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Ausstellungen


Comic-Werkstatt in Stadthagen Exponat zu einer Arbeit von Lisa Frühbeis Darjush Davar präsentiert MuM-Preisträger

Comic-Werkstatt Stadthagen

Ausstellung zu den Max-und-Moritz-Preisträgern 2020

Auch wenn der Comic-Salon Erlangen 2020 nur digital stattfinden konnte, so gab es dennoch eine Verleihung von Max-und-Moritz-Preisen. Darjush Davar (Foto rechts) kümmerte sich auch für diese PreisträgerInnen darum, ihre Arbeiten und ihr Arbeitsumfeld trotz Corona in einer Wanderausstellung zu präsentieren. Dieser Aufgabe, der er mit lobenswerter Leidenschaft und Akkuratesse nachging, stellte er sich nach 2014, 2016 und 2018 im Jahr 2020 bereits zum vierten Mal. Die Ausstellungen entstehen in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Erlangen, dem Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach an der Saale und der Schmitz-Lippert-Stiftung (cöln comic haus). Ob die Ausstellungen nun wirklich "die besten deutschen Comics" zeigen, wie sie die Überschrift nennt, wird heiß diskutiert. Man bilde sich eine eigene Meinung, wobei diese Ausstellungen selbstverständlich hilfreich sind. Die 2020er-Ausstellung ist letztmalig in der Comic-Werkstatt in Stadthagen (Landkreis Schaumburg) zu sehen (Foto links). Dort hat Davar einen ehemaligen Friseursalon zum Ausstellungsraum umgestaltet, mit gemütlichen Nischen, in denen man Comics lesen oder sich ins Studium des Comic-Lebenswerks von David Basler vertiefen kann. Davar ist daran gelegen, in den Exponaten zu allen PreisträgerInnen auch etwas von deren Arbeitsweise deutlich werden zu lassen. So erkennt man nicht nur bei einer Comic-Arbeit von Lisa Frühbeis (Foto Mitte) den Weg, auf dem sie von einer ersten Skizze bis zur fertigen, farbigen Seite gelangt. Auf einem Foto des Arbeitsplatzes von Anke Feuchtenberger sieht man erstaunt einen ganzen Schubladenschrank voller Kohlestifte. In Sprechblasen antworten die PreisträgerInnen auf Fragen zu empfehlenswertem Comic, zu ihrem Zeichenwerkzeug und zu ihrem Verhältnis zu Wilhelm Busch. Wilhelm Busch wurde in Wiedensahl geboren, nur zehn Kilometer von Stadthagen entfernt. Die naheliegende Idee, im Geburtshaus Wilhelm Buschs Comic-Ausstellungen unterzubringen, stellte Darjush Davars Leidensfähigkeit auf den Prüfstand. Die sich ergebenden Schwierigkeiten offenbarten eine sehr gestrige Comic-Wertschätzung provinzieller KulturkapitänInnen. Die Ausstellung mit den neuen Max-und-Moritz-PreisträgerInnen von 2022 soll am 18.11.2022 im Erika-Fuchs-Haus starten. (adi)


 
Christine Vogt eröffnet Büchner-Ausstellung Exponat zu 'Lenz' aus der Büchner-Ausstellung StadtBib Wuppertal Gemaälde zu 'Lenz' aus der Büchner-Ausstellung StadtBib Wuppertal

Stadtbibliothek Wuppertal

Woyzeck und Lenz adaptiert

Zwei Büchner-Literaturadaptionen hat Andreas Eikenroth gezeichnet: "Woyzeck" und "Lenz" liegen als Hardcover-Alben vor. Die Direktorin der Ludwiggalerie Oberhausen, Dr. Christine Vogt (Foto links), weist in ihrem Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung auf die Besonderheiten dieser grafischen Arbeiten Eikenroths hin, die reich an Bildzitaten sind. Als Kunstgeschichtlerin hat sie ihre Freude am Entdecken dieser Zitate (vornehmlich in "Lenz") und empfindet das Nebeneinander von Bild und Text, also den Auszügen aus der Büchnerschen Vorlage, als gelungen. – An den Wänden des Treppenhauses hängen über drei Etagen hinauf Bildträger, die in bunter Abfolge einmal zu "Woyzeck", einmal zu "Lenz" jeweils die drei Stufen der Entwicklung der Seiten der Alben erkennen lassen (Foto Mitte): Erst kommt die Skizze, dann die Vorzeichnung, dann die farbige Schlussbearbeitung. Erläuterungen zu den Exponaten oder zu Georg Büchner fehlen im Treppenaufgang, solche lassen sich nachfolgender Mitschrift entnehmen. Eikenroth hat als Blickfang und zur Auflockerung Gemälde zu den Alben in die lange Reihe der Exponate gehängt (Ausschnitt rechts). Die Ausstellung ist vom 5. Mai bis zum 24. Juni 2022 in der Stadtbibliothek Wuppertal zu sehen. (adi)
Mitschrift des Eröffnungsvortrags von Christine Vogt herunterladen


Comic-Festival


Erlangen Comic-Salon Messebesucher Halle B Erlangen Comic-Salon Angebot Comichändler Halle A Erlangen Comic-Salon Podium Fachmagazine

Comic-Salon Erlangen 2022

Messezelthallen und Fachgespräche

Der Veranstalter des Comic-Salons zeigt sich sehr zufrieden. Rund 30.000 BesucherInnen seien an den vier Tagen gekommen, was zu den Rückmeldungen der Verlage passt, die von "leicht höheren Umsätze" (Carlsen) bis zu "mehr verkauft als jemals zuvor" (avant) reichen. Das Angebot an die Besucher der drei Messehallen ist enorm. Von kleinauflagigen Liebhaberstücken bis zur Massenzeichenware und zu Merchandise-Artikeln, von antiquarischen Alben bis zu voluminösen Sammelbänden lässt sich vieles finden und – vor allem – vor dem Kauf ansehen oder auch von den KünstlerInnen signieren. Die Warteschlange vor dem Carlsen-Signiertisch von Émile Bravo ("Spirou und Fantasio Spezial") in Halle A ist reichlich lang, bei anderen Verlagen in dieser Halle sieht es ebenso aus. In Halle B steht eine lange Schlange vor dem Schreiber & Leser-Tisch bei André Taymans ("Caroline Baldwin"). Nicht einmal die Hälfte der Messebesucher tragen eine FFP2-Maske, man verlässt sich wohl auf seinen Impfschutz und sein Glück. Der Veranstalter kämpft unterdessen mit so vielen coronabedingten Ausfällen bei seinem Personal, dass es eng wird, vor allem beim kommenden Abbau der Zelte. In einigen Räumen wie in der Orangerie oder den Räumen der Universität wird auf FFP2-Maske bestanden. Das scheint auch kein Problem zu sein, wie man zum Beispiel in der Orangerie bei der Diskussion über den Stand der Comic-Fachmagazine bemerkt (Foto rechts). Alex Jakubowski befragt Gerhard Förster von der "Sprechblase", Matthias Hofmann von "Alfonz" und Volker Hamann von der "Reddition" nach den Charakteristika ihrer Publikationen. Jede richte sich an eine besondere Leserschaft, die die angebotenen Fachartikel in Papierform erwarten. Ein entsprechendes, papierloses Angebot im Internet ließe sich vielleicht mit einer Bezahlschranke oder durch Werbung finanzieren. Man frage sich, wie die Situation in zehn Jahren aussehen wird, wenn die "haptisch" Lesenden, wie Gerhard Förster die Papierleser nennt, weniger werden. Einen besonderen Beifall erhält der anwesende Heiner Jahncke für seine Expertise und jahrelange Mitarbeit bei den Fachartikeln. (adi)


Erlangen Comic-Salon Ausstellung VorbilderInnen Erlangen Comic-Salon Ausstellung Populäre Bilder Erlangen Comic-Salon Ausstellung Mawil
VorbilderInnen, Populäre Bilder, Mawil

Schwerpunkte des Comic-Salons sollen feministischer Comic, queere Themen und Comic aus Afrika sein. Im hohen Redoutensaal sind zahlreiche Stellwände für Exponate zum feministischen Comic aufgestellt, kreuz und quer, um zahlreiche Winkel zu schaffen, die die Gliederung der Ausstellung in die Bereiche "Strong Female Lead", "Autobiographie", "Biografie", "Girl's Clubs", "Gender Reverse", "Body & Sex Positive", "Wissen & Historie", "Aktivistinnen und Anarchas" unterstützen. Unter den nachdenklich machenden Schaustücken sind auch Arbeiten von Alison Bechdel ("Fun Home") und Barbara Yelin ("Gift", "Irmina", "Vor allem eins: Dir selbst sei treu"), die in ihren Arbeitsfeldern viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben und Leitbilder wurden. Das Foto oben links bildet eine Arbeit von Helena Janečič ab, bei der sich fragen lässt, ob Frauenfiguren im Comic eine Rolle ausfüllen, die mehr ist, als das jeweilige Werk lediglich als "eye candy" (Augenschmaus) zu schmücken. Gleich neben der Ausstellung zu den "VorbilderInnen" wird grafische Literatur von Birgit Weyhe gezeigt, was zur Frage reizt, welchen Platz Weyhe als VorbilderIn einnehmen könnte oder sollte, da sich bei ihr Narration und Relevanz der Erzählinhalte und ihre grafische Darstellung auf recht unterschiedlichem Niveau begegnen. Wichtige soziopolitische Anliegen finden mit den häufig schlicht gefertigten, zu oft mit zu simpler Symbolik ausgestatteten Panels keine visuelle Entsprechung. – Zwischen die vielen Beispiele von vorbildlichem Comic aus dem Kongo setzt Asimba Bathy mit der Installation "Offizielles Outfit des Kongolesischen Comics" (Bild Mitte) einen scherzhaften Akzent. Der Umgang mit Haltung und Mimik der Figuren und die perspektivische Abwechslung, unter anderem bei Draufsicht auf Alttagssituationen in einer Stadt, zieht den Leser in diesen Alltag und in die Handlung hinein. Da ist zum Beispiel ein junger Mann namens Neema ya Mungu, der auf seinem Handy dringend die Nachricht erwartet, ob jetzt das Geld da sei, um seine Mutter operieren lassen zu können. Oder da tuscht Thembo Kash, der aus Butembo im Ostkongo stammt und an der Kunstakademie in Kinshasa studierte, in "Vanity" einen bewegungsreichen Kampf zwischen einer Agentin und ihrem Angreifer. In Vitrinen zeigt diese Ausstellung unter der Überschrift "Populäre Bilder" überdies wie kongolesischer Comic auch als Siebdruck gestaltet wird. – Im Uhrzeigersinn an den Wänden entlang sieht man in einer Ex-Sparkasse die Stationen der Entwicklung von Mawils Comicschaffen. Eine der Wände zeigt großformatig "Lucky Luke sattelt um", einen Hochpunkt unter seinen Arbeiten (Foto rechts), bei denen man sich auch an "Kinderland" oder an Supa-Hasi erinnert. Mawil hat einen attraktiven Stil gefunden, durch den aus seinen Zeichnungen zwar Komik aber nicht Klamauk spricht, durch den zwar gelegentlich ein Scheitern, aber keine Ausweglosigkeit dargestellt wird, durch den man freudig akzeptiert, dass ein Cowboy die Prärie per Fahrrad durchquert. (adi)


Erlangen Comic-Salon Max und Moritz Preis Josephine Mark Erlangen Comic-Salon Max und Moritz Preis Debütcomic Erlangen Comic-Salon Steven Appleby
Max und Moritz-Preise

Als Josephine Mark als Gewinnerin des Max und Moritz-Preises für den besten Comic für Kinder verkündet wird, ist der Jubel im Markgrafentheater besonders groß. Die Preisträgerin kämpft mit den Tränen. Gestern erhielt ihr Comic "Murr" einen ICOM-Preis, jetzt gehört ihrem "Trip mit Tropf" ein Max und Moritz-Preis (Foto links). Die beiden Moderatoren der Preisverleihung, Hella von Sinnen und Christian Gasser, lotsen launig, einfühlsam und gut vorbereitet die PreisträgerInnen aufs Siegersofa. Liv Strömquist, die den Max und Moritz-Preis für "Im Spiegelsaal" als besten Sachcomic entgegen nimmt, wählt die Möglichkeit, lieber im Parkett zu sitzen, als auf der heißen Bühne zu schwitzen. Der Oberbürgermeister Dr. Florian Janik nimmt es auf sich, dort die ganzen zwei Stunden zu bleiben, um die Urkunden überreichen zu können. Die silbernen Siegertaler werden nachgereicht, man hat sie nicht rechtzeitig bestellt, aber die gewichtigen Max und Moritz-Brote sind da. Janiks lebhaft vorgetragene Begrüßung bringt zum Ausdruck, wie froh man sei, nach vier langen Jahren endlich wieder den Comic-Salon in der Stadt zu haben. Für "Dragman" wird der Max und Moritz-Preis für den besten internationalen Comic überreicht. Der Preisträger, Steven Appleby, kommt wie weiland Ralf König im Frauenkleid auf die Bühne (Foto rechts). Man weiß, dass sein Superheld in "Dragman" nur in Frauenkleidern Superkräfte entfaltet. Als beste Debütalben sind drei Titel nominiert: "Melek + ich" von Lina Ehrentraut, "Who's the Scatman?" von Jeff Chi und "Pfostenloch" von Daniela Heller. Die Jury machte es sich einfach und entschied, dass alle drei Comics den Max und Moritz-Preis für den besten deutschsprachigen Debüt-Comic empfangen sollen und auch alle drei ein Preisgeld von tausend Euro erhalten. Aisha Franz wird für "Work-Life-Balance" als Preisträgerin für den besten deutschsprachigen Comic ausgerufen. In kurzen Filmen beantwortet der Preisträger des Max und Moritz-Preises für ein herausragendes Lebenswerk, Naoki Urasawa, einige Fragen zu seinen Arbeiten und bedankt sich so aus dem fernen Japan für den Preis. Als Überraschung vergibt die Jury noch einen Sonderpreis an den Ausstellungsmacher Alexander Braun, dessen umfangreiche Kataloge als besonders wertvoll hervorgehoben werden. Selten genug, dass ein Panini-Titel zu den Preisträgern gehört. Mit "Lisa und Lio" hat es Daniela Schreiter aber geschafft, den Publikumspreis zugesprochen zu bekommen. Steffen Volkmer nimmt den Preis entgegen und erklärt, dass es für die Künstlerin als Autistin nicht möglich sei, bei einem solchen Rummel, wie es eine Preisverleihung nun einmal ist, persönlich dabei zu sein. Aber er organisiert für Samstag eine Signierstunde mit der Künstlerin, die mit den drei "Schattenspringer"-Büchern so erfolgreich wurde. (adi)


Erlangen Comic-Salon Rundgang Ministerpräsident Markus Söder Erlangen Comic-Salon Comicmuseum Erlangen Comic-Salon Anne Reimann Dr. Florian Janik Bodo Birk
Ministerpräsident mag Comicmuseum

Beim Rundgang durch Messehallen und Ausstellungen biegt Markus Söder (Foto links) unverhofft in die Schiffstraße 9 ab, in der eine Initiative für ein Comicmuseum in Erlangen provisorisch untergekommen ist. Er bleibt relativ lange in dem Haus und wird beim Herauskommen sogleich vom Erlanger Oberbürgermeister Dr. Florian Janik befragt, ob er also ein staatliches Comicmuseum einrichten wolle. Söder verneint nicht, sondern spielt den Ball zurück mit der Aufforderung, dass die Kommune erst einmal vorlegen solle. Dann könne er sich eine Unterstützung durch das Land Bayern vorstellen. Die Frage nach einem solchen ersten deutschen Comicmuseum wird ihm während seines Rundgangs von verschiedenen Seiten gestellt und er äußert sich immer zuversichtlicher, so dass der Oberbürgermeister seinen Mitarbeitern gegenüber festhält: "Jetzt hat er es viermal in die Kamera gesagt. Daraus müssen wir etwas machen." (Foto rechts v.l.n.r.: Anne Reimann, Leiterin des Erlanger Kulturamts, OB Dr. Florian Janik, Bodo Birk, Organisator des Comic-Salons). Seinen Rundgang beginnt Söder am Stand von Carlsen, wo er sich beim Blättern in einem "Clever & Smart"-Album erfreut an diese seine Jugendlektüre erinnert. Dann geht der ausgewiesene Marvel-Fan Söder weiter zu Panini, wo ihm Steffen Volkmer eine ganze Stofftasche voller Superheldencomics verkaufen kann. In einem anschließenden Kurzinterview auf einer Bühne im Schlosspark zählt er die lange Reihe von Comics auf, die er von Kindesbeinen an gelesen hat, im Keller aufbewahrt und teils immer noch liest. Man gewinnt den Eindruck, dass er dem Thema Comic sehr aufgeschlossen gegenüber steht. Nun ist spannend, ob für Erlangen mehr daraus wird als heiße Luft. (adi)


Erlangen Comic-Salon Ausstellung Catherine Meurisse Erlangen Comic-Salon Ausstellung Will Eisner Erlangen Comic-Salon Holocaust-Überlebende
Gelungene Ausstellungen

In den hellen Räumen des Kunstmuseums genießt man als inhaltlich und architektonisch schönste Ausstellung des Salons diejenige zu Catherine Meurisse. Ihr Witz, der aus ihren Karikaturen und Comicbüchern spricht, und ihre beeindruckenden zeichnerischen Arbeiten, die hier in vielen Beispielen zusammengetragen sind, haben die große Beachtung verdient, die ihr entgegen gebracht wird, zum Beispiel durch das Comicmuseum Basel. Herausragende Farbseiten aus "Nami und das Meer", "Weites Land" und "Die Leichtigkeit" zeigen sich gut präsentiert. Dass in ihrem Werk immer auch ein ernstes Anliegen mitschwingt, macht die Überschrift zur Ausstellung deutlich: "L'Humour au sérieux". – Als comichistorisch wichtigste Ausstellung bringt Alexander Braun die von ihm kuratierte Ausstellung zu Will Eisner vom Schauraum in Dortmund nach Erlangen ins räumlich lebendiger ausgestattetere Kunstmuseum. Als "Graphic Novel Godfather" tituliert wird die Bedeutung des Meisters durch die versammelten Originale und Vitrinenschaustücke überdeutlich. Sogar den prächtigen Katalog zur Ausstellung kann man hier noch erhalten, obwohl er eigentlich vergriffen ist. – Die für uns bedeutsamste Ausstellung zeigt das Stadtmuseum in seinem "Laubengang", also einer Folge von gemütlichen, kleineren Räumen, die sich zur inhaltlichen Gliederung eines Themas bestens anbieten. Das lässt die Ausstellung "Aber ich lebe. Den Holocaust erinnern" übersichtlich und nachvollziehbar werden. Die drei ComicautorInnen Miriam Libicki, Barbara Yelin und Gilad Seliktar haben die Erzählung der drei Holocaust-Überlebenden Emmie Arbel, David Schaffer und Rolf Kamp für uns aufgezeichnet und die Ergebnisse zu einem Buch zusammengestellt. Die Arbeitsweise der AutorInnen, ihre originalen Zeichnungen und Skizzen, Videomaterial und Bücher zum Thema (Foto rechts) machen das wichtige Anliegen, die Erlebnisse von Zeitzeugen auch grafisch wiederzugeben, vorbildlich verständlich. (adi)


Erlangen Comic-Salon Joelle Epee Mandengue Erlangen Comic-Salon ICOM-Preisverleihung Erlangen Comic-Salon Jaja-Verlag Annette Köhn
Comics aus Afrika, ICOM-Preise, Jaja-Wohnzimmer

Die Kuratorin der Ausstellung "Kubuni. Comics aus Afrika", Joëlle Épée Mandengue (Foto links), betont, dass die Wortwahl wichtig sei. Es ginge hier nicht um den afrikanischen Comic, sondern um Comics aus Afrika, genauer aus dem Subsahara-Afrika. Unterstützt durch das Institut français sind die beachtlichen Arbeiten einer Wanderausstellung aus Angoulême in die Ladengalerie Friedrichstraße 41 gebracht worden, die Vielfalt und zeichnerisches Können der afrikanischen Comic-Autoren ausweisen. Joëlle Épée Mandengue ist Leiterin des Bilili-Comic-Festivals in Brazzaville, Congo. – Aus der Preisverleihung des ICOM geht Josephine Mark mit "Murr" als Siegerin bei den Verlagsveröffentlichung hervor. Zusätzlich erhält sie auch für "Trip mit Tropf" eine Auszeichnung, da es dieser Titel ebenfalls in die Nominierungsliste schaffte. Als Preisträger des ICOM-Preises für selbstveröffentlichten Independent-Comic darf sich Geier für "The Most Dangerous Game" auf das Preisgeld des Siegers freuen, welches sein Freund Holger Bommer entgegen nimmt. Den dritten ICOM-Preis für eine besondere Publikation erhält "Die Liebe ist stärker als der Tod" von Olliver Ottisch. – Annette Köhn (Foto rechts) richtet ein Jaja-Wohnzimmer ein. Die Verlagsleiterin (siehe "Verlagswesen") hängt in diesem Zimmer einer Jaja-Ausstellung Bilder auf und gleichzeitig präsentieren am Stand in "Messe-Halle B" Mitarbeiter des rührigen Verlags ein umfangreiches Angebot. Dazu gehört auch "Impfland" von Federico Cacciapaglia, der ebenfalls nach Erlangen gekommen ist. (adi)


Erlangen Comic-Salon Zelteinrichtung Schlossplatz Erlangen Comic-Salon im Schlosspark Erlangen Comic-Salon DATEV-Stand
Einrichtung der Zelthallen

Bei sommerlichen Temperaturen von um die 30 Grad richten zahllose Helfer der Verlage und Ausstellungsmacher am Mittwoch die drei Zelthallen und die vielen Ausstellungsräume ein. Man darf sich wundern, wie das alles bis Donnerstag um 12 noch fertig werden kann, aber das wird es natürlich. Auf dem Zelt "Messe-Halle A" auf dem Schlossplatz prangt eine Art Murale mit dem Aufruf "Peace now". Lkw und Transporter bringen Materialien und Bücher für die Stände heran. Rechts neben der Messe-Halle A stehen im Zugang zum Schlosspark die vielen Tische und Bänke einer Gaststätte, die bereits gut besucht sind. Im Schlosspark rund um den Hugenottenbrunnen besprechen sich bei der Messe-Halle B unter strahlend blauem Himmel die Leute auf der grünen Wiese, während der Hauptsponsor DATEV, ein IT-Unternehmen, daneben eine "Nerd Lounge" zum Zocken im Freien aufbaut. Zum Comic-Salon werden 25.000 Besucher erwartet, darunter am Freitagnachmittag auch der Ministerpräsident des Landes. (adi)


Comic-Salon Plakat am Zelt Erlangen Comic-Salon-Beflaggung Känguru-Comics von Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel
Volles Programm voraus

Der Comic-Salon zeltet wieder. Ab Donnerstag, dem 16. Juni 2022, ist vier Tage lang Messebetrieb mit 230 Ausstellern in Zelthallen auf dem Schlossplatz und im Schlossgarten. Beides ist vom Bahnhof aus schnell zu erreichen. Zugleich werden an verschiedenen Orten der Stadt nicht weniger als 20 Comic-Ausstellungen gezeigt. Über 400 ComicautorInnen sind angekündigt. Die Comicbörse findet am Sonntag auf dem Marktplatz statt (bei schlechtem Wetter in der Heinrich-Lades-Halle). Die Website des Comic-Salons listet ein umfangreiches Programm auf. Aus diesem ragen die Max-und-Moritz-Gala am Freitagabend mit der Verleihung der Max-und-Moritz-Preise und eine Veranstaltung am Samstagabend mit Bernd Kissel und Marc-Uwe Kling zu ihren Känguru-Comics heraus. Am Donnerstagabend verleiht der ICOM die Independent Comic Preise. Zum Programm, in dem feministische Comics und queere Themen und Comics aus der Demokratischen Republik Kongo als Schwerpunkte genannt sind, gehören zahlreiche Vorträge und Podiumsveranstaltungen. Unter den vielen Ausstellungen gibt es eine über Vorbilder*innen im Redoutensaal, eine zu Will Eisner und zu Catherine Meurisse im Kunstmuseum, eine mit Daniela Schreiter in der Villa an der Schwabach, eine mit Mawil in der Ex-Sparkasse. Lesungen, Filme, Konzerte, Party und ein eigenes Programm für Kinder runden die tollen Tage ab. (adi)


 

Ausstellung


Schauraum Dortmund Exponate Katalog Horror im Comic Schauraum Dortmund Vitrine Schauraum Dortmund Wand

Schauraum Dortmund

Horror im Comic

Seit dem April 2019 finden im schauraum in Dortmund Comic-Ausstellungen statt. Dieser besondere Raum entstand aus einem ehemaligen Ladenlokal mit knapp 200 m² Fläche direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Der Eintritt ist frei. Als erfahrener Kurator übernahm Alexander Braun die Aufgabe, alle halbe Jahre sowohl eine Ausstellung mit sehenswerten Originalen als auch den zugehörigen Katalog zusammenzustellen. Nach den Ausstellungen "Ente süß sauer – Carl Barks und die Folgen" und "Nimm das, Adolf – Zweiter Weltkrieg im Comic" von 2019 folgte trotz Pandemie 2020 "Anime fantastisch – Die Kunst des japanischen Zeichentrickfilms" und 2021 "Will Eisner – Graphic Novel Godfather". Jetzt, im Frühjahr 2022, steht der "Horror im Comic" auf dem Programm des schauraums. In einem Teil des Raumes werden Comic-Exponate zu Gespenster- und Gruselgestalten auf roten und grauen Wänden präsentiert, in der anderen Hälfte hängen Originale vor einer Wand, die komplett mit einer Vergößerung der beeindruckenden "Frankenstein"-Laborszene von Bernhard "Bernie" Wrightson bedeckt ist. Toll! Die reichhaltigen Kataloge zu diesen Ausstellungen werden immer dicker. Der Katalog "Horror im Comic" ist 456 Seiten stark, wird aber Besuchern im Ausstellungsraum vergünstigt angeboten. (adi)


Comicbörse


Hermann Comichändler Eckart Schott Deine Mutter als Zombie!

Intercomic - Comicmesse Köln Mai 2022

Sie handeln wieder

Bei frühsommerlichem Wetter startete nach längerer Pause die Intercomic in der Stadthalle in Köln-Mülheim wieder zu einem langem Börsentag. Mit Applaus wurde Hermann ("Comanche", "Duke", "Die Türme von Bos-Maury") gefeiert, der an gleich zwei Signierständen zu Gast war. An den Ständen der Comichändler stapelten sich die langvermissten Kisten und Kartons mit Raritäten und vielen Comics zu Schnäppchenpreisen. Verlage wie Salleck oder All zeigten ihre Neuerscheinungen im Foyer, andere reihten sich in fünf Gängen im großen Saal der Stadthalle zwischen Händler- und Zeichnertischen ein. Im Vergleich zur Intercomic vor der Pandemie war die Börse zwar kleiner, aber gut besucht. Auch schon bevor es im Foyer und im Saal enger wurde, setzten die meisten Besucher aus freien Stücken ihre Maske auf: vorbildlich. Bei den Zeichnern bot Timo Grubing angesichts des nahenden Muttertags an, die Mutter als Zombie zeichnen zu lassen, während Rudolph Perez im bereits 25. Zebra-Sonderband weise daran erinnerte: "In der Tusche liegt die Wahrheit" (Fotos v.l.n.r.: Hermann Huppen, Comichändler, Eckart Schott (Salleck Publications), Timo Grubing). (adi)


Schlaglicht


Ukraine: Taras Bulba Ukraine: Panzerkreuzer Potemkin Treppe Ukraine: Mit Feuer und Schwert Ukraine: Holodomor - Bittere Ernte

Ukrainische Geschichte in Film und Comic

Gegen die Fremdherrschaft

Mit der Kiewer Rus, gegründet von nach Südosten vordringenden Wikingern, stellt ein wesentlicher Teil der heutigen Ukraine die Keimzelle des späteren russischen Reiches dar, nahm aber dennoch in der Folgezeit eine eigenständige Entwicklung, die über lange Phasen der Fremdherrschaft und dadurch bedingte Teilungen – von der Goldenen Horde über Litauen und Polen bis zum Zarenreich und der Sowjetunion – zur Herausbildung eines ukrainischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert führte. In dieser langen Zeit sind die russische und die ukrainische Geschichte in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Eine Reihe von Filmen und Comics liefern uns dazu Denkanstöße. (hjk)
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Ausstellung


Ausstellung Vinyl Katalog Ausstellung Vinyl Oberhausen Ausstellung Vinyl Eckart Sackmann Ausstellung Vinyl Oellampe

Ausstellung "Vinyl!" in Oberhausen

Schwarze Scheiben mit bunten Comics

Die von Robert Crumb gezeichnete LP-Hülle für "Cheap Thrills" von Janis Joplin macht immer noch gute Laune, wohl wegen der Erinnerung an die Musik und die Underground-Comix. 180 solcher berühmten und vertrauten Schallplattencover mit Comicmotiven erwarten den Besucher in der Ausstellung "Vinyl!", die die Ludwigsgalerie Schloss Oberhausen bis zum Mai 2022 zeigt. Der Katalog zur Ausstellung druckt sogar 350 prächtige Comic-Cover ab, was die Beliebtheit des Comic in der Musikszene einer Zeit belegt, die sich "progressiv" nannte. Der Ausstellungsmacher Eckart Sackmann erklärte bei der Eröffnung von "Vinyl!", dass er in den 1980ern selbst einmal als Zeichner eines solchen Comic-Covers für eine irische Band vorgesehen war, nachdem er den Musikern in Hamburg drei Monate Unterkunft gewährt hatte. Leider ging die Band zu früh auseinander. Die psychedelische Stimmung und den musikalischen Klang jener Zeit vermitteln eine Öllampen-Projektion und eine wohlüberlegte Musikauswahl. Drei Vitrinen zeigen weiteres Material zu einem seltenen Comic-Thema in einer ungewöhnlichen musealen Schau. (adi)


Ausstellung


Ausstellung Unveröffentlicht, erste Wand Ausstellung Unveröffentlicht, Wilhelm Busch Ausstellung Unveröffentlicht, Olivia Vieweg Ausstellung Unveröffentlicht Oberhausen

Ausstellung "Unveröffentlicht" in Oberhausen

Drei Etagen Comics aus der Schublade

Im ersten Raum erwarteten den Besucher Beispiele von frühem Comic, links ging es auf mehreren Etagen weiter zu Comic jüngeren Datums, der in seiner Zeit nicht veröffentlicht wurde. Sogar Arbeiten von Wilhelm Busch und Franz von Pocci tauchten beim frühen Comic auf. Die Hängung der Exponate war angenehm "luftig", die Texte hatten den passenden Umfang. Unter den abgebrochenen Comicprojekten sind solche, bei denen man es bedauern mochte, dass die Verleger oder Künstler vorzeitig aufgeben mussten, aber auch solche, bei denen man sich sehr damit einverstanden fühlte, dass diese Vorhaben rechtzeitig abgebrochen wurden. Es wird von der Sozialisierung jedes einzelnen Ausstellungsgängers abhängen, ob man zum Beipiel liebend gern Kreitz, Bunk, Vieweg, Scheuer oder Wäscher weitergelesen hätte. Interessant sind in jedem Falle die Gründe, die für den jeweiligen Abbruch angeführt werden. Das reicht von der Ablehnung durch den Verleger bis zu persönlichen Schicksalsschlägen. All das ist in einem umfangreichen Katalog zu dieser Ausstellung nachzulesen und anzusehen, der in der bewährten Edition Alfons erschien. (adi))


Comic Con


Mangazeichenkurs CMC Stadthalle Hiltrup 2021 Christoph Heuer Engels Graphic Novel

Comic und Manga Convention Münster 2021

Trotz 2G eine volle Halle

Schon vor elf Uhr bildete sich eine lange Warteschlange vor der Eingangstür der Stadthalle Hiltrup. Geduldig warteten die überwiegend jugendlichen Messegänger auf den Einlass, der sich wegen der sorgfältigen Impfpass- und Personalausweiskontrolle etwas hinzog. In der Halle standen vier lange Doppeltischreihen, an denen HändlerInnen für Comics, Mangas, Zeichnungen und für vielerart Merchandise-Artikeln ihre zum Teil gut dekorierten Stände aufgebaut hatten. Auf der Bühne zeigte Alexandra Völker ("Catwalk") (Foto ganz links) etwa zwei Dutzend NachwuchszeichnerInnen wie man Manga zeichnen kann. Christoph Heuer (Foto rechts) signierte seine Engels-Biographie. Er wurde 2002 in der Comicforschung als Autor von "Kindergeschichten", einer "nonlinearen Novelle", bekannt. 2007 zeichnete er bei Carlsen den Band "Der erste Frühling", eine Erzählung über ein zwölfjähriges Mädchen bei Kriegsende 1945 in Berlin. Die nächsten Veranstaltungen dieser Art sind für Düsseldorf und Bremen angekündigt. (adi)


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