
Delaf: Gaston 22 - Die Rückkehr eines Chaoten Gaston 22 - Die Rückkehr eines Chaoten (Delaf, Carlsen 2024, 48 S., HC, farbig)
Bowling-Kugel, Fiat 509, Möwe, Bruchmüller, Katze, Fräulein Trudel, Chemiebaukasten, Wachtmeister Knüsel, alle und alles sind zurückgekehrt: Gaston nimmt nach einem langen Urlaub in der Carlsen-Redaktion wieder seinen altbekannten Platz ein. Und statt brav die Post zu sortieren, geht wieder der Erfindergeist mit ihm durch, was die leidgeprüften Kollegen haltbar an die Decke gehen lässt. Demel, Fantasio, Krause, sie haben besondere Klebstoffe, spezielle Mobiltelefone und Zaubertinte zu erdulden. Zudem lassen die Machwerke eines von Gaston protegierten, jungen, aufstrebenden Comiczeichners, der unbedingt einmal bei Carlsen veröffentlichen will, den armen Redakteuren zum Schutz der Augen Sonnenbrillen aufsetzen. Als besonderen Clou fügt der Autor Delaf (d.i. Marc Delafontaine, "Les Nombrils") den typischen Gaston-Einseitern eine längere Erzählung an, in der Gaston lediglich die Filme einer von Franquin gezeichneten Episode zum Drucker zu bringen hat. Dass dabei dann doch alles schiefgehen wird, mag man ahnen, doch wie Delaf hier das Inventar aus den Einseitern zu einem witzigen Ganzen zusammenfügt, das ist ein Hauptspaß. (adi)

 
Ross Andru/Frank Miller/Klaus Janson/Garth Ennis/Becky Cloonan et al.: Punisher - Bestrafer und Vollstrecker Punisher - Bestrafer und Vollstrecker (Ross Andru/Frank Miller/Klaus Janson/Garth Ennis/Becky Cloonan et al., Panini 2024, 324 S., HC, farbig)
Ein Ex-Supersoldat, der das Recht in die eigenen Hände nimmt, ein Kämpfer der Selbstjustiz, das ist Frank Castle, der Punisher. Er ist also ein krimineller, für den Superheldenleser aber ein überaus gewohnter Charakter. Für das Verhalten solcher Figuren wird den Lesenden meist ein Grund angegeben, damit es leichter fällt, Verständnis und Zustimmung für sein Tun zu entwickeln. Bei Batman ist es der Mord an seinen Eltern, beim Punisher ist es der Mord an seiner Frau und seinen Kindern, wie in dieser seitenstarken Anthologie wiederholt nachzulesen ist. Dieses Buch ist keine beliebige Anreihung von Punisher-Erzählungen, sondern es zeigt an Beispielen die Entwicklung dieser Marvel-Figur und wie sich grafischer Stil und Erzählweise über die Jahrzehnte änderten. Das reicht von der eher schlichten ersten Story von 1974, als der grüne Schakal den Punisher auf Spider-Man hetzt, über einen Beitrag gezeichnet von Frank Miller 1981, bei dem im harten Fight der Protagonisten Schornsteine zerlegt werden, bis hin zur semirealistisch gezeichneten, brutal-kuriosen Geschichte von 2022, in der sich der Punisher als "König der Killer" unverhofft im Bett seiner Maria wiederfindet. Erklärende Texte zwischen den Teilen der Anthologie schaffen im Ganzen gute Übersicht. (adi)

 
Sean Murphy/Clay Cormack/Katana Collins/Mirka Andolfo: Batman - Der weiße Ritter: Generation Joker Batman - Der weiße Ritter: Generation Joker (Sean Murphy/Clay Cormack/Katana Collins/Mirka Andolfo, Panini 2024, 164 S., SC, farbig)
In dem nach ihm benannten Murphiversum löst der Autor Sean Murphy alte Gewissheiten der Batman-Welt auf. Dazu gehört, dass Bruce Wayne seine Geheimidentität preisgegeben hat und nun im Knast sitzt. Er ist mit Harley Quinn zusammen, die aus ihrer Zeit mit dem Joker ihre zwei Kinder, Bryce und Jackie, mit in diese Beziehung brachte. Vom Joker ist inzwischen nur noch eine KI-Version übrig, ein Hologramm von Jack Napier, der Personifizierung der guten Seite des Jokers. Dieses Joker-KI-Wesen will mit seinen Kindern einige Tage verbringen. Er schafft es dank der Energie eines Kobaltgasdrives von Powers Tech und eines tarnfähigen Batmobils tatsächlich in eine Art Urlaub mit den Kids aufzubrechen. Doch der Ausflug bringt sie alle in große Gefahr durch rachsüchtige Figuren aus alten Zeiten. Jackie und Bryce treten die Flucht in einem Fahrzeug an, für dessen Pedale ihre Beine noch nicht lang genug sind. Harley und auch der inzwischen weißhaarige Batman suchen nach Wegen, den Kindern zu Hilfe zu kommen. – Für die handlungsreiche, gut gezeichnete Geschichte, fahren die Autoren viel an Personal und Ausstattung auf, welches für das Batman-Universum kennzeichnend ist. Von alten Superschurken bis zu Harleys Hyänen, von Jokers BANG-Pistole bis zum Holzhammer findet man hier vieles in kurzweiligem, neuem Kontext wieder. Der alte Batman muss aber auch noch einmal ran. (adi)

 
Rafael Grampá/Matheus Lopes: Batman - Der Gargoyle von Gotham 2 Batman: Der Gargoyle von Gotham 2 (Rafael Grampá/Matheus Lopes, Panini 2024, 56 S., HC, farbig)
Im ersten Teil dieser eigenständigen Erzählung beschloss Batman, den Tod von Bruce Wayne zu inszenieren. Er will sich konzentrierter an die Bekämpfung besonderer Superschurken machen können und daher seine zivile Erscheinung aufgeben. – Bei der Suche nach einem Serienkiller und nach den Drahtziehern der geheimen TNT-Labore in Gotham entdeckt Detective Jim Gordon, dass es vor langer Zeit im Arkham Asylum auch eine Kinderstation gab, geleitet von Dr. Charles Quinton. In dessen Patientenakten findet Gordon die Namen aller Opfer des Serienkillers. Das ist eine heiße Spur. Doch in der Liste der kleinen Patienten steht auch der Name von Bruce Wayne, was Gordon zumindest rätselhaft ist. Leider lässt sich Dr. Quinton dazu nicht befragen, da er vor zwanzig Jahren spurlos verschwand. Zusätzlich machen Demonstranten Druck auf die Ermittlungsbehörden. Ihre Sprecherin Nia Grace fordert ihre MitbürgerInnen auf, sich gegen ihre Rolle als Benachteiligte und Opfer zu wehren. Opfer geheimnisvoller, finsterer Gestalten, das werden aber vielleicht schon bald auch Gordon und Batman. – Ursprünglich sollte diese Fortsetzung einer vierteiligen Batman-Serie schon letztes Jahr erscheinen, was wohl nicht zu schaffen war. Der dritte Teil ist für Juni 2024 angekündigt. (adi)

 
Clara Lodewick: Merel Merel (Clara Lodewick, Carlsen 2024, 160 S., HC, farbig)
Im dörflichen Mit- und Gegeneinander steht die alleinstehende Journalistin Merel ihr selbstbestimmtes Leben durch. Dazu gehören ihr liebevoller Einsatz für ihre Enten und deren Zucht und ihre beständige Teilnahme am Clubleben des örtlichen (männlichen) Fußballvereins. Zu deren Vorhaben und Ergebnissen schreibt sie Artikel, von denen natürlich erwartet wird, dass sie dem Verein gefallen. Merels Einbindung in die gesellige Runde der Fußballer erweckt Argwohn. Man fängt an, ihr übel nachzureden. Die Anfeindungen gehen von Suzie aus, deren Ehe mit Geert, einem der Fußballer, in die Brüche zu gehen droht. Ihr Sohn Finn durchlebt diese Zeit leidend und reagiert auf das Verlangen seiner Mutter, Merel zu meiden, indem er sich auf böse Streiche seiner Spielkameraden gegen Merel einlässt. Das führt für ihn und auch für Merel zu aufrüttelnden, krisenhaften Erlebnissen. – Der Autorin dieser Erzählung gelingt eine Beschreibung eines dörflichen Lebens, welches der Wirklichkeit abgeschaut sein könnte. Die Geschichte wirbt zugleich für Toleranz gegenüber einer freien Lebensweise. Dazu wird Merel als positive Figur hervorgehoben, die nicht nur als duldsam, sondern auch als sehr mitfühlend gezeigt wird, indem sie sich zum Beispiel für das Verhältnis von Marianne, der Besitzerin des Dorfladens, zu deren Mutter einsetzt. Einer Merel möchte und sollte man ihre Freiheiten zugestehen. (adi)

 

Februar 2024


Charles Soule/Ryan Browne: Eight Billion Genies - Gib acht, was du dir wünschst Eight Billion Genies - Gib acht, was du dir wünschst (Charles Soule/Ryan Browne, Panini 2024, 284 S., SC, farbig)
Wenn die Weltbevölkerung auf 8 Milliarden Menschen angewachsen ist, taucht bei jedem ein Dschinn auf, der einem genau einen Wunsch erfällt. Was dann alles passieren könnte, haben sich die Autoren ausgemalt und aufgezeichnet. Nach acht Sekunden sehen sie eine Million Wünsche erfüllt und die Bevölkerungszahl dadurch um eine Million Menschen verkleinert, nach acht Stunden wird es laut ihrer pessimistischen Weltsicht wohl nur noch gut 7 Milliarden Menschen geben. Der egoistischen, menschlichen Natur, sich über andere zu erheben und gegen andere durchsetzen zu wollen, trauen sie diese drastische Folge zu. Auf den Straßen ist man seines Lebens nicht mehr sicher. Doch es gibt eine Gaststätte, in der der Wirt einen Wunsch geäußert hat, der diesen Ort und seine Gäste von den Auswirkungen aller Wünsche schützt. Der Wirt Will Williams der Gaststätte "The Lampwick Bar & Grill" hat sogar genug Vorräte gebunkert, um mit seinen Gästen die üblen Vorgänge außerhalb seines Hauses sicher zu überstehen. In der Lampwick Bar sind mehrere Personengruppen versammelt, deren Wünsche und Schicksale im Weiteren geschildert werden. Dabei versäumen die Autoren auch nicht, auf die Folgen widersprüchlicher, kindlicher oder lange Zeit aufgesparter Wünsche einzugehen. Was passiert, wenn nur noch zwei Wünsche übrig sind? (adi)

 
K. Perkins/Mellow Brown/Mike Johnson/Fernando Dagnino: Blade Runner Origins 1: Produkte Blade Runner Origins 1: Produkte (K. Perkins/Mellow Brown/Mike Johnson/Fernando Dagnino, Panini 2024, 112 S., SC, farbig)
Das Androidenmodell Nexus-5 der Tyrell Corporation ist gerade fertig entwickelt worden. Es ist zwar "nur" das Vorläufermodell des berühmten Nexus-6, gegen dessen Exemplare Harrison Ford 1982 in seiner Rolle als Rick Deckard anzutreten hatte, aber auch die Nexus-5-Replikanten sind bereits stärker und wendiger als ein Normalo und mit hoher Intelligenz ausgestattet, die ständig nach Optimierungen sucht. Die geniale Entwicklerin von Nexus-5 heißt Lydia Kine. Sie wird, kaum dass der erste Prototyp funktioniert, von ihrer engen Mitarbeiterin, der psychoemotionalen Programmiererin Effie Koropey, in ihrem Labor erhängt aufgefunden. Der Prototyp selbst scheint entflohen. Der Polizist Cal Moreaux soll den Fall aufklären. Er gerät bei seinen Ermittlungen in Schwierigkeiten, da die zur Aufklärung angebotene Kooperation mit der Tyrell Corporation mehr als nur zu wünschen übrig lässt. Zudem macht ihm seine Schwester Nia Sorgen, die regungslos im Krankenhaus liegt. Nachdem sich der Bruder der erhängten Forscherin, Marcus Kine, bei Cal einfindet, beginnen immer mehr Zweifel an der offiziellen Version von Lydias Tod aufzukommen. Sollte sie das Transferproblem gelöst haben, steckt sie nun vielleicht sonstwo. (adi)

 
James Tynion IV/Jorge Jiménez/Tomeu Morey: Batman Paperback 4: Das feige Pack Batman Paperback 4: Das feige Pack (James Tynion IV/Jorge Jiménez/Tomeu Morey, Panini 2024, 172 S., SC, farbig)
Harley Quinn bringt es auf den Punkt: "Diese Stadt ist völlig ⋆⋆⋆⋆⋆ in der Birne! Ich kann das offiziell beurteilen, weil ich Ärztin bin... und weil ich auch ein bisschen ⋆⋆⋆⋆⋆ in der Birne bin". Es ist natürlich von Gotham City die Rede, in der sich mehrere Gruppen mit ihren Interessen durchsetzen wollen. Da ist zum einen Simon Saint mit Saint Industries, der Bürgermeister Christopher Nakano seine Peacekeeper-Spezialpolizisten aufdrängen will, die es sogar mit Superhelden wie Batman aufnehmen können. Zum anderen hat sich ein Kollektiv des Klarsinns gebildet, angeführt durch Master Wyze, der mit Mad-Hatter-Technologie ganz Gotham "rebooten" will, damit man nochmals ganz unbelastet von vorne anfangen kann. Als dritte Partei scheint Scarecrow (d.i. Jonathan Crane) darauf aus, den Leuten Furcht einzuflößen, was nach einem Gasangriff auf das Arkham Asylum einfach umzusetzen ist. In dieser schwierigen Lage hat Batman das Glück, mit Harley Quinn, Oracle (d.i. Barbara Gordon) und Ghost-Maker (d.i. Minhkhoa Khan) engagierte Mitstreiter zu haben, die beim Aufräumen zwischen Gut und Böse in dieser irren Stadt helfen. In diesem Zusammenhang taucht mit Miracle Molly (d.i. Mary Kowalski) eine neue schillernde Figur auf, die unsere Körper technisch verbessern will. Etwas Cyborg gefällig? (adi)

 
Gabus/Reutimann: Der Hafen der Geheimnisse 4 Der Hafen der Geheimnisse 4 - Die rätselhaften Teufelswirbel (Pierre Gabus/Romuald Reutimann, Carlsen 2024, 48 S., SC, farbig)
Das Titelbild zeigt es sehr deutlich. Für das geheime Labor am Meeresboden vor New Cherbourg fällt alle weitere Forschung ins Wasser (siehe dazu auch Hafen der Geheimnisse 2). Der Gründler Naka rettet Criqueboeuf, den unterseeischen Kommandanten und Weinbastler vor dem Ertrinken, nachdem die beiden beim Algensaugen versehentlich einen Suiden verletzt haben. Eines dieser wertvollen Meereswesens scheint aus seinem Rhythmus gekommen, was offenbar ungeahnte Folgen hat. – Derweil wird Julienne Collenot von der Geheimdienstleiterin in ein Trainingslager für geschliffenes Benehmen geschickt, um zu einer "ernst zu nehmenden Agentin" ausgebildet zu werden. Für die Spionageabwehr bleiben aber Emil und Émile Glacère am Ort, die als einsatzbereite und gelegentlich sehr harte Agenten eine Geiselnahme zu beenden haben. Die beiden fragen sich, welchem Umstand sie ihre besonderen Fähigkeiten verdanken sollten. Als eine Foto-Ausstellung von Juliennes Freund John Treburt eröffnet wird, bei der eine Fotografie eines Meereswirbels gezeigt wird, erinnern sie sich an eine Erzählung ihrer Mutter und geraten darüber in Streit. Sollten diese Teufelswirbel ihnen etwa eine Erklärung für ihre Härte liefern? Emil, Émile und die LeserInnen dürften gespannt sein. (adi)

 
Paul Jenkins/Paolo Rivera: Marvel Must-Have 89: Mythos Marvel Must-Have 89: Mythos (Paul Jenkins/Paolo Rivera, Panini 2024, 144 S., HC, farbig)
Sechs Herkunftsmythen neu erzählt und grafisch mit couleur directe von Paolo Rivera gemacht, das ist ein guter Grund, diese Serie von 2007/08 in einem Band der jetzigen "Must-Have"-Reihe aufzunehmen. So erfahren beispielsweise diejenigen, denen Spider-Man, die Fantastic Four, Captain America, Hulk, Ghost Rider und die X-Men bisher nur in Filmen bekannt wurden, wie diese zu ihren besonderen Fähigkeiten gekommen sind, sei es durch radioaktive Strahlung, durch Mutation, durch Sonnenwind, durch körperwandelnde Injektionen oder eine Spinne. Ein besonderes Schicksal durchsteht dabei Johnny Blaze, der vom Teufel betrogen wurde und nächtens also mit brennendem Schädel und Motorrad als Ghost Rider über den Asphalt jagt. Ebenfalls brennend wird Jonathan Storm als Fackel Mitglied des Fantastic-Four-Teams, nachdem er bei einem Außeneinsatz von seiner Raumstation einem Sonnenwind ungeahnter Stärke ausgesetzt ist. Auch auf seine drei KameradInnen hat die extreme Strahlungsexposition so heftige Auswirkungen, dass sich ein Untersuchungsausschuss um die Sicherheit des Landes sorgt. Angesichts von Das Ding (d.i. Ben Grimm) mit seinem steinernen Äußeren wird den unwissenden Normalos eben angst und bange. (adi)

 
René Lehner/Timo Stoffregen/Bernd Natke/Andreas Alt: Graphica 4 Graphica 4 (René Lehner/Timo Stoffregen/Bernd Natke/Andreas Alt/Matthias Schäfer, Wiele Verlag 2024, 32 S., Heft, farbig)
Don Caneloni kann im Club Tropicana mit seinen Blumen bei seiner Angebeteten Lilly Laola nicht landen, weil ihre Garderobe bereits voller Kakteen steht. Ihr mexikanischer Verehrer ist Don Caneloni zuvorgekommen. Der Sizilianer schäumt vor Wut. – Ganz verschieden von René Lehners feuriger Actionserie aus Little Italy geht es bei dem von Timo Stoffregen geschilderten, schläfrigen Büroalltag von "Detlef" zu, dem hier ein Licht sowohl auf-, als auch wieder ausgeht, brav geordnet in jeweils sechs quadratischen Panels pro Seite. Bernd Natke lässt derweil seinen Westernhelden MacRogers in ein Dorf einreiten, um nach deren Medizinmann zu fragen. Man reagiert auf diesen Wunsch sehr fröhlich und nichtssagend. – Das vierte Heft dieses neuen Comicmagazins setzt seinen Weg mit unverändertem Konzept und pünktlich fort, wozu die Mischung aus Funnys, Autobiografischem (von Andreas Alt) und neuerdings, auf der Schlusseite, auch aus einem spaßigen Einseiter über einen gewissen Captn Crazy gehört. (adi)

 
Michael Mikolajczak/Dom Valecillo: Red Cross Red Cross (Michael Mikolajczak/Dom Valecillo, Kult Comics 2023, 184 S., HC, farbig)
Sumi kommt ins "Red Cross Klinikum", um die Maschinen ausschalten zu lassen, die ihren Vater noch am Leben halten. Zur gleichen Zeit ist im Red Cross Sander wegen eines Hirntumors in Behandlung. Er nennt seinen Tumor Mr. T und spricht mit ihm wie mit einer anderen Person, die ihm ab und an ihren Willen und ihre Sichtweisen aufzwingt. Als dritte Hauptfigur fügt der Autor zu Sumi und Sander einen Priester hinzu, Pater Dominic, der dem dann einsetzenden Horror eine religiöse Begleitung liefert. Zum Entsetzen der Menschen in der Klinik fängt das Red Cross nämlich an, sich mit seinen technischen Mitteln gegen alle Personen im Haus zu richten. Es kommt zu tödlichen Gräueltaten. "Das Gebäude scheint von einer bösen Seele besessen", berichtet das Fernsehen, keiner kann hinein, keiner heraus. Die Lebensmittel gehen zur Neige, das Wasser geht aus. Beim künstlichen Wesen HAL aus "2001: Odyssee im Weltraum" konnte das KI-Problem durch Manipulationen an der Hardware gelöst werden. Aber dem Red-Cross-Wesen kommt man so einfach nicht bei. – Für diese fesselnde Erzählung nutzen die Autoren mehrere Spannungsfelder, die sich aus den Beziehungen zwischen Sander und Mr. T. und zwischen Sumi und ihrem Vater ergeben. Hinzu erfährt der Lesende eine gesunde Skepsis an KI-Häusern. (adi)

 
Patrick Mallet/Paul Marcel: Tutanchamuns Vermächtnis Tutanchamuns Vermächtnis - Im Reich der vergessenen Pharaonen (Patrick Mallet/Paul Marcel, Knesebeck 2024, 112 S., HC, farbig)
Die Totenmaske des Tutanchamuns ist sicherlich das berühmteste Fundstück, das Howard Carter und sein Grabungsteam 1922 aus dem Grab KV62 zu Tage brachte. Dank seiner Beharrlichkeit und der finanziellen Unterstützung von Lord Carnarvon hatte Carter im Tal der Könige den großen Erfolg, das noch nahezu unversehrte Pharaonengrab des Pharaos Tutanchamun, der von etwa 1332 bis 1323 v. Chr. regierte, entdecken, betreten und detailliert archäologisch untersuchen zu können. Der Presserummel muss damals erheblich und störend gewesen sein, so dass Carnarvon dagegen einschritt, wie es die vorliegende Graphic Novel schildert. Überhaupt stehen in diesem Buch und in dessen eindrucksvollen Zeichnungen die näheren Umstände der Entdeckung des Grabes und die Arbeit von Howard Carter im Mittelpunkt. Bemerkenswert ist die Beschreibung, wie man die Särge um Tutanchamuns Mumie voneinander trennte und öffnete. Ganze vier Tage brauchte man anschließend, um die Mumie Schicht für Schicht auszuwickeln, wobei man ihr über 140 Schmuckstücke und Schutzamulette entnahm. Grenzen für die ägyptologische Neugier gab es da nicht. (adi)

 
Doug Wagner/Daniel Hillyard/Laura Martin: Plastik Plastik (Doug Wagner/Daniel Hillyard/Laura Martin, Cross Cult 2024, 144 S., HC, farbig)
Seine Virginia geht ihm über alles. Für sie besorgt er Donuts, Erdöl-Gelee und eine weichere Bürste. Virginia ist aus Plastik. Sie ist Edwyns aufblasbare Sexpuppe. Er verlangt, dass man sie und ihre Ansichten respektiert. Mit brutaler Gewalt reagiert Edwyn (aka Viktor) auf ein ungehöriges, erniedrigendes Verhalten gegenüber seiner Plastikfreundin. Als er den Sohn von Thaddeus Belliveau, einem Provinzganoven, wegen Virginia ins Krankenhaus prügelt, wird es für ihn sehr unangenehm, denn dieser Kriminelle nimmt Virginia als Geisel, damit ihm Edwyn einen mörderischen Dienst erweist. Edwyn macht es, ihm ist Plastik wertvoller als Menschenleben. Er arbeitet nahezu geräuschlos. Es landen Köpfe in Gefrierbeuteln. Aber er rettet andererseits auch die Anhalterin Gwen vor einem Polizisten, die ihn anschließend verständnisvoll bei der Rettung von Virginia unterstützt. – Dass dieser Psychopath, dessen blutige Gewalttaten abstoßend gezeigt werden, dennoch einige Sympathiepunkte bei den LeserInnen sammelt, liegt wohl daran, dass er anderen üblen Figuren wegen ihrer Schandtaten ohne zu zögern das Licht auspustet. Hoffentlich bleibt ihm dabei Virginia immer gut aufgepustet. (adi)

 
Philippe Buchet: Sillage 22: Der Transfer Sillage 22: Der Transfer (Philippe Buchet, Carlsen 2024, 48 S., SC, farbig)
Dass Monde ihre Umlaufbahnen um einen Planeten aufgrund gravitationeller Einflüsse alle paar Jahre tauschen, sieht man bei den Saturnmonden Epimetheus und Janus. Dass das auch Planeten beim Umlauf um ihre Sterne passiert, erfährt man in diesem SciFi-Album. Mal ist es auf dem einen Planeten warm und dem andern eisig, mal ist es umgekehrt. Wer dort überleben will, muss rechtzeitig von dem einen auf den anderen Planeten wechseln, womit der Titel dieser Episode erklärt ist. Makké-Ji trifft das Urteil ihres Stammes daher hart, als sie wegen einer Tätlichkeit vom kommenden Transfer ausgeschlossen wird. Doch Makké-Ji ist zäh und gibt nicht so schnell auf. – Zur gleichen Zeit ist Nävis, die Agentin von Sillage, mit ihrem Ärger darüber beschäftigt, dass der von ihr festgenommene Jjiddodjaa-Tô vor Gericht freigesprochen wird, obwohl sie doch Augenzeugin seines Verbrechens war. Poukram! Zusammen mit der pandagesichtigen Juliette und dem einäugigen Weweh geht sie dem Fall beharrlich nach. Man stößt auf polymorphe Spione. Doch wie lassen sich diese Metamorphen aufhalten, bevor ihre Fähigkeit zur Gefahr wird? Diese spannenden Erzählideen setzt Philippe Buchet in diesem Band abwechslungsreich ins Bild. (adi)

 
Tony Sandoval: Die Leiche und das Sofa Die Leiche und das Sofa (Tony Sandoval, Cross Cult 2024, 96 S., HC, farbig)
Christians sterbliche Reste liegen verwesend im Gras. Der Junge war verschwunden, aber die Suche nach ihm blieb erfolglos. Jetzt stolpert Polo fast in die Leiche hinein, als er auf dem Heimweg von Sophie einen unüblichen Weg nimmt. Die Sophie begegnete ihm bei einem seiner Streifzüge durch die dörfliche Umgebung. Sie gibt dem schüchternen Jungen zu erkennen, dass sie ihn mag. Zwar scheint ihm ihr Interesse an Werwölfen merkwürdig, aber die beiden kommen sich immer näher. Sophie hatte ein Sofa am Wegrand gefunden. In einer Schlüsselszene der Erzählung stellen sie dieses Sofa vor Christians Leiche auf. Sie begleiten vom Sofa aus Christians Verwesungsprozess, was Polo mit der Vergänglichkeit seiner Beziehung zu Sophie gleichsetzt. Denn die schöne Freundin wird das Dorf nach den Sommerferien wieder verlassen. – Nach dieser Beschreibung des bizarren Verhaltens des Paares nimmt die Erzählung Fahrt auf. Mit klug eingestreuten Andeutungen bereitet der Autor die Lesenden auf die Hintergründe und Überraschungen vor, die sich im Umfeld der Frage nach dem Grund für Chistians Tod ergeben. Auf die Leiche und das Sofa kommen sonderbare Momente zu. (adi)

 
Ed Brubaker/Bryan Talbot/Steve Leialoha: Sandman - Dead Boy Detectives: Das Geheimnis der Unsterblichkeit Sandman - Dead Boy Detectives: Das Geheimnis der Unsterblichkeit (Ed Brubaker/Bryan Talbot/Steve Leialoha, Panini 2024, 108 S., SC, farbig)
Die ungewöhnlichen Fälle der beiden toten und für die meisten Menschen unsichtbaren Detektivjungen Charles Rowland und Edwin Paine sehen wir demnächst auch in Filmen, die der Anbieter mit "unkonventionell, ausgefallen, spannend" beschreibt. Als Comic liegt mit diesem Buch die Heftserie von 2001 in gedruckter Form vor. Darin möchte das Mädchen Marcia die beiden übernatürlichen Spezialisten mit der Aufklärung der Morde an Straßenkindern beauftragen, zögert aber, als sie das windige Baumhaus aufsucht, das Charles und Edwin als Büro dient. Sie geht wieder. Aber Charles und Edwin wollen diesen Fall lösen, in dem die Opfer wie ausgetrocknet aufgefunden werden. – In dieser Erzählung bekommen es die beiden, die sich geweigert haben Death zu folgen, mit dem rücksichtslosen Willen eines sehr alten Wesens zu tun, das von einem anderen dessen Unsterblichkeit stehlen will. Die Autoren führen dazu mysteriöse Figuren wie Mad Hettie, Chippy und einen hundertjährigen Geist in die Erzählung ein, die den beiden Detektiven verstehen helfen, warum da jemand Kindern die Lebensessenz aussaugt. Zum Glück kann das den toten Jungs prinzipiell nicht passieren, oder doch? (adi)

 
Willem Ristier/Minck Oosterveer: Nicky Saxx 1: Der Betrug ⋅ Die Vergebung Nicky Saxx 1: Der Betrug ⋅ Die Vergebung (Willem Ritstier/Minck Oosterveer, Kult Comics 2023, 52 S., HC, farbig)
Nicky Saxx soll beseitigt werden. Sie muss als gewiefte Detektivin eines Unternehmens namens "Room 666" jemandem gehörig auf die Füße getreten sein, der nun viel investiert, um sie nach Bolivien zu locken, wo man die schlagkräftige Frau unauffälliger verschwinden lassen kann als in Westeuropa. Rache ist teuer. Nicky ahnt noch nichts Böses und macht sich mit ihrer übersinnlich begabten Freundin Elja Steiner auf die Reise, um dem Verbleib von Harald Vanhaven nachzugehen, der in die Hände von Freiheitskämpfern gefallen sein soll. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen können sich Nicky und Elja den Nachstellungen durch einen Fremden nicht ganz entziehen. So beginnt ein Abenteuer in Südamerika, welches die (wohl wegen der Hitze) leichtbekleideten Damen mit Glück und Geschick zu bestehen haben. – Die zweite der beiden hier nun in Farbe abgedruckten Geschichten bringt Nicky und Elja nach Südengland. Es gilt, die Gründe für den Tod von Eljas Tante herauszufinden. Es heißt, es gäbe im Dorf einen Mann, der alte Frauen hasst. Doch mit ihren paranormalen Fähigkeiten spürt Elja, dass nicht dieser Mann, sondern ein Insekt für den Tod der Tante verantwortlich sein könnte: eine Biene! (adi)

 
James Tynion IV/Michael Dialynas: Wynd 2: Die Flucht des Prinzen Wynd 2: Die Flucht des Prinzen (James Tynion IV/Michael Dialynas, Carlsen 2024, 144 S., SC, farbig)
Was hat der Mumienmann zu verbergen, dass er seinen Kopf immer mit Bandagen umwickelt? Doch darum machen sich der spitzohrige Küchenjunge Wynd und die Wirtinnentochter Oakley keine Gedanken. Sie flüchten ruhelos vor dem Mumienmann, diesem unerbittlichen Jäger aller Wesen mit "Wildem Blut" (siehe dazu 'Seltsames Blut'). Außer gegen die vermeintliche "Verseuchung" der Menschen von Pipetown nehmen sich er und seine Spießgesellen der Aufgabe an, den entflohenen Prinzen Yorik zurück ins Königshaus zu holen. Yorik und der hilfsbereite Gärtnerssohn Thorn schließen sich Wynd und Oakley auf der Flucht an, wobei es Wynd schafft, besondere Fähigkeiten zu erwerben. Das hat natürlich mit Magie zu tun. – Die spannende Geschichte wartet für die Flüchtenden und Lesenden mit unerwarteten Unterstützungen von verschiedener Seite auf. Dabei überrascht besonders, dass die gefürchteten Wychteln offenbar nicht so schrecklich sind wie allgemein geglaubt. (adi)

 

Januar 2024


André Franquin: Schwarze Gedanken - Gesamtausgabe Schwarze Gedanken - Gesamtausgabe (André Franquin, Carlsen 2024, 80 S., HC, schwarzweiß)
Finsteren Gedanken so nachzuhängen, dass man darüber lachen kann, dieses Kunststück brachte André Franquin von 1977 bis 1983 zu Papier. In seinem Vorwort zu dieser neuen Ausgabe bezeichnet Volker Hamann diese Arbeiten von Franquin sehr treffend als "schwarzhumorige Einseiter", in "denen die makabersten Scherze keine Grenzen kennen". Der Erfolg und die Zeitlosigkeit der bitterbösen Funnys lässt sich auch daran bemessen, dass der Verlag den Titel in diesem Jahrhundert nun schon zum dritten oder vierten Mal neu auflegt, ergänzt durch einen Anhang mit Skizzen und eine Zusammenstellung von Gesprächen mit dem famosen Zeichner. – In den Gesprächen, die Franquin bereitwillig mit Fanzinemachern führte, wird deutlich, dass nicht ausschließlich die eigenen Depressionen, unter denen Franquin litt ("Heute weiß ich, dass meine Depression Teil von mit ist. Angeboren."), zu diesen Schwarzen Gedanken führten, sondern es ihm auch "mächtig Spaß" machte, dass man ihm derartige Zeichnungen übel nahm. "Die Schwarzen Gedanken, das ist wie ein rußverschmierter Gaston", erklärte er. Und so mag man sich nun vorstellen, wie Franquin boshaft in sich hineingelacht hat, als er Tennisgegner zersiebt, Pelzmantelfrauen in den Weltraum entsorgt, Hubschrauberpiloten zerschnitzelt und Straftäter in ein Kugellabyrinth verbannt hat. (adi)

 
Rainbow Rowell/Luca Maresca/Takeshi Miyazawa: She-Hulk 2: Gamma-Herzen Rainbow Rowell/Andrés Genolet/Joe Quinones: She-Hulk 3: Mit harten Bandagen She-Hulk 2: Gamma-Herzen (Rainbow Rowell/Luca Maresca/Takeshi Miyazawa, Panini 2023, 112 S., SC, farbig)
She-Hulk 3: Mit harten Bandagen (Rainbow Rowell/Andrés Genolet/Joe Quinones, Panini 2024, 132 S., SC, farbig)
Die Chefin unserer gammastrahlenden Heldin zeigt sich erst ablehnend, als She-Hulk (d.i. die Anwältin Jennifer Walters) einen Auftrag von einem Superhelden-Kollegen an Land ziehen will. Doch als ihr klar wird, was ihnen das Supermenschenrecht für lukrative Aufträge einbringen kann, ändert sie umgehend ihre Meinung. Sogar Doombot wird von Jen erfolgreich vor Gericht verteidigt, da er doch nur eine mechanische Kopie von Dr. Doom ist (mit kleinen Programmierfehlern). Es läuft zeitweise gut für Jennifer, vor allem auch in Sachen Liebe mit Jack of Hearts (d.i. Jonathan Hart), der ihr gerade nicht mehr bei Berührung Energie absaugt. Doch dann kommen ihnen die Wissenschaftler April und Mark der Firma "Booth Cybernetics" in die Quere. Und das ändert einiges. – Alles Training im "Fight Club" mit Titania (d.i. Mary MacPherran), mit Das Ding (d.i. Ben Grimm) und den anderen Kraftprotzen hilft Jennifer nicht. Ein ertappter Dieb in einem geheimen Regierungslabor schafft es, die leibhaftige, jadegrüne She-Hulk aus dem (geschlossenen) Fenster zu werfen. Nicolás "Scoundrel" (d.i. Schurke)) nennt er sich, ist unverwundbarer und attraktiv. Bahnt sich da für Jennifer eine neue Romanze an? – Wie schon im ersten She-Hulk-Band bringt die Autorin auch hier spaßige Momente in der Erzählung unter, wenn sich zum Beispiel der quaderköpfige Robot Awesome Andy äußert oder eine Gästin im Buchclub stolz erklärt, sie sei jetzt "Veto", also jemand, der nur Fleisch von Tieren isst, die sich vegetarisch ernähren. (adi)

 
Akane Torikai: Saturn Return 1 Saturn Return 1 (Akane Torikai, Carlsen 2024, 240 S., Tb., schwarzweiß)
In ihre Ehe fügt sich die Bestsellerautorin Ritsuko Kaji als brave Hausfrau ein, obwohl sie die Beziehung zu ihrem Mann Noda Kazufumi nicht gerade glücklich macht. Die beiden lügen sich gegenseitig an, aber Kaji findet daran "nichts Schlimmes". – Kaji wurde vor vielen Jahren von ihrem verstorbenen Freund Nakajima aufgefordert, eine Geschichte zu schreiben, die von ihm handelt, ein Beleg für sein Dasein, dessen Ende er schon vor seinem dreißigsten Geburtstag erwartet. Seiner Aufforderung kam Kaji in ihrem überaus erfolgreichen Buch "Nap Land" nach. Nun bedrängt sie ihr neuer Redakteur Koide, eine Fortsetzung zu schreiben. Da Kaji ihm gegenüber behauptet, ihr Roman sei reine Fiktion, also auch ihre Romanfigur Aoi ohne reales Vorbild, versteht Koide nicht, dass das nicht möglich sein sollte. – In einer zentralen Szene dieses ersten Bandes wird Kaji von Nakajima erklärt, dass diejenigen fortwährend Verluste zu erleiden haben, die nicht spüren, ob "ihr Leben ihnen gehört oder nicht." Dieser Gedanke treibt Kaji um. Sie bricht mit Koide zu einer Reise auf, die die Hintergründe um Nakajimas Tod aufklären soll. Dabei gelingt Kaji auch eine Rückbesinnung auf ihr eigenes Leben, welches für Koide und die LeserInnen einige Überraschungen bereithält. – Der Titel "Saturn Return" dieser Mangaserie liefert den astrologischen Hinweis, dass Kaji gezwungen werden wird, sich der Wirklichkeit zu stellen. Dem kann man doch nur zustimmen. (adi)

 
Jed MacKay/Amy Chu/Pasqual Ferry/Andy MacDonald et al.: Doctor Strange 1: Liebe, Magie und Finsternis Doctor Strange 1: Liebe, Magie und Finsternis (Jed MacKay/Amy Chu/Pasqual Ferry/Andy MacDonald et al., Panini 2023, 132 S., SC, farbig)
Mit magischen Titelbildern vom für seinen quasirealistischen Stil bewunderten Alex Ross sind die Geschichten um den Neurochirurgen und Obersten Zauberer Dr. Stephen Strange und seiner Partnerin, der "Warlord von Manhattan" Clea Strange erschienen. Die Stranges wohnen in ihrem Allerheiligsten, dem Sanctum Sanctorum in Greenwich Village, wo Stephen gut damit zu tun hat, seine Superheldenkollegen von dämonischen Attacken zu befreien. Clea und Stephen setzen sich für die Geschundenen ein, also für Vertriebene von Kalumesh, die in die violette Dimension zu Oberzauberer Aggamon abgeschoben werden, für ein Mädchen, dem die Astralgestalt genommen wurde, für Mr. Stone, bei dem es gilt, ihm seinen Glauben zu nehmen, und für eine Jugendliche, die den mächtigen Stab von One für sich behalten will. Zum Glück können sich die beiden Stranges auf die Unterstützung durch Pandora Peters und Wong verlassen, den Agenten vom Wizardry Alchemy Necromancy Department (W.A.N.D.), die noch Zuwachs vom ebenso kuriosen wie bunten Freaky Dr. Zee erhalten. Als Pandora vom Mord an Aggamon erfährt ("Sorry, Doc... Meine Kristallkugel klingelt."), ist man bei W.A.N.D. sehr besorgt, denn um eine frei werdende Oberzauberer-Stelle wird es erbitterte Kämpfe geben. (adi)

 
Rodolphe/Louis Alloing: Robert Sax 2: Verlorenes Paradies Robert Sax 2: Verlorenes Paradies (Rodolphe/Louis Alloing, Schreiber & Leser 2023, 48 S., HC, farbig)
Dieses Mal bringen uns der Zeichner und Robert Sax in ein verschneites Brüssel vom Ende der 1950er Jahre, in dem eine Sängerin abends auf der Straße erschossen wird. Roberts Sekretärin Peg, der in diesem Fall eine größere Rolle zukommt als im vorherigen Album, weist am kommenden Morgen Robert besorgt darauf hin, dass das Auto von einem Herrn Poolerke schon vor zwei Wochen hätte abgeholt werden sollen, aber immer noch störend in der Werkstatt im Weg steht. Doch Robert achtet nicht auf Peg, sondern nur auf die Zeitungsmeldung über den Tod der Sängerin. Er springt auf und läuft davon. Der Automechaniker Raul klärt die erstaunte Peg darüber auf, dass dieser Mord etwas mit dem Tod von Roberts Frau Alice zu tun haben könnte, weswegen Robert umgehend zu Inspektor André Martin gegangen sein wird, ein Polizist und der Bruder von Alice. – Der zweite Fall in der Robert-Sax-Reihe, die in Französisch bisher aus fünf Alben besteht, führt in abermals sehr authentisch erscheinendem, gut gezeichnetem Umfeld zu einer den Titelhelden persönlich betreffenden Kriminalgeschichte. Robert legt hier in seiner Werkstatt sogar einmal selbst Hand an, beim Auto von Herrn Poolerke. Das zeigt, er hat wieder einmal den richtigen Riecher. (adi)

 
Frank Miller/Geof Darrow: Big Guy and Rusty the Boy Rob Big Guy and Rusty the Boy Rob (Frank Miller/Geof Darrow, Cross Cult 2024, 112 S., HC, farbig)
In einer japanischen Forschungseinrichtung sollten nur die Vorgänge in einer Ursuppe nachvollzogen werden, aber man erzeugt aus dem Mix an Aminosäuren versehentlich ein riesiges, dinosaurierförmiges Untier, das wie einst Godzilla durch Tokio stampft und alles verwüstet, was ihm im Weg ist. Seine Absicht äußert das gigantische Vieh unzweideutig: "Schwitzendes, schwatzendes, schwammiges Ungeziefer! Ich bin euer Untergang!". Dann fängt das Monster auch noch an, harmlose Passanten zu "sabbernden, seelenlosen Satrapen seiner satanischen Sache" zu machen, Gehilfen seiner endlosen Mordlust. Das japanische Militär kann mit konventionellen Mitteln gegen diese Wiederkehr eines dickhäutigen Drachens nichts ausrichten. Als letztes Mittel aktiviert man Rusty the Boy Robot, ein flugfähiges Robotwesen wie Astro Boy, das sich dem Scheusal entgegenwirft. In seinem letzten Moment gelingt es dem Premierminister die US-amerikanischen Verbündeten um Hilfe zu bitten. Und tatsächlich: Der Big Guy wird in Marsch gesetzt. Der ist nun eine ganz erhebliche Nummer größer als Rusty. Lässt sich durch ihn der drohende Untergang aufhalten? – Was sich Frank Miller hier an Comic ausgedacht hat, wirkt als vergnüglicher Blick in die Welt von mächtigen Monstern, Robotern und ihren vorsorglichen Staaten, die in Moonsanto Bay den Boy Robot zum glücklichsten kleinen Roboter der Welt werden lassen. (adi)

 
Rodolphe/Louis Alloing: Robert Sax 1: Nucleon 58 Robert Sax 1: Nucleon 58 (Rodolphe/Louis Alloing, Schreiber & Leser 2023, 56 S., HC, farbig)
Der Titel verrät zwei wesentliche Aspekte dieses ersten Robert-Sax-Albums: Es geht um Atomkerne und um das Jahr 1958. Robert Sax findet mehr Gefallen an Detektivarbeit, als am Reparieren von Autos, wie man es von ihm als Betreiber einer Autowerkstatt eigentlich erwartet. Zum Glück halten sein langmütiger Mechaniker Raul und seine Sekretärin Peg den Laden am Laufen, während er sich spannenderen Aufgaben zuwendet, zum Beispiel einem sehr seltsamen Erlebnis des Buchhändlers Boon mit einem entführten Kunden auf den Grund zu gehen. Vielleicht lenkt ihn das vom Verlust seiner Frau Alice ab. Es entwickelt sich ein kurioser Spionagefall um einen Stift und ein angeblich atomar angetriebenes Auto. Während die Handlung recht klassisch und reichlich vom glücklichen Zufall bestimmt der Aufklärung des Falls entgegengeht, so sind es die Stadtansichten, die diesen Comic zu einem feinen Schaustück machen. Hier kann man Brüssel in der Kulisse von 1958 zur Zeit der Weltausstellung detailfreudig gut gezeichnet wiedererkennen (die Jahreszahl im ersten Panel passt dazu nicht), also samt dem Großen Platz, der Königinnengalerie Saint-Hubert, der Kathedrale St. Gudule und natürlich dem Atomium. Robert Sax achtet aber viel mehr auf den hübschen Major. (adi)

 
Becky Cloonan/Michael W. Conrad/Emanuela Lupacchino/Amancay Nahuelpan et al.: Wonder Woman 5: Der Zorn der Götter G. Willow Wilson/Becky Cloonan/Cian Torney/Amancay Nahuelpan et al.: Wonder Woman/Shazam!: Die Rache der Götter Wonder Woman 5: Der Zorn der Götter (Becky Cloonan/ Michael W. Conrad/ Emanuela Lupacchino/ Amancay Nahuelpan et al., Panini 2023, 164 S., SC, farbig)
Wonder Woman/ Shazam!: Die Rache der Götter (G. Willow Wilson/ Becky Cloonan/ Cian Torney/ Amancay Nahuelpan et al., Panini 2023, 196 S., SC, farbig)
Die Menschheit soll dazu gebracht werden, wieder an die alten (griechischen) Götter zu glauben und sie zu fürchten. So jedenfalls ist es die Absicht von Hera, der Gattin und Schwester des Götterherrschers Zeus. Bei der Beschreibung ihres perfiden Vorgehens verzweigt an einer Stelle im Band "Wonder Woman 5" der Erzählfaden in den Band "Wonder Woman/Shazam", um letztlich zu ersterem zurückzukehren. Zunächst setzt sich diejenige Geschichte fort, in der die Menschen durch Milk X-Tra mit ihrer Beimischung aus Teufelsherzblüten manipuliert wurden (siehe Wonder Woman 4), hinzu kommt die Bedrohung der Bevölkerung durch das Lazarusserum aus der Erzählung vom Lazarus-Planeten (erkennbar am grünen Streifen oben auf dem Cover, siehe Batman vs. Robin), das nun als Lazarusregen niedergeht. – Nach einer Explosion in der X-Tra-Milchfabrik erfahren das Gepardenwesen Cheeta (d.i. Dr. Barbara Ann Minerva) und der nordische Held Siegfried von Heras Absichten. In der folgenden kämpferischen Auseinandersetzung mit den Gottheiten steht an der Seite von Wonder Woman (d.i. Diana von Themyscira) zudem das Wonder Girl Yara Flor samt fliegendem Pferd, während aus der Checkmate-Zentrale Unterstützung durch Etta Candy und Steve Trevor geleistet wird. Diese Supergruppe sollte selbst einen Titanen zu Fall bringen können. – Auch im zweitgenannten Band, in dem Hera auf die Hilfe des Zauberers Shazam baut, werden der Zugriff auf und die Kenntnisse der Autoren über die griechische Sagenwelt deutlich, zum Beispiel, wenn Wonder Woman wie Prometheus an einen Felsen gekettet wird (mit dem Lasso der Wahrheit) oder wenn ihr die dreigesichtige Hekate als Vermittlerin zwischen den Welten beisteht oder wenn Hades mit seinen Untoten in Themyscira auftaucht. Zum Glück steuern Mary Marvel (d.i. Mary Bromfield) und Billy Batson im Kampfgetümmel genügend Shazam zur Abwehr der göttlichen Attacke bei. (adi)

 
Jay Philip Ignacio/Alex Niño: Alandal 1 Alandal 1 (Jay Philip Ignacio/Alex Niño, Dantes Verlag 2023, 100 S., HC, schwarzweiß)
Mit einer sehr sehenswerten grafischen Gestaltung und in fernöstlicher Kulisse überzeugt eine Erzählung, die auf den Philippinen zu der Zeit spielt, als sich die spanische Kolonialmacht einerseits mit britischen Angriffen auf Manila, also im Norden des philippinischen Inselreichs, als auch mit Attacken der muslimischen Bevölkerung im Süden auseinanderzusetzen hat. Über diesen historischen Hintergrund des 18. Jahrhunderts informiert der vorbildliche Anhang des Buches, der zu vielen Seiten ergänzende oder erklärende Details beisteuert. – Anfangs sieht es so aus, als hätte Sevillano Rodriguez dank seiner Fechtkünste seine Tochter Sabina vor dem Zugriff Sultan Alis retten können. Rodriguez und seine Tochter finden eine Zuflucht auf der Insel Subuhon. Die Leute des Sultans bleiben ihnen auf den Fersen. Nach zwölf Jahren werden Rodriguez und Sabina auf Subuhon aufgespürt, nicht nur von den Handlangern des Sultans, sondern auch vom spanischen Gouverneur Simón de Anda, der mit Sevillano ebenfalls eine Rechnung offen hat. Sabina wird entführt und zu Sultan Ali gebracht. Dort erfährt sie von ihrem Onkel Ibrahim darüber, wer ihre Mutter Prinzessin Samira getötet hat, eine andere Geschichte, als diejenige, die ihr Rodriguez erzählte. Sabina wächst heran und zeigt im Fechten ebensolche Begabung wie ihr Vater. Während eines blutigen Attentatsversuch taucht bei der siegreichen Sabina ein Vermummter auf, der sich ihr gegenüber Alandal nennt. Ein abenteuerlicher Kampf um Macht und Geld, in den die spanischen Kirchenfürsten tief verstrickt sind, verlangt von Sabina höchsten Einsatz. Dem wird sie gerecht. Aber wer ist Alandal? Ibrahim findet es heraus. (adi)

 
Pornsak Pichetshote/Jeff Stokely/Javier Rodríguez et al.: Sandman - Dead Boy Detectives: Fremde Geister unerwünscht! Sandman - Dead Boy Detectives: Fremde Geister unerwünscht! (Pornsak Pichetshote/Jeff Stokely/Javier Rodríguez et al., Panini 2023, 164 S., SC, farbig)
Sie sind schon tot. Aber das hindert sie nicht daran, ein Detektivbüro zu führen. Die beiden Schüler Charles Rowland und Edwin Paine übernehmen einen kniffligen Fall, den ihnen der kleine Timmy überträgt. Da Kinder mehr bemerken als Erwachsene, ist also Timmy aufgefallen, dass das Nachbarsmädchen Jai Sirikul verschwunden ist. Als Bezahlung bietet er eine seltene "Magic"-Karte an. Die beiden toten Detektivjungen übernehmen den Fall und können von Timmy noch erfahren, dass Jai aus Thailand stamme, weswegen sie ihre Suche am Thai-Tempel in Los Angeles beginnen. Überraschend treffen sie dort gleich die Gesuchte in Begleitung von Melvin und Tanya an, aber die drei flüchten vor ihnen. Da Edwin und Charles jedoch swuschen können, eine Fähigkeit zum Teleportieren wie von Gucky dem Mausbiber, haben sie die Flüchtenden schnell gestellt und kommen hinter deren Geheimnisse: Jai ist ein Hohlrückengeist, in ihrem Rücken wimmelt es von Maden, Melvin ist ein Schlangengeist, der sich in eine solche wandeln kann, und Tanya ein Maenak-Geist, sie kann ihre Arme unglaublich verlängern. In Thailand wäre es nicht ungewöhnlich, dass die drei gestorbenen Jugendlichen zu eben diesen Geistern werden, aber in Los Angeles sollten sie regelgemäß eigentlich als westliche Geister wiederkehren. Charles und Edwin haben sich mit diesem Problem bald auch selbst auseinanderzusetzen, als ein Krasue auftaucht, ein Geist, "der bei Tag wie eine normale Frau lebt und nachts seinen Kopf abreißt". Ebenso wird eine anfangs wie eine normale Gespenstergeschichte daherkommende Erzählung zu einer verhexten Horrorstory. (adi)

 
Sean Lewis/Todd McFarlane/Thomas Nachlik/Javi Fernandez: King Spawn 3: Königsgambit King Spawn 3: Königsgambit (Sean Lewis/Todd McFarlane/Thomas Nachlik/Javi Fernandez, Panini 2023, 140 S., SC, farbig)
Im Schachspiel führt das Königsgambit durch Bauernopfer zu einer vermeintlich besseren Ausgangsposition. Spawn, der Höllenheld, der die Portale zwischen Himmel, Hölle und Erde verschloss, so dass weder Seelen noch Engel oder Dämonen hindurch kommen, Spawn (d.i. Al Simmons) kennt sich im Schachspiel aus. Im Band 2 der Serie hat man bereits versucht, ihn in eine Falle zu locken. Jetzt würde ihm beim Versuch nach Rettung seiner 'Königin', also Wanda Blake, eine neue gestellt. Man nenne Spawn einen 'Königsbauern' warnt Raven Spawn, bevor er vor Spawns Augen in einen Schwarm Raben zerplatzt, er sei also eine Figur, die aus strategischen Gründen geopfert werden solle. Umringt von seinen Feinden scheint Spawn dann einmal wirklich zu verdampfen, was seinen Gegner Clown höhnisch zum Ausruf "Der König ist gefallen. Schachmatt, Spawn, Schachmatt." hinreißen lässt. – Die Erzählung darüber, wie man sich am besten zwischen Diesseits und Jenseits positioniert, wenn man in einer Zwickmühle sitzt und eine mögliche Zwischenlösung wegen einer geliebten Person wieder aufgeben müsste, geht in eine nächste Runde. Letztlich will dabei auch Terry Fitzgerald, Wandas Ehemann, Leib und Seele der Getöteten wieder zusammenbringen, aber was kann er als Normalsterblicher da schon ausrichten. Er muss mit Spawn zusammenarbeiten. (adi)

 

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