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Jahre 2019-2021
Comic-Lektüre für 2026
Batman - Full Moon (Rodney Barnes/Stevan Subic, Panini 2025, 156 S., SC, farbig)
Von Lykanthropie geplagt zu sein, das ist hartes Schicksal. Christian
Talbot will sich damit nicht abfinden. In Vollmondnächten als Werwolf
seinen brutalen Gelüsten nachgehen zu müssen und am nächsten Morgen nackt
in einem Hinterhof aufzuwachen, Talbot braucht Hilfe. Vielleicht gibt es in der
medizinischen Forschungseinrichtung von Bruce Wayne ein Gegenmittel?
– Dr. Kirk Langstrom (d.i. Man-Bat), selbst bezüglich des
Themas Wandlung zu monströser Kreatur unangenehm erfahren, erklärt Batman
angesichts des aufgefundenen Gemetzels sofort, dass bei Wayne
Pharmaceuticals ein Werwolf namens Talbot getobt habe. Batman geht einer
Konfrontation mit Talbot aber nicht aus dem Weg, obwohl Lykanthropie bei
hartem Kontakt infektiös ist, wie jeder aus dem Kino weiß. Batman hat außer
Alfred auch Zatanna Zatara, die Hexerin, an seiner Seite. Selbst
John Constantine tritt als knurriger Berater in mystischen Dingen
auf. Commissioner Gordon tappt noch völlig im Dunkeln. Er hat
schon Dutzende Leute verloren. Talbot lässt sich in Ketten legen, Batman
verlässt sich auf das Deflektorsystem seines Batmobils. Und dann ist es soweit.
Es geht auf Mitternacht zu. Am Himmel zeigt sich der Mond in voller Pracht.
Vollmond. Der Zeichner jedenfalls, der wird der Herausforderung gerecht, allen
Beteiligten und den LeserInnen die explosive Situation ins rechte Licht zu
setzen.
Spirou präsentiert 6 - Rummelsdorf 3: Eine Handvoll Kohlenstoffatome (Béka/David Etien, Carlsen 2024, 56 S., SC, farbig)
In der Vergangenheit des Pankratius Hieronymus Ladislaus Adalbert,
des Grafen von Rummelsdorf, gibt es durchaus dunkle Seiten, wie in
diesem Album deutlich gemacht wird, doch wird man dem genialen
Wissenschaftler niemals irgendeine Unredlichkeit unterstellen wollen. Sein
Lebenslauf bleibt dennoch nicht frei von sehr leidvollen Erlebnissen. –
Blair, Pankatius' Partnerin und Geliebte, erwartet 1941 ein Kind von
ihm. Sie will das Kind angesichts der ihr bevorstehenden Karriere zu diesem
Zeitpunkt jedoch nicht. "Ich möchte frei sein in meiner Entscheidung, wann und
wie ich ein Kind haben werde." Sie stirbt beim Schwangerschaftabbruch.
Pankratius beginnt infoge dieses Dramas, nach Möglichkeiten der
Empfängnisverhütung zu suchen. – 1951 erhält der Graf von Rummelsdorf
Besuch von der Frauenrechtlerin Margaret Sanger, einer historischen
Figur, die sich in der Familienplanung engagierte und für Geburtenkontrolle
einsetzte. Sie schafft es, Pankratius dazu zu bewegen, seine Ergebnisse ihr und
den LeserInnen dieses Comics zu erklären. Jetzt muss dieses Wissen nur noch zu
Spezialisten in die USA gebracht werden, was eine abenteuerliche Reise
bedeutet, die Margaret und Pankratius heil zu überstehen haben. Zwei finstere
Figuren sind ihnen bereits auf den Fersen.
Avatar - Frontiers of Pandora: So'leks Reise (Ray Fawkes/Gabriel Guzman, Panini 2025, 132 S., SC, farbig)
Den Mitte Dezember in den deutschen Kinos gestarteten dritten Teil der
"Avatar"-Filmreihe von James Cameron sahen sich bei uns bereits in der
Startwoche 1,4 Millionen KinogängerInnen an. Die Atmosphäre jener fernen
Wunderwelt auf dem Mond Pandora übt noch immer ihren Reiz aus,
der außer von der augenfällig unverdorbenen Natur wohl hauptsächlich von der
Reinheit der langgliedrigen, blauen Naturwesen auszugehen scheint, denen als
Opfer eines rücksichtslosen, terrestrischen Bergbauunternehmes unsere
Sympathien gehören (s. auch Avatar: Der
nächste Schatten). – Im Comic bieten sich weitere Möglichkeiten, in
die Welt der Clans auf Pandora Einblick zu nehmen. Das machen die Autoren
durch eine Wanderung deutlich, die der Na'vi-Krieger So'lek, der
letzte Überlebende seines Clans, zu anderen Gruppen unternimmt. Als seine
erste Aufgabe sieht er es an, sich einem gefährlichen Palulukan
schadlos nähern zu können. Er erfährt bald, dass er dieses Ziel nicht ohne die
Hilfe eines guten Handwerkers erreichen wird. Während Herkules einst den
Nemeischen Löwen durch unbändige Kraft niederrang, so weiß So'lek, dass
Gewalt nicht hilft. Er versucht es eher wie Androklus, der seinem Löwen einen
Stachel aus der Pfote zog. So'lek hat auf Pandora seinen eigenen Weg zu suchen.
Dezember 2025
Europa, die EU und ich - Eine Reise ins Herz der europäischen Politik und Kultur (Kokopello, Knesebeck 2025, 192 S., SC, farbig)
Sehr erfreulich, dass sich der Comicreporter Kokopello vorgenommen hat, von der
Aufgabenteilung innerhalb der Europäischen Union (EU) zwischen der
Europäischen Kommission in Brüssel, dem Europäischen Parlament in Straßburg
und dem Europäischen Rat (nicht zu verwechseln mit dem Europarat) durch die
von ihm gewonnenen Einsichten und Zeichnungen zu berichten. Zwei Jahre lang
war Kokopello dafür in diesen EU-Gremien und in acht EU-Ländern unterwegs.
Schnell merkt der Lesende, dass die Organisation eines gerechten Miteinanders
von 27 Staaten einigen Aufwand bedeutet. Gegeneinander ist natürlich einfacher.
Die Erfahrung unseres Alltags lehrt eigentlich, dass man in einer solidarischen
Gemeinschaft für alle mehr erreicht, als auf sich allein gestellt zu sein. Man mag
da an die Raiffeisen-Idee, an den NABU oder an die Hausratversicherung
denken. Dennoch gefällt es gewissen Gruppen von Menschen, auf "die da in
Brüssel" zu schimpfen, sich fragwürdigen Parolen wie "Nein zum Diktat aus
Brüssel" anzuschließen, sich womöglich dabei auch noch chauvinistischen
Dumpfheiten hinzugeben. Nachdenken ist anstrengend. – Seine Reise
führt Kokopello im November 2023 auch in die Ukraine, was Gelegenheit gibt,
über deren etwaige Mitgliedschaft in der EU nachzudenken. Auch andere
Probleme und Kuriositäten macht der Autor sichtbar, etwa über antieuropäische
Parteien, die sich aber dennoch ins EU-Parlament wählen lassen. Die Diäten
locken. Interessant ist auch das Kapitel, in dem man von der Arbeit Thierry
Bretons erfährt, dem vormaligen EU-Kommissar für den EU-Binnenmarkt. Er wurde
zuletzt dadurch geadelt, dass er ein Einreiseverbot in die Trump-USA erhielt. Kopf
hoch, Europa!
Marvel Must-Have 112: Spider-Man/Dr. Octopus - Das erste Jahr (Zeb Wells/Kaare Andrews, Panini 2025, 124 S., HC, farbig)
Mit seinen vier Extra-Armen gehört Dr. Octopus (d.i. Dr. Otto
Octavius) zu denjenigen Schurken in der Marvel-Welt, dessen Fähigkeiten auf
eher unglaublichen Ursachen gründen. Seine Tentakelfertigkeiten werden auf
Radioaktivität und ein neuronales Interface zurückgeführt. Man kritisiere diesen
kurios-physikalischen Einfall Stan Lees und Steve Ditkos aus dem Jahr 1963 aber
nicht zu früh, denn auch Spider-Man ist letztlich Produkt eines radioaktiven
Phänomens, wie alle Welt weiß, und die indische Göttin Durga hat
ja auch vier bis zwanzig Arme. – Da gefiel es 2004 einem anderen
Autorenpaar, die Verknüpfung von "Doc Ock" mit seinen Armen noch einmal neu
zu erzählen, dieses Mal von Grund auf und im Rahmen einer Spider-Man-
Erzählung auch gelungen nachvollziehbar. Interessant ist nun, dass die Arme als
eine Verlängerung des eigenständig Unterbewussten von Otto zu verstehen sind,
so dass die Frage nach der Verantwortung für die geplanten Taten aufkommt: Ist
nun Dr. Octopus daran schuld, wenn er eine ganz üble Sache angeht, oder sind es
seine Arme, oder ist es seine miese Kindheit als zu bemitleidender Nerd mit
andauernd zerbrochener Brille? Dabei bleibt erstaunlich, dass sich später
Mary Alice Anders für den genialen Otto (tolle Röntgen-Szene!) zu
erwärmen scheint, vielleicht ist auch das ein radioaktives Phänomen.
Agatha Christie: Die Morde des Herrn A.B.C. - Ein Poirot-Krimi (Frédéric Brémaud/Alberto Zanon, Carlsen 2025, 64 S., HC, farbig)
Jemanden als Mörder gefasst zu haben, das genügt einem Hercule
Poirot selbstverständlich nicht. Man müsse sich Poirot zufolge auch über
die Motive des Täters Klarheit verschaffen. Die Beweise dafür, dass
Alexander Bonaparte Cust der gesuchte Serienmörder ist, sind
"erdrückend", stellt Captain Hastings, Poirots Begleiter und
Bewunderer, sachlich fest. Poirot zweifelt: "Die Tatsache, dass er auf der
Anklagebank sitzt, stellt keinen Sieg dar!" Poirots sehr ernst zu nehmende
Intuition verlangt nach weiteren Überlegungen zu den Morden an Mrs.
Asher in Andover, an Elizabeth Barnard in
Bexhill und an Sir Carmichael Clarke in
Churston. Bei der Auswahl seiner Opfer dem Alphabet folgend kündigt
der Mörder seine Taten dem berühmten belgischen Kriminalisten so an, als ginge
es ihm darum, Poirot an der Nase herumzuführen. Das aber sollte man sich bei
dem scharfsinnigen Ermittler nicht erlauben, der nun beim Buchstaben
D angekommen, einen Mord in Doncaster zu erwarten hat.
Wie bei der Aufklärung von Agatha Christies Mordfällen nicht unüblich,
kommt es letztlich dazu, dass sich ein Kreis mit den Verdächtigen in einem Raum
zusammenfindet, um sich der unfehlbaren Kombinationsgabe des Kriminalisten
zu stellen, der dieses Mal sogar auf Strümpfe achtet.
Blade Runner 2039, Band 2: Upgrade (Mike Johnson/Andres Guinaldo, Panini 2025, 112 S., SC, farbig)
Der kompromisslosen Blade Runnerin Luv (s. Blade Runner 2039,
Band 1) wird durch den machthungrigen Widerling Niander
Wallace eine noch schlagkräftigere Replikantin zur Seite gestellt:
Ashina. Als deren Vorteil wird unbedingter Gehorsam, körperliche
Überlegenheit und, im Unterschied zu ihrer menschlichen Namensgeberin
Detective Aahna "Ash" Ashina, das Fehlen von menschlichen
Regungen wie etwa Mitgefühl gesehen. So rückt der Hersteller dieser
Humanoiden zur Ausweitung seiner Machtfülle von dem Ziel ab, diese dem
natürlichen Vorbild möglichst perfekt nachzuformen. Immerhin ist Wallace'
Replkanten als Sperre noch die Beachtung des ersten Robotergesetzes
mitgegeben, wonach ein Replikant keinen Menschen töten darf. Was aber als
zukünftige Bedrohung zu befürchten ist, das kennt man schon aus dem
allerersten Roboterroman "I Robot": Wenn die Replikanten in der Lage sein
werden, ihren eigenen Nachwuchs zu gebären, dann braucht man sich seine
Roboterarmee nicht mehr "bauen", sondern sie stellt sich dank eigener
Fruchtbarkeit selbst her. Wallace nimmt an, dass sich in Cleo
Selwyns DNA die Lösung für die von ihm angestrebte
Replikantenfruchtbarkeit finden lässt. Er schicht Luv los, um Cleo zu fangen.
Doch Ash setzt alles daran, diesen Plan zu verhindern.
Soichi - Nägel mit Köpfen (Junji Ito, Carlsen 2025, 418 S., HC, schwarzweiß)
Bei Blutarmut an Metallnägeln kauen, das soll gegen den verursachenden
Eisenmangel helfen. So wird jedenfalls begründet, warum der Junge Soichi
Tsujii dauernd welche im Mund hat. Ihm gefällt offensichtlich, dass er
andere damit erschrecken, beißen oder sogar beschießen kann. Es freut ihn, dank
seiner unerklärlichen, übersinnlichen Fähigkeiten Verwandte, Mitschüler und
Lehrer leiden zu lassen. Mit Nägeln in Voodoo-Puppen oder auch Avatar-Puppen
und Flüchen schafft er es, seinen krankhaften Rachegelüsten erschreckend
erfolgreich nachzukommen. Zum Glück kann ihn sein Bruder Koichi
gelegentlich aufhalten, wenn sein Verhalten unerträglich wird. – Als
Michina und Yusuke, Cousine und Cousin von Koichi
und Soichi, die Sommerferien bei Familie Tsujii verbringen, werden sie
unweigerlich mit Sochis dissozialer Persönlichkeit konfrontiert. Die zwölfjährige
Michina zeigt sich jedoch recht unerschrocken und lässt sich von Soichi die Butter
nicht vom Brot nehmen. Sie wehrt sich und langt zu, was bei jemandem mit
Nägeln im Mund deutliche Spuren hinterlässt. – Der Autor gliedert seine
Darstellung des gruseligen Jungen Soichi in zehn Episoden, in deren Verlauf sich
der Lesende fragt, was es für ein Ende mit dem Fiesling nehmen wird. Es sei
verraten, dass es Soichi mit einem unglaublichen Horrormodel zu tun bekommt.
Creepshow - Nach dem Film von George R. Romero (Bernie Wrightson/Stephen King, Splitter 2021, 72 S., HC, farbig)
Creepshow - Tales of Suspense and Horror, Band 1 (Chris Burnham/David Lapham/John McCrea/Erica Henderson/Francesco Francavilla/Dani/Paul Dini et al., Splitter 2025, 128 S., HC, farbig)
Creepshow - Tales of Suspense and Horror, Band 2 (Nick Dragotta/Michael Walsh/Becky Cloonan/Garth Ennis, Splitter 2025, 128 S., HC, farbig)
Horrorcomics, Gruselgeschichten, Magazine von "Menschenblut" bis
"Horrorschocker", Buchreihen wie Skywald's Horror Comics oder die
Schauerstories von Junji Ito, die zahlreichen Spielarten von Comics zum Fürchten
wurden nicht zuletzt bei einer Ausstellung im Dortmunder schauraum und im
zugehörigen, umfangreichen Katalog vorgestellt. Noch immer findet man neue
Schauergeschichten im Bahnhofsbuchhandel und im Comicshop. Wie uns
Charon, der düstere Fährmann, durch die Horrorschocker führt, so
begleitet der Creep die LeserInnen in der "Creepshow". Bernie
Wrightson zeichnete diese Show 1982 als Begleitcomic zum gleichnamigen Film.
Vor wenigen Jahren erschienen die fünf unheimlichen Geschichten des Comics in
einer Neuausgabe ergänzt um acht Seiten Informationen zu Film und Comic und
zur Einordnung der Erzählgegenstände in die damalige Zeit mit ihren seltsamen
Moralvorstellungen. Damit ist die Creepshow jedenfalls nicht zu Ende gegangen.
Der Creep weiß seit 2022 in einer US-Heftserie von neuem Horror zu erzählen,
zum Beispiel vom Shingo, der zur Belustigung eines
Kindergeburtstags engagiert wird. Zum Glück lässt er sich aufschlitzen. Die
neuen Erzählungen sind in mittlerweile zwei Anthologien versammelt, zu denen
recht unterschiedlich ansetzende Autoren beitragen. Oft geht es um die
entsetzlichen Folgen eines Fehlverhaltens, als hätte man es mit einer
Fortsetzung des "Struwwelpeter" zu tun. Aber Zutaten wie Zombies,
Halluzinationen und ein quälend schlechtes Gewissen führen die Lesenden weit
in die schaurige Welt eines vermeintlich harmlosen Alltags hinaus.
Gotham City - Das erste Jahr (Tom King/Phil Hester, Panni 2025, 212 S., HC, farbig)
Die Erwartungen der LeserInnen auf links drehen, das schafft der Autor Tom King
in diesem Buch gleich mehrfach. Denkt der Batman-Kundige an die Crime
Alley, an das Schicksal von Thomas und Martha
Wayne, den Eltern von Bruce Wayne, an das sicherlich hart
erarbeitete gigantische Vermögen der Familie, an die erstaunliche
Bathöhle unter Wayne Manor, dann neigt der Lesende
dazu, auch Batmans Großeltern, Constance und Richard
Wayne, mit Neugier und Respekt zu begegnen. Sie haben offenbar Großes
für Gotham geschaffen. Derart voreingenommen eingestimmt erfährt man von der
Entführung der dreijährigen Tochter von Constance und Richard, von Helen
Wayne, der Prinzessin von Gotham. Haben die Waynes etwa
auch schon vor den grausigen Morden in der Crime Alley große Schicksalsschläge
hinnehmen müssen? – Es ist der Privatdetektiv Samuel "Slam"
Bradley, der in den Entführungsfall verwickelt wird. Er ist ein harter Hund,
hält Prügel aus, wenn es der Sache dient, und teilt Prügel aus, wenn ihn letztlich
die rechte Wut packt. Eines Tages steht Sue bei ihm in der Tür und
engagiert ihn, der Familie Wayne einen Brief zu überbringen. Mit diesem Brief
beginnt für Bradley die schmerzhafte Suche nach Helen und für uns eine tolle
Story mit überraschenden Wendungen.
Halloween Blues 3: Trügerische Erinnerungen (Kas/Mythic, Schreiber & Leser 2025, 48 S., HC, farbig)
Vor der Küste Kaliforniens explodiert ein Motorboot. Die Leiche einer der beiden
Frauen, die an Bord waren, wird geborgen und untersucht. Sie starb nicht an der
Explosion, sondern durch ein Metzgermesser. Was ist geschehen und wo ist die
andere Frau geblieben? Mit diesem Fall bekommt es Kriminalinspektor
Forester Hill auf seltsamen Umwegen zu tun. Noch immer und
täglich beschäftigt ihn der Mord an seiner eigenen Frau Dana
Anderson, die er mit ihrem auffälligen roten Kleid weiterhin an seiner
Seite wahrnimmt, die für andere jedoch unsichtbar bleibt (s. Halloween
Blues Bände 1 und 2). – Eine aufregende Ablenkung von seinen
Grübeleien erlebt er, als ihn Fiona Offerman aufsucht, die ihn bittet,
Nachforschungen in ihrer Familiengeschichte anzustellen. Ein Fotoalbum lässt den
Verdacht aufkommen, sie hätte eine Zwillingsschwester. Seine Neigung zur
Lösung kurioser Fälle, lässt ihn wie Sherlock Holmes auf Spurensuche gehen.
Fiona und er landen in Pine Creek, einem Ort, wo die Polizei Fiona Offerman
sogleich als eine gesuchte Fiona Duval erkennt und festnimmt. Ob
das die vermutete Zwillingsschwester ist? Nach und nach verliert Forester die
professionelle Distanz zu Fiona. Ach, würde er doch nur besser auf seine
geistergleiche Dana hören!
Wonder Woman [4. Serie] 2: Das Lasso der Lügen (Tom King/Daniel Sampere/Guillem March et al, Panini 2025, 188 S., SC, farbig)
Wonder Woman [4. Serie] 3: Wut (Tom King/Daniel Sampere/Bruno Redondo et al., Panini 2025, 180 S., SC, farbig)
Eine starke Frau, einzuordnen zwischen mythischer Figur und Superheldin,
Diana Prince wird den in sie gesetzten Erwartungen als Wonder
Woman in ihrer Erzählwelt und bei ihren LeserInnen gerecht. In ihre 4. Serie
startete die Amazonenprinzessin als Rebellin (s. Wonder
Woman 1), die sich gegen ihre Ausweisung aus den USA wehrt, ein
offensichtlich aktuelles Thema. Zum Lasso der Lügen, dem
Hauptrequisit des zweiten Bandes, lässt sich ebenfalls ein aktueller Bezug
herstellen: Im Unterschied zum Lasso der Wahrheit, welches den
damit Umschlungenen unweigerlich die Wahrheit entlockt, dient das Lasso der
Lügen dazu, den damit Eingewickelten Lügen als wahr empfinden zu lassen. Das
lässt an die Opfer denken, denen gefangen in ihren Social-Media-Blasen ein X für
ein U vorgemacht wird. Welche Schrecken Wonder Woman zu überstehen hat,
wenn der amerikanische Schattenkönig Henry Charles, der
sogenannte Souverän, sie mit diesem Lasso malträtiert, wird im
vorderen Teil des zweiten Bandes erzählt, während der hintere Teil schlichtere
WW-Geschichten bietet. – Gegen den Souverän, eine Figur,
die sehr wohl als Anspielung auf denjenigen, der sich derzeit wie der König der
USA gebärdet, gelesen werden kann, treten im dritten Band die Wonder
Girls (das sind Cassie Sandsmark, Donna Troy und Yara Flor) und
Cheetah (d.i. hier Barbara Minerva) an. Doch bevor man dem
Superschurken die Tür zum Oval Office eintreten kann, durchsteht Diana
bezüglich ihrer große Liebe zu Steve Trevor sehr quälerische
Momente. Es gewinnt die Gewissheit Oberhand, dass man auf sich allein gestellt,
nicht weit kommt. Die Wonder Girls halten zusammen. Erfreulich, dass auch
Detective Chimp im Stile des Inspektors Columbo dem Souverän
nachstellt, auch wenn dieser das Gewese um Bananen sehr richtig als
Affentheater abtut. Chimp ringt um eine Entschuldigung: "Ich bin ein
Schimpanse. Reden ist nicht meine Muttersprache."
Oh Gott! Über Religionen, Gottheiten und den Glauben auf der ganzen Welt (Frédéric Lenoir/Anne-Lise Combeaud, Knesebeck 2025, 224 S., HC, farbig)
Die ganze Gechichte der Menschheit ab 90.000 v. Chr. verknüpft mit ihren
jeweiligen Gottesvorstellungen, das ist ein weiter Bogen, den der Autor durch die
erstaunlichen Götterwelten schlägt, in denen die Menschen sich in ihrer
jeweiligen Zeit zurechtzufinden hatten. Und dabei werden Wodan und Thor sogar
übersprungen. Es gibt bereits genug zu erzählen allein zur Entstehung eines
Gottesbildes und dessen nachfolgende Entwicklung bei den Urvölkern, bei den
Griechen, bei den Ägyptern, bei den Indern und Iranern bis hin zum Judentum,
Christentum und Islam. Es werden die Entstehungsmythen der monotheistischen
Religionen nacherzählt und auch die Frage beantwortet, wohin den Menschen
heute die Suche nach Göttlichem führt(e). – Zwei Einfälle kennzeichnen
diese Gesamtschau durch die religiösen Universen. Zum einen lässt man Gott
selbst den Erzähler der Geschichte sein, unterstellt damit gleichsam, dass es im
Grunde immer dasselbe an Schutzgebenden ist, dem sich der Mensch in
bestimmten Situationen zuwendet. Zum anderen ist die seitenstarke Graphic
Novel in einem karikierenden Stil gezeichnet und in den Sprechblasen auch so
getextet, durch den das Lesen unterhaltsam wird und durch den die Autoren
andeuten, dass man Religion im Spiegel des Ganzen leichter nehmen kann, als
sie für manchen ist.
Asterix 41: Asterix in Lusitanien (Fabcaro/Didier Conrad, Egmont 2025, 48 S., SC, farbig)
Dieses Mal ist Lusitanien, das ungefähr dem heutigen Portugal entspricht,
Schauplatz für den Einsatz der unbeugsamen Gallier aus dem kleinen "Dorf der
Verrückten" gegen die römischen Besatzer. Dabei kommt uns die
Ausgangssituation bekannt vor: Ein Abgesandter aus einem fernen Land erreicht
das Dorf und bittet um Hilfe. Asterix und Obelix
machen sich wie selbstverständlich auf die weite Reise. Enttäuschend zwar, dass
dort in Lusitanien statt saftigem Wildschwein getrockneter Kabeljau aufgetischt
wird, aber zum Ausgleich lassen sich die örtlichen römischen Gefängniswärter
erstaunlich einfach durch lusitanischen Gesang vertreiben. Es gilt nämlich,
zugunsten des lusitanischen Garum-Produzenten Schaõprozes gegen
den garummonopolschaffenden Intriganten Fetterbonus vorzugehen,
an dessen Seite sich, wenig überraschend, Marcus Zuckergus und
Elonmus aufhalten. – Mit einer weltweiten Auflage von
5.000.000 Exemplaren geht das neue Asterix-Album an den Start. Die
zeichnerische Arbeit stützt sich auf Fotos, die der Autor von seiner Portugalreise
mitgebracht hat. Diese setzte der bewährte Zeichner in Panels um, die für eine
stimmige Atmosphäre sorgen. Die typische portugiesische Wegpflasterung hat es
den Autoren offenbar sehr angetan, so dass diese es zusammen mit dem
trocknenden Kabeljau auf das Titelbild des neuen Albums schaffte.
Herzlichen Glückwunsch, es ist Autismus! - Selfcare-Tipps und mehr für neurodivergente Menschen (Daniela Schreiter, Panini 2025, HC S., 84, farbig)
Der Comiczeichnerin Daniela Schreiter kommt das Verdienst zu,
durch ihre erfolgreiche, dreibändige Reihe "Schattenspringer"
die Phänomene des Autismus und dabei insbesondere das autistische Spektrum
eingehend und verständlich beschrieben zu haben. Mit "Fabulöse Fakten"
versuchte sie sich an der Vermittlung wissenschaftlicher Erklärungen zu
Erkenntnissen aus Biologie, Medizin und Astronomie, kehrte mit "Lisa und Lio - Das
Mädchen und der Alien-Fuchs" aber zu ihrem Ausgangsthema zurück und schuf
zwei hilfreiche Bände für jüngere Leser. – In ihrem neuen Buch stellt
Schreiter Begriffe vor, mit denen sich Teile des Verhaltens autistischer
Mitmenschen gut beschreiben lassen. Zu diesen "neurodivergenten
Besonderheiten und Verhaltensweisen" rechnet sie das "autistic nesting", also
die Schaffung eines vertrauten Rückzugsortes, eines "sensorischen und
emotionalen Safe Space", wie sie schreibt. Mit den Fachbegriffen "Mealprep",
"Stimming", "Scripting" und "Autistic Burnout" erläutert sie weitere Spezifika. Die
mit großen Buchstaben geschriebenen Texte illustriert die Autorin mit treffenden
Zeichnungen. Da sitzt zum Beispiel eine junge Frau auf ihrem Bett und klagt:
"Oje, heute habe ich nur neun Löffel." So lässt sich die Löffeltheorie verstehen.
Batman: Gotham by Gaslight und andere Geschichten (Brian Augustyn/Mike Mignola/P. Craig Russell/Eduardo Barreto et al., Panini 2025, 180 S., HC, farbig)
Batman als verurteilter Mörder im Arkham Asylum, Batman im Kampf mit dem
Degen gegen einen Luftschiffkommandanten, das macht der Autor Brian Augustyn
möglich, indem er vorgibt, dass Bruce Wayne (resp. Batman) in
einer Zeit lebt, als die Straßenbeleuchtung in Gotham noch nicht elektrisch ist.
Der Vorzug der ersten Story besteht darin, dass sie uns über Jack the
Ripper aufklärt und zudem eine schlüssige Ursprungsgeschichte für die
spätere Batman-Saga liefert. Hier bezieht sich das gefühlt gerechte Ende auf den
mörderischen Anfang. – Die zweite Story nimmt sich in Fortsetzung der
ersten der weiteren Tätigkeit Batmans an. Bruce Wayne sucht im Gespräch mit
seinem treuen Alfred nach seiner künftigen Rolle als Vigilant. Das ist vor allem
wegen Bruces Verlobter Julie Madison zu überdenken. Julie hält
jedenfalls viel von ihrem "Bat-Man": "Wir brauchen einen Beschützer... der an der
Klippe wacht... der uns vor dem Abgrund rettet..." Doch ausgerechnet jetzt, als
die von Bürgermeister Tolliver geplante Weltausstellung eine Unzahl
von Kriminellen nach Gotham bringen wird, zieht sich Batman als
Verbrechensbekämpfer zurück. – Neben den beiden Erzählungen von
Augustyn enthält das Buch noch drei "andere Geschichten", die im
Zusammenhang mit dem Buchtitel kaum als Lückenfüller taugen, aber die
variantenreiche, zeichnerische Arbeit von Mike Mignola vor Augen führen.
Zorro - Die Legende lebt (Sean Murphy, Splitter 2025, 128 S., HC, farbig)
Als moderne Interpretation der legendären Zorro-Geschichten wird dieser Band
beschrieben. Dazu gehört allerdings nicht, dass Zorro nun mit dem
"Schwert", wie es immer wieder im Comic heißt, gegen die Ausbeuter der
Bevölkerung kämpft, nein, auch der jetzige Diego de la Vega ritzt
sein Z mit dem - vom originalen Zorro geerbten - Degen in
die Brust des Gegners. Derart blutig markiert muss sich der hünenhafte
Trejo bei seinem Chef El Rojo vom ersten
Zusammentreffen mit Zorro zurückmelden. El Rojo hat allen Bauern der Region
befohlen, nur noch Mohn anzubauen, nichts anderes. Um seine Anordnungen
durchzusetzen, schickt er Trejo und seine Spießgesellen los. Gegen deren
moderne Waffen kommt man mit dem Degen eigentlich nicht an. Aber Diegos
Schwester Rosa greift ein. – Das "Moderne" an dieser Zorro-
Erzählung ist zum einen, dass es um Drogenhandel geht, zum anderen, dass ein
Geschwisterpaar im Mittelpunkt steht, welches in verschiedenen Welten zu Hause
ist. Diego glaubt sich mit seinen Vorstellungen aus der Vergangenheit, seinem
Pferd Tornado und dem Fuchs Bandido gegen die
Kriminellen durchsetzen zu können, Rosa muss mit ihrem Realitätssinn
dagegenhalten und die Kastanien aus dem Feuer holen. Das wird für sie
schmerzhaft werden.
The Witcher: Der Rand der Welt (Andrzej Sapkowski/Magdalena Salik/Tommaso Bennato, Panini 2025, 60 S., HC, farbig)
"Es gibt keine Teufel, zum Teufel! Mh-mmm. Aber ich lasse mir die Chance nicht
entgehen, etwas zu sehen, das es nicht gibt." Geralt von Riva, der
Hexer, verdient seinen Lebensunterhalt damit, dass er Wesen vertreibt, die von
den Leuten als Bedrohung gesehen werden. Gegen Hirngespinste tritt er dabei
natürlich nicht an, aber dort draußen am Rand der Welt wird er jetzt auf ein
echtes Monster angesetzt. Man bezahlt ihn, verlangt aber, dass er den "Deubel"
nicht tötet. Er macht sich zusammen mit seinem Begleiter
Rittersporn, dem Barden, zu jenem Feld im Tal der Blumen auf, in
dem sich der Unhold aufhält. Mit Hexerei kann Geralt dem vermeintlichen
Ungeheuer in diesem Feld nicht beikommen, aber er lässt zur Überraschung von
Rittersporn auch sein Schwert am Feldrand zurück. Will er den Teufel etwa mit
bloßen Händen in seine Gewalt bringen? – Dieser Fantasy-Comic hält für
die Lesenden einige Überraschungen bereit. Diese gehen sowohl von den an den
Rand der Welt verdrängten Elfen aus, aber auch von der Autorin selbst, die der
klassischen Situation sich feindlich gegenüberstehender Fantasy-Figuren nicht
gleich ein Gemetzel folgen lässt und die (vielleicht etwas zu plump) vermittelt,
dass man vom äußeren Schein nicht vorschnell auf den Charakter eines Wesens
schließen sollte.
Die Affäre Claudius (Jean Dufaux/Philippe Wurm, Schreiber & Leser 2025, 98 S., HC, farbig)
Lady Elza Rochester hat durch eine Eheschließung mit Charles
Montgomery Pendrock eine reiche Erbschaft zu erwarten. Doch Charles'
Erbtante Lady Edwina knüpft an den erhofften Geldsegen eine
Bedingung: erst muss ihr Neffe mit Elza für Nachwuchs sorgen. Doch Sex mit
einer Frau zu haben, das ist für den schwulen Charles unvorstellbar, selbst wenn
sich dadurch seine finanziellen Sorgen auf einen Schlag in Luft auflösen würden.
Bei den Geschehnissen rund um die problematische Heirat kommt der Lakai
Appleby zu Tode. Damit beginnt eine Kriminalgeschichte, in der sich
der Ex-Mann von Elza, der Sportreporter Jack Lord, und ein
mysteriöser Ermittler und Müllschnüffler namens Feet auf die Fersen
von Charles heften, um Elza zu beschützen. Sie stoßen auf Lone
Turkey, einem Ganoven, der mit Wettspielen sein Geld macht. Bei ihm ist
Charles unter dem Namen Claudius bekannt, womit sich der Titel
des vorliegenden Bandes erklärt. – Dieser Krimi, der in Adelskreisen des
britischen Königreichs angesiedelt ist und der auch deren mitleidlosen Umgang
mit dem Personal aufzeigt, erinnert an typische Geschichten in diesem Millieu, in
denen eine ganze Reihe von Figuren, wie hier zum Beispiel Charles' Handlanger
Philip oder der monokeltragende Soames auftreten, die
den LeserInnen nicht zu früh die Hintergründe der Morde erraten lassen. Das ist
gut gemacht und lässt uns für Elza nur das Beste hoffen.
Marvel Must-Have 107: Spider-Men II (Brian Michael Bendis/Sara Pichelli/Mark Bagley et al., Panini 2025, 132 S., HC, farbig)
Die einschneidenden Folgen der Einflussnahme auf Erde-616 und Erde-1610 durch
Parallelpersonen des jeweils anderen Universums bleiben eine gefährliche Sache
(s. auch die ersten "Spider-Men" in dieser Hardcover-Reihe), selbst wenn sie
sich wegen einer Art Liebe ergeben. Der Schriftzug auf der Titelfigur spricht
bereits Bendis... äh.. Bände: "Who is the other Miles?" Wir erinnern uns:
Miles Morales ist als Spider-Man auf Erde-1610 aktiv, bildet nun
aber mit Peter Parker von Erde-610 ein klebriges Team bei der
Abwehr von Unmenschen. Dazu zählt auch Taskmaster (d.i. Tony
Masters), ein schurkischer Agent mit fotografischen Reflexen. Doch wer hat
Taskmaster angeheuert? Und wie kann man diesen Söldner aufhalten? Die
Spider-Men spüren Taskmasters Fähigkeiten, als sie gefesselt von der Decke
hängen. – Im Laufe der Handlung kommen einige Barbaras ins Spiel, die
es sauber auseinanderzuhalten gilt. Da ist zum einen Barbara
Rodriguez, eine dunkelhaarige Mitschülerin von Miles, mit der es etwas
werden könnte. Und dann tauchen zwei blonde Barbara Sanchez auf,
die eine auf Erde-616 und die andere auf Erde-1610. Auch zwischen den beiden
blonden Barbaras und Miles funkt es. Kann das denn sein? Na klar, das eine ist
unser Miles, das andere "the other Miles".
Elon & Jeff on Mars (Marc-Uwe Kling/Bernd Kissel, Carlsen 2025, 80 S., HC, farbig)
"Wenn ich irgendwo ins Kino will, dann kaufe ich mir eins". Jeff
Jezos und Elon Dusk wetteifern darin, wer wie exzentrisch
sein Geld verprassen kann. Die beiden Ultrareichen haben sich einen Wettstreit
geleistet, wer von ihnen zuerst auf dem Mars landen wird. Das hat keinen
wissenschaftlichen Grund, aber man macht das, weil man es kann. Als Jeff
siegessicher auf dem Mars eintrifft, nach einem Raumflug mit allem erdenklichen
Luxus, währt sein Jubel nach der Landung aber nur kurz: Elon ist schon da! Und
der hat sich sogar Matt Damon mitgebracht, der ihm den Marsianer
vorspielen kann, falls ihm einmal langweilig werden sollte. – Mit
gelungenen, sehr witzigen Einfällen nehmen die Autoren das Verhalten der
beiden Multimilliardäre so auf die Schippe, wie man es sich gern vorstellen mag:
als Wettkampf zweier Jungen in der Sandkiste. Elon errichtet sogar einen
symbolischen Trennzaun zwischen den Marsgrundstücken von ihm und Jeff. Doch
wie weittstreitende Jungen beim Spielen im Sand, so kommt es auch in den
Weiten des Marssandes zu einer Annäherung der beiden Konkurrenten. Zunächst
baut Elon in seinen Grenzzaun ein Gartentor ein. Sie verbringen einen ersten
Abend miteinander und tauschen Einsichten aus: "Ich finde, kein Mensch auf der
Erde braucht mehr als 200 Milliarden Dollar!" Und dann streiten sie sich, wer den
Abwasch macht.
Miss Tattoo 1: Die Erbin (André Taymans/Elisabetta Barletta, Schreiber & Leser 2025, 48 S., HC, farbig)
Ein golfspielender, blonder und rücksichtsloser Präsidentschaftkandidat mit roter
Baseballkappe namens Duck, der üble Machenschaften am Laufen
hält, eine dunkelhäutige Vizepräsidentin, die sich um einen angeblich gefälschten
Arztbericht zum Gesundheitszustand des Präsidenten kümmern muss, dieser
Politkrimi spart nicht mit Anspielungen auf sehr wohl denkbare Vorgänge in den
USA. – FBI-Agent Gary Scott gibt Vanina "Miss Tattoo"
Lao am Grab ihrer Halbschwester Caroline Baldwin den
Schlüssel zu Carolines Haus. Vanina ist die Erbin. Inspektor Philips
vom New York Police Department, ein Freund von Gary, kommt in dem Moment an
dem Haus vorbei, als Vanina dort eintrifft und es vollkommen durchwühlt
vorfindet. Auf der Suche nach dem Grund für diesen Einbruch trifft man bei
Wilsons Investigations, Carolines damaligen Arbeitgeber, zu der
Zeit ein, als dort die Leiche einer Person aufgefunden wird, die angeblich seit
zwanzig Jahren tot ist. – Dieser erste Teil einer spannenden Erzählung
bringt redliche Polizisten, politische Winkelzüge, die chinesische Mafia, eine
Selbstmordsekte und eine großflächig tätowierte Besitzerin einer Girlie-Bar in
Bangkok zusammen. Als mysteriöses Element kommt der lebhafte Auftritt einer
Catwoman hinzu. Trotz dieser ungewöhnlichen Zutaten, sind Geschichte und
Zeichnung klar lesbar.
Harley Quinn (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse (4. Serie) 3: Zwischen Gut und Böse (Tini Howard/Natacha Bustos/Sweeney Boo/Erica Henderson et al., Panini 2025, 252 S., SC, farbig)
Ob die Geburtstagsüberraschung, die sich Ivy (d.i. Poison Ivy aka
Dr. Pamela Isley) für ihre Harley (d.i. Harley Quinn aka Dr. Harleen
Quinzel) ausgedacht hat, wirklich gelungen ist, darüber lässt sich nachdenken.
Ivy will mit Pam eine ganze Nacht lang "unartig" sein. Pam gefällt das. Dazu
geht es in eine Schokoladenfabrik, für deren Kakaoanbau ganze Landstriche
entwaldet werden. Mit Hilfe von Schimmelpilzen lässt man die Fabrik in sich
zusammenfallen (obwohl Ivy eigentlich mit dem Grün und nicht mit
dem Grau verbunden ist, wie man in Poison Ivy 5 lernt).
Die Aktion entspricht gänzlich Ivys Auftrag als Öko-Aktivistin, aber Harley
verstößt damit gegen ihre Bewährungsauflagen. Sie hatte versprochen, sich als
Psychologie-Dozentin an der Uni nützlich zu machen, aber nach einigen weiteren
(gut gemeinten) Eskapaden steht sie wieder unter enger Beobachtung von Officer
Donna Pulaski, die ihr einige Geheimnisse entlocken will. –
Wie es der Titel dieses Bands schon beschreibt, gerät Harley zwischen Gut und
Böse. Einerseits will sie ihre psychologischen Kenntnisse bei angehenden
Superhelden nutzbringend anwenden, andererseits wird sie von Mr.
Freeze (d.i. Victor Fries) in eine böse, eiskalte Sache hineingezogen, bei
der ihr zum Glück Robin zur Seite steht, selbst wenn sie sich dabei
in eine Umgebung mit "negativen Kelvingraden" begeben müssen. So kalt kann
es wohl nur in einem Comic sein.
Die Abenteuer von Blake und Mortimer 27: Gezeichnet: Olrik (Yves Sente/André Juillard, Carlsen 2025, 64 S., SC, farbig)
Professor Philip Mortimer kann mit seinen genialen Erfindungen
sogar dem Grafen von Rummelsdorf das Wasser reichen. Sorgte Mortimer mit
seinem Unter- und Überwasserflugzeug "Tigerhai" im "Kampf um die Welt"
Entscheidendes, so hat er nun für einen angenehm unkriegerischen Zweck den
"Maulwurf" entwickelt, der zwar wie ein "Tigerhai" zu steuern ist, der sich aber
nicht in Wasser und Luft, sondern im Erdreich erstaunlich flexibel bewegt.
Colonel Olrik, der ewige Gegenspieler von Blake und Mortimer (s.
auch Blake
und Mortimer 26), ist natürlich mit von der Partie, als es darum geht, den
"Maulwurf" zu einem unvorhergesehenen Zweck zu nutzen, nämlich der Suche
nach Excalibur und dem Schatz von König Artus.
Unterdessen bekommt es Captain Francis Blake als Angehöriger des
MI5 mit einer Gefährdungslage zu tun, die zunächst mit Mortimers
Maulwurf nichts zu tun zu haben scheint. Doch beide führt ihr Weg nach Cornwall,
wo sich eine gewaltbereite Gruppe für die Unabhängigkeit des Landes einsetzt.
– Dieses Album ist die letzte Arbeit, die der Zeichner André Juillard (1948
-2024) für diese Serie geschaffen hat. Sie wurde postum im September 2024 in
einer Tageszeitung vorveröffentlicht und besticht durch die Klarheit und
Akkuratesse, für die dieser Künstler bekannt ist.
Poison Ivy 5: Der Orden des Grünen Ritters (G. Willow Wilson/Marcio Takara/Mike Perkins et al., Panini 2025, 180 S., SC, farbig)
Am Beginn steht eine Kurzgeschichte, die das enge Verhältnis von Poison
Ivy (d.i. Dr. Pamela Isley) zum Grün aufzeigt, der
Gemeinschaft aller Pflanzen. Zudem wird klar, dass es auch andere Personen und
Schicksale gibt, die mit dem Grün auf Gedeih und Verderb verbunden sind,
darunter Swamp Thing (d.i. Alec Holland), der Pamela unterstützt.
An den anfänglichen Einblick in die Welt von Poison Ivy schließt sich eine neue
Storyline an, die mit dem Label "DC All In" angeboten wird. In dieser übernimmt
Janet Emilia Mitchell einen wichtigen Part, als Mitbewohnerin in
Pamelas Unterkunft (s. Poison Ivy 3), als Geliebte von Killer Croc
(d.i. Waylon Jones) und als Freundin, die des Schutzes durch Poison Ivy bedarf.
(Wenn man den Band umdreht und von hinten liest, erfährt man etwas über
Janets Rolle in der künftigen Erzählung.) Aus Pamelas Vergangenheit als Öko-
Aktivistin (s. Poison
Ivy 4) dringen noch immer Gefahren in ihr heutiges Leben, die kaum
vorherzusehen sind. Dabei gelingt dem Grau, die Wesentheit aller
Pilze, die bedeutsame Kommunikation mit Pamela. – Janet entkommt
glücklich einem Anschlag von Öko-Terroristen des "Ordens des Grünen Ritters".
Und dann heißt es, dass Poison Ivy die Anführerin dieser gewaltfreudigen Gruppe
sei.
XIII Trilogy 2: Jones - Alcatrazrot (Olivier TaDuc/Yann, Carlsen 2025, 48 S., SC, farbig)
Nachdem der erste Band mit "Azurschwarz" überschrieben war, geht es jetzt "Alcatrazrot"
weiter, was wohl darauf anspielt, dass es auf der Gefängnisinsel Alcatraz bei San
Francisco eine Geiselnahme durch Aktivisten indigener Abstammung gibt. Sie halten
das Gefängnis besetzt. Aber unter ihnen gibt es eine Auseinandersetzung:
Crow Dog wird von Karkajou, dem Anführer der
Red Warriors, beschuldigt, eine Schwarze Kasse veruntreut zu haben.
Trotzdem behält Crow Dog die Führerschaft bei den Geiselnehmern. Zur Befreiung
der Geiseln redet General Ben Carrington von einer Stürmung der
Insel mit seiner Spezialtruppe, doch die energische Bürgermeisterin verlangt
Verhandlungen. Carrington soll mit einem Boot unbewaffnet zu Gesprächen mit den
Geiselnehmern übersetzen. Unterleutnant Jones ist eine seiner
Begleiter. Die Verhandlungen scheitern gründlich, da Crow Dog während des
Gesprächs von einem Heckenschützen erschossen wird. Beim anschließenden
Gefecht fällt Carrington in die Hände der Red Warriors, während Jones entkommen
kann. Jones krimineller Bruder Marcus hat seine Hände im Spiel.
– 1969 gab es tatsächlich eine Besetzung von Alcatraz durch der
Indians of All Tribes, die damit gegen ihre unrechtmäßige Behandlung
durch die Regierung protestierten. Ihr ironisches Angebot war, den USA Alcatraz
abzukaufen, mit Glasperlen und rotem Tuch.
Aufbruch ins Weltall - Eine kurze Geschichte der Raumfahrt (Arnaud Delalande/Eric Lambert, Knesebeck 2025, 192 S., HC, schwarzweiß)
Die vielen Einzelheiten der Apollo-Missionen, von denen die Autoren in
dieser Graphic Novel berichten, fordern einerseits Respekt vor dem Mut der
Atronauten, die mit nach heutigem Maßstab recht unreifen technischen Mitteln
zwischen Erde und Mond unterwegs waren, und wecken andererseits den kritischen
Geist derer, die sich fragen, ob die Ergebnisse den Aufwand gelohnt haben. Heute
überlässt man Robotern, was damals nur durch Menschen zu erkunden war. Die
Rechen- und Robotertechnik steckte in den 1960er Jahren noch in den
Kinderschuhen. Absurd, dass die uns heute so nützliche Satellitentechnologie und
ISS-Forschung auf die militärische Raketenforschung der Hitlerzeit zurückgeht. Mit
der V2 bombardierte man England, mit ihrer späteren
Weiterentwicklung Juno I startete man das Explorer-
Forschungsprogramm. – Da die European Space Agency (ESA) und die
Société astronomique de France (SAF) den Autoren bei der Zusammenstellung
dieses Buchs zur Seite standen, stellt man die europäischen Beiträge zur
Erforschung des Weltalls besonders heraus, darunter die Mitarbeit bei den
Weltraumteleskopen Hubble und James Webb, die
Landung der Raumsonde Huygens auf dem Saturnmond Titan, die
Landung von Philae auf einem Kometen, die Arbeit mit
Gaia zur genauen Erfassung des Sternenhimmels und eine Beteiligung
am Artemis-Projekt für eine bemannte Mondlandung. – Laut
dem Buch werden täglich 40 neue Satelliten ins All geschossen. Auch das macht
Müll. Seit dem Film "Gravity" mit Sandra Bullock ahnen wir, was Weltraumschrott
anrichten kann.
John Constantine - Hellblazer: Tot in Amerika 2 (Simon Spurrier/Aaron Campbell/Lisandro Estherren et al., Panini 2025, S., SC, farbig)
John Constantine muss weiter als wandelnde Leiche nach
Dreams gestohlenen Sandkörnern suchen. Dream will alle Körner
zurückerhalten. Als Gegenleistung wird Constantine Erlösung von seinem jetzigen
Zustand versprochen (s. "Tot in Amerika 1"). Zu Beginn des zweiten Bandes dieser
Erzählung wird an Ethel Cripps erinnert (s. "Sandman 2"), die
wohl aus finanzieller Not Dreams Sandbeutel hat versteigern lassen, ohne wie
auch dessen Vorbesitzer jemals an deren Inhalt gekommen zu sein. Erst der
halbköpfige Elliot Garner (d.i. Dr. Diablo) findet einen Weg, um mit
Hilfe des Gefäßes, aus dem die Sibylle von Cumae spricht, den
Sandbeutel zu öffnen und seinen Inhalt zu nutzen. Constantine überwältigt Garner
und bringt ihn zum Höllentor, wo der Dämon Etrigan sie wie Charon
auf einem Kahn in die Hölle übersetzt. Dort wird die Ablieferung des Sünders zu
einem Tauschgeschäft, in dem Constantine für sich und andere Wichtiges
aushandelt. – Auch für die Lektüre dieses Bandes sind Vorkenntnisse aus
dem Sandman-Universum von Vorteil. So sollte man letztlich Death
erkennen, wenn sie auftaucht, um als gespannte Lesende verwirrt sein zu können,
wenn es einem der Text verspricht.
Der kleine Perry 3: Der Meister der Roboter (Olaf Brill/Michael Vogt, Carlsen 2025, 96 S., HC, farbig)
Perry und Thora spielen nah am Rande des Schwarzen
Lochs im Zentrum der Milchstraße sorglos eine Partie Schach und genießen dabei die
Aussicht. Das bringen auch nur junge Menschen fertig, die ganz auf das profunde
arkonidische Wissen über die Sicherheit an diesem Platz nahe des Ereignishorizonts
vertrauen. Die Arkonidin Thora, wesentliches Mitglied des jugendlichen
Abenteuerteams um den blitzgescheiten Perry (s. "Der kleine Perry
2") erzählt, dass man sich hier seit Langem zum entspannten Frühstücken
herbegibt. Aber dann taucht Perrys Mutter dort auf und will sich offenbar ins
Schwarze Loch stürzen. Alle sind erschrocken. Gucky, der Mausbiber,
Teleporter, Telekinet und Telepath, schnappt sich Perry, Thora und den Kleinroboter
X-7 und springt in Crests Schiff, von wo aus sie in
gemeinsamer Anstrengung Perrys Mutter aufhalten können. Ma nennt
einen guten Grund für ihren gefährlichen Kurs. Allerdings fehlt ihr für ihr Vorhaben
noch ein besonderer Kristall, so einen wie ihn Atlan, der Kristallprinz,
in Atlantis bei sich trägt. – Damit beginnt eine weitere Episode dieses für
junge LeserInnen gedachten "Perry Rhodan"-Ablegers, in der Guckys Sprung mit
Perry und Thora durch den "Weißraum" am Schwarzen Loch ungeahnte Folgen hat:
Auf der Erde scheint es nur noch Roboter zu geben.
Gamma ...visions (Jens Harder, Carlsen 2025, 216 S., HC, zweifarbig)
Weit mehr als tausend elaborierte Abbildungen aus zahlreichen Quellen, Seite für
Seite in Panels angeordnet wie in einem Comic, gefüllt mit einem Ausblick auf
unsere mögliche Zukunft, so präsentiert sich der vierte Band dieser Reihe mit der
erdgeschichtlichen Gesamtschau eines ungewöhnlich ausdauernden Autoren. Mit
dem aufsehenerregenden Werk "Alpha ...directions" über unsere Ursprünge ging er
vor zwanzig Jahren an den Start, mit dem zweibändigen "Beta
...civilisations" setzte er fort und nun liefert er zum Abschluss zweihundert
Seiten mit seinen Visionen für die kommende Welt. Unsicherheit über das, was sich
da ankündigt, drückt sich in beunruhigenden Bildern und gestörter Orthografie aus.
Die geschilderte Zukunft beginnt 2022 mit der Geburt des achtmilliardesten
Human, gefolgt vom Entstehen idealer Kleptokratien. Im Verlauf der
weiteren Entwicklung spielen Ökosekten, Wehrsiedlungen, gigantische
Überkuppelungen und die Besiedlung von Monden und dem Mars, also innersolare
Humankolonien eine Rolle. Die Humans müssen den Kontrollverlust über
maschinelle Systeme erdulden. Wie bereits 1920 in Karel Capeks "R.U.R."
beschrieben, steht am Anfang des Untergangs der Humans die Fähigkeit künstlicher
Wesen, sich selbst zu reproduzieren. Es entstehen Roboterterritorien. Von da aus ist
der Weg zum menschenfreien Sonnensystem nicht mehr weit. Zum Schluss kehrt
das Buch von spekulativen, KI-fürchtigen Extrapolationen zu wissenschaftlichen
Gewissheiten zurück: Die Sonne brennt nicht ewig.
Thomas Mann 1949: Rückkehr in eine fremde Heimat (Friedhelm Marx/Julian Voloj, Knesebeck 2025, 96 S., HC, farbig)
Als die Nazis 1933 in Deutschland an die Macht kommen, entgehen Thomas und
Katia Mann deren Zugriff. Von einer Auslandsreise kehren sie nicht nach
Deutschland zurück. Als entschiedenem Gegner der Nationalsozialisten droht dem
Literatur-Nobelpreisträger ("Buddenbrooks", "Der Tod in Venedig") dort die
Inhaftierung. Die Manns emigirieren zunächst nach Frankreich, dann in die Schweiz
und letztlich in die USA. Als auch dort die politischen Zustände um 1947
unerträglich werden, emigrieren die Manns 1952 zurück in die Schweiz. Dazwischen
liegt 1949 ein Besuch in Deutschland, der Thomas und Katia Mann durch den
Westen und Osten des kriegszerstörten, besetzten Deutschlands führt. Die
Erlebnisse dieser Reise stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Comics, welches die
Fahrten nach Frankfurt am Main und nach Weimar zur Entgegennahme des
westdeutschen Goethe-Preises und des ostdeutschen Goethe-Nationalpreises durch
Rückblenden bereichert ins Bild setzt. Ein Gedanke, den Thomas Mann bei beiden
Gelegenheiten in seiner Ansprache vorträgt, zeigt seine Haltung jener Jahre
unverkennbar: "Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst,
Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet." Er sieht sich als
unabhängiger Schriftsteller, "dessen wahre Heimat die freie, von Besatzungen
unberührte deutsche Sprache ist."
Zebra Sonderband 28: Ferien Sonderheft (Rudolph Perez, ZEBRA 2025, 40 S., Heft, schwarzweiß)
Die ZEBRA-Crew bricht in den Urlaub auf. Schnell konnten sie sich mit diesem
dringend notwendigen Vorhaben in der Verlagsleitung durchsetzen. Es geht kreuz
und quer durch die Weltcomicgeschichte. Eine Anspielung jagt die nächste. Wer in
der weiten Welt der Comics bereits einiges gesehen hat, wird sich vom Reiseweg
über Metropolis, Schlumpfhausen und Rummelsdorf, zur Trajans-Säule, zur
Schwarzen Insel und ins Brüsseler Comiczentrum nicht überraschen lassen. –
Welcher der vier Künstler Georg K. Berres, Bill GoGer,
Ludwig Kreutzner oder Rudolph Perez welche Teile der
einzelnen Beiträge zu diesem Ferienheft erdacht oder gezeichnet hat, dieser
Gegenstand einer herausfordernden Untersuchung durch die Comicforschung ist
letztlich unerheblich, ordnen sich doch alle vier einem gemeinsamen Ideal in
Zeichenstil, narrativem Zuschnitt und Humor unter und leben auch danach. Die vier
zeichnen sich als eine "Crew" aus, die sich seit Jahrzehnten in einer Redaktion
zusammengerauft hat und in ihrer so einmütig gebildeten multiplen Persönlichkeit
an einem gemeinsamen Comic-Strang zieht. Ihre Erlebnisse halten sie in Comic-
Strips fest, die akkurat gezeichnet sind und die umweglos ihre Pointe ansteuern.
Brav folgen die vier Könner der Aufforderung ihres Chef-Redakteurs: "Was immer
euch passiert oder bewegt, macht einen Comic draus!"
Smoking Behind the Supermarket, Band 4 (Jinushi, Carlsen 2024, 246 S., Tb., schwarzweiß)
Die Entwicklung einer engeren Beziehung zwischen dem sehr schüchternen, 46-
jährigen Herrn Sasaki und der 25-jährigen Frau Yamada
(resp. Frau Tayama) ist ein äußerst langwieriger und seltsamer Prozess
(s. Smoking Behind the Supermarket 1). Der Klappentext nennt
es eine Slow-Burn-Liebesgeschichte. So wird es wohl noch bis Band
100 dauern, bis Herr Sasaki geschnallt hat, dass die lockere Frau Tayama gleich der
angehimmelten Frau Yamada ist, und bis Band 200 wird man vermutlich warten
müssen, bis zwischen den beiden irgendetwas läuft. Was reizt Frau Yamada an
diesem alten Knacker eigentlich? Dass die Lesenden trotz allem am Ball bleiben,
liegt vielleicht daran, dass ihnen diese Situation vertraut ist, in der man eine nette
Kassiererin eines Ladens einmal näher kennenlernen möchte, oder vielleicht
umgekehrt? Sich dazu hinterm Supermarkt in einer gewissen Heimlichkeit zum
gemeinsamen Rauchen zu treffen, liegt nicht fern, da Raucher sich als
gesundheitlich bedrohliche Gruppe in Nebenräume abzusondern gewohnt sind. Der
Autor nimmt in Band 4 zur Erweiterung der Erzählung die Frau
Nishizono, eine Mangaka, zum Figurenensemble hinzu, die ebenfalls
eine Kassiererin des Supermarkts anhimmelt, zum Glück eine andere als Frau
Yamada. – Mit seiner mangatypischen, gut lesbaren Bildsprache lässt der
Autor keine Langeweile aufkommen, auch wenn es zeichnerisch manchmal so
aussieht, als würden die Protagonisten statt Zigaretten Grissini rauchen.
Honey moon 1: Der Kuss der Sphinx (Bastien Vivès, Schreiber & Leser 2025, 48 S., HC, farbig)
Ihren Urlaub wollen Sophie und Quentin ohne ihre Kinder
und ohne Aufregungen verbringen, ihn nur an einem einsamen Strand in der Sonne
liegend genießen. Doch dann kreuzt überraschend der aufdringliche
Oliver auf und lädt sie auf "seinen bescheidenen Kahn" zum Dinner
ein. Schon bald gibt er zu, dass die Yacht "Bellafonte" nicht ihm gehört, er soll sie
nur nach Menorca überführen. Sophie und Quentin bewundern die Inneneinrichtung
und das Inventar. Quentin stellt fest, dass Jacques Vermulen, ein
großer Waffenhändler, der Besitzer der Bellafonte sein könnte. Unterdessen nimmt
Sophie eine Art ägyptisches Zepter in die Hand. Es gelingt ihr, das Zepter zu öffnen.
Ein roter Falter kriecht heraus, dem später eine bedeutsame Rolle in der handfesten
Auseinandersetzung zwischen den Gästen auf der Yacht zukommt. Quentin, der sich
beruflich in der Szene auskennt, in die Sophie und er geraten sind, will umgehend
zurück an Land. Aber Oliver kann die beiden noch zum Bleiben überreden. –
So beginnt eine letzte Stunde einer packenden Geschichte mit hungrigen Haien und
traurigen Überbleibseln einer hervorragenden Comicsammlung. Bastien Vivès hat
der Reihe seiner beachtlichen Comicarbeiten eine weitere hinzugefügt, in der nur
ein tödlicher Falter und ein Hai verwundern, der seltsam lächelt.
Blade Runner 2039, Band 1: Luv (Mike Johnson/Mellow Brown/Andrés Guinaldo, Panini 2025, 112 S., SC, farbig)
Noch vor zehn Jahren wurden humanoide Blade Runner wie Aahna "Ash"
Ashina auf Patrouille geschickt, um Replikanten zu jagen (s. Blade Runner
2029). Jetzt, im Jahr 2039, sieht es so aus, als könne man diese Aufgabe
speziellen Blade-Runner-Replikanten übertragen. Luv ist eine solche
Spezialanfertigung. Der mächtige Industrielle Niander Wallace zieht
im Hintergrund die Fäden für die neue Produktlinie und deren Weiterentwicklung.
Sie schafft ihm derzeit durch Luv viel Einfluss auf das Los Angeles Police
Department (LAPD), da Luv vorrangig seinen Befehlen gehorcht. Beim Aufspüren
von Replikanten hat Luv gegenüber menschlichen Blade Runnern den
unschlagbaren Vorteil, dass sie solche unmittelbar ohne Augenuntersuchung
erkennen kann. – Wallace hat seine Kenntnisse in der Replikantenforschung
durch Übernahme der Reste des vorherigen Herstellers, der Tyrell Corporation,
erworben. Jetzt schickt er Luv los, um weitere wichtige Informationen einzuholen:
Bei einer Replikantin, die der verstorbenen Frau von Alexander
Selwyn, eines engen Mitarbeiters von Tyrell, nachgebildet ist, weiß man
noch bisher verborgene Kenntnisse vorhanden, das Wallace fürs nächste Upgrade
benötigt. – Ash und ihre Partnerin Freysa versuchen gut
versteckt, die Pläne von Wallace zu durchkreuzen. Darin zeigt sich, dass das
spannende Thema "Blade Runner" noch längst nicht auserzählt ist.
Dissolving Classroom - Das schmelzende Klassenzimmer (Junji Ito, Carlsen 2025, 178 S., HC, schwarzweiß)
Dass einigen Leuten das Gehirn geschmolzen ist, den Verdacht mag man bei
näherer Betrachtung unserer Welt gelegentlich haben. In Junji Itos 2015 in Japan
aufgezeichneter Gruselwelt passiert das ständig und vollkommen. Das heißt,
nach Abschmelzen des Hirns zerfließt auch noch der Leib der Opfer. Das gibt
hässliche Flecken auf dem Boden. Ganze Schulklassen versinken in der Brühe
ihrer selbst. Dabei fragt man sich, warum der Verursacher dieser Schmelzmorde,
der überhöfliche Yuma Azawa, sich für diese teuflischen Attacken
hergibt. Seiner Schwester Chizumi gefällt der Hirnschmalz
jedenfalls. Sie genießt ihn am liebsten frisch, aber auch aus der Flasche. Leider
ist eine der Folgen des Zusammenlebens mit ihrem Bruder, dass sie oft umziehen
müssen. – Der neue Band mit Junji-Ito-Horrorstories besteht aus mehr als
einer einzigen Erzählung über das grausige Geschwisterpaar. Da schmelzen dann
auch noch Schönheiten und ganze Hausgemeinschaften. Der Autor lässt jedoch
einzelne Jugendliche dem Zugriff von Yuma entkommen oder sie nur etwas
anschmelzen. Das führt ein spannendes Ende herbei, von dem man nur hoffen
kann, dass es die Gehirne der Lesenden unbeschadet davonkommen lässt. Wir
bitten gegebenenfalls schon jetzt inständig um Entschuldigung!
hairball (Matt Kindt/Tyler Jenkins, Cross x Cult 2025, 160 S., SC, farbig)
Mysteriös zu sein, das wird mancher Katze als Eigenschaft zugeschrieben, die
von einer Aura des Undurchschaubaren umgeben scheint. Anna hat
so eine Katze. Sie nennt sie Biest. Biest klingt nach
Bastet, der ägyptischen Katzengöttin, eine freundliche,
beschützende Göttin, wie Wikipedia weiß. Doch mit Anna und ihren Adoptiveltern
geht Biest eigentlich weder freundlich noch beschützend um. Sie beißt, sie
schmeißt runter, sie übergibt sich auf Schreibtisch und in Kaffeetasse. Annas
Adoptivvater flucht über die hervorgewürgten Haarballen der Katze, dem
Katzen-Gewölle, das ihn sogar beinahe umbringt. Dabei passt dieser Ausdruck
von Übelkeit durchaus zur familiären Situation, die Anna ängstlich durchlebt und
zu der Biest ihren haarigen Kommentar erbricht. – Der Klappentext nennt
das Buch zu recht einen Mystery-Thriller. Der spannende Fortgang der Handlung
wird von Annas Antworten auf die Fragen einer Psychaterin begleitet. Man
erkennt an Annas Aussehen, dass sich die psychiatrische Behandlung offenbar
über Jahre erstreckt, auch als Anna schon bei Tante Joyce wohnt,
die für Anna in bester Absicht Biest zu sich ins Haus holt. Sie ließ das Tier sogar
mit einem Chip versehen, so dass Anna die Katze womöglich gar nicht mehr
loswerden wird. Lange nachdem Anna wieder ins elterliche Haus zurückgezogen
ist, kommt sie zu ganz neuen Einsichten.
Jules Verne - Die Comic-Biografie (Olivier Sauzereau/Wyllow, Knesebeck 2025, 56 S., HC, farbig)
Jules Verne (1828-1905) schrieb weltbekannte Romane, in denen
der Wissenschaft und Technik zugeneigte Abenteurer in 80 Tagen um die Welt,
zum Mittelpunkt der Erde, zum Mond, 5 Wochen im Ballon oder 20.000 Meilen
unter dem Meer auf Reisen gehen. Dabei begegnen uns legendäre Figuren wie
Kapitän Nemo mit seinem U-Boot "Nautilus", Phileas Fogg mit seinem Diener
Jean Passepartout, die Professoren Otto Lidenbrock und Pierre Aronnax oder
Robur mit seinem Luftschiff "Albatros". In seinen Geschichten stellt Verne vor,
was die Zukunft an technischen Neuerungen bereit halten könnte. – Die
vorliegende Biografie lässt erkennen, wie Verne zu seinem Interesse für
technischen Fortschritt und damit zur Erzählung außergewöhnlicher Reisen kam,
so dass man ihn heute zu den Begründern der SciFi-Literatur zählt. Dass es der
Autor dieser Comic-Biografie als promovierter Historiker dabei mit den
geschichtlichen Fakten ernst nimmt, das ist spürbar. Nicht nur weist er bereits im
Vorwort eigens darauf hin, dass er die Comicpassagen in dieser Biografie
sinngemäß mit eigenen Einfällen "verwoben" habe, sondern er ergänzt die sechs
treffend ausgewählten Abschnitte von Vernes Lebensgeschichte auch mit jeweils
zweiseitigen Beiträgen zu den zugrundeliegenden historischen Befunden.
>> Hier weiter zur Comic-Lektüre für 2024!
Kurzrezensionen von Comics
(o) comicforscher.de, Hildesheim 2021 bis 2025