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Sekundäres: Draw What You Love (18.5.22), Lektüre: Die rote Nacht (17.5.22), Goofy - 90 Jahre Chaos (15.5.22), Sea Shepherd 1 (11.5.22), Skizzen einer Revolution (11.5.22), Ausstellung: Horror im Comic (10.5.22), Lektüre: Buffy 5 (10.5.22), Who's the Scatman? (9.5.22), Murr (9.5.22), Comicbörse: Intercomic Köln Mai 2022 (9.5.22), Lektüre: Batman: Schwarz und weiß 3 (5.5.22), Nami und das Meer (4.5.22), Lady Killer (3.5.22), Superman: Rot und blau (2.5.22), Zeittafeln: Zeittafel 1963 (25.4.21), Lektüre: Catwoman: Lonely City 1 (15.4.22), Die Maimorde (14.4.22), Brian Bones 1 (13.4.22), DC Celebration: Wonder Woman (12.4.22), Shamhats Liebhaber (11.4.22), Batman: Reptil 1 (10.4.22), Asterix: Die dickste Buxe vom Revier (8.4.22), Eine Reise unter die Erde (4.4.22), Lena auf dem Pulverfass (3.4.22), Eine Geschichte (1.4.22), Karmela Krimm 2 (31.3.22), ZACK 274 (30.3.22), Verlagswesen (28.3.22), Das Gutachten (24.3.22), Die Känguru-Comics 1 (22.3.22), Artikel: Das Bildnis des Dorian Gray (21.3.22), Schlaglicht: Ukraine (19.3.22), Lektüre: Noir Burlesque 1 (1.3.22), Krieg der Welten 1 (28.2.22), Spirou und Fantasio Spezial 35 (27.2.22)


Vorwort

Wieso? Weshalb? Warum?

Schlaglichter


Schauraum Dortmund Exponate Katalog Horror im Comic Schauraum Dortmund Vitrine Schauraum Dortmund Wand

Schauraum Dortmund

Horror im Comic

Seit dem April 2019 finden im schauraum in Dortmund Comic-Ausstellungen statt. Dieser besondere Raum entstand aus einem ehemaligen Ladenlokal mit knapp 200 m² Fläche direkt gegenüber dem Hauptbahnhof. Der Eintritt ist frei. Als erfahrener Kurator übernahm Alexander Braun die Aufgabe, alle halbe Jahre sowohl eine Ausstellung mit sehenswerten Originalen als auch den zugehörigen Katalog zusammenzustellen. Nach den Ausstellungen "Ente süß sauer – Carl Barks und die Folgen" und "Nimm das, Adolf – Zweiter Weltkrieg im Comic" von 2019 folgte trotz Pandemie 2020 "Anime fantastisch – Die Kunst des japanischen Zeichentrickfilms" und 2021 "Will Eisner – Graphic Novel Godfather". Jetzt, im Frühjahr 2022, steht der "Horror im Comic" auf dem Programm des schauraums. In einem Teil des Raumes werden Comic-Exponate zu Gespenster- und Gruselgestalten auf roten und grauen Wänden präsentiert, in der anderen Hälfte hängen Originale vor einer Wand, die komplett mit einer Vergößerung der beeindruckenden "Frankenstein"-Laborszene von Bernhard "Bernie" Wrightson bedeckt ist. Toll! Die reichhaltigen Kataloge zu diesen Ausstellungen werden immer dicker. Der Katalog "Horror im Comic" ist 456 Seiten stark, wird aber Besuchern im Ausstellungsraum vergünstigt angeboten. (adi)


 
Hermann Comichändler Eckart Schott Deine Mutter als Zombie!

Intercomic - Comicmesse Köln Mai 2022

Sie handeln wieder

Bei frühsommerlichem Wetter startete nach längerer Pause die Intercomic in der Stadthalle in Köln-Mülheim wieder zu einem langem Börsentag. Mit Applaus wurde Hermann ("Comanche", "Duke", "Die Türme von Bos-Maury") gefeiert, der an gleich zwei Signierständen zu Gast war. An den Ständen der Comichändler stapelten sich die langvermissten Kisten und Kartons mit Raritäten und vielen Comics zu Schnäppchenpreisen. Verlage wie Salleck oder All zeigten ihre Neuerscheinungen im Foyer, andere reihten sich in fünf Gängen im großen Saal der Stadthalle zwischen Händler- und Zeichnertischen ein. Im Vergleich zur Intercomic vor der Pandemie war die Börse zwar kleiner, aber gut besucht. Auch schon bevor es im Foyer und im Saal enger wurde, setzten die meisten Besucher aus freien Stücken ihre Maske auf: vorbildlich. Bei den Zeichnern bot Timo Grubing angesichts des nahenden Muttertags an, die Mutter als Zombie zu zeichnen, während Rudolph Perez im bereits 25. Zebra-Sonderband weise daran erinnerte: "In der Tusche liegt die Wahrheit" (Fotos v.l.n.r.: Hermann Huppen, Comichändler, Eckart Schott (Salleck Publications), Timo Grubing). (adi)


 
Ukraine: Taras Bulba Ukraine: Panzerkreuzer Potemkin Treppe Ukraine: Mit Feuer und Schwert Ukraine: Holodomor - Bittere Ernte

Ukrainische Geschichte in Film und Comic

Gegen die Fremdherrschaft

Mit der Kiewer Rus, gegründet von nach Südosten vordringenden Wikingern, stellt ein wesentlicher Teil der heutigen Ukraine die Keimzelle des späteren russischen Reiches dar, nahm aber dennoch in der Folgezeit eine eigenständige Entwicklung, die über lange Phasen der Fremdherrschaft und dadurch bedingte Teilungen – von der Goldenen Horde über Litauen und Polen bis zum Zarenreich und der Sowjetunion – zur Herausbildung eines ukrainischen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert führte. In dieser langen Zeit sind die russische und die ukrainische Geschichte in vielfacher Weise miteinander verknüpft. Eine Reihe von Filmen und Comics liefern uns dazu Denkanstöße. (hjk)
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Dorian Gray Knesebeck Dorian Gray Alan Ford Dorian Gray Film 1945

Das Bildnis des Dorian Gray

Ewige Jugend, dauerhafte Schönheit

Ein Porträt, das die Spuren des Alters und des Lebenswandels übernimmt, während der Porträtierte auf ewig jung und schön erscheint, dieses Motiv regte viele Comic- und Film-Autoren an, sich an eine Adaption des Romans von Oscar Wilde zu setzen, mal in ernsthafter, mal in scherzhafter Weise. Die seitenstarke Comic-Adaption von Amálie Kovárová und Petr S’rédl, die 2021 erschien, ist Anlass, auf immerhin zwei Dutzend Comics einzugehen, die sich in den letzten Jahrzehnten ab 1956 mit dem lasterhaften Leben des Londoner Lebemannes beschäftigten. Auch über Verfilmungen wird einiges angemerkt, eine Liste der Filme gibt es gleich hier. (adi)
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Artikel


Schatzinsel Petzi Schatzinsel Long John Silver Schatzinsel Arena

Die Schatzinsel

Mit Long John Silver zur fast verlassenen Insel

Natürlich ist Die Schatzinsel nicht in erster Linie ein Film, sondern ein Roman, die literarische Vorlage für eine ganze Reihe von Verfilmungen, aber auch von Comic-Adaptionen und Übertragungen in andere Medien. Als Roman ist Die Schatzinsel ein klassisches Beispiel jener Bücher, mit denen man die längst zum Klischee gewordene Erinnerung verbindet, sie nächtens im Licht einer Schattenlampe unter der Bettdecke gelesen zu haben (als ob nicht schon die Eltern das gemacht hätten und deshalb im Bilde waren). Der Originaltitel des Romans lautet Treasure Island und ist schon fast eine eingetragene Marke. (hjk) Artikel Die Schatzinsel herunterladen


Sammelbild Störtebeker-Album Störtebeker Ralswiek 1997 Störtebekers Schädel

Klaus Störtebeker

Zwölf Meter kopflos

In erster Linie ist in unserer Wahrnehmung die Karibik des 16. bis 18. Jahrhunderts die Region, in der die Piraten ihr Unwesen trieben. Und die berühmten Piraten, Korsaren und Seeräuber waren demnach allesamt Engländer, ein paar Spanier oder Franzosen, vielleicht mal ein Holländer. Aber die Geschichte der Piraterie ist sehr viel älter, die Schauplätze finden sich in fast allen Ecken der Welt(meere). Einer dieser Schauplätze war im späten Mittelalter die norddeutsche Küste. Und genau hier finden wir den einzigen Deutschen, der als Pirat unsterblich wurde: Klaus Störtebeker. (hjk) Artikel Störtebeker herunterladen


Slatin Pascha Wüstenkrieger Slatin Pascha im Comic Slatin Pascha im Film

Slatin Pascha

Der Aufstand des Mahdi

Der Sudan heute – das ist nach wie vor ein Land andauernder Bürgerkriege, ein geteiltes Land, das nicht zur Ruhe kommt und wo es den beiden jetzt dort existierenden zwei Staaten nicht gelingt, ihre Probleme in den Griff zu bekommen, Probleme, die ihren Ursprung in den Tagen des Imperialismus und Kolonialismus haben, als europäische Staaten Afrika rücksichtslos unter sich aufteilten. Europäer im Sudan des 19. Jahrhunderts? Da fallen dem einen oder anderen vielleicht auch deutsche Namen ein: zuallerest vermutlich Karl May (1842–1912) und dann Eduard Karl Oskar Theodor Schnitzer (1840–1892), Emin Pascha, und Rudolf Slatin (1857–1932), Slatin Pascha. (hjk) Artikel Slatin Pascha herunterladen


Eiserne Maske Vier Musketiere La femme mousquetaire

Die drei Musketiere

Einer für alle, alle gegen Milady

Mögen auch längst nicht mehr so viele den dicken Wälzer mit den Abenteuern der drei (genaugenommen sind es ja vier) Musketiere, den verwegenen Helden aus dem Frankreich des 17. Jahrhunderts, oder gar die beiden weiteren Romane der Trilogie wirklich lesen. Dennoch gehören die in ihnen vorgestellten Motive dank gekürzter Fassungen, unzähliger Verfilmungen, Comics oder auch Bühnenstücken und sogar Musicals zu unserem gedanklichen Gemeingut. (hjk) Artikel Drei Musketiere herunterladen


Mutter Theresa Johanna von Orleans Sankt Ursula

Heilige

Heilig, heilig, heilig

Heilige als legendäre Helden? Nun, legendär sind viele von ihnen – nicht zuletzt, da ihre Taten, ja sogar ihr Leben in nicht wenigen Fällen gar nicht eindeutig belegt sind, vielleicht nur Legende sind. Und manche von ihnen, Männer wie Frauen, waren auch Helden und Heldinnen – oft nicht so sehr im herkömmlichen Sinn, sondern eher unter moralischen Aspekten. (hjk)
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Chingachkoog Der letzte Mohikaner Lederstrumpf im Film

Lederstrumpf

Politisch korrekte Indianer

Deerslayer, La Longue Carabine, Hawkeye, Pathfinder, Leatherstocking – all das sind die Namen, unter denen wir Nathaniel Bumppo kennen, eine mythische Figur der frühen amerikanischen Geschichte, eine literarische Schöpfung des Schriftstellers James Fenimore Cooper, der in ihm jenen Pionieren der frühen Siedlungsgeschichte ein unsterbliches Denkmal setzte. (hjk)
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Robert Surcouf Surcouf im Film Surcouf im Comic

Surcouf

Pirat für Napoleon

In Frankreich ist Robert Surcouf, als Kaperkapitän – sowohl Pirat wie Freibeuter – in den Napoleonischen Kriegen zu Ruhm gelangt, bis heute ein Held, von Legenden umwoben. Er hat vielfältige Spuren hinterlassen, in der erzählenden Literatur, im Comic und im Film. Überraschenderweise wurde ihm auch in Deutschland ein Kranz geflochten von dem eigentlich durch andere Schauplätze berühmt gewordenen Reise- und Abenteuerschriftsteller Karl May. (hjk)
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Marco Polo Comic Marco Polos Buch der Wunder Max & Luzie bei Marco Polo

Marco Polo

Übers Meer, durch die Wüste, bis weit nach China

Das "Buch der Wunder", in dem von den Reisen von Marco Polo berichtet wird, ist ein Beispiel dafür, wie eine Erzählung aus einer mittelalterlichen Handschrift bis in unsere Zeit herübergerettet wird und immer noch Verbreitung findet. Waren es im Mittelalter des 14. Jahrhunderts buchmalerische Ausschmückungen, so sind es in heutiger Zeit Werbecomics oder Zeichentrickfilme, die auf unsere Bilderwelt zu Marco Polo einwirken. (adi)
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Don Quijote gegen die Windmühlenflügel Don Quijote bei Clever & Smart Don Quijote bei flix

Don Quijote

Gegen Windmühlenflügel

Beim Kampf gegen die Windmühlenflügel wird es besonders deutlich: Sein Knappe Sancho Panza bemerkt, dass Don Quijote die Wirklichkeit nicht so wahrnimmt, wie sie ist. Durch das Lesen zu vieler Ritterromane gerät Don Quijote in eine eingebildete Welt und reitet nun als "Ritter von der traurigen Gestalt" durch die Lande. Das hört sich nach einer Steilvorlage für einen Vergleich mit heutigen "Querdenkern" an. (adi)
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Robin Hood Robin Hood als frühe Illustration Robin Hood im Film

Robin Hood

Mit Pfeil und Bogen grün und gerecht

Obwohl heute jedes Kind seine Geschichte – und auch den historischen Hintergrund – kennt, ist es doch sehr zweifelhaft, ob es sich bei ihm um eine historische Gestalt handelt. In der Geschichts- und Literaturforschung ist das zumindest immer noch umstritten. Sehr wahrscheinlich aber dürfte die Existenz historischer Bezüge für die literarische Überlieferung sein. (hjk)
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Zorro im italienischen Comic Zorro im Film Fuchsis Zorro

Zorro

Hundert Jahre Z

Man erfuhr es beim Münchner Comicfestival 2019, in Fachzeitschriften und im Fernsehen: Der für Gerechtigkeit streitende Degenfechter reitet seit hundert Jahren durch das spanische Kalifornien. Passend zum Geburtstag entstehen neue Zorro–Comics jenseits der von Disney gewohnten Art, darunter "Lady Zorro" oder sogar eine Begegnung mit Dracula. (adi)
Vortragsfolien Zorro herunterladen


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Zeittafeln


Zeittafel 1963 Zeittafel 1963 (adi)
In Dallas wird John F. Kennedy erschossen, in Paris der Élysée-Vertrag unterzeichnet, Martin Luther King hält in Washington die Rede "I Have a Dream". Am Kiosk stellt man bei Comics vom Piccolo-Format auf Großbände um. Jürgen Kieser veröffentlicht den ersten "Fix und Fax"-Sammelband, Helmut Nickel zeichnet "Winnetou", Hansrudi Wäscher hat mehr als genug zu tun. Doctor Who beginnt seine Raumzeitsprünge, Freddie Frinton fragt am Silvesterabend erstmals "Same procedure as last year, Mylady?", die Mainzelmännchen kommen. Gitte will einen Cowboy als Mann. Manuela meint, dass der Bossa Nova schuld sei. Mit dem Titel "Les Schtroumpfs noirs" erscheint bei Dupuis das erste Schlumpfalbum, Asterix und Obelix treffen in Lutetia auf Idefix, Jean Giraud und Jean-Michel Charlier starten mit "Blueberry" in Pilote, wo auch Greg mit "Albert Enzian" anfängt. Im englischsprachigen Comic erscheinen 1963 erste Geschichten von Modesty Blaise, Doctor Strange, Doctor Octopus und dem Marvel-Sandman. Zeittafel 1963 herunterladen
 
Zeittafel 1962 Zeittafel 1962 (adi)
Während der Kubakrise schrammt die Welt knapp am Beginn eines Atomkriegs vorbei, in der Spiegel-Affäre steht die journalistische Unabhängigkeit auf dem Spiel und Charles de Gaulle bereitet den Weg zu einem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Einer Reihe von Ankäufen von Comicserien aus französischen und US-amerikanischen Quellen stehen nur wenige Neuveröffentlichungen von deutschen Comiczeichnern gegenüber. Die Beatles, die Rolling Stones und das Pumuckl beginnen ihre Karrieren, Marilyn Monroe singt zum letzten Mal öffentlich. Im Film suchen Banditen nach dem Schatz im Silbersee, die Meuterer von der Bounty nach einer Zuflucht und Jules und Jim nach Catherine. René Goscinny und Jean Tabary erschaffen den ehrgeizigen Großwesir Isnogud und im Album "Asterix als Gladiator" haben die Piraten ihren ersten Untergang. Zeittafel 1962 herunterladen
 
Zeittafel 1961 Zeittafel 1961 (adi)
Die Berliner Mauer wird gebaut, die Invasion in der Schweinebucht scheitert, die Franzosen stimmen für die Unabhängigkeit Algeriens. Der Verlag Walter Lehning versucht es mit Comicabenteuern im Urwald, bei den Rittern, im Western und mit Zeichentrickfiguren. Das dickste deutsche Wörterbuch wird nach 123 Jahren fertig, Perry Rhodan sorgt für Frieden mit der dritten Macht. Das Dorf soll schöner werden, Freddy Quinn schmachtet für La Paloma, Bill Ramsey für die Zuckerpuppe aus der Bauchtanztruppe. Guido Martina und Pier Lorenzo De Vita schicken Donald Duck als Odysseus übers Meer, bei den Peanuts taucht die lockige Frieda auf, Betty Kane wird das erste Batgirl, in Tintin beginnt Hergé mit "Juwelen der Sängerin". Carl Barks erzählt in "The Midas Touch" erstmals von den bösen Absichten Gundel Gaukeleys. Zeittafel 1961 herunterladen
 
Zeittafel 1960 Zeittafel 1960 (adi)
Der Verlag von Walter Lehning in Hannover ist mit seinen Comic-Neuerscheinungen weiterhin sehr rührig. Kaum ist die Piccolo-Ritterserie "Sigurd" beendet, geht es mit den Piccolos von "Falk" weiter. Zudem schickt er "Daffy" und mehrere Abenteuer-Serien neu ins Rennen um den jugendlichen Leser. Im "Afrika-Jahr" 1960 werden 18 Kolonien unabhängig. Chruschtschow hämmert mit seinem Schuh aufs Pult, eine U-2 wird abgeschossen, ein Vorläufer von GPS startet, John F. Kennedy gewinnt die US-Wahlen. Jim Knopf erreicht Lummerland, Cassius Clay wird Box-Olympiasieger, Rocco Granata singt von Marina. Marion Crane geht zum letzten Mal unter die Dusche, der neue Dr. Mabuse sieht alles und René Goscinny lässt den doofen Rantanplan auf Lucky Luke los. Zeittafel 1960 herunterladen
 
Zeittafel 1949 Zeittafel 1949 (adi)
Die Bundesrepublik und die DDR, der Europarat und die NATO werden gegründet, die Berlin-Blockade wird beendet, die Sowjets zünden ihre erste Atombombe dank Informationen von Spionen aus den USA. In diesem Jahr gibt es im Comicbereich wenige Ersterscheinungen, die meisten sind Neuveröffentlichungen. Es gibt die erste Praktica-Kamera zu kaufen und in Berlin erfindet Hertha Heuwer die Currywurst. Im Kino zeigt man Trümmerfilme, beschreibt Aspekte der Besatzungszeit und erinnert an die NS-Vergangenheit. Peyo zeichnet die Abenteuer der Katze "Pussy" und Carl Barks lässt Tick, Trick und Track in "Rival beachcombers" den Strand nach einem Rubin absuchen. Zeittafel 1949 herunterladen
 
Zeittafel 1948 Zeittafel 1948 (adi)
Jeder Westdeutsche erhält 40 DM. Westberlin wird über eine Luftbrücke versorgt. Der neue Berliner Flughafen Tegel wird in 85 Tagen gebaut. Die neuen in Deutsch erscheinenden Comics des Jahres 1948 erhalten meistens gereimte Texte, aber Konstantin Kusnezows "Jagd auf das Atomgeheinis" zeigt Text in Sprechblasen ohne Verskunst. Auf den deutschen Leinwänden geht es um den Holocaust, einen Justizskandal und den Weiterbau der Welt mit Petrus oder Lucifer. Bei McDonald startet das Fastfood seinen Siegeszug. Suske und Wiske von Willi Vandersteen und Alix von Jacques Martin haben ihren ersten Auftritt im belgischen Comicmagazin Tintin. Zeittafel 1948 herunterladen
 
Zeittafel 1947 Zeittafel 1947 (adi)
Der Winter ist ungewöhnlich kalt, der Sommer sehr heiß in Deutschland. Die Versorgungslage der Bevölkerung ist angespannt. Dennoch erscheinen einige Comics, darunter erstmals auch Hefte französischen Ursprungs. Im Kino sorgt Hildegard Knef für die Aufklärung eines angeblichen Schmuckdiebstahls, Zorros Sohn sorgt für Gerechtigkeit und der kriminelle Hans Albers läutert sich. Der Transistor funktioniert, die Kon-Tiki sticht in See und Maggi fusioniert. Buck Danny fliegt erstmals durch "Spirou". Steve Canyon von Milton Caniff gibt sein Debut zur gleichen Zeit in 168 US-Zeitungen auf einmal. Zeittafel 1947 herunterladen
 
Zeittafel 1945-46 Zeittafel 1945-46 (adi)
Als erster Nachkriegscomic in Deutschland erscheint im Dezember 1945 ein Heft, von Konstantin Kusnezow gezeichnet, dessen Sprechblasentexte in Englisch und Deutsch nebeneinander stehen. Aus der Schweiz kommen Globi-Bücher, in Österreich konkurrieren gleich zwei Kinderzeitschriften um den jungen (Comic-) Leser. Comics werden noch nicht Comics genannt. Im Kino gibt es die ersten Trümmer- und Übergangsfilme. Hildegard Knef verhindert Selbstjustiz, Peter Voss eine Bankpleite, die Presse den Bikini. Morris bringt die erste Geschichte von "Lucky Luke" auf den Weg und Carl Barks zeichnet mit The Riddle of the Red Hat seine einzige Micky-Maus-Erzählung. Zeittafel 1945-46 herunterladen
 
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Bilder ...

Nehmen wir einmal an, es gebe so etwas wie Bilder-Gene, die wie gewöhnliche Gene vererbt werden, die sich über Jahrzehnte in unserem Umfeld verbreitet haben, die Teil unserer gemeinsamen Vorstellungswelt sind, die voller Bilder auch im übertragenen Sinne ist. Dieses Bild-Erbgut hilft, uns auf Gemeinsames zu verständigen, verbindende Vorstellungen zu entwickeln, abzulehnen oder festzuschreiben. Populäre Erzählungen, womöglich von historischen Ereignissen angeregt, machen den Anfang. Es entstehen Legenden und legendäre Figuren und ihre Motive strahlen in Bilder und Redewendungen aus wie dem Kampf gegen Windmühlenflügel, dem Hornberger Schießen oder dem Begehen einer Eulenspiegelei.
Welche Bilder rund um legendäre Figuren teilen wir miteinander? Wie weit oder stark sind sie verbreitet? Erkennen alle den Witz, wenn im "Geschenk des Cäsar" dem Legionär ein "Z" in die Tunika geritzt wird? Denken alle an Uncas, wenn es um den letzten Mohikaner geht? Haben alle vor Augen, wie ein Vulkanier seine Leute grüßt? Mal so, mal so. Eine große Verbreitung an gemeinsamen Bildern liest man nicht nur an Anzahlen ab, sondern auch an ihrer Vielfalt an Formen der Veröffentlichung. Dazu sollen hier Beiträge geleistet und die gesammelten Belege vorgestellt werden.
Manchmal teilen wir Bilder miteinander, ohne die ursprüngliche Erzählung im Einzelnen zu wissen. Denken wir beispielsweise an das Damokles-Schwert, das Ei des Kolumbus oder eine Sisyphos-Aufgabe. Mit der uns angeborenen Neugier spüren wir unseren Bilder-Genen in Buch, Comic, Film und Tand nach. (adi 2021)


... und Themen

Wer hat nicht schon einmal von ihnen gehört oder mit heißen Ohren von ihren Abenteuern gelesen? Ob sie wirklich gelebt haben oder Ausgeburten der Phantasie sind – den meisten von uns stehen sie lebendig vor Augen, die Helden (nicht nur) unserer Kindheit und Jugend. Kämpfer gegen Unterdrückung, für Freiheit und Unabhängigkeit, maskierte Helden, die auf der Seite oder außerhalb des Gesetzes für Gerechtigkeit streiten, die großen Abenteurer vergangener Zeiten, Helden (und Heldinnen), zu denen wir aufschauen, die wir bewundern und die uns (auch noch als Erwachsene) in der einen oder anderen Weise Vorbild sein können.
Ihre Geschichten wurden ausgeschmückt und in der Folklore überliefert, sie wurden zu unsterblichen Protagonisten von Romanen und Filmen im Kino und im Fernsehen – und irgendwo zwischen den gedruckten Seiten und der großen Kinoleinwand (oder dem heute auch nicht mehr so kleinen Bildschirm) auch zu Helden von Comics, nicht selten auch in Serie.
Vornehmlich letztere Form der Darstellung zu präsentieren und im Sinne von Leseempfehlungen zu dokumentieren, soll das Ziel unserer Artikel sein. (hjk 2018)


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Lektüre


Die Rote Nacht Die Rote Nacht (Erik van Schoor, Kult Comics 2022, 304 S., HC, mehrfarbig)
Nach etwa fünfzig Seiten dieses seitenstarken Comicbuchs fühlt man sich in einen spannenden Edgar-Wallace-Krimi versetzt: ein großes, gruseliges Haus mit Gräfin, Geheimraum und verdächtigem Diener, eine Gruppe merkwürdiger Gäste, die etwas im Schilde zu führen scheinen, eine mächtige, mordende Gestalt und Gefahr im Dunkeln und ... ein besonders mutiger und fähiger Kriminalkommissar. Der heißt in diesem Fall Robert Hanfeld und kommt nicht von Scotland Yard, sondern von der Schattendivision. Als solcher ist er auf der Suche nach der verschwundenen Marla Bernstein, der Schwester seines getöteten Kollegen. – Angesiedelt in einer düsteren Zeit vor unserer Zeit, setzt die Erzählung das Übel von Rassismus und Vorurteilen in filmisch angelegte Bilderfolgen. Im Nachwort erklärt der Autor, dass die Story auch tatsächlich hätte ein Film werden sollen, die seine Begeisterung für Filme wie "Der grüne Bogenschützen" oder "Die blaue Hand" erkennen lässt. Die für die Handlung wichtige Einbeziehung fingierter "Protokolle" lässt auch an Will Eisners Comic "Das Komplott" als Inspirationsquelle denken. Zeit zum Zeichnen des Buches nahm sich Erik van Schoor anfangs in den frühen Morgenstunden, bevor er zur Arbeit ging. Doch während der Corona-Pandemie musste er zu Hause bleiben. Das war eine erzwungene aber auch glückliche Gelegenheit, vier Monate lang ganztags an seinem Comic arbeiten und ihn dadurch fertigstellen zu können. (adi)
 
Goofy - 90 Jahre Chaos Goofy - 90 Jahre Chaos (Guido Martina/Luca Boschi/Paul Murry/Peter Härdtfeld et al., Egmont 2022, 176 S., HC, farbig)
Dieses Jubiläumsbuch und andere Quellen wie duckfilm.de geben das Jahr für Goofys erstes Auftreten mit 1932 an, als er im Zeichentrickfilm "Mickey's Revue" als älterer, bärtiger Zuschauer den Auftritt von Mickeys Revue-Theater mit seinem störend-lauten, wiehernden Lachen begleitet. An anderen Stellen wird aber auch ein Kurzfilm von 1929 mit dem Titel "Dippy Dawg" (Goofys ursprünglicher Name) erwähnt. Wie auch immer, den Comicaficionado wird das erste Auftreten von Goofy in einem richtigen Comic interessieren und der wird übereinstimmend mit 1934 angegeben, als Floyd Gottfredson ihn in einem Micky-Zeitungsstrip zeichnete. Doch so alte Erzählungen sind zur Feier seines 90-jährigen Bestehens in diesem Band nicht anzutreffen (anders als in "85 Jahre Micky Maus" von 2014), sondern es sind unserer Zeit gemäßere Beiträge aus den Jahren 1951 bis 2007. Darunter befindet sich mit Mickys und Goofys Fall ins Nebelloch zu den "Wächtern der Zeit" ein märchenhafter, lesenswerter Klassiker. Eine Erinnerung an die bildungsreiche Literatur-Serie "Das große Goofy Album" fehlt, aber immerhin geht Goofy als "Hergooles" vor Klarabella in die Knie. Selbstverständlich ist im Buch eine Story von Supergoof samt Zaubernuss zu finden. Unser Superheld bemerkt nicht, dass sein eigenes Tun die Ursache seiner Notfalleinsätze wird. Doch wen kümmert das, wenn dank Goofy am Ende alles gut ausgeht. (adi)
 
Sea Shepherd 1: Milagro Sea Shepherd 1: Milagro (Guillaume Mazurage, Egmont 2022, 56 S., HC, farbig)
Dem Artenschutz stellt sich Unwissen und Armut in den Weg. Der Glaube an irgendeinen medizinischen Nutzen führt zum Beispiel dazu, dass Nashörner und Tiger gewildert werden. China erlaubt mit Verweis auf "Traditionen" seit einigen Jahren sogar wieder den Handel mit Nashornmehl und Tigerknochen. Die Färöer bestehen auf ihrem "traditionellen", die Japaner auf ihrem "wissenschaftlichen" Walfang. Auch indirekt führt der Glaube an irgendwelche Wundermittel und an den Wert von Althergebrachtem zur Ausrottung von Tierarten. Zu diesen Tieren gehören die Vaquitas: Weil die getrocknete Schwimmblase des Totoaba, eines Umberfisches, in Hongkong pro Kilogramm einen Preis von bis zu 25.000 Dollar erzielt, wie Guillaume Mazurie in diesem Comic erklärt, werden diese Fische von Wilderern in großen Mengen gefangen. In ihren Netzen bleiben aber auch Vaquitas hängen, kalifornische Schweinswale, die zu den bedrohtesten Säugetieren der Welt zählen, und ertrinken in den Netzen. Auch der Totoaba selbst ist durch die Wildfischerei vom Aussterben bedroht. Gegen die Wilderer geht die Organisation Sea Shepherd mit drei Schiffen vor. Guillaume Mazurie war an Bord eines dieser Schiffe und schildert in dieser gut gemachten Comic-Dokumentation dessen abenteuerlichen Einsatz zur Erhaltung der Artenvielfalt im Golf von Kalifornien. (adi)
 
Buffy 5: Das böseste Böse Buffy (2020) 5: Das böseste Böse (Jordie Bellaire/Jeremy Lambert/Andrés Genolet/Ramon Bachs et al., Panini 2022, 112 S., SC, farbig)
Zur Erinnerung: Xander gehört in dieser Neufassung der Buffy-Saga zu den Bösen. Als solcher hält er Jenny Calendar gefangen, die Freundin von Rupert Giles, Buffys Wächter. Ja, Jenny lebt. In dieser Erzählwelt hat kein Angel sie getötet, nur ihre Hände sind verletzt, Willow hat sich magisch eingemischt. Die neue Buffy-Serie ist erfrischend anders, wie schon bei der Vorstellung von Band 4 ausgeführt. Außer um Jennys Schicksal geht es in diesem fünften Band noch um ganz andere Merkwürdigkeiten. Der Rat der Wächter hat nämlich auf zwei außergewöhnliche Situationen zu reagieren, zunächst darauf, dass durch das unerwartete Überleben der beiden Jägerinnen Buffy und Kendra nun auch noch eine dritte Jägerin, Faith Lehane, aktiv wurde. Der Rat teilt ihr Wesley Wyndam-Pryce mit seinem Begleitgeist Ethan als Wächter zu. Und dann beschäftigen den Rat die Morde an drei Wächtern in einem Jahr. Wer steckt dahinter? Sind Wesley oder Rupert in Gefahr? Wie bei jedem spannenden Buffy-Comic erwartet den Lesenden am Ende ein überraschender Cliffhanger. (adi)
 
Who's the Scatman Who's the Scatman? (Jeff Chi, Zwerchfell 2022, 248 S., SC, farbig)
Gelegentlich hat man wohl schon gehört, dass für stotternde Menschen die Musik eine Hilfe für den Redefluss biete. Hin und wieder werden zum Beispiel Formen des Gesangs als nützlich beschrieben. Auf welche Weise die Musik nun aber für John Paul Larkin wichtig wird, der als jüngerer Mensch sehr unter seinem Stottern leidet, das jedoch zu seinem Vorteil ändern kann, so dass er später erfolgreich als "Scatman John" auftritt, das beschreibt Jeff Chi in den fünf Kapiteln der vorliegenden Graphic Novel. Jedes Kapitel gibt einfühlsam einen Lebensabschnitt des Musikers wieder. In besonderer Erinnerung bleibt das zweite Kapitel, in welchem Scatman John sich im Alter von etwa 45 Jahren aufrappelt, sein Leben und seine Alkoholsucht mit Unterstützung durch eine Selbsthilfegruppe in den Griff zu bekommen. Dort lernt er eine Frau kennen, die ihm auf dem Weg zurück auf die Musikbühne beisteht. Mit weiteren Eindrücken von Scatman Johns Auftreten in einer TV-Show und von seinem ermutigenden und sorgenvollen Umgang mit einer jugendlichen Stotterin gelingt dem Autoren mehr als nur eine einfache Künstlerbiographie. Es liest sich auch als Ermunterung, sich nicht unterkriegen zu lassen. (adi)
 
Batman: Schwarz und weiß 3 Batman: Schwarz und weiß 3 (Jorge Jiménez/Sophie Campbell/Mitch Gerads/Emma Rios/Gabriel Hardman et al., Panini 2022, 288 S., SC, schwarzweiß)
Das Vorwort dieser Anthologie erklärt zum Teil deren Zweck: Sie sei ein "Schaukasten für die besten zeitgenössischen KünstlerInnen [...], die alle danach streben, die perfekte Batman-Kurzgeschichte zu erschaffen", und alles in Schwarzweiß. Über sechzig KünstlerInnen versuchen diesem Anspruch gerecht zu werden. Dass man Batman, den "dunklen Ritter", grafisch in eine schwarzweiße Umgebung setzt, ist fraglos stimmig. Die Vielfalt reicht hier von kleinteiligem Einfärben der Zeichenfläche, als ginge es darum, an das Irre eines Ausschnitts der Mandelbrot-Menge zu erinnern, über großflächigere Gestaltungen wie bei Sophie Campbells "Alle Katzen sind grau" bis zu fotorealistisch wirkenden Szenerien in Mitch Gerads "Der ungerechte Richter" oder dem gekonnten Rasterfolien-, Spritzer- und Kratzereinsatz von Gabriel Hardman in "The Spill". Da gibt es viel zu sehen. Auch im Erzählerischen bietet das dicke Buch kein Einerlei. Als veritable Kurzgeschichte mit Clou fällt "A Father and Son Outing" von Jorge Jiménez auf. Aber es gibt auch Beiträge, die mit klassischem Superhelden-Geschwurbel wie "Ich greife nach Erinnerungen, die sie lieber durch knorrige Zweige schlüpfen sähen." oder "Meine Haut schrumpelt unter unvergleichlicher Schwere." oder "Und während er sich durch die Adern von Gotham schwingt, versinkt sein Verstand" eher ein Befindlichkeitgemälde mit wenig Story liefern. Dieser dritte Band der Batman-Schwarzweißreihe ist bezüglich grafischer und kurzgeschichtlicher Möglichkeiten wirklich ein reichhaltiger Schaukasten. (adi)
 
Nami und das Meer Nami und das Meer (Catherine Meurisse, Carlsen 2022, 120 S., HC, farbig)
Die Ursachen für ihre Liebe zur Natur machte Catherine Meurisse vor etwa vier Jahren im Band "Weites Land" deutlich, in dem sie die westfranzösische Landschaft abbildete. 2018 erhielt sie die Möglichkeit, nun die japanische Natur (und Kultur) bei einem Aufenthalt in der Villa Kujoyama zu studieren. An dieser französisch-japanischen Künstlerresidenz in Kyoto arbeiteten vor Meurisse bereits Emmanuel Guibert und Nicolas de Crécy und nach ihr Cyril Pedrosa, wohlbekannte Vertreter des französischen Comic. (NB: In Kyoto, einer Stadt mit Manga-Museum, steht auch die Villa Kamogawa, eine Künstlerresidenz des Goethe-Instituts; aber unter den Stipendiaten sind bisher keine Comiczeichner.) Catherine Meurisse bringt in ihre Beschreibung der Besonderheiten der japanischen Natur rund um Kyoto Figuren ein, die ratgebend neben ihr auftreten: ein älterer Maler, der nicht malt, sondern auf einen Einfall wartet, ein Tanuki, ein Marderhund, der in japanischen Fabeln eine wichtige Rolle spielt, und Nami, eine Frau, die aufkommende Naturgewalten spürt und symbolisch als Verbindung zur Natur gelesen werden kann und als solche natürlich das Titelbild überspannt. Meurisse fügt in ihre humorvoll wiedergegebenen Erlebnisse, in der sie die Figuren mit dem ihr typischen karikierenden Strich darstellt, prachtvolle Landschaftsbilder ein. So erlaubt das Buch einen eindrucksvollen Blick in eine entfernte Welt, zu deren Naturverbundenheit auch der Umgang mit Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen gehört. "Die Natur hier fasziniert mich", sagt Meurisse. "Welche Natur?", fragt Nami, "Die, die verschwindet oder die, die grollt?" (adi)
 
Lady Killer Lady Killer – Deluxe Gesamtausgabe (Joëlle Jones/Jamie S. Rich, Panini 2022, 288 S., HC, farbig)
Seit fünfzehn Jahren arbeitet Josephine "Josie" Schuller "nebenbei" als Killerin für eine Agentur, bei der man Morde in Auftrag geben kann: Erben lassen ihre Erbtanten vorzeitig beseitigen, Gangster lassen einen unliebsamen Unterweltboss ausschalten oder Betroffene lassen an ihnen begangene Untaten rächen. Aber nach außen hin ist Josie die brave Hausfrau, die Ehemann Gene, ihre zwei Kinder und die Schwiegermutter, Mutter Schuller, mustergültig versorgt. Es müssen die Lust am Töten, am blutigen Zweikampf, am täuschenden Schauspielern und wohl auch das Geld sein, das die grünäugige Josie so lange für die Killer-Agentur arbeiten ließ. Doch eines Tages hält deren Boss Stenholm die Zeit für gekommen, Josie für immer aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie unzuverlässig wird und die Agentur in Gefahr bringt. – Die Erzählung gewinnt ihren anhaltenden Reiz aus dem Umstand, dass man von einer Frauenfigur wie Josie eine messermordende Tätigkeit nicht erwartet. Chelsea Cain bringt das im Vorwort des soliden Bandes auf den Punkt: "Blutvergießen ist offenbar nicht ladylike". Josies Abneigung gegenüber Schusswaffen, ihre familiäre Ordnungsliebe, ihr adrettes Auftreten schaffen eine seltsame Sympathie für eine Kriminelle, die so nicht sein darf, vergleichbar mit der Sympathie für einen eigentlich ganz netten Chemielehrer, der Crystal Meth kocht. (adi)
 
Superman: Rot und blau Superman: Rot und blau (Jill Thompson/Duncan Rouleau/Laura Braga/Francis Manapul et al., Panini 2022, 276 S., SC, farbig)
Es klingt nach einer Aufgabe aus einem Comic-Hochschulkurs, wenn alle Studierenden als Semesterarbeit eine kurze Superman-Geschichte in den Farben rot und blau abliefern sollen. Gespannt erwartet man also Einfälle, die sich um diese Farbvorgabe drehen. Einige der immerhin dreißig Beiträge dieser Anthologie gehen darauf auch ein: Dan Watters und Dani stellen in "Menschliche Farben" den Wert von Farbigkeit heraus, bei Francis Manapul prallen in "Zukunftsaussicht" die Farben rot und blau sinngebend aufeinander (der Mars als roter Planet, das blaue Kryptonit usf.), bei Jill Thompsons Zeichentechnik bemerkt man kaum, dass da angeblich eine Grundfarbe fehlt. Erzählerisch bewegen sich die dreißig Kurzgeschichten zwischen amüsanten Anekdoten aus Supermans Früh- und Arbeitsleben einerseits und der Darstellung kitschiger Allgemeinplätze andererseits. Anders als bei der Farbgebung geht es im Zeichnerischen klassisch und gekonnt zu. Laura Braga sticht mit "Deadline" aus der Zeichnerriege hervor, Duncan Rouleau zeigt in "Das Eigene" seinen ausdrucksstarken Strich, Berat Pekmezci schildert mit feinen Linien die Erlebnisse der "Retter in der Not" und Ibrahim Moustafa gibt in "Die Farm der Familie Kent" den Figuren Lebendigkeit und dem kleinen Superman seinen dringend nötigen, niedlichen Hund. (adi)
 
Catwoman: Lonely City 1 Catwoman: Lonely City 1 (Cliff Chiang, Panini 2022, 108 S., HC, farbig)
Die alten Knochen wollen nicht mehr so recht. Nach zehn Jahren Knast steht Selina Kyle, alias Catwoman, vor dem Problem, dass sich ihre Kasse nicht mehr so einfach durch ihr vormals leises, katzenhaftes, akrobatisches Können auffüllen lässt. Ihr Tritt ist nicht mehr sicher, der Rücken schmerzt, die Kraft für Klimmzüge schwindet, ihre Knie geben nach. Immerhin ist ihr von den früheren Diebeszügen das Gebäude mit ihrer Wohnung geblieben, aber ihr Geld wurde vom Staat eingezogen. Wenn man als ruhmreiche Meisterdiebin allein nicht mehr klarkommt, muss man sich nach Partnern umsehen. Sie trifft zunächst auf Barbara Gordon (Batgirl), die für das Amt der Bürgermeisterin kandidiert, und dann auf Waylon Jones (Killer Croc). Killer Croc zieht gleich bei ihr ein. Nach und nach gelingt es Catwoman, eine Gruppe aus altbekannten und alt gewordenen KollegInnen mit dem Ziel zusammenzubringen, sich nach dem Tod von Bruce Wayne (Batman) in der gut abgeriegelten Bathöhle nach Wertgegenständen umsehen zu können. So ein Batmobil ist sicherlich ein Haufen Gothamgeld (G-Geld) wert. Außerdem hat der sterbende Batman ihr etwas von Orpheus geflüstert, vielleicht ein Hinweis auf die Unterwelt? – Als Rückblick auf das Batman-Universum wirkt das lesefreundliche, albumgroße und erste Buch der Erzählung zwar dem Lebensalter der Figuren entsprechend wie für älter gewordenes Publikum gemacht, das sogar den Wehwehchen der 55-jährigen Catwoman nachspüren kann und eine rundlich gewordene Pamela Lillian Isley (Poison Ivy) für ihr Alter ganz normal findet, aber zu gleichen Teilen mag es als Einstieg in das Batman-Universum nach der Nacht der Narren und durch seine dystopischen Anklänge auch für junge und fitte LeserInnen lehrreich und erfrischend ungewöhnlich sein. (adi)
 
Brian Bones 1: Roadmaster Brian Bones 1: Roadmaster (Rodolphe/Georges van Linthout, Kult Comics 2022, 48 S., HC, farbig)
Dieser neue und nahezu klassische Detektivcomic, in dem Brian Bones als Versicherungsdetektiv an der US-amerikanischen Westküste seiner Arbeit nachgeht, verfolgt einen anderen Ansatz als die in der Jetztzeit angesiedelten modernen Serien wie "Karmela Krimm", "Caroline Baldwin" oder "Jackie Kottwitz". "Brian Bones" spielt in den 1950er bis 1960er Jahren, als man noch mit Autos wie dem Buick Roadmaster mit seinem breiten Haifischmaul und über 150 PS über einsame Landstraßen kreuzte und junge Frauen als "Kleine" oder "Süße" ansprach. Mit der Darstellung alter Autos, im ersten Album ist es wohl das Buick Roadmaster 76R Riviera Hardtop-Coupé von 1951/52, im zweiten soll es dem Titelbild nach ein Cadillac Eldorado, im dritten ein Chevrolet Corvette von 1957 und im vierten ein Citroën DS 19 sein, erschöpft sich der Gehalt der Alben aber nicht. Die Autos bilden fast nur das authentische Dekor für eine rätselhafte Geschichte: Brian Bones fährt (mit seinem flotten Alfa Romeo) zu einer Unfallstelle, die die Versicherung bisher viel Geld gekostet hat. Mit Hilfe seines indianischen Freundes Flint, der sowohl eine Autowerkstatt betreibt als auch Schamane ist, geht Brian dem Spuk, dass immer nur Buick Roadmaster verunfallen, auf den erstaunlichen Grund. (adi)
 
DC Celebration: Wonder Woman DC Celebration: Wonder Woman (Becky Cloonan/Mark Waid/Stephanie Phillips et al., Panini 2022, 112 S., HC, farbig)
Wie schon der Celebration-Band zu Green Arrow bietet auch der Band zur Feier von 80 Jahren "Wonder Woman" einen Strauß abwechslungsreicher Einfälle, die uns die superheldenhaften Taten der Amazonenprinzessin Diana von Themyscira in Erinnerung rufen. Zehn Geschichten à etwa zehn Seiten erwarten den Leser. Am Beginn steht ein von Jim Cheung gezeichneter, eher trauriger Rückblick auf Diana durch Steve Trevor, dem Piloten, mit dem sie je nach Storyline mehr oder weniger eine Liebesbeziehung führte oder führt, und ihre Freundin Etta Candy. Die Zeichnerin Amy Reeder setzt in der dritten Geschichte die Solidarität unter Frauen ins Bild, um Wonder Woman von einem Elektromagneten zu befreien. Mit dem Lasso der Wahrheit löst Wonder Woman mit Kollegen der Justice League in einer Story von Mark Waid drei üble Dämonen in Luft auf, bevor sie sich selbst mit dem Wahrheitslasso befragt. Mit der Wahrheit nimmt es Wonder Woman bekanntlich genau. In einer Rede vor den Vereinten Nationen, die in der ersten Geschichte wiedergegeben wird, führt sie angesichts einer Aggression aus: "Ich finde es abstoßend, wie den Opfern dieses Angriffs die Schuld zugeschoben wird. Ich habe den Beschuss der zivilen Unterkünfte miterlebt, ein Bruch der Verhaltensregeln aller zivilisierten Länder." Becky Cloonan und Michael W. Conrad schrieben diesen Beitrag 2021, der nun ungewollt einen aktuellen Bezug erhält. In der vorletzten Erzählung des Jubiläumsbandes stellt Stephanie Phillips klar, dass ewiges Leben nicht auch ewige Jugend bedeutet. Doch selbst für eine alte, überaus verweste Kreatur findet Wonder Woman eine Lösung. (adi)
 
Shamhats Liebhaber Shamhats Liebhaber – Die wahre Geschichte von Gilgamesch (Charles Berbérian, Reprodukt 2022, 108 S., HC, farbig)
Es wird den Kenner des Gilgamesch-Mythos überraschen, wie Charles Berbérian die Teile der überlieferten Erzählung neu ordnet und ausschmückt. Es wirkt so, als hätte der in Bagdad geborene Berbérian die von Archäologen wie George Smith im Zweistromland gefundenen Tontafelfragmente zu einem neuen Zweck aufgereiht: Es geht ihm zuvorderst um eine lebensnahe Geschichte von Shamhat, nicht etwa um Gilgameschs Suche nach dem Geheimnis des ewigen Lebens. Auf den bisher im Irak gefundenen Keilschrifttafeln wird Shamhat als eine Frau, eine Priesterin, beschrieben, die ausgesandt wird, Gilgameschs späteren Freund Enkidu mit ihren Verführungskünsten von einem tierischen zu einem menschlichen Wesen zu wandeln und ihm zu helfen, Verstand zu erwerben. Enkidu schläft mit ihr sechs Tage und sieben Nächte lang. Danach ist er verändert und bereit, ihr nach Uruk zu folgen, wo er auf Uruks König Gilgamesch trifft. In Berbérians Version des folgenden Kampfes zwischen Gilgamesch und Enkidu ist Shamhat der Anlass des Zwists, da sie auch mit Gilgamesch zusammen ist. Also führt Eifersucht und nicht bloßes Geprotze zur Auseinandersetzung. Shamhat selbst gefallen offenbar beide Helden. – Der Anhang der kurzweiligen Comic-Adaption enthält ergänzende Informationen zum Gilgamesch-Mythos und seinen Comic-Adaptionen, wobei der Herausgeber des Buches und Sammlungsleiter des Louvre zumindest die zwölfbändige Graphic Novel von Burkhard Pfister und die ebenfalls aus zwölf Bänden bestehende "Gilgamesh"-Serie von Lucho Olivera und Robin Wood der italienischen "Euracomix"-Reihe, sowie die Arbeiten von Kevin H. Dixon, Franck Zimmermann und anderen auslässt oder übersieht. Das ist aber nebensächlich. Mit dem nun vorliegenden Band "Shamhats Liebhaber" wird jedenfalls dazu angeregt, sich wieder mit den ältesten uns heute bekannten Mythen und Legenden zu beschäftigen. Die Archäologie, Wikipedia und Charles Berbérian machen das möglich. (adi)
 
Batman: Das Reptil 1 Batman: Das Reptil 1 (Garth Ennis/Liam Sharp, Panini 2022, 80 S., HC, farbig)
Das Auge eines sehr grünen Reptils blickt uns auf dem Titelbild an. Im schmutzigen Gelb seines Augapfels leuchtet das Batsignal. Der batmankundige Betrachter wird folglich zunächst an Killer Croc denken, der in diesem Buch gegen den Dunklen Ritter antritt. Doch nein, es ist nicht der an Ichthyose leidende Superschurke (aka Waylon Jones), von dem in dieser auf zwei Bände angelegten Erzählung die große Gefahr ausgeht, sondern ein augenscheinlich anderer Reptiloide, der bereits den Riddler und den Pinguin erschreckend angebissen hat. Batman erfährt, dass dieses neue Monster an seinen Opfern lediglich "nascht", wie ein weißer Hai, und dann von ihnen ablässt, so dass einige seine Attacke überleben. Seine Opfer holt es sich aus der Riege an Superschurken, also aus der Gruppe mit Mr. Freeze, dem Pinguin, Poison Ivy bis hin zum Joker. Konstantin Volkov, die rechte Hand von Scarecrow, soll helfen. Batman nimmt eine Blutprobe aus einer Pinguinwunde. Alfred und er sind vom Ergebnis der Blutanalyse überrascht. – Der wohlbekannte Autor Garth Ennis und der Maler Liam Sharp liefern uns mit "Das Reptil" einen ungewöhnlichen Superheldencomic, den der Verlag in einem ihm sehr angemessenen Buchformat untergebracht hat. (adi)
 
Asterix auf Ruhrdeutsch 7: Die dickste Buxe vom Revier Asterix auf Ruhrdeutsch 7: Die dickste Buxe vom Revier (René Goscinny/Albert Uderzo, Egmont 2022, 48 S., HC, farbig)
Wandel durch Handel, das ist ein politisches Konzept, dessen Wirksamkeit angesichts des Handels mit Öl, Erdgas und anderen Rohstoffen aktuell sehr in Frage gestellt wird. René Goscinny nahm sich dieses Themas 1976 insofern an, als er in "Obelix GmbH & Co. KG" den jungen Technokratus einen schwunghaften Handel mit Hinkelsteinen starten lässt, um das aufsässige Dorf der Gallier zu befrieden. Technokratus, der hier Primus Merzenmus heißt, überzeugt Cäsar in Ruhrdeutsch durch seine Ansicht: "Einführung vonne spätrömische Dekadenz un schon gehtet die Emscher runta". Anfangs klappt das auch. Obelix verdient mit Hinkelsteinfabrikation und -handel so viel, dass er sich eine teure neue Hose leisten kann, lila gestreift mit Schleife und geblümtem Umhang. Viele Bewohner unseres gallischen Dorfes nehmen am wirtschaftlichen Aufschwung teil, verkaufen an die Römer und vermöbeln sie nicht mehr. Erst als Technokratus mit seinem Ansatz "Ob der Vahbraucha dat braucht, watta kauft, issihm kackegal." scheitert, kehren die guten alten, gemütlicheren Tage ins Dorf zurück. Der von Hannes Bender ins Ruhrdeutsche übertragene Text ist auch für Leute ein Spaß, die ein Vergnügen darin finden, den lustigen grammatikalischen Kapriolen dieses Dialekts zu folgen. (adi)
 
Eine Reise unter die Erde Eine Reise unter die Erde (Mathieu Burniat, Knesebeck 2022, 176 S., HC, farbig)
Nicht nur den Kleingärtner wird interessieren, was sich im Boden unter seinen Beeten abspielt. Sand, Ton, Regenwürmer, Nematoden, Pilzgeflechte, organisches Material, Mikroben und vieles mehr verschaffen den im Durchschnitt nur ein bis zwei Meter dicken Böden, die die Erde bedecken, ihren andauernden Wert für Pflanzen und Tiere. Der umweltschonende Umgang mit den großen Ackerflächen, mit denen man in der konventionellen Landwirtschaft umgeht als seien es lediglich Nährböden, die man sich mit Dünger, Wasser, Pflanzen- und Insektengiften hinsichtlich eines zu optimierenden Ertrags passend und künstlich zusammenmischt, ist Thema für uns alle, wie man durch dieses Buch erfährt. Mathieu Burniat erklärt die Zusammenhänge nicht im Stile eines herkömmlichen Sachcomics, also als illustriertes Lehrbuch, sondern bettet die fünf Lektionen, aus denen es im Grunde besteht, in eine spannende Geschichte ein, die die beiden jugendlichen Hauptfiguren durch fünf Prüfungen führt. Damit schafft Burniat wie schon in seinem Buch "Das Geheimnis der Quantenwelt" Verständnis für kleine und große Zusammenhänge. Witzige Einfälle findet man bei Burniat ebenfalls, wenn zum Beispiel hier zum Schluss Erklär-Zombies über die Erde wandeln und das Ganze nochmals übersichtlich zusammenfassen. (adi)
 
Lena auf dem Pulverfass Lena auf dem Pulverfass (Pierre Christin/André Juillard, Salleck Publications 2022, 48 S., HC, farbig)
Pierre Christin greift in seinen Erzählungen weltpolitisch bedeutsame Themen auf. Das gilt auch für das nunmehr dritte Album aus der "Lena"-Reihe, auch dieses hervorragend gezeichnet durch André Juillard. Im ersten Band mit dem Titel "Lenas Reisen" brachte Hélène "Lena" Desrosières sechs Agenten und Attentäter eines alten Netzwerks aus mehreren östlich liegenden Ländern in Dubai zusammen, um sie gemeinsam für immer aus der Welt zu schaffen. Eine ähnliche Aufgabe übernahm Lena im zweiten Band "Lena und die drei Frauen", in welchem sie in Paris durch ihren Mut und viel Sachkenntnis einen terroristischen Anschlag durch eine islamistische Organisation verhindert. In dem nun vorliegenden dritten Band "Lena auf dem Pulverfass" wendet sich Pierre Christin thematisch den Auseinandersetzungen um Syrien zu. Lena wird als Lena Muybridge von ihrem Geheimdienstchef wegen ihrer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe und ihres exzellenten Gedächtnisses als Organisationsdame für ein Treffen von Unterhändlern in Kanada eingeschleust, die das Ziel haben, eine Einigung zur Zukunft eines Gebietes vorzubereiten, welches hier nur "Das Territorium" genannt wird. Die Verhandlungsteilnehmer aus den etwa zehn einflussnehmenden Staaten werden von Pierre Christin recht klischeehaft dargestellt, doch der Autor macht damit deutlich, wie viele Details, Interessen und persönlichen Befindlichkeiten auf eine solche Konferenz Einfluss nehmen... und wie wichtig eine Lena für deren Erfolg ist. (adi)
 
Eine Geschichte Eine Geschichte (Gipi, avant 2022, 128 S., HC, schwarzweiß und farbig)
"Wer kann sich schon für die Geschichte eines Urgroßvaters begeistern? – Einer aus einem anderen Jahrhundert. – Der Opa vom Opa", klagt die Tochter des Schriftstellers Silvano Landi, der letztlich wegen jener Geschichte in psychiatrische Behandlung kommt. In ihrem Ärger übertreibt sie, denn ein Urgroßvater ist nicht der "Opa vom Opa" (und das ist nicht etwa ein Übersetzungsfehler vom italienischen Originaltext "il nonno del nonno.."), und sie ist zu Recht wütend, da die Fixierung ihres Vaters auf diese eine Geschichte (ital. "unastoria", eigens in einem Wort geschrieben) auch die Familie auseinandertrieb und Landi im Alter von 50 Jahren verwirrt zurückließ. Diese "eine Geschichte" handelt von den furchtbaren Erlebnissen von Landis Großvater Mauro im ersten Weltkrieg, die Mauro Landini mit seinem Kameraden Luca Marini nah bei einem großen Baum durchlitt, ein Baum, der einsam und kahl auf dem Schlachtfeld stand. Von den Einzelheiten erfährt der Lesende in aquarellfarbenen Bildern, die sowohl die beängstigende Kriegslandschaft, als auch die bedrückenden Gedanken der Soldaten widerspiegeln. Die Erzählabschnitte der Jetztzeit gibt Gipi demgegenüber in schwarzweißen Zeichnungen wieder. Den Baum auf dem Schlachtfeld wählte man als Titelbild der italienischen Ausgabe von 2014, bei dem nun vorliegenden deutschen Buch entschied man sich für eine Abbildung mit dem geistig zerbrochenen Silvano Landi auf nächtlicher Straße. Diese Wahl ist gut, denn erstens wird es Gianni "Gipi" Pacinotti darauf angelegt haben, uns genau diese "unastoria" über das Leiden eines Nachkommen eines Soldaten nahe zu bringen, und zweitens empfiehlt sich aktuell ohnehin ein Nachdenken über diejenigen, die am Kriegsgeschehen zu verzweifeln fürchten müssen. (adi)
 
Karmela Krimm 2 Karmela Krimm 2: Roter Schnee (Franck Biancarelli/Lewis Trondheim, Schreiber & Leser 2022, 48 S., HC, farbig)
Es schneit ungewohnt heftig in Marseille. Karmela Krimm, die freiberufliche Detektivin, glaubt schon, einen ruhigen Arbeitstag vor sich zu haben. Doch dann beobachtet sie, dass Drohnen offenbar Diebesgut aus einer Wohnung im fünften Stock abtransportieren. Sie geht der Sache nach und trifft auf eine Räuberbande, die den Wohnungsbesitzer Jérôme Paillac auf dem Gewissen hat, nun flieht und - wie auf dem Titelbild zu sehen - der Detektivin nachsetzt. Karmela kann sich gegen einen der Räuber erfolgreich wehren, aber den Drohnen wegen der stark verschneiten Straßen nicht mit dem Auto folgen. Sie findet dank der Hilfe von Tadj (siehe auch Band 1) eine andere Lösung. Bei der Polizei soll Karmela wie an einer Wursttheke erst einmal eine Nummer ziehen, bevor man sich ihre Meldung anhört. Also muss die durchsetzungsfähige Karmela auf eigene Faust den Hintergrund der Tat aufklären. – Ein zweites Mal erwartet den Leser eine gut gezeichnete, detailreiche Kriminalgeschichte, die auch von aktuellen Bezügen zu Bevölkerung und Alltag in der französischen Großstadt am Mittelmeer lebt. (adi)
 
ZACK 274 ZACK 274 (Blattgold 2022, 100 S., SC, farbig)
Das Deckblatt der Ausgabe zum Jubiläum "50 Jahre ZACK" ist dem Aussehen des ersten Hefts von 1972 nachempfunden. Gleich drei der vier Panels des Covers erinnern an die seit damals beliebten Fliegerserien wie "Dan Cooper", "Bob Morane", "Tanguy & Laverdure" und ein Panel verweist auf die spaßigen Einseiter, mit denen das Heft aufgelockert wurde und wird, damals war es "Max der Forscher" von Guy Bara, heute sind es "Parker & Badger" von Cuadrado und "Tizombie" von Casenove & William. Das auf hundert Seiten erweiterte Jubiläumsheft enthält wie immer auch Comicserien neueren Datums: In "Die Bank" geht es um das große Geldmachen zur Zeit von Haussmanns Umgestaltung von Paris Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Erzählung "Rani" schildert das abenteuerliche Schicksal der jungen Jolanne de Valcourt, die 1743, um ihr Erbe betrogen, nach ihrer Flucht in einem Bordell in Indien landet. Und in "Harmony" wird es wunderlich esoterisch. Wie am Ende jeden ZACK-Hefts findet Frank Neubauer auch dieses Mal den richtigen Ton und Text, um der Leserschaft die Erfahrungen ihres langen Comiclese- und Sammlerlebens in Erinnerung zu rufen. (adi)
 
Verlagswesen Verlagswesen (Annette Köhn, Jaja 2021, 132 S., HC, farbig)
Einblicke in die Arbeit der beiden Comic-Verlage Salleck Publications und Jaja Verlag verbreiteten regionale Fernsehsender und die ARD 2021 über ihre Mediatheken. Noch besser erfährt man aber vom verlegerischen Alltag und von der nötigen Vielseitigkeit und der unabdingbaren Leidenschaft einer Comicverlegerin in dem Buch "Verlagswesen" von Annette Köhn, die ihren Wunsch nach einem selbstständigen Comicverlag ab den 2010er-Jahren in die Tat umsetzte. Die Freude am Büchermachen und an der Verlagsarbeit zeigt sich nicht zuletzt an der ansprechenden, selbst gestalteten Verpackung, in der einen ein Buch erreicht, sondern auch am vorliegenden Buch selbst: bedruckter Leineneinband, Fadenheftung, Leseband, Kapitalbändchen: das gute Lesegefühl. Inhaltlich geht es um die Wiedergabe eines Arbeitstages in ihrem Verlag. Köhn berichtet vom Umgang mit der Buchhaltung, mit den MitarbeiterInnen, mit BesucherInnen, mit der Lieferung eines neuen Buchs durch den DHL-Mann. Die Zeichnungen sind gut lesbar, wenig aufwendig, einfach gefertigt und aquarellfarbig hinterlegt, alle Texte sind handgeschrieben. Kleine Wichtel, die Verlagswesen, begleiten die Verlegerin durch den Tag. Nur sie kann sie sehen und hören. Sie sind auch diejenigen, die mahnen, wenn die Verlegerin etwas anderes tut, als sie in diesem Moment eigentlich wollte. Solche Wesen könnten wir bei uns auch gebrauchen. (adi)
 
Das Gutachten Das Gutachten (Jennifer Daniel, Carlsen 2022, 200 S., HC, farbig)
Die Autorin Jennifer Daniel collagierte, angeregt durch eine Kiste mit Fotos ihres Großvaters, eine fiktive und eindrückliche Kriminalgeschichte, die Ende der 1970er Jahre im Nachkriegsdeutschland spielt. Die im Anhang des Buches abgedruckten Fotos, die verschiedene Autos und einen Mann im Laborkittel bei der Arbeit zeigen, erinnern ältere Westdeutsche an die Zeit der einfachen Autos mit blechernen Radkappen, aber ohne Gurt, und an die Zeit, als man sein Auto bemalte und mit vielen Stickern beklebte, der man die Gesinnung der Besitzer entnehmen konnte. Der Comic ist sowohl Erinnerung an den damaligen Alltag, als auch an den "Deutschen Herbst", der Zeit des RAF-Terrors. Miriam, eine RAF-Sympathisantin, soll das Fluchtauto nach einer Aktion ihrer Gruppe bei einem Fest des Bundeskanzlers im Bonner Theater fahren. Der Plan geht schief. Sie fährt allein los und verunfallt tödlich. Herr Martin, Angestellter der Rechtsmedizin und von Kriegserinnerungen gepeinigt, ist betrunken zur Unfallzeit auf derselben Straße unterwegs gewesen. Nun erkennt er Miriam bei der Leichenschau im rechtsmedizinischen Institut wieder und bricht zusammen. Ist er an ihrem Tod schuld? Akribisch beginnt er, die Spuren des Unfalls zusammenzutragen, um die wahre Ursache für Miriams Tod herauszufinden. (adi)
 
Känguru-Comics 1 Die Känguru-Comics 1 (Marc-Uwe Kling/Bernd Kissel, Carlsen 2022, 224 S., HC, schwarzweiß und farbig)
Die irrwitzigen Dialoge zwischen dem Ich-Erzähler und dem Känguru, das bei ihm wohnt, lassen sich in Buchstabenbüchern, Hörbüchern, auf der Leinwand und seit Ende 2020 als Comicstrips bei "Zeit Online" verfolgen. Schon über 370 Strips sind dort erschienen, geschrieben von Marc-Uwe Kling, gezeichnet von Bernd Kissel, beides Könner in ihrem Fach, beide mit geistreichem Humor gesegnet und unseren Alltag kritisch begleitend, zum Beispiel die Klimaschutzvorhaben der FDP nicht ernstnehmend. Die Comicstrips von 2021 wurden jetzt in einem ersten Hardcover-Band nachgedruckt. Also beginnen die Strips mit einem Gespräch im Jobcenter und nicht ganz am Anfang damit, dass das Känguru sich bei Marc-Uwe die Zutaten für Eierkuchen zusammenschnorrt, um danach erst festzustellen, dass es keinen Herd hat. Man ist versucht, das ganze Buch in einem Rutsch durchzulesen, doch das klappte schon damals bei den "Peanuts"-Werkausgaben nicht, weil der Comicstrip-Lesende Witzfreizeiten braucht, um sich von dem Feuerwerk zu erholen. Folglich ist zu begrüßen, dass die Autoren auf Seite 69 nach dem hundertsten Strip vorschlagen, eine kleine Pause zu machen. Nach diesen zehn Sekunden geht es dann aber sofort weiter mit der fesselnden Geschichte von einem Kleinkünstler mit kommunistischem Känguru. (adi)
 
Noir Burlesque 1 Noir Burlesque 1 (Enrico Marini, Carlsen 2022, 96 S., HC, farbig)
Caprice tritt als Burlesque-Tänzerin in Rex' Nachtclub auf. Es sind die 1950er Jahre. Die Stripperin mit dem karminroten Haar und Auto hat ihr Metier bei Lily St. Cyr gelernt. Eigentlich heißt sie Debbie Hollow, die mit dem Ganoven Terry, genannt Slick, liiert war, bevor dieser nach Europa ging, "um den Helden zu spielen". Jetzt wird sie jedoch von Rex als Eigentum betrachtet, von dem Slick seine Finger zu lassen habe. Überhaupt erwartet Rex, dass man seine zehn Gebote, die in seinem Büro und am Ende dieses Comicalbums aushängen, strikt befolgt. Das setzen seine Leute brutal durch. Wie soll da die Liebe von Slick zu Caprice (und umgekehrt?) noch eine Chance haben? – Enrico Marini zeichnet einen Comic in den grauen Tönen jener Jahre in New York, aus denen gelegentlich etwas Rotes hervorscheint, auch einmal eine Flasche Ketchup. Dieses ist der erste Band, Fortsetzung folgt. Vorher war Marini mit der Serie "Der Skorpion" erfolgreich. Wie man seine Darstellung der rauen Praktiken der Nachtclubleute und des verführerischen Burlesque-Tanzes schätzen mag, liegt im Auge des Betrachters. Caprice empfindet sich jedenfalls als Künstlerin. (adi)
 
Der Krieg der Welten (Manga) 1 Der Krieg der Welten 1 (Sai Ihara/Hitotsu Yokoshima, Carlsen 2022, 192 S., SC, schwarzweiß)
Die Marsianer greifen mit Hitzestrahlen an, die alles verdampfen, was ihnen im Weg steht. Ein zur Verteidigung anrückendes Regiment wird ebenso zerschossen wie ein Kirchturm samt Glocke. Körperteile, die in den Strahlengang geraten, werden vom mörderischen Strahl wegrasiert, die Reste bleiben liegen. Ein Fotograf wird Zeuge des Angriffs und versucht seine Frau Clara aus der Gefahrenzone zu bringen. Er verliert dabei seinen Apparat und kehrt deswegen nochmals zum Einschlagsort der ersten Marsianer-Landefähre zurück, denn er will mit Fotografien die letzten Tage der Menschheit festhalten. Die Fahrt mit Pferd und Kutsche überlebt der Fotograf mit Glück, fast von einem Dreibein der Marsianer zertreten. – Diese Manga-Adaption der Erzählung von H. G. Wells besteht aus drei Bänden. Die Autoren liefern nicht nur ein drastisches Bild hinsichtlich der kriegerischen Attacke (zum Glück nicht in Farbe). Sie geben in ihren Bildern auch die zur Erzählzeit passenden Mittel glaubwürdig wieder, wie beispielsweise den Fotoapparat als Klappkamera mit Balgen oder die Armstrong-Kanonen, mit denen sich die Menschheit erfolglos zur Wehr setzt. Die Machtlosigkeit der Bevölkerung angesichts des unerwarteten Angriffs wird überaus deutlich. (adi)
 
Spirou und Fantasio Spezial 35 Spirou und Fantasio Spezial 35: Happy Family 1 (Charel Cambré/Marc Legendre, Carlsen 2022, 48 S., SC, farbig)
Das Cover verrät es bereits: Die glückliche Familie besteht aus Spirou, Fantasio (als Mutter) und ihrem kleinen Mädchen. Sie werden von einem Autobus voller Ganoven verfolgt, denn die Kleine hat es in sich. Eigentlich hat Fantasio sie beim Dosenwerfen auf dem Jahrmarkt gewonnen, doch der Graf von Rummelsdorf hat ihr ein Upgrade verpasst, mit dem sie, wann immer sich eine Gelegenheit bietet oder wenn Spirou zu stark bremst, das Weite sucht. – Es ist sinnvoll, dass an keiner Stelle des Albums vermerkt ist, dass dieser Band der 35. der Reihe ist. So kommt man nicht auf die Idee, eine solche Nummer als Nummerierung einer Fortsetzungsgeschichte misszuverstehen und daher den Band nicht zu beachten, weil man erst viele Vorgängerbände zu lesen habe. Das hat man nicht. Tatsächlich handelt es sich um den ersten Teil einer spaßigen und konventionellen Geschichte mit Spirou und Fantasio, dem Grafen von Rummelsdorf und Pips, der diesmal recht schnell sein und sogar einem Geier ausweichen muss. Auch ein Wiedersehen mit dem Turbot gibt es, der die Reisenden unangeschnallt die Mittelmeerküste entlang in Richtung Saint-Toupet beschleunigt. (adi)
 
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