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Comic-Lektüre für 2026


Rodney Barnes/Stevan Subic: Batman - Full Moon Batman - Full Moon (Rodney Barnes/Stevan Subic, Panini 2025, 156 S., SC, farbig)
Von Lykanthropie geplagt zu sein, das ist hartes Schicksal. Christian Talbot will sich damit nicht abfinden. In Vollmondnächten als Werwolf seinen brutalen Gelüsten nachgehen zu müssen und am nächsten Morgen nackt in einem Hinterhof aufzuwachen, Talbot braucht Hilfe. Vielleicht gibt es in der medizinischen Forschungseinrichtung von Bruce Wayne ein Gegenmittel? – Dr. Kirk Langstrom (d.i. Man-Bat), selbst bezüglich des Themas Wandlung zu monströser Kreatur unangenehm erfahren, erklärt Batman angesichts des aufgefundenen Gemetzels sofort, dass bei Wayne Pharmaceuticals ein Werwolf namens Talbot getobt habe. Batman geht einer Konfrontation mit Talbot aber nicht aus dem Weg, obwohl Lykanthropie bei hartem Kontakt infektiös ist, wie jeder aus dem Kino weiß. Batman hat außer Alfred auch Zatanna Zatara, die Hexerin, an seiner Seite. Selbst John Constantine tritt als knurriger Berater in mystischen Dingen auf. Commissioner Gordon tappt noch völlig im Dunkeln. Er hat schon Dutzende Leute verloren. Talbot lässt sich in Ketten legen, Batman verlässt sich auf das Deflektorsystem seines Batmobils. Und dann ist es soweit. Es geht auf Mitternacht zu. Am Himmel zeigt sich der Mond in voller Pracht. Vollmond. Der Zeichner jedenfalls, der wird der Herausforderung gerecht, allen Beteiligten und den LeserInnen die explosive Situation ins rechte Licht zu setzen.

 
Béka/David Etien: Spirou präsentiert 6 - Rummelsdorf 3: Eine Handvoll Kohlenstoffatome Spirou präsentiert 6 - Rummelsdorf 3: Eine Handvoll Kohlenstoffatome (Béka/David Etien, Carlsen 2024, 56 S., SC, farbig)
In der Vergangenheit des Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert, des Grafen von Rummelsdorf, gibt es durchaus dunkle Seiten, wie in diesem Album deutlich gemacht wird, doch wird man dem genialen Wissenschaftler niemals irgendeine Unredlichkeit unterstellen wollen. Sein Lebenslauf bleibt dennoch nicht frei von sehr leidvollen Erlebnissen. – Blair, Pankatius' Partnerin und Geliebte, erwartet 1941 ein Kind von ihm. Sie will das Kind angesichts der ihr bevorstehenden Karriere zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. "Ich möchte frei sein in meiner Entscheidung, wann und wie ich ein Kind haben werde." Sie stirbt beim Schwangerschaftabbruch. Pankratius beginnt infoge dieses Dramas, nach Möglichkeiten der Empfängnisverhütung zu suchen. – 1951 erhält der Graf von Rummelsdorf Besuch von der Frauenrechtlerin Margaret Sanger, einer historischen Figur, die sich in der Familienplanung engagierte und für Geburtenkontrolle einsetzte. Sie schafft es, Pankratius dazu zu bewegen, seine Ergebnisse ihr und den LeserInnen dieses Comics zu erklären. Jetzt muss dieses Wissen nur noch zu Spezialisten in die USA gebracht werden, was eine abenteuerliche Reise bedeutet, die Margaret und Pankratius heil zu überstehen haben. Zwei finstere Figuren sind ihnen bereits auf den Fersen.

 
Ray Fawkes/Gabriel Guzman: Avatar - Frontiers of Pandora: So'leks Reise Avatar - Frontiers of Pandora: So'leks Reise (Ray Fawkes/Gabriel Guzman, Panini 2025, 132 S., SC, farbig)
Den Mitte Dezember in den deutschen Kinos gestarteten dritten Teil der "Avatar"-Filmreihe von James Cameron sahen sich bei uns bereits in der Startwoche 1,4 Millionen KinogängerInnen an. Die Atmosphäre jener fernen Wunderwelt auf dem Mond Pandora übt noch immer ihren Reiz aus, der außer von der augenfällig unverdorbenen Natur wohl hauptsächlich von der Reinheit der langgliedrigen, blauen Naturwesen auszugehen scheint, denen als Opfer eines rücksichtslosen, terrestrischen Bergbauunternehmes unsere Sympathien gehören (s. auch Avatar: Der nächste Schatten). – Im Comic bieten sich weitere Möglichkeiten, in die Welt der Clans auf Pandora Einblick zu nehmen. Das machen die Autoren durch eine Wanderung deutlich, die der Na'vi-Krieger So'lek, der letzte Überlebende seines Clans, zu anderen Gruppen unternimmt. Als seine erste Aufgabe sieht er es an, sich einem gefährlichen Palulukan schadlos nähern zu können. Er erfährt bald, dass er dieses Ziel nicht ohne die Hilfe eines guten Handwerkers erreichen wird. Während Herkules einst den Nemeischen Löwen durch unbändige Kraft niederrang, so weiß So'lek, dass Gewalt nicht hilft. Er versucht es eher wie Androklus, der seinem Löwen einen Stachel aus der Pfote zog. So'lek hat auf Pandora seinen eigenen Weg zu suchen.

 

Dezember 2025


Kokopello: Europa, die EU und ich - Eine Reise ins Herz der europäischen Politik und Kultur Europa, die EU und ich - Eine Reise ins Herz der europäischen Politik und Kultur (Kokopello, Knesebeck 2025, 192 S., SC, farbig)
Sehr erfreulich, dass sich der Comicreporter Kokopello vorgenommen hat, von der Aufgabenteilung innerhalb der Europäischen Union (EU) zwischen der Europäischen Kommission in Brüssel, dem Europäischen Parlament in Straßburg und dem Europäischen Rat (nicht zu verwechseln mit dem Europarat) durch die von ihm gewonnenen Einsichten und Zeichnungen zu berichten. Zwei Jahre lang war Kokopello dafür in diesen EU-Gremien und in acht EU-Ländern unterwegs. Schnell merkt der Lesende, dass die Organisation eines gerechten Miteinanders von 27 Staaten einigen Aufwand bedeutet. Gegeneinander ist natürlich einfacher. Die Erfahrung unseres Alltags lehrt eigentlich, dass man in einer solidarischen Gemeinschaft für alle mehr erreicht, als auf sich allein gestellt zu sein. Man mag da an die Raiffeisen-Idee, an den NABU oder an die Hausratversicherung denken. Dennoch gefällt es gewissen Gruppen von Menschen, auf "die da in Brüssel" zu schimpfen, sich fragwürdigen Parolen wie "Nein zum Diktat aus Brüssel" anzuschließen, sich womöglich dabei auch noch chauvinistischen Dumpfheiten hinzugeben. Nachdenken ist anstrengend. – Seine Reise führt Kokopello im November 2023 auch in die Ukraine, was Gelegenheit gibt, über deren etwaige Mitgliedschaft in der EU nachzudenken. Auch andere Probleme und Kuriositäten macht der Autor sichtbar, etwa über antieuropäische Parteien, die sich aber dennoch ins EU-Parlament wählen lassen. Die Diäten locken. Interessant ist auch das Kapitel, in dem man von der Arbeit Thierry Bretons erfährt, dem vormaligen EU-Kommissar für den EU-Binnenmarkt. Er wurde zuletzt dadurch geadelt, dass er ein Einreiseverbot in die Trump-USA erhielt. Kopf hoch, Europa!

 
Zeb Wells/Kaare Andrews: Marvel Must-Have 112: Spider-Man/Dr. Octopus - Das erste Jahr Marvel Must-Have 112: Spider-Man/Dr. Octopus - Das erste Jahr (Zeb Wells/Kaare Andrews, Panini 2025, 124 S., HC, farbig)
Mit seinen vier Extra-Armen gehört Dr. Octopus (d.i. Dr. Otto Octavius) zu denjenigen Schurken in der Marvel-Welt, dessen Fähigkeiten auf eher unglaublichen Ursachen gründen. Seine Tentakelfertigkeiten werden auf Radioaktivität und ein neuronales Interface zurückgeführt. Man kritisiere diesen kurios-physikalischen Einfall Stan Lees und Steve Ditkos aus dem Jahr 1963 aber nicht zu früh, denn auch Spider-Man ist letztlich Produkt eines radioaktiven Phänomens, wie alle Welt weiß, und die indische Göttin Durga hat ja auch vier bis zwanzig Arme. – Da gefiel es 2004 einem anderen Autorenpaar, die Verknüpfung von "Doc Ock" mit seinen Armen noch einmal neu zu erzählen, dieses Mal von Grund auf und im Rahmen einer Spider-Man- Erzählung auch gelungen nachvollziehbar. Interessant ist nun, dass die Arme als eine Verlängerung des eigenständig Unterbewussten von Otto zu verstehen sind, so dass die Frage nach der Verantwortung für die geplanten Taten aufkommt: Ist nun Dr. Octopus daran schuld, wenn er eine ganz üble Sache angeht, oder sind es seine Arme, oder ist es seine miese Kindheit als zu bemitleidender Nerd mit andauernd zerbrochener Brille? Dabei bleibt erstaunlich, dass sich später Mary Alice Anders für den genialen Otto (tolle Röntgen-Szene!) zu erwärmen scheint, vielleicht ist auch das ein radioaktives Phänomen.

 
Frédéric Brémaud/Alberto Zanon: Agatha Christie: Die Morde des Herrn A.B.C. - Ein Poirot-Krimi Agatha Christie: Die Morde des Herrn A.B.C. - Ein Poirot-Krimi (Frédéric Brémaud/Alberto Zanon, Carlsen 2025, 64 S., HC, farbig)
Jemanden als Mörder gefasst zu haben, das genügt einem Hercule Poirot selbstverständlich nicht. Man müsse sich Poirot zufolge auch über die Motive des Täters Klarheit verschaffen. Die Beweise dafür, dass Alexander Bonaparte Cust der gesuchte Serienmörder ist, sind "erdrückend", stellt Captain Hastings, Poirots Begleiter und Bewunderer, sachlich fest. Poirot zweifelt: "Die Tatsache, dass er auf der Anklagebank sitzt, stellt keinen Sieg dar!" Poirots sehr ernst zu nehmende Intuition verlangt nach weiteren Überlegungen zu den Morden an Mrs. Asher in Andover, an Elizabeth Barnard in Bexhill und an Sir Carmichael Clarke in Churston. Bei der Auswahl seiner Opfer dem Alphabet folgend kündigt der Mörder seine Taten dem berühmten belgischen Kriminalisten so an, als ginge es ihm darum, Poirot an der Nase herumzuführen. Das aber sollte man sich bei dem scharfsinnigen Ermittler nicht erlauben, der nun beim Buchstaben D angekommen, einen Mord in Doncaster zu erwarten hat.   Wie bei der Aufklärung von Agatha Christies Mordfällen nicht unüblich, kommt es letztlich dazu, dass sich ein Kreis mit den Verdächtigen in einem Raum zusammenfindet, um sich der unfehlbaren Kombinationsgabe des Kriminalisten zu stellen, der dieses Mal sogar auf Strümpfe achtet.

 
Mike Johnson/Andres Guinaldo: Blade Runner 2039, Band 2: Upgrade Blade Runner 2039, Band 2: Upgrade (Mike Johnson/Andres Guinaldo, Panini 2025, 112 S., SC, farbig)
Der kompromisslosen Blade Runnerin Luv (s. Blade Runner 2039, Band 1) wird durch den machthungrigen Widerling Niander Wallace eine noch schlagkräftigere Replikantin zur Seite gestellt: Ashina. Als deren Vorteil wird unbedingter Gehorsam, körperliche Überlegenheit und, im Unterschied zu ihrer menschlichen Namensgeberin Detective Aahna "Ash" Ashina, das Fehlen von menschlichen Regungen wie etwa Mitgefühl gesehen. So rückt der Hersteller dieser Humanoiden zur Ausweitung seiner Machtfülle von dem Ziel ab, diese dem natürlichen Vorbild möglichst perfekt nachzuformen. Immerhin ist Wallace' Replkanten als Sperre noch die Beachtung des ersten Robotergesetzes mitgegeben, wonach ein Replikant keinen Menschen töten darf. Was aber als zukünftige Bedrohung zu befürchten ist, das kennt man schon aus dem allerersten Roboterroman "I Robot": Wenn die Replikanten in der Lage sein werden, ihren eigenen Nachwuchs zu gebären, dann braucht man sich seine Roboterarmee nicht mehr "bauen", sondern sie stellt sich dank eigener Fruchtbarkeit selbst her. Wallace nimmt an, dass sich in Cleo Selwyns DNA die Lösung für die von ihm angestrebte Replikantenfruchtbarkeit finden lässt. Er schicht Luv los, um Cleo zu fangen. Doch Ash setzt alles daran, diesen Plan zu verhindern.

 
Junji Ito: Soichi - Nägel mit Köpfen Soichi - Nägel mit Köpfen (Junji Ito, Carlsen 2025, 418 S., HC, schwarzweiß)
Bei Blutarmut an Metallnägeln kauen, das soll gegen den verursachenden Eisenmangel helfen. So wird jedenfalls begründet, warum der Junge Soichi Tsujii dauernd welche im Mund hat. Ihm gefällt offensichtlich, dass er andere damit erschrecken, beißen oder sogar beschießen kann. Es freut ihn, dank seiner unerklärlichen, übersinnlichen Fähigkeiten Verwandte, Mitschüler und Lehrer leiden zu lassen. Mit Nägeln in Voodoo-Puppen oder auch Avatar-Puppen und Flüchen schafft er es, seinen krankhaften Rachegelüsten erschreckend erfolgreich nachzukommen. Zum Glück kann ihn sein Bruder Koichi gelegentlich aufhalten, wenn sein Verhalten unerträglich wird. – Als Michina und Yusuke, Cousine und Cousin von Koichi und Soichi, die Sommerferien bei Familie Tsujii verbringen, werden sie unweigerlich mit Sochis dissozialer Persönlichkeit konfrontiert. Die zwölfjährige Michina zeigt sich jedoch recht unerschrocken und lässt sich von Soichi die Butter nicht vom Brot nehmen. Sie wehrt sich und langt zu, was bei jemandem mit Nägeln im Mund deutliche Spuren hinterlässt. – Der Autor gliedert seine Darstellung des gruseligen Jungen Soichi in zehn Episoden, in deren Verlauf sich der Lesende fragt, was es für ein Ende mit dem Fiesling nehmen wird. Es sei verraten, dass es Soichi mit einem unglaublichen Horrormodel zu tun bekommt.

 
Bernie Wrightson/Stephen King: Creepshow - Nach dem Film von George R. Romero Chris Burnham/David Lapham/John McCrea/Erica Henderson/Francesco Franc: Creepshow - Tales of Suspense and Horror, Band 1 Nick Dragotta/Michael Walsh/Becky Cloonan/Garth Ennis: Creepshow - Tales of Suspense and Horror, Band 2 Creepshow - Nach dem Film von George R. Romero (Bernie Wrightson/Stephen King, Splitter 2021, 72 S., HC, farbig)
Creepshow - Tales of Suspense and Horror, Band 1 (Chris Burnham/David Lapham/John McCrea/Erica Henderson/Francesco Francavilla/Dani/Paul Dini et al., Splitter 2025, 128 S., HC, farbig)
Creepshow - Tales of Suspense and Horror, Band 2 (Nick Dragotta/Michael Walsh/Becky Cloonan/Garth Ennis, Splitter 2025, 128 S., HC, farbig)
Horrorcomics, Gruselgeschichten, Magazine von "Menschenblut" bis "Horrorschocker", Buchreihen wie Skywald's Horror Comics oder die Schauerstories von Junji Ito, die zahlreichen Spielarten von Comics zum Fürchten wurden nicht zuletzt bei einer Ausstellung im Dortmunder schauraum und im zugehörigen, umfangreichen Katalog vorgestellt. Noch immer findet man neue Schauergeschichten im Bahnhofsbuchhandel und im Comicshop. Wie uns Charon, der düstere Fährmann, durch die Horrorschocker führt, so begleitet der Creep die LeserInnen in der "Creepshow". Bernie Wrightson zeichnete diese Show 1982 als Begleitcomic zum gleichnamigen Film. Vor wenigen Jahren erschienen die fünf unheimlichen Geschichten des Comics in einer Neuausgabe ergänzt um acht Seiten Informationen zu Film und Comic und zur Einordnung der Erzählgegenstände in die damalige Zeit mit ihren seltsamen Moralvorstellungen. Damit ist die Creepshow jedenfalls nicht zu Ende gegangen. Der Creep weiß seit 2022 in einer US-Heftserie von neuem Horror zu erzählen, zum Beispiel vom Shingo, der zur Belustigung eines Kindergeburtstags engagiert wird. Zum Glück lässt er sich aufschlitzen. Die neuen Erzählungen sind in mittlerweile zwei Anthologien versammelt, zu denen recht unterschiedlich ansetzende Autoren beitragen. Oft geht es um die entsetzlichen Folgen eines Fehlverhaltens, als hätte man es mit einer Fortsetzung des "Struwwelpeter" zu tun. Aber Zutaten wie Zombies, Halluzinationen und ein quälend schlechtes Gewissen führen die Lesenden weit in die schaurige Welt eines vermeintlich harmlosen Alltags hinaus.

 
Tom King/Phil Hester: Gotham City - Das erste Jahr Gotham City - Das erste Jahr (Tom King/Phil Hester, Panni 2025, 212 S., HC, farbig)
Die Erwartungen der LeserInnen auf links drehen, das schafft der Autor Tom King in diesem Buch gleich mehrfach. Denkt der Batman-Kundige an die Crime Alley, an das Schicksal von Thomas und Martha Wayne, den Eltern von Bruce Wayne, an das sicherlich hart erarbeitete gigantische Vermögen der Familie, an die erstaunliche Bathöhle unter Wayne Manor, dann neigt der Lesende dazu, auch Batmans Großeltern, Constance und Richard Wayne, mit Neugier und Respekt zu begegnen. Sie haben offenbar Großes für Gotham geschaffen. Derart voreingenommen eingestimmt erfährt man von der Entführung der dreijährigen Tochter von Constance und Richard, von Helen Wayne, der Prinzessin von Gotham. Haben die Waynes etwa auch schon vor den grausigen Morden in der Crime Alley große Schicksalsschläge hinnehmen müssen? – Es ist der Privatdetektiv Samuel "Slam" Bradley, der in den Entführungsfall verwickelt wird. Er ist ein harter Hund, hält Prügel aus, wenn es der Sache dient, und teilt Prügel aus, wenn ihn letztlich die rechte Wut packt. Eines Tages steht Sue bei ihm in der Tür und engagiert ihn, der Familie Wayne einen Brief zu überbringen. Mit diesem Brief beginnt für Bradley die schmerzhafte Suche nach Helen und für uns eine tolle Story mit überraschenden Wendungen.

 
Kas/Mythic: Halloween Blues 3: Trügerische Erinnerungen Halloween Blues 3: Trügerische Erinnerungen (Kas/Mythic, Schreiber & Leser 2025, 48 S., HC, farbig)
Vor der Küste Kaliforniens explodiert ein Motorboot. Die Leiche einer der beiden Frauen, die an Bord waren, wird geborgen und untersucht. Sie starb nicht an der Explosion, sondern durch ein Metzgermesser. Was ist geschehen und wo ist die andere Frau geblieben? Mit diesem Fall bekommt es Kriminalinspektor Forester Hill auf seltsamen Umwegen zu tun. Noch immer und täglich beschäftigt ihn der Mord an seiner eigenen Frau Dana Anderson, die er mit ihrem auffälligen roten Kleid weiterhin an seiner Seite wahrnimmt, die für andere jedoch unsichtbar bleibt (s. Halloween Blues Bände 1 und 2). – Eine aufregende Ablenkung von seinen Grübeleien erlebt er, als ihn Fiona Offerman aufsucht, die ihn bittet, Nachforschungen in ihrer Familiengeschichte anzustellen. Ein Fotoalbum lässt den Verdacht aufkommen, sie hätte eine Zwillingsschwester. Seine Neigung zur Lösung kurioser Fälle, lässt ihn wie Sherlock Holmes auf Spurensuche gehen. Fiona und er landen in Pine Creek, einem Ort, wo die Polizei Fiona Offerman sogleich als eine gesuchte Fiona Duval erkennt und festnimmt. Ob das die vermutete Zwillingsschwester ist? Nach und nach verliert Forester die professionelle Distanz zu Fiona. Ach, würde er doch nur besser auf seine geistergleiche Dana hören!

 
Tom King/Daniel Sampere/Guillem March et al: Wonder Woman [4. Serie] 2: Das Lasso der Lügen Tom King/Daniel Sampere/Bruno Redondo et al.: Wonder Woman [4. Serie] 3: Wut Wonder Woman [4. Serie] 2: Das Lasso der Lügen (Tom King/Daniel Sampere/Guillem March et al, Panini 2025, 188 S., SC, farbig)
Wonder Woman [4. Serie] 3: Wut (Tom King/Daniel Sampere/Bruno Redondo et al., Panini 2025, 180 S., SC, farbig)
Eine starke Frau, einzuordnen zwischen mythischer Figur und Superheldin, Diana Prince wird den in sie gesetzten Erwartungen als Wonder Woman in ihrer Erzählwelt und bei ihren LeserInnen gerecht. In ihre 4. Serie startete die Amazonenprinzessin als Rebellin (s. Wonder Woman 1), die sich gegen ihre Ausweisung aus den USA wehrt, ein offensichtlich aktuelles Thema. Zum Lasso der Lügen, dem Hauptrequisit des zweiten Bandes, lässt sich ebenfalls ein aktueller Bezug herstellen: Im Unterschied zum Lasso der Wahrheit, welches den damit Umschlungenen unweigerlich die Wahrheit entlockt, dient das Lasso der Lügen dazu, den damit Eingewickelten Lügen als wahr empfinden zu lassen. Das lässt an die Opfer denken, denen gefangen in ihren Social-Media-Blasen ein X für ein U vorgemacht wird. Welche Schrecken Wonder Woman zu überstehen hat, wenn der amerikanische Schattenkönig Henry Charles, der sogenannte Souverän, sie mit diesem Lasso malträtiert, wird im vorderen Teil des zweiten Bandes erzählt, während der hintere Teil schlichtere WW-Geschichten bietet. – Gegen den Souverän, eine Figur, die sehr wohl als Anspielung auf denjenigen, der sich derzeit wie der König der USA gebärdet, gelesen werden kann, treten im dritten Band die Wonder Girls (das sind Cassie Sandsmark, Donna Troy und Yara Flor) und Cheetah (d.i. hier Barbara Minerva) an. Doch bevor man dem Superschurken die Tür zum Oval Office eintreten kann, durchsteht Diana bezüglich ihrer große Liebe zu Steve Trevor sehr quälerische Momente. Es gewinnt die Gewissheit Oberhand, dass man auf sich allein gestellt, nicht weit kommt. Die Wonder Girls halten zusammen. Erfreulich, dass auch Detective Chimp im Stile des Inspektors Columbo dem Souverän nachstellt, auch wenn dieser das Gewese um Bananen sehr richtig als Affentheater abtut. Chimp ringt um eine Entschuldigung: "Ich bin ein Schimpanse. Reden ist nicht meine Muttersprache."

 
Frédéric Lenoir/Anne-Lise Combeaud: Oh Gott! Über Religionen, Gottheiten und den Glauben auf der ganzen Welt Oh Gott! Über Religionen, Gottheiten und den Glauben auf der ganzen Welt (Frédéric Lenoir/Anne-Lise Combeaud, Knesebeck 2025, 224 S., HC, farbig)
Die ganze Gechichte der Menschheit ab 90.000 v. Chr. verknüpft mit ihren jeweiligen Gottesvorstellungen, das ist ein weiter Bogen, den der Autor durch die erstaunlichen Götterwelten schlägt, in denen die Menschen sich in ihrer jeweiligen Zeit zurechtzufinden hatten. Und dabei werden Wodan und Thor sogar übersprungen. Es gibt bereits genug zu erzählen allein zur Entstehung eines Gottesbildes und dessen nachfolgende Entwicklung bei den Urvölkern, bei den Griechen, bei den Ägyptern, bei den Indern und Iranern bis hin zum Judentum, Christentum und Islam. Es werden die Entstehungsmythen der monotheistischen Religionen nacherzählt und auch die Frage beantwortet, wohin den Menschen heute die Suche nach Göttlichem führt(e). – Zwei Einfälle kennzeichnen diese Gesamtschau durch die religiösen Universen. Zum einen lässt man Gott selbst den Erzähler der Geschichte sein, unterstellt damit gleichsam, dass es im Grunde immer dasselbe an Schutzgebenden ist, dem sich der Mensch in bestimmten Situationen zuwendet. Zum anderen ist die seitenstarke Graphic Novel in einem karikierenden Stil gezeichnet und in den Sprechblasen auch so getextet, durch den das Lesen unterhaltsam wird und durch den die Autoren andeuten, dass man Religion im Spiegel des Ganzen leichter nehmen kann, als sie für manchen ist.

 
Fabcaro/Didier Conrad: Asterix 41: Asterix in Lusitanien Asterix 41: Asterix in Lusitanien (Fabcaro/Didier Conrad, Egmont 2025, 48 S., SC, farbig)
Dieses Mal ist Lusitanien, das ungefähr dem heutigen Portugal entspricht, Schauplatz für den Einsatz der unbeugsamen Gallier aus dem kleinen "Dorf der Verrückten" gegen die römischen Besatzer. Dabei kommt uns die Ausgangssituation bekannt vor: Ein Abgesandter aus einem fernen Land erreicht das Dorf und bittet um Hilfe. Asterix und Obelix machen sich wie selbstverständlich auf die weite Reise. Enttäuschend zwar, dass dort in Lusitanien statt saftigem Wildschwein getrockneter Kabeljau aufgetischt wird, aber zum Ausgleich lassen sich die örtlichen römischen Gefängniswärter erstaunlich einfach durch lusitanischen Gesang vertreiben. Es gilt nämlich, zugunsten des lusitanischen Garum-Produzenten Schaõprozes gegen den garummonopolschaffenden Intriganten Fetterbonus vorzugehen, an dessen Seite sich, wenig überraschend, Marcus Zuckergus und Elonmus aufhalten. – Mit einer weltweiten Auflage von 5.000.000 Exemplaren geht das neue Asterix-Album an den Start. Die zeichnerische Arbeit stützt sich auf Fotos, die der Autor von seiner Portugalreise mitgebracht hat. Diese setzte der bewährte Zeichner in Panels um, die für eine stimmige Atmosphäre sorgen. Die typische portugiesische Wegpflasterung hat es den Autoren offenbar sehr angetan, so dass diese es zusammen mit dem trocknenden Kabeljau auf das Titelbild des neuen Albums schaffte.

 
Daniela Schreiter: Herzlichen Glückwunsch, es ist Autismus! - Selfcare-Tipps und mehr für neurodivergente Menschen Herzlichen Glückwunsch, es ist Autismus! - Selfcare-Tipps und mehr für neurodivergente Menschen (Daniela Schreiter, Panini 2025, HC S., 84, farbig)
Der Comiczeichnerin Daniela Schreiter kommt das Verdienst zu, durch ihre erfolgreiche, dreibändige Reihe "Schattenspringer" die Phänomene des Autismus und dabei insbesondere das autistische Spektrum eingehend und verständlich beschrieben zu haben. Mit "Fabulöse Fakten" versuchte sie sich an der Vermittlung wissenschaftlicher Erklärungen zu Erkenntnissen aus Biologie, Medizin und Astronomie, kehrte mit "Lisa und Lio - Das Mädchen und der Alien-Fuchs" aber zu ihrem Ausgangsthema zurück und schuf zwei hilfreiche Bände für jüngere Leser. – In ihrem neuen Buch stellt Schreiter Begriffe vor, mit denen sich Teile des Verhaltens autistischer Mitmenschen gut beschreiben lassen. Zu diesen "neurodivergenten Besonderheiten und Verhaltensweisen" rechnet sie das "autistic nesting", also die Schaffung eines vertrauten Rückzugsortes, eines "sensorischen und emotionalen Safe Space", wie sie schreibt. Mit den Fachbegriffen "Mealprep", "Stimming", "Scripting" und "Autistic Burnout" erläutert sie weitere Spezifika. Die mit großen Buchstaben geschriebenen Texte illustriert die Autorin mit treffenden Zeichnungen. Da sitzt zum Beispiel eine junge Frau auf ihrem Bett und klagt: "Oje, heute habe ich nur neun Löffel." So lässt sich die Löffeltheorie verstehen.

 
Brian Augustyn/Mike Mignola/P. Craig Russell/Eduardo Barreto et al.: Batman: Gotham by Gaslight und andere Geschichten Batman: Gotham by Gaslight und andere Geschichten (Brian Augustyn/Mike Mignola/P. Craig Russell/Eduardo Barreto et al., Panini 2025, 180 S., HC, farbig)
Batman als verurteilter Mörder im Arkham Asylum, Batman im Kampf mit dem Degen gegen einen Luftschiffkommandanten, das macht der Autor Brian Augustyn möglich, indem er vorgibt, dass Bruce Wayne (resp. Batman) in einer Zeit lebt, als die Straßenbeleuchtung in Gotham noch nicht elektrisch ist. Der Vorzug der ersten Story besteht darin, dass sie uns über Jack the Ripper aufklärt und zudem eine schlüssige Ursprungsgeschichte für die spätere Batman-Saga liefert. Hier bezieht sich das gefühlt gerechte Ende auf den mörderischen Anfang. – Die zweite Story nimmt sich in Fortsetzung der ersten der weiteren Tätigkeit Batmans an. Bruce Wayne sucht im Gespräch mit seinem treuen Alfred nach seiner künftigen Rolle als Vigilant. Das ist vor allem wegen Bruces Verlobter Julie Madison zu überdenken. Julie hält jedenfalls viel von ihrem "Bat-Man": "Wir brauchen einen Beschützer... der an der Klippe wacht... der uns vor dem Abgrund rettet..." Doch ausgerechnet jetzt, als die von Bürgermeister Tolliver geplante Weltausstellung eine Unzahl von Kriminellen nach Gotham bringen wird, zieht sich Batman als Verbrechensbekämpfer zurück. – Neben den beiden Erzählungen von Augustyn enthält das Buch noch drei "andere Geschichten", die im Zusammenhang mit dem Buchtitel kaum als Lückenfüller taugen, aber die variantenreiche, zeichnerische Arbeit von Mike Mignola vor Augen führen.

 
Sean Murphy: Zorro - Die Legende lebt Zorro - Die Legende lebt (Sean Murphy, Splitter 2025, 128 S., HC, farbig)
Als moderne Interpretation der legendären Zorro-Geschichten wird dieser Band beschrieben. Dazu gehört allerdings nicht, dass Zorro nun mit dem "Schwert", wie es immer wieder im Comic heißt, gegen die Ausbeuter der Bevölkerung kämpft, nein, auch der jetzige Diego de la Vega ritzt sein Z mit dem - vom originalen Zorro geerbten - Degen in die Brust des Gegners. Derart blutig markiert muss sich der hünenhafte Trejo bei seinem Chef El Rojo vom ersten Zusammentreffen mit Zorro zurückmelden. El Rojo hat allen Bauern der Region befohlen, nur noch Mohn anzubauen, nichts anderes. Um seine Anordnungen durchzusetzen, schickt er Trejo und seine Spießgesellen los. Gegen deren moderne Waffen kommt man mit dem Degen eigentlich nicht an. Aber Diegos Schwester Rosa greift ein. – Das "Moderne" an dieser Zorro- Erzählung ist zum einen, dass es um Drogenhandel geht, zum anderen, dass ein Geschwisterpaar im Mittelpunkt steht, welches in verschiedenen Welten zu Hause ist. Diego glaubt sich mit seinen Vorstellungen aus der Vergangenheit, seinem Pferd Tornado und dem Fuchs Bandido gegen die Kriminellen durchsetzen zu können, Rosa muss mit ihrem Realitätssinn dagegenhalten und die Kastanien aus dem Feuer holen. Das wird für sie schmerzhaft werden.

 
Andrzej Sapkowski/Magdalena Salik/Tommaso Bennato: The Witcher: Der Rand der Welt The Witcher: Der Rand der Welt (Andrzej Sapkowski/Magdalena Salik/Tommaso Bennato, Panini 2025, 60 S., HC, farbig)
"Es gibt keine Teufel, zum Teufel! Mh-mmm. Aber ich lasse mir die Chance nicht entgehen, etwas zu sehen, das es nicht gibt." Geralt von Riva, der Hexer, verdient seinen Lebensunterhalt damit, dass er Wesen vertreibt, die von den Leuten als Bedrohung gesehen werden. Gegen Hirngespinste tritt er dabei natürlich nicht an, aber dort draußen am Rand der Welt wird er jetzt auf ein echtes Monster angesetzt. Man bezahlt ihn, verlangt aber, dass er den "Deubel" nicht tötet. Er macht sich zusammen mit seinem Begleiter Rittersporn, dem Barden, zu jenem Feld im Tal der Blumen auf, in dem sich der Unhold aufhält. Mit Hexerei kann Geralt dem vermeintlichen Ungeheuer in diesem Feld nicht beikommen, aber er lässt zur Überraschung von Rittersporn auch sein Schwert am Feldrand zurück. Will er den Teufel etwa mit bloßen Händen in seine Gewalt bringen? – Dieser Fantasy-Comic hält für die Lesenden einige Überraschungen bereit. Diese gehen sowohl von den an den Rand der Welt verdrängten Elfen aus, aber auch von der Autorin selbst, die der klassischen Situation sich feindlich gegenüberstehender Fantasy-Figuren nicht gleich ein Gemetzel folgen lässt und die (vielleicht etwas zu plump) vermittelt, dass man vom äußeren Schein nicht vorschnell auf den Charakter eines Wesens schließen sollte.

 
Jean Dufaux/Philippe Wurm: Die Affäre Claudius Die Affäre Claudius (Jean Dufaux/Philippe Wurm, Schreiber & Leser 2025, 98 S., HC, farbig)
Lady Elza Rochester hat durch eine Eheschließung mit Charles Montgomery Pendrock eine reiche Erbschaft zu erwarten. Doch Charles' Erbtante Lady Edwina knüpft an den erhofften Geldsegen eine Bedingung: erst muss ihr Neffe mit Elza für Nachwuchs sorgen. Doch Sex mit einer Frau zu haben, das ist für den schwulen Charles unvorstellbar, selbst wenn sich dadurch seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag in Luft auflösen würden. Bei den Geschehnissen rund um die problematische Heirat kommt der Lakai Appleby zu Tode. Damit beginnt eine Kriminalgeschichte, in der sich der Ex-Mann von Elza, der Sportreporter Jack Lord, und ein mysteriöser Ermittler und Müllschnüffler namens Feet auf die Fersen von Charles heften, um Elza zu beschützen. Sie stoßen auf Lone Turkey, einem Ganoven, der mit Wettspielen sein Geld macht. Bei ihm ist Charles unter dem Namen Claudius bekannt, womit sich der Titel des vorliegenden Bandes erklärt. – Dieser Krimi, der in Adelskreisen des britischen Königreichs angesiedelt ist und der auch deren mitleidlosen Umgang mit dem Personal aufzeigt, erinnert an typische Geschichten in diesem Millieu, in denen eine ganze Reihe von Figuren, wie hier zum Beispiel Charles' Handlanger Philip oder der monokeltragende Soames auftreten, die den LeserInnen nicht zu früh die Hintergründe der Morde erraten lassen. Das ist gut gemacht und lässt uns für Elza nur das Beste hoffen.

 
Brian Michael Bendis/Sara Pichelli/Mark Bagley et al.: Marvel Must-Have 107: Spider-Men II Marvel Must-Have 107: Spider-Men II (Brian Michael Bendis/Sara Pichelli/Mark Bagley et al., Panini 2025, 132 S., HC, farbig)
Die einschneidenden Folgen der Einflussnahme auf Erde-616 und Erde-1610 durch Parallelpersonen des jeweils anderen Universums bleiben eine gefährliche Sache (s. auch die ersten "Spider-Men" in dieser Hardcover-Reihe), selbst wenn sie sich wegen einer Art Liebe ergeben. Der Schriftzug auf der Titelfigur spricht bereits Bendis... äh.. Bände: "Who is the other Miles?" Wir erinnern uns: Miles Morales ist als Spider-Man auf Erde-1610 aktiv, bildet nun aber mit Peter Parker von Erde-610 ein klebriges Team bei der Abwehr von Unmenschen. Dazu zählt auch Taskmaster (d.i. Tony Masters), ein schurkischer Agent mit fotografischen Reflexen. Doch wer hat Taskmaster angeheuert? Und wie kann man diesen Söldner aufhalten? Die Spider-Men spüren Taskmasters Fähigkeiten, als sie gefesselt von der Decke hängen. – Im Laufe der Handlung kommen einige Barbaras ins Spiel, die es sauber auseinanderzuhalten gilt. Da ist zum einen Barbara Rodriguez, eine dunkelhaarige Mitschülerin von Miles, mit der es etwas werden könnte. Und dann tauchen zwei blonde Barbara Sanchez auf, die eine auf Erde-616 und die andere auf Erde-1610. Auch zwischen den beiden blonden Barbaras und Miles funkt es. Kann das denn sein? Na klar, das eine ist unser Miles, das andere "the other Miles".

 
Marc-Uwe Kling/Bernd Kissel: Elon & Jeff on Mars Elon & Jeff on Mars (Marc-Uwe Kling/Bernd Kissel, Carlsen 2025, 80 S., HC, farbig)
"Wenn ich irgendwo ins Kino will, dann kaufe ich mir eins". Jeff Jezos und Elon Dusk wetteifern darin, wer wie exzentrisch sein Geld verprassen kann. Die beiden Ultrareichen haben sich einen Wettstreit geleistet, wer von ihnen zuerst auf dem Mars landen wird. Das hat keinen wissenschaftlichen Grund, aber man macht das, weil man es kann. Als Jeff siegessicher auf dem Mars eintrifft, nach einem Raumflug mit allem erdenklichen Luxus, währt sein Jubel nach der Landung aber nur kurz: Elon ist schon da! Und der hat sich sogar Matt Damon mitgebracht, der ihm den Marsianer vorspielen kann, falls ihm einmal langweilig werden sollte. – Mit gelungenen, sehr witzigen Einfällen nehmen die Autoren das Verhalten der beiden Multimilliardäre so auf die Schippe, wie man es sich gern vorstellen mag: als Wettkampf zweier Jungen in der Sandkiste. Elon errichtet sogar einen symbolischen Trennzaun zwischen den Marsgrundstücken von ihm und Jeff. Doch wie weittstreitende Jungen beim Spielen im Sand, so kommt es auch in den Weiten des Marssandes zu einer Annäherung der beiden Konkurrenten. Zunächst baut Elon in seinen Grenzzaun ein Gartentor ein. Sie verbringen einen ersten Abend miteinander und tauschen Einsichten aus: "Ich finde, kein Mensch auf der Erde braucht mehr als 200 Milliarden Dollar!" Und dann streiten sie sich, wer den Abwasch macht.

 
André Taymans/Elisabetta Barletta: Miss Tattoo 1: Die Erbin Miss Tattoo 1: Die Erbin (André Taymans/Elisabetta Barletta, Schreiber & Leser 2025, 48 S., HC, farbig)
Ein golfspielender, blonder und rücksichtsloser Präsidentschaftkandidat mit roter Baseballkappe namens Duck, der üble Machenschaften am Laufen hält, eine dunkelhäutige Vizepräsidentin, die sich um einen angeblich gefälschten Arztbericht zum Gesundheitszustand des Präsidenten kümmern muss, dieser Politkrimi spart nicht mit Anspielungen auf sehr wohl denkbare Vorgänge in den USA. – FBI-Agent Gary Scott gibt Vanina "Miss Tattoo" Lao am Grab ihrer Halbschwester Caroline Baldwin den Schlüssel zu Carolines Haus. Vanina ist die Erbin. Inspektor Philips vom New York Police Department, ein Freund von Gary, kommt in dem Moment an dem Haus vorbei, als Vanina dort eintrifft und es vollkommen durchwühlt vorfindet. Auf der Suche nach dem Grund für diesen Einbruch trifft man bei Wilsons Investigations, Carolines damaligen Arbeitgeber, zu der Zeit ein, als dort die Leiche einer Person aufgefunden wird, die angeblich seit zwanzig Jahren tot ist. – Dieser erste Teil einer spannenden Erzählung bringt redliche Polizisten, politische Winkelzüge, die chinesische Mafia, eine Selbstmordsekte und eine großflächig tätowierte Besitzerin einer Girlie-Bar in Bangkok zusammen. Als mysteriöses Element kommt der lebhafte Auftritt einer Catwoman hinzu. Trotz dieser ungewöhnlichen Zutaten, sind Geschichte und Zeichnung klar lesbar.

 
4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse</strong> (4. Serie) 3: Zwischen Gut: Harley Quinn (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse Harley Quinn (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse (Tini Howard/Natacha Bustos/Sweeney Boo/Erica Henderson et al., Panini 2025, 252 S., SC, farbig)
Ob die Geburtstagsüberraschung, die sich Ivy (d.i. Poison Ivy aka Dr. Pamela Isley) für ihre Harley (d.i. Harley Quinn aka Dr. Harleen Quinzel) ausgedacht hat, wirklich gelungen ist, darüber lässt sich nachdenken. Ivy will mit Pam eine ganze Nacht lang "unartig" sein. Pam gefällt das. Dazu geht es in eine Schokoladenfabrik, für deren Kakaoanbau ganze Landstriche entwaldet werden. Mit Hilfe von Schimmelpilzen lässt man die Fabrik in sich zusammenfallen (obwohl Ivy eigentlich mit dem Grün und nicht mit dem Grau verbunden ist, wie man in Poison Ivy 5 lernt). Die Aktion entspricht gänzlich Ivys Auftrag als Öko-Aktivistin, aber Harley verstößt damit gegen ihre Bewährungsauflagen. Sie hatte versprochen, sich als Psychologie-Dozentin an der Uni nützlich zu machen, aber nach einigen weiteren (gut gemeinten) Eskapaden steht sie wieder unter enger Beobachtung von Officer Donna Pulaski, die ihr einige Geheimnisse entlocken will. – Wie es der Titel dieses Bands schon beschreibt, gerät Harley zwischen Gut und Böse. Einerseits will sie ihre psychologischen Kenntnisse bei angehenden Superhelden nutzbringend anwenden, andererseits wird sie von Mr. Freeze (d.i. Victor Fries) in eine böse, eiskalte Sache hineingezogen, bei der ihr zum Glück Robin zur Seite steht, selbst wenn sie sich dabei in eine Umgebung mit "negativen Kelvingraden" begeben müssen. So kalt kann es wohl nur in einem Comic sein.

 
Yves Sente/André Juillard: Die Abenteuer von Blake und Mortimer 27: Gezeichnet: Olrik Die Abenteuer von Blake und Mortimer 27: Gezeichnet: Olrik (Yves Sente/André Juillard, Carlsen 2025, 64 S., SC, farbig)
Professor Philip Mortimer kann mit seinen genialen Erfindungen sogar dem Grafen von Rummelsdorf das Wasser reichen. Sorgte Mortimer mit seinem Unter- und Überwasserflugzeug "Tigerhai" im "Kampf um die Welt" Entscheidendes, so hat er nun für einen angenehm unkriegerischen Zweck den "Maulwurf" entwickelt, der zwar wie ein "Tigerhai" zu steuern ist, der sich aber nicht in Wasser und Luft, sondern im Erdreich erstaunlich flexibel bewegt. Colonel Olrik, der ewige Gegenspieler von Blake und Mortimer (s. auch Blake und Mortimer 26), ist natürlich mit von der Partie, als es darum geht, den "Maulwurf" zu einem unvorhergesehenen Zweck zu nutzen, nämlich der Suche nach Excalibur und dem Schatz von König Artus. Unterdessen bekommt es Captain Francis Blake als Angehöriger des MI5 mit einer Gefährdungslage zu tun, die zunächst mit Mortimers Maulwurf nichts zu tun zu haben scheint. Doch beide führt ihr Weg nach Cornwall, wo sich eine gewaltbereite Gruppe für die Unabhängigkeit des Landes einsetzt. – Dieses Album ist die letzte Arbeit, die der Zeichner André Juillard (1948 -2024) für diese Serie geschaffen hat. Sie wurde postum im September 2024 in einer Tageszeitung vorveröffentlicht und besticht durch die Klarheit und Akkuratesse, für die dieser Künstler bekannt ist.

 
G. Willow Wilson/Marcio Takara/Mike Perkins et al.: Poison Ivy 5: Der Orden des Grünen Ritters Poison Ivy 5: Der Orden des Grünen Ritters (G. Willow Wilson/Marcio Takara/Mike Perkins et al., Panini 2025, 180 S., SC, farbig)
Am Beginn steht eine Kurzgeschichte, die das enge Verhältnis von Poison Ivy (d.i. Dr. Pamela Isley) zum Grün aufzeigt, der Gemeinschaft aller Pflanzen. Zudem wird klar, dass es auch andere Personen und Schicksale gibt, die mit dem Grün auf Gedeih und Verderb verbunden sind, darunter Swamp Thing (d.i. Alec Holland), der Pamela unterstützt. An den anfänglichen Einblick in die Welt von Poison Ivy schließt sich eine neue Storyline an, die mit dem Label "DC All In" angeboten wird. In dieser übernimmt Janet Emilia Mitchell einen wichtigen Part, als Mitbewohnerin in Pamelas Unterkunft (s. Poison Ivy 3), als Geliebte von Killer Croc (d.i. Waylon Jones) und als Freundin, die des Schutzes durch Poison Ivy bedarf. (Wenn man den Band umdreht und von hinten liest, erfährt man etwas über Janets Rolle in der künftigen Erzählung.) Aus Pamelas Vergangenheit als Öko- Aktivistin (s. Poison Ivy 4) dringen noch immer Gefahren in ihr heutiges Leben, die kaum vorherzusehen sind. Dabei gelingt dem Grau, die Wesentheit aller Pilze, die bedeutsame Kommunikation mit Pamela. – Janet entkommt glücklich einem Anschlag von Öko-Terroristen des "Ordens des Grünen Ritters". Und dann heißt es, dass Poison Ivy die Anführerin dieser gewaltfreudigen Gruppe sei.

 
Olivier TaDuc/Yann: XIII Trilogy 2: Jones - Alcatrazrot XIII Trilogy 2: Jones - Alcatrazrot (Olivier TaDuc/Yann, Carlsen 2025, 48 S., SC, farbig)
Nachdem der erste Band mit "Azurschwarz" überschrieben war, geht es jetzt "Alcatrazrot" weiter, was wohl darauf anspielt, dass es auf der Gefängnisinsel Alcatraz bei San Francisco eine Geiselnahme durch Aktivisten indigener Abstammung gibt. Sie halten das Gefängnis besetzt. Aber unter ihnen gibt es eine Auseinandersetzung: Crow Dog wird von Karkajou, dem Anführer der Red Warriors, beschuldigt, eine Schwarze Kasse veruntreut zu haben. Trotzdem behält Crow Dog die Führerschaft bei den Geiselnehmern. Zur Befreiung der Geiseln redet General Ben Carrington von einer Stürmung der Insel mit seiner Spezialtruppe, doch die energische Bürgermeisterin verlangt Verhandlungen. Carrington soll mit einem Boot unbewaffnet zu Gesprächen mit den Geiselnehmern übersetzen. Unterleutnant Jones ist eine seiner Begleiter. Die Verhandlungen scheitern gründlich, da Crow Dog während des Gesprächs von einem Heckenschützen erschossen wird. Beim anschließenden Gefecht fällt Carrington in die Hände der Red Warriors, während Jones entkommen kann. Jones krimineller Bruder Marcus hat seine Hände im Spiel. – 1969 gab es tatsächlich eine Besetzung von Alcatraz durch der Indians of All Tribes, die damit gegen ihre unrechtmäßige Behandlung durch die Regierung protestierten. Ihr ironisches Angebot war, den USA Alcatraz abzukaufen, mit Glasperlen und rotem Tuch.

 
Arnaud Delalande/Eric Lambert: Aufbruch ins Weltall - Eine kurze Geschichte der Raumfahrt Aufbruch ins Weltall - Eine kurze Geschichte der Raumfahrt (Arnaud Delalande/Eric Lambert, Knesebeck 2025, 192 S., HC, schwarzweiß)
Die vielen Einzelheiten der Apollo-Missionen, von denen die Autoren in dieser Graphic Novel berichten, fordern einerseits Respekt vor dem Mut der Atronauten, die mit nach heutigem Maßstab recht unreifen technischen Mitteln zwischen Erde und Mond unterwegs waren, und wecken andererseits den kritischen Geist derer, die sich fragen, ob die Ergebnisse den Aufwand gelohnt haben. Heute überlässt man Robotern, was damals nur durch Menschen zu erkunden war. Die Rechen- und Robotertechnik steckte in den 1960er Jahren noch in den Kinderschuhen. Absurd, dass die uns heute so nützliche Satellitentechnologie und ISS-Forschung auf die militärische Raketenforschung der Hitlerzeit zurückgeht. Mit der V2 bombardierte man England, mit ihrer späteren Weiterentwicklung Juno I startete man das Explorer- Forschungsprogramm. – Da die European Space Agency (ESA) und die Société astronomique de France (SAF) den Autoren bei der Zusammenstellung dieses Buchs zur Seite standen, stellt man die europäischen Beiträge zur Erforschung des Weltalls besonders heraus, darunter die Mitarbeit bei den Weltraumteleskopen Hubble und James Webb, die Landung der Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan, die Landung von Philae auf einem Kometen, die Arbeit mit Gaia zur genauen Erfassung des Sternenhimmels und eine Beteiligung am Artemis-Projekt für eine bemannte Mondlandung. – Laut dem Buch werden täglich 40 neue Satelliten ins All geschossen. Auch das macht Müll. Seit dem Film "Gravity" mit Sandra Bullock ahnen wir, was Weltraumschrott anrichten kann.

 
Simon Spurrier/Aaron Campbell/Lisandro Estherren et al.: John Constantine - Hellblazer: Tot in Amerika 2 John Constantine - Hellblazer: Tot in Amerika 2 (Simon Spurrier/Aaron Campbell/Lisandro Estherren et al., Panini 2025, S., SC, farbig)
John Constantine muss weiter als wandelnde Leiche nach Dreams gestohlenen Sandkörnern suchen. Dream will alle Körner zurückerhalten. Als Gegenleistung wird Constantine Erlösung von seinem jetzigen Zustand versprochen (s. "Tot in Amerika 1"). Zu Beginn des zweiten Bandes dieser Erzählung wird an Ethel Cripps erinnert (s. "Sandman 2"), die wohl aus finanzieller Not Dreams Sandbeutel hat versteigern lassen, ohne wie auch dessen Vorbesitzer jemals an deren Inhalt gekommen zu sein. Erst der halbköpfige Elliot Garner (d.i. Dr. Diablo) findet einen Weg, um mit Hilfe des Gefäßes, aus dem die Sibylle von Cumae spricht, den Sandbeutel zu öffnen und seinen Inhalt zu nutzen. Constantine überwältigt Garner und bringt ihn zum Höllentor, wo der Dämon Etrigan sie wie Charon auf einem Kahn in die Hölle übersetzt. Dort wird die Ablieferung des Sünders zu einem Tauschgeschäft, in dem Constantine für sich und andere Wichtiges aushandelt. – Auch für die Lektüre dieses Bandes sind Vorkenntnisse aus dem Sandman-Universum von Vorteil. So sollte man letztlich Death erkennen, wenn sie auftaucht, um als gespannte Lesende verwirrt sein zu können, wenn es einem der Text verspricht.

 
Olaf Brill/Michael Vogt: Der kleine Perry 3: Der Meister der Roboter Der kleine Perry 3: Der Meister der Roboter (Olaf Brill/Michael Vogt, Carlsen 2025, 96 S., HC, farbig)
Perry und Thora spielen nah am Rande des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße sorglos eine Partie Schach und genießen dabei die Aussicht. Das bringen auch nur junge Menschen fertig, die ganz auf das profunde arkonidische Wissen über die Sicherheit an diesem Platz nahe des Ereignishorizonts vertrauen. Die Arkonidin Thora, wesentliches Mitglied des jugendlichen Abenteuerteams um den blitzgescheiten Perry (s. "Der kleine Perry 2") erzählt, dass man sich hier seit Langem zum entspannten Frühstücken herbegibt. Aber dann taucht Perrys Mutter dort auf und will sich offenbar ins Schwarze Loch stürzen. Alle sind erschrocken. Gucky, der Mausbiber, Teleporter, Telekinet und Telepath, schnappt sich Perry, Thora und den Kleinroboter X-7 und springt in Crests Schiff, von wo aus sie in gemeinsamer Anstrengung Perrys Mutter aufhalten können. Ma nennt einen guten Grund für ihren gefährlichen Kurs. Allerdings fehlt ihr für ihr Vorhaben noch ein besonderer Kristall, so einen wie ihn Atlan, der Kristallprinz, in Atlantis bei sich trägt. – Damit beginnt eine weitere Episode dieses für junge LeserInnen gedachten "Perry Rhodan"-Ablegers, in der Guckys Sprung mit Perry und Thora durch den "Weißraum" am Schwarzen Loch ungeahnte Folgen hat: Auf der Erde scheint es nur noch Roboter zu geben.

 
Jens Harder: Gamma ...visions Gamma ...visions (Jens Harder, Carlsen 2025, 216 S., HC, zweifarbig)
Weit mehr als tausend elaborierte Abbildungen aus zahlreichen Quellen, Seite für Seite in Panels angeordnet wie in einem Comic, gefüllt mit einem Ausblick auf unsere mögliche Zukunft, so präsentiert sich der vierte Band dieser Reihe mit der erdgeschichtlichen Gesamtschau eines ungewöhnlich ausdauernden Autoren. Mit dem aufsehenerregenden Werk "Alpha ...directions" über unsere Ursprünge ging er vor zwanzig Jahren an den Start, mit dem zweibändigen "Beta ...civilisations" setzte er fort und nun liefert er zum Abschluss zweihundert Seiten mit seinen Visionen für die kommende Welt. Unsicherheit über das, was sich da ankündigt, drückt sich in beunruhigenden Bildern und gestörter Orthografie aus. Die geschilderte Zukunft beginnt 2022 mit der Geburt des achtmilliardesten Human, gefolgt vom Entstehen idealer Kleptokratien. Im Verlauf der weiteren Entwicklung spielen Ökosekten, Wehrsiedlungen, gigantische Überkuppelungen und die Besiedlung von Monden und dem Mars, also innersolare Humankolonien eine Rolle. Die Humans müssen den Kontrollverlust über maschinelle Systeme erdulden. Wie bereits 1920 in Karel Capeks "R.U.R." beschrieben, steht am Anfang des Untergangs der Humans die Fähigkeit künstlicher Wesen, sich selbst zu reproduzieren. Es entstehen Roboterterritorien. Von da aus ist der Weg zum menschenfreien Sonnensystem nicht mehr weit. Zum Schluss kehrt das Buch von spekulativen, KI-fürchtigen Extrapolationen zu wissenschaftlichen Gewissheiten zurück: Die Sonne brennt nicht ewig.

 
Friedhelm Marx/Julian Voloj: Thomas Mann 1949: Rückkehr in eine fremde Heimat Thomas Mann 1949: Rückkehr in eine fremde Heimat (Friedhelm Marx/Julian Voloj, Knesebeck 2025, 96 S., HC, farbig)
Als die Nazis 1933 in Deutschland an die Macht kommen, entgehen Thomas und Katia Mann deren Zugriff. Von einer Auslandsreise kehren sie nicht nach Deutschland zurück. Als entschiedenem Gegner der Nationalsozialisten droht dem Literatur-Nobelpreisträger ("Buddenbrooks", "Der Tod in Venedig") dort die Inhaftierung. Die Manns emigirieren zunächst nach Frankreich, dann in die Schweiz und letztlich in die USA. Als auch dort die politischen Zustände um 1947 unerträglich werden, emigrieren die Manns 1952 zurück in die Schweiz. Dazwischen liegt 1949 ein Besuch in Deutschland, der Thomas und Katia Mann durch den Westen und Osten des kriegszerstörten, besetzten Deutschlands führt. Die Erlebnisse dieser Reise stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Comics, welches die Fahrten nach Frankfurt am Main und nach Weimar zur Entgegennahme des westdeutschen Goethe-Preises und des ostdeutschen Goethe-Nationalpreises durch Rückblenden bereichert ins Bild setzt. Ein Gedanke, den Thomas Mann bei beiden Gelegenheiten in seiner Ansprache vorträgt, zeigt seine Haltung jener Jahre unverkennbar: "Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet." Er sieht sich als unabhängiger Schriftsteller, "dessen wahre Heimat die freie, von Besatzungen unberührte deutsche Sprache ist."

 
Rudolph Perez: Zebra Sonderband 28: Ferien Sonderheft Zebra Sonderband 28: Ferien Sonderheft (Rudolph Perez, ZEBRA 2025, 40 S., Heft, schwarzweiß)
Die ZEBRA-Crew bricht in den Urlaub auf. Schnell konnten sie sich mit diesem dringend notwendigen Vorhaben in der Verlagsleitung durchsetzen. Es geht kreuz und quer durch die Weltcomicgeschichte. Eine Anspielung jagt die nächste. Wer in der weiten Welt der Comics bereits einiges gesehen hat, wird sich vom Reiseweg über Metropolis, Schlumpfhausen und Rummelsdorf, zur Trajans-Säule, zur Schwarzen Insel und ins Brüsseler Comiczentrum nicht überraschen lassen. – Welcher der vier Künstler Georg K. Berres, Bill GoGer, Ludwig Kreutzner oder Rudolph Perez welche Teile der einzelnen Beiträge zu diesem Ferienheft erdacht oder gezeichnet hat, dieser Gegenstand einer herausfordernden Untersuchung durch die Comicforschung ist letztlich unerheblich, ordnen sich doch alle vier einem gemeinsamen Ideal in Zeichenstil, narrativem Zuschnitt und Humor unter und leben auch danach. Die vier zeichnen sich als eine "Crew" aus, die sich seit Jahrzehnten in einer Redaktion zusammengerauft hat und in ihrer so einmütig gebildeten multiplen Persönlichkeit an einem gemeinsamen Comic-Strang zieht. Ihre Erlebnisse halten sie in Comic- Strips fest, die akkurat gezeichnet sind und die umweglos ihre Pointe ansteuern. Brav folgen die vier Könner der Aufforderung ihres Chef-Redakteurs: "Was immer euch passiert oder bewegt, macht einen Comic draus!"

 
Jinushi: Smoking Behind the Supermarket, Band 4 Smoking Behind the Supermarket, Band 4 (Jinushi, Carlsen 2024, 246 S., Tb., schwarzweiß)
Die Entwicklung einer engeren Beziehung zwischen dem sehr schüchternen, 46- jährigen Herrn Sasaki und der 25-jährigen Frau Yamada (resp. Frau Tayama) ist ein äußerst langwieriger und seltsamer Prozess (s. Smoking Behind the Supermarket 1). Der Klappentext nennt es eine Slow-Burn-Liebesgeschichte. So wird es wohl noch bis Band 100 dauern, bis Herr Sasaki geschnallt hat, dass die lockere Frau Tayama gleich der angehimmelten Frau Yamada ist, und bis Band 200 wird man vermutlich warten müssen, bis zwischen den beiden irgendetwas läuft. Was reizt Frau Yamada an diesem alten Knacker eigentlich? Dass die Lesenden trotz allem am Ball bleiben, liegt vielleicht daran, dass ihnen diese Situation vertraut ist, in der man eine nette Kassiererin eines Ladens einmal näher kennenlernen möchte, oder vielleicht umgekehrt? Sich dazu hinterm Supermarkt in einer gewissen Heimlichkeit zum gemeinsamen Rauchen zu treffen, liegt nicht fern, da Raucher sich als gesundheitlich bedrohliche Gruppe in Nebenräume abzusondern gewohnt sind. Der Autor nimmt in Band 4 zur Erweiterung der Erzählung die Frau Nishizono, eine Mangaka, zum Figurenensemble hinzu, die ebenfalls eine Kassiererin des Supermarkts anhimmelt, zum Glück eine andere als Frau Yamada. – Mit seiner mangatypischen, gut lesbaren Bildsprache lässt der Autor keine Langeweile aufkommen, auch wenn es zeichnerisch manchmal so aussieht, als würden die Protagonisten statt Zigaretten Grissini rauchen.

 
Bastien Vivès: Honey moon 1: Der Kuss der Sphinx Honey moon 1: Der Kuss der Sphinx (Bastien Vivès, Schreiber & Leser 2025, 48 S., HC, farbig)
Ihren Urlaub wollen Sophie und Quentin ohne ihre Kinder und ohne Aufregungen verbringen, ihn nur an einem einsamen Strand in der Sonne liegend genießen. Doch dann kreuzt überraschend der aufdringliche Oliver auf und lädt sie auf "seinen bescheidenen Kahn" zum Dinner ein. Schon bald gibt er zu, dass die Yacht "Bellafonte" nicht ihm gehört, er soll sie nur nach Menorca überführen. Sophie und Quentin bewundern die Inneneinrichtung und das Inventar. Quentin stellt fest, dass Jacques Vermulen, ein großer Waffenhändler, der Besitzer der Bellafonte sein könnte. Unterdessen nimmt Sophie eine Art ägyptisches Zepter in die Hand. Es gelingt ihr, das Zepter zu öffnen. Ein roter Falter kriecht heraus, dem später eine bedeutsame Rolle in der handfesten Auseinandersetzung zwischen den Gästen auf der Yacht zukommt. Quentin, der sich beruflich in der Szene auskennt, in die Sophie und er geraten sind, will umgehend zurück an Land. Aber Oliver kann die beiden noch zum Bleiben überreden. – So beginnt eine letzte Stunde einer packenden Geschichte mit hungrigen Haien und traurigen Überbleibseln einer hervorragenden Comicsammlung. Bastien Vivès hat der Reihe seiner beachtlichen Comicarbeiten eine weitere hinzugefügt, in der nur ein tödlicher Falter und ein Hai verwundern, der seltsam lächelt.

 
Mike Johnson/Mellow Brown/Andrés Guinaldo: Blade Runner 2039, Band 1: Luv Blade Runner 2039, Band 1: Luv (Mike Johnson/Mellow Brown/Andrés Guinaldo, Panini 2025, 112 S., SC, farbig)
Noch vor zehn Jahren wurden humanoide Blade Runner wie Aahna "Ash" Ashina auf Patrouille geschickt, um Replikanten zu jagen (s. Blade Runner 2029). Jetzt, im Jahr 2039, sieht es so aus, als könne man diese Aufgabe speziellen Blade-Runner-Replikanten übertragen. Luv ist eine solche Spezialanfertigung. Der mächtige Industrielle Niander Wallace zieht im Hintergrund die Fäden für die neue Produktlinie und deren Weiterentwicklung. Sie schafft ihm derzeit durch Luv viel Einfluss auf das Los Angeles Police Department (LAPD), da Luv vorrangig seinen Befehlen gehorcht. Beim Aufspüren von Replikanten hat Luv gegenüber menschlichen Blade Runnern den unschlagbaren Vorteil, dass sie solche unmittelbar ohne Augenuntersuchung erkennen kann. – Wallace hat seine Kenntnisse in der Replikantenforschung durch Übernahme der Reste des vorherigen Herstellers, der Tyrell Corporation, erworben. Jetzt schickt er Luv los, um weitere wichtige Informationen einzuholen: Bei einer Replikantin, die der verstorbenen Frau von Alexander Selwyn, eines engen Mitarbeiters von Tyrell, nachgebildet ist, weiß man noch bisher verborgene Kenntnisse vorhanden, das Wallace fürs nächste Upgrade benötigt. – Ash und ihre Partnerin Freysa versuchen gut versteckt, die Pläne von Wallace zu durchkreuzen. Darin zeigt sich, dass das spannende Thema "Blade Runner" noch längst nicht auserzählt ist.

 
Junji Ito: Dissolving Classroom - Das schmelzende Klassenzimmer Dissolving Classroom - Das schmelzende Klassenzimmer (Junji Ito, Carlsen 2025, 178 S., HC, schwarzweiß)
Dass einigen Leuten das Gehirn geschmolzen ist, den Verdacht mag man bei näherer Betrachtung unserer Welt gelegentlich haben. In Junji Itos 2015 in Japan aufgezeichneter Gruselwelt passiert das ständig und vollkommen. Das heißt, nach Abschmelzen des Hirns zerfließt auch noch der Leib der Opfer. Das gibt hässliche Flecken auf dem Boden. Ganze Schulklassen versinken in der Brühe ihrer selbst. Dabei fragt man sich, warum der Verursacher dieser Schmelzmorde, der überhöfliche Yuma Azawa, sich für diese teuflischen Attacken hergibt. Seiner Schwester Chizumi gefällt der Hirnschmalz jedenfalls. Sie genießt ihn am liebsten frisch, aber auch aus der Flasche. Leider ist eine der Folgen des Zusammenlebens mit ihrem Bruder, dass sie oft umziehen müssen. – Der neue Band mit Junji-Ito-Horrorstories besteht aus mehr als einer einzigen Erzählung über das grausige Geschwisterpaar. Da schmelzen dann auch noch Schönheiten und ganze Hausgemeinschaften. Der Autor lässt jedoch einzelne Jugendliche dem Zugriff von Yuma entkommen oder sie nur etwas anschmelzen. Das führt ein spannendes Ende herbei, von dem man nur hoffen kann, dass es die Gehirne der Lesenden unbeschadet davonkommen lässt. Wir bitten gegebenenfalls schon jetzt inständig um Entschuldigung!

 
Matt Kindt/Tyler Jenkins: hairball hairball (Matt Kindt/Tyler Jenkins, Cross x Cult 2025, 160 S., SC, farbig)
Mysteriös zu sein, das wird mancher Katze als Eigenschaft zugeschrieben, die von einer Aura des Undurchschaubaren umgeben scheint. Anna hat so eine Katze. Sie nennt sie Biest. Biest klingt nach Bastet, der ägyptischen Katzengöttin, eine freundliche, beschützende Göttin, wie Wikipedia weiß. Doch mit Anna und ihren Adoptiveltern geht Biest eigentlich weder freundlich noch beschützend um. Sie beißt, sie schmeißt runter, sie übergibt sich auf Schreibtisch und in Kaffeetasse. Annas Adoptivvater flucht über die hervorgewürgten Haarballen der Katze, dem Katzen-Gewölle, das ihn sogar beinahe umbringt. Dabei passt dieser Ausdruck von Übelkeit durchaus zur familiären Situation, die Anna ängstlich durchlebt und zu der Biest ihren haarigen Kommentar erbricht. – Der Klappentext nennt das Buch zu recht einen Mystery-Thriller. Der spannende Fortgang der Handlung wird von Annas Antworten auf die Fragen einer Psychaterin begleitet. Man erkennt an Annas Aussehen, dass sich die psychiatrische Behandlung offenbar über Jahre erstreckt, auch als Anna schon bei Tante Joyce wohnt, die für Anna in bester Absicht Biest zu sich ins Haus holt. Sie ließ das Tier sogar mit einem Chip versehen, so dass Anna die Katze womöglich gar nicht mehr loswerden wird. Lange nachdem Anna wieder ins elterliche Haus zurückgezogen ist, kommt sie zu ganz neuen Einsichten.

 
Olivier Sauzereau/Wyllow: Jules Verne - Die Comic-Biografie Jules Verne - Die Comic-Biografie (Olivier Sauzereau/Wyllow, Knesebeck 2025, 56 S., HC, farbig)
Jules Verne (1828-1905) schrieb weltbekannte Romane, in denen der Wissenschaft und Technik zugeneigte Abenteurer in 80 Tagen um die Welt, zum Mittelpunkt der Erde, zum Mond, 5 Wochen im Ballon oder 20.000 Meilen unter dem Meer auf Reisen gehen. Dabei begegnen uns legendäre Figuren wie Kapitän Nemo mit seinem U-Boot "Nautilus", Phileas Fogg mit seinem Diener Jean Passepartout, die Professoren Otto Lidenbrock und Pierre Aronnax oder Robur mit seinem Luftschiff "Albatros". In seinen Geschichten stellt Verne vor, was die Zukunft an technischen Neuerungen bereit halten könnte. – Die vorliegende Biografie lässt erkennen, wie Verne zu seinem Interesse für technischen Fortschritt und damit zur Erzählung außergewöhnlicher Reisen kam, so dass man ihn heute zu den Begründern der SciFi-Literatur zählt. Dass es der Autor dieser Comic-Biografie als promovierter Historiker dabei mit den geschichtlichen Fakten ernst nimmt, das ist spürbar. Nicht nur weist er bereits im Vorwort eigens darauf hin, dass er die Comicpassagen in dieser Biografie sinngemäß mit eigenen Einfällen "verwoben" habe, sondern er ergänzt die sechs treffend ausgewählten Abschnitte von Vernes Lebensgeschichte auch mit jeweils zweiseitigen Beiträgen zu den zugrundeliegenden historischen Befunden.

 

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